Privatleben, KI und YouTube (3/2)
Ich hätte mit dem Schreiben der letzten Texte noch etwas warten sollen. Aber wenn mich etwas beschäftigt, dann muss ich darüber schreiben. Eigentlich sollten es nur zwei Texte werden, aber da nun ein neues Video erschienen ist, gibt es eben einen dritten Teil in dieser Duologie (Teil 1, Teil 2). Worum geht es?
Kurz zusammengefasst: Der YouTube-Kanal Midwinter Minis hat ein Video zur Nutzung von KI im Kontext von Warhammer veröffentlicht. Gemeinsam mit einer Expertin für KI-Ethik hat er eine Variante von ChatGPT entwickelt, die Fragen zu Fraktionen, Regeln und Armeezusammenstellungen beantworten kann. Doch auch beim Spielen soll sie helfen. Ein Nachschlagewerk, das mit öffentlich zugänglichen Informationen gefüttert wird und eine erste Anlaufstelle sein kann. Sagen wir mal, das Video kam nicht so gut an. Nach wenigen Stunden war das Video nicht mehr zu finden und die ChatGPT-Variante deaktiviert. Es war auch kein Kommentar auf dem Kanal zu lesen. Jetzt erschien einen Tag später (am Donnerstag vergangener Woche) ein Entschuldigungsvideo.
Ich habe wirklich unterschätzt, wie sehr manche Menschen KI hassen, vor allem wenn es um generative KI geht. Versteht mich nicht falsch: Generative KI (die Erzeugung von Bildern, Videos, Audio auf Basis von meist gestohlenem oder zumindest nicht nachvollziehbarem Material) ist falsch. Sie müllt das Internet zu und das in einer Geschwindigkeit und mit einer Masse an Daten, die man sich gar nicht vorstellen kann. KI kann allerdings auch nützliche Seiten haben. Beispielsweise beim Durchforsten von Daten. Aber das Thema hatten wir schon. Das erste Video, welches ich nicht schlecht fand und als differenziert wahrgenommen habe, hat scheinbar eine Reaktion ausgelöst, die Hunderte, wenn nicht Tausende Kommentare nach sich zog. Auf allen möglichen Kanälen wurden Guy, dem Betreiber von Midwinter Minis, Nachrichten zugespielt.
Manche Punkte, die er im Entschuldigungsvideo anspricht, kann ich offen gestanden nicht wirklich nachvollziehen. Beispielsweise den Umweltaspekt. Ja, KI-Zentren schießen wie Pilze aus dem Boden und verbrauchen eine irrsinnige Menge an Energie. Das ist ein Problem und wer weiß, ob man diese Menge an Zentren überhaupt benötigt. Damit müssen wir uns gesamtgesellschaftlich auseinandersetzen. Es ist allerdings ein globales Problem. Guy hat in dem Entschuldigungsvideo erwähnt, dass viele ein Problem damit hatten, wie er über die Umweltprobleme gesprochen hat. Ich bin froh, das Video noch gesehen zu haben, bevor es offline ging. Ich fand die Punkte nachvollziehbar. Vor allem mochte ich seinen Vergleich zum Warhammer-Hobby an sich. Dass sich manche nicht eingestehen wollen, dass unser Hobby auch nicht gerade das grünste ist, geht schon fast in Richtung Realitätsverweigerung.
Was machen wir denn alle, die dieses Hobby betreiben? Wir bestellen Plastikfiguren im Internet, die durch die Weltgeschichte verschifft werden, bauen diese mit verschiedensten Klebern zusammen, sprühen sie mit Farbe ein und so weiter. Nicht davon zu sprechen, dass wir alle mehr bestellen, als wir benötigen. Wie viele Farben haben wir zu Hause, die wir nicht aufbrauchen, bevor die nächsten eintreffen? Wie viele klagen über einen Pile of Shame, der bemalt werden möchte, und trotzdem kaufen wir neue Sachen. Das ist nicht gerade umweltbewusst, und sich damit auseinanderzusetzen, sollte Teil des Hobbys sein – egal ob KI oder nicht. Aber manche scheinen sich derart stark mit dem Hobby zu identifizieren, dass alle Kritik eine unverhältnismäßige Reaktion auslöst. Eine offene, ehrliche Diskussion sucht man vergebens.
Ein anderer Punkt war, dass scheinbar falsche Informationen von der auf Warhammer spezifizierten ChatGPT-Variante ausgegeben wurden. Aber das ist doch ein inhärentes Problem von KI. Informationen müssen stets nachkontrolliert und verifiziert werden. Statt einen Aufstand zu machen, hätte man sich damit beschäftigen können, wie man diese Fehler korrigiert oder minimiert. Vielleicht hat etwas in der hierarchischen Struktur oder den Guardrails nicht zu 100 % gepasst. Ganz davon abgesehen, dass es nur ein Angebot war. Es steht einem immer frei, das Teil einfach nicht zu nutzen. Das Teil existiert vor sich hin. Was stört es mich, wenn ich es nicht nutze? Ich glaube, manche übersehen die Option »ignorieren und mit dem eigenen Leben weitermachen« gelegentlich. Man wird zu nichts gezwungen. Nein zu sagen, ist eine Option. Aber scheinbar ist in der Community die Ablehnung von KI sehr viel intensiver, aggressiver und vollumfänglicher, als ich vermutet habe.
Und alle, die vorher geschimpft und getobt hatten, kommentierten nun natürlich, wie toll die Entschuldigung war. Ich hielt sie für ehrlich und glaubhaft und man fühlte die Reue, die mitschwang. Schade nur, dass sich manche betrogen fühlen. Wovon? Guy beschäftigt sich seit Jahren mit verschiedenen Aspekten des Hobbys, und neue Technologien heranzuziehen, gehört eben dazu. Vor allem, wenn jemand ihn auf Patreon unterstützt, sollten ein gewisser Vertrauensvorschuss und ein Verständnis da sein. Ich mag den Kanal Midwinter Minis auch sehr gerne, aber ich würde niemals davon sprechen, mich von Guy betrogen zu fühlen, (fast) egal, was er macht. Dann höre ich eben auf, zu schauen, oder werfe nur einen Blick in die Videos, die mich thematisch interessieren. Man muss niemandem religiös folgen. Aber das ist in unserer aktuellen Welt wohl etwas zu viel verlangt. Wir betrachten alles als schwarz-weiß, 0 oder 1, gut oder schlecht. Eine konstruktive Diskussion und Debatte ist wahrscheinlich zu viel verlangt.
Fürs Erste sollte das aber reichen. Drei lange Texte sind mehr als genug. Ich werde jedenfalls weiter Midwinter Minis schauen und bin gespannt, was er sich noch so alles einfallen lassen wird.
- YouTube | Midwinter Minis | I’m sorry. I killed the Warhammer-AI.
Privatleben, KI und YouTube (2/2)
Gestern habe ich über den YouTube-Kanal Midwinter Minis geschrieben. Dieser veröffentlichte vergangene Woche ein Video über KI und wie man diese in einem „kontrollierten“ Modell mit Hierarchien und Guardrails (wie auch immer diese genau aussehen, dazu bin ich zu wenig im Thema) für Warhammer verwenden könnte. Sowohl als Anfragestelle für Regeln als auch für die Zusammenstellung von Armeen. Das hat einen ungemeinen Shitstorm ausgelöst und dazu geführt, dass das Video depubliziert wurde. Denn natürlich kann man nicht differenziert über das Thema diskutieren. Schnell ging es (vor auf Reddit) auch um das Privatleben von Guy. Aber spielt das eine Rolle? Oder anders gefragt: Kann oder soll man Autor*in und Werk trennen?
Es ist eine alte Frage, die man sicher allerdings immer wieder berechtigterweise stellen kann. Vor allem, wenn es um sogenannte Stars geht, also Menschen, die eine unfassbare Reichweite haben. Wie eben jene Autorin, deren Name nicht genannt werden soll und die ihren Erfolg damit feiert, sich gegen Transmenschen zu stellen und gegen deren Rechte zu propagieren. Damit reißt sie nicht nur ihre Legacy selbst ein, sondern hat Millionen Fans das Herz zerrissen. Sollte man deshalb die Bücher nicht mehr lesen, die Filme schauen (die ich noch nie allzu brillant fand) oder die neue Serie schauen? Oder andere Autor*innen und Schauspieler*innen und Sänger*innen und so weiter, die sich öffentlich gegen grundsätzliche Menschenrechte stellen, rechten Ideologien anhängen und scheinbar plötzlich einem Präsidenten die Hand reichen, der niemals mit ihren Meinungen übereinstimmen kann. Oder zumindest dachte man das lange.
Aber das sind Berühmtheiten, die in der Klatschpresse diskutiert und auseinandergenommen werden. Sie dominieren Social Media und haben teils Millionen Follower. Deren Meinungen und Äußerungen haben sehr viel mehr Macht als die eines vergleichsweise kleinen YouTubers. Vor allem, wenn dessen scheinbare Verfehlungen im Privaten stattgefunden haben. Ich weiß nicht, ob die behaupteten Dinge wahr sind. Ich weiß nicht, was er darüber denkt oder diejenigen, die es scheinbar betroffen hat. Das ist auch, aus meiner Sicht, richtig, dass so etwas im Privaten bleibt. Ansonsten wird es nur zu einer Schlammschlacht, die niemandem hilft und nur Schaden anrichten kann.
Autor und Werk zu trennen funktioniert in diesem Fall sehr gut, denn ich kann nur bewerten, was ich auf YouTube sehe. Ich habe keinen Instagram-Account, unterstütze ihn nicht auf Patreon oder bin im Discord tätig. Wobei natürlich auch fraglich ist, wie viel man in diesen Kanälen erfahren würde. Meine Einschätzung: wahrscheinlich nicht allzu viel und wenn, dann nur aus einer sehr beschränkten Sichtweise ohne viel Kontext. Ich mag seine Videos, finde die Ideen, die er hat, teils inspirierend und vor allem erfrischend, dass er sich traut, ein Video zu KI zu machen und einen Vorschlag zu unterbreiten, wie man diese im Hobby verwenden kann.
Dass dies auf eine solche Wand negativer Kommentare stoßen würde, hätte man vielleicht erwarten können, aber es ist schon krass, zu sehen, was die Leute so schreiben. Vielleicht wäre es gut gewesen, die Kommentare zu deaktivieren und das Video für sich stehenzulassen. Ich mochte die Idee und hätte sie gerne weiterhin getestet. Ob GW ebenfalls eingeschritten ist, lässt sich natürlich nicht sagen (Anm.: Aus einer späteren Perspektive kann man sagen, dass der Internetmob ausgereicht hat.). Aber eine KI zu einem spezifischen Thema befragen zu können und mir so die Suche zu ersparen, halte ich für eine ausgesprochen gute Idee. Es nimmt niemandem etwas weg, verwendet nur öffentlich zugängliche Daten und ist im Funktionsumfang beschränkt. Was genau ist das Problem? Dass sie vielleicht manche Dinge nicht korrekt wiedergegeben hat? Man muss immer nachkontrollieren, wenn es um KI geht. Das als Problem darzustellen, lasse ich nicht gelten, da es eine grundsätzliche Frage der Technologie ist.
Bevor ich mich anfange, zu wiederholen, schließen wir für diesen Augenblick das Thema. Schade um das Experiment. Der Mob im Internet schreit leider sehr laut und ambivalente Meinungen oder gar eine Diskussion sucht man vergebens. Vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht bereit dafür.
Privatleben, KI und YouTube (1/2)
Das Internet gibt und das Internet nimmt. Eigentlich wollte ich einen Text über den Einsatz von KI schreiben. Einen sehr spezifischen Einsatz von KI. Ein gern geschauter YouTube-Kanal hat vergangene Woche, am Mittwochabend, ein Video veröffentlicht. Der Kanal: Midwinter Minis. Das Thema: eine spezifische, von einer KI-Expertin programmierte ChatGPT-Variante, die es einfach machen soll, Warhammer-Regeln zu verstehen. Diese eigens für diesen Zweck programmierte und mit Hierarchien und Guardrails versehene Variante hat mit öffentlich zugänglichen Informationen gearbeitet. Es wurden keine Informationen von GW gestohlen, soweit haben sie das im Video klargemacht und versucht, es so zugänglich wie möglich zu machen. Diese ChatGPT-Variante könnte auch Armeezusammenstellungen verstehen helfen und sogar beim individuellen Zusammenstellen von Lore oder Farbschemata für die eigene Fraktion unterstützen.
Es war ein cooles Video, das fast eine halbe Stunde dauerte, und ich bin sehr froh, dass ich mich noch dazu entschlossen hatte, es an diesem Abend anzuschauen. Denn am nächsten Morgen war das Video down. Nicht mehr verfügbar. In meiner Naivität wusste ich erst nicht genau, warum. Dann habe ich auf Reddit nachgeschaut. Sagen wir mal, die Reaktionen sind nicht äußerst positiv ausgefallen. Was mich besonders schockiert hat, waren die Kommentare zu Guys Privatleben. Guy betreibt Midwinter Minis. Es ging um seine Scheidung, Kinder, seine ehemalige Assistentin und so weiter. Unschöne Dinge wurden behauptet. Ich weiß nicht, was wahr ist, und mir ist es auch egal. Ich kann Guy nur aufgrund dessen bewerten, was ich in seinen Videos sehe. Er hat eine große Leidenschaft für Warhammer, möchte Menschen dieses Hobby näherbringen und die Community unterstützen. Ich schaue fast jedes Video von ihm und ich könnte ihm aus dieser eingeschränkten Perspektive nichts Negatives unterstellen.
In dem KI-Video hat er die negativen Seiten von KI angesprochen. Wie die meisten kreativen Menschen verabscheut er generative KI. Ich halte es für besorgniserregend, dass KI Bilder erzeugen kann, Bücher und Texte schreibt, Audio und Video produziert und damit das Internet zumüllt. KI hat ihren Nutzen, ja. Beispielsweise um SharePoint zu durchsuchen, Informationen zu extrahieren oder eben die komplexen Regeln von Warhammer einsteigerfreundlich aufzubereiten. KI ist nun einmal in unserer Welt. Die Blase kann platzen oder nicht, die Technologie geht allerdings nicht weg. Und ja, sie wird auch einige Jobs kosten, genauso wie die industrielle Revolution und etliche andere technologische Erfindungen, besonders wenn es um Automation geht. Aber es werden ebenso neue Jobs entstehen, die wir uns vielleicht noch gar nicht ausmalen können.
Wie so oft wünschen wir uns vielleicht, dass ein Thema schwarz-weiß ist. Ja oder nein: einfach. Die Welt ist allerdings kompliziert und ambivalent und manchmal können zwei Zustände gleichzeitig wahr sein. Bei KI ist es ebenfalls so. Gibt es ein Energieproblem, das es zu lösen gilt? Ja, unbedingt. Nutzen wir alle KI jeden Tag, ohne es zu wissen? Mit Sicherheit. Wird entschieden, zu viel Geld in Firmen und Infrastruktur gesteckt? Oh ja! Gibt es unzählige sinnlose Anfragen? Wir sind alle immer noch Menschen, als auch hier, ja.
Vielleicht war ich naiv in meiner Annahme, dass die Community, die sich rund um Midwinter Minis gebildet hat, nachsichtig wäre und durchaus bereit ist, sich auf eine Diskussion einzulassen. Ich hätte nicht mehr irren können. Von pauschalem KI-Hass (den ich von vorneherein nicht nachvollziehen kann: Wieso müssen Menschen immer gleich etwas aggressiv hassen und pauschal ablehnen?) hin zu den unnötigen Kommentaren unter der Gürtellinie. Und nicht nur gegenüber Guy, sondern auch der KI-Expertin. Ja, es gibt eine Professorin (sie wird nicht die Einzige sein), die sich speziell mit dem Thema Ethik und KI beschäftigt. Das ist ein wichtiges Feld und wird nur noch wichtiger werden. Ich fand das Video gut gemacht. Sie vermittelten eine für mich richtige Einstellung dem Thema gegenüber. Skeptisch, aber doch offen, experimentierfreudig und mit einem Hauch Selbstironie versehen.
Ich hatte mich schon darauf gefreut, die von ihnen konzipierte KI für meine Tyraniden-Armee zu verwenden. Schade, dass Menschen dazu genötigt werden, ihre Videos zu depublizieren, weil sich ein Mob auftut und Moralpolizei spielt. Geradezu beschämend. Das mindert nicht nur die Diskussion innerhalb des Hobbys, sondern verhindert eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema. Dabei bräuchte es genau solche Videos. Um zu zeigen, dass KI sehr viel mehr sein kann als nur ein schlechter, Slop produzierender, böser Dämon, mit allen damit verbundenen Weltuntergangsszenarien.
Eigentlich wollte ich es dabei belassen, aber dann ist mir doch noch ein Aspekt eingefallen, über den ich gern schreiben würde. Den sehen wir uns aber morgen an.
Da seit dem Schreiben des Textes schon ein Entschuldigungsvideo herausgekommen ist, bekommt diese Duologie auch noch einen dritten Teil.
R.E. Requiem
Wenn es um Resident Evil geht, ist TheRadBrad meine erste Anlaufstelle. Der sogenannte King of Walkthroughs postet seit über 10 Jahren äußerst regelmäßig seine Videos auf YouTube. Ich mag seine Videos, auch wenn ich mir natürlich nicht alle Spiele ansehe. Besonders mag ich seinen klassischen Stil. In Zeiten von Twitch und YouTube-Streaming sind sehr viele der größeren Walkthroughs mit Chat-Einblendungen versehen und das Gesicht des Streamers oder der Streamerin hängt in einer Ecke des Bildschirms. An sich nichts Schlimmes und ich mag auch diese Formate. Doch TheRadBrad ist anders. Erfrischend anders, möchte man schon fast behaupten.
Kein Gesicht hängt in der Ecke, er hält die Klappe während der Dialoge und bei Cut-Sequenzen sowieso. Andere plappern unaufhörlich und kommentieren, dass sich die Balken biegen. Dabei geht es doch um die Spiele, um die Spielerfahrung. Genau das ist es, was TheRadbrad auszeichnet. Er möchte seinen Zuschauer*innen die Spiele zeigen und vorführen. Denjenigen dieses großartige Medium per Walkthrough zur Verfügung stellen, die es sich vielleicht nicht leisten können oder wollen. Es lenkt auch kein Chat ab, noch wird permanent irgendwelchen Subscribern gedankt, Super-Chats wird vorgelesen oder auf sonstige externe Reize wird reagiert. So muss das sein.
Ich mag grundsätzlich Horrorspiele gerne, spiele sie aber nur ungern selbst. TheRadBrad ist eine tolle Möglichkeit, diese Spiele trotzdem zu erleben. So mancher Eintrag ins Genre der Horrorspiele hat es durchaus in sich. »Amnesia: The Bunker« war ein Spiel, das ich so schnell nicht mehr vergessen werde. Vor Jahren habe ich dann angefangen, seine Resident-Evil-Videos zu schauen. So habe ich mit der Zeit fast alles nachgeholt. Natürlich die Remakes von 2, 3 und 4, aber auch neuere wie Village habe ich dank TheRadbrad miterleben können. Zwar würde es mich durchaus reizen, die Spiele selbst zu spielen, aber warum sollte ich das Geld dafür ausgeben, wenn er es unterhaltsam macht und man die Geschichte erleben kann? Außerdem gefallen mir die gelegentlichen persönlichen Anekdoten zu der Reihe. Er kennt die Spiele zudem sehr gut und kann auf Easter Eggs und Charaktere vergangener Teile aufmerksam machen, die ich nicht erkennen würde.
Nun kam also kürzlich der neunte Teil der Reihe heraus: »Resident Evil: Requiem«. Ich musste mir einfach die regelmäßigen Videos von TheRadBrad anschauen, da führte kein Weg daran vorbei. Requiem sieht fantastisch aus und profitiert von den neuesten Technologien und Nvidia-Erfindungen. Ich habe mir kürzlich das sechste oder siebte Video angeschaut, bin also noch lange nicht am Ende. Wenn dieser Text hier erscheint, sollte der Walkthrough durch sein. Es ist ein Genuss, wieder in die Welt von Resident Evil einzutauchen. Leon wiederzusehen ist großartig und bisher ist er ein tolles Highlight im Spiel, ohne von der Protagonistin Grace abzulenken. Es ist ein klassisches Resident Evil und man wird so manches aus den älteren Teilen wiedererkennen. Die Geschichte wird effektiv erzählt und das Pacing passt perfekt.
Besonders gefallen mir auch die Neuinterpretationen von Mister X und dergleichen. Wenn man die neuen, großen Gegner so bezeichnen möchte. Besonders eine Passage hatte richtige Horrorvibes, fühlt sich klaustrophobisch an und ist nie wirklich sicher. Die Zombies werden ebenfalls etwas weiter gedacht, was sie unheimlicher macht. Bisher ist Requiem eine gekonnte Fortsetzung der Reihe, und ich bin sehr gespannt, wo die Reise hingeht. Vor allem, wie das Finale aussehen wird und ob ein weiterer Teil angeteasert wird. Vielleicht muss ich mir die alten Videoreihen noch einmal anschauen. Es sind tolle Spiele, von denen allein schon Walkthroughs Spaß machen, anzuschauen. Die Stimmung und Atmosphäre kommen wunderbar rüber. Und neben dem Bemalen meiner Warhammer-40k-Tyraniden sind Videos ideal anzuschauen. Die nächsten Stunden Unterhaltung, während ich mich an spannenden, experimentellen Farbschemata versuche, sind also gesichert.
Einfach mal die Klappe halten
In den vergangenen Tagen hat man vielleicht den ein oder anderen Bericht über Shia LaBeouf gelesen (unten habe ich den Text von queer.de verlinkt). Darin berichtet er, Angst vor schwulen Menschen zu haben. Ich habe einen Moment gebraucht, um die Überschrift zu verarbeiten. Wenn man sich dann den Text durchliest und die Zitate aus dem Interview sieht, wirkt es wie eine wirre Aneinanderreihung inkohärenter Aussagen von einem Menschen, der Hilfe benötigt. Vor allem diese Aussagen von jemandem wie ihm zu lesen, hat mich etwas schockiert. Denn gerade von einem Schauspieler, der davon lebt, sich in andere Lebensrealitäten hineinzuversetzen, hätte ich mehr Reflexion erwartet.
Ist es nicht seine Aufgabe, sich in Rollen einzufühlen? Sich mit anderen Lebensentwürfen auseinanderzusetzen, Charaktere zu verstehen, ihre Beweggründe zu durchdringen? Herauszufinden, was sie antreibt, was sie bewegt, wovor sie Angst haben und wovon sie träumen? Gehört es nicht zum Kern der Schauspielkunst, offen zu sein – neugierig, tolerant, bereit, Perspektiven zu wechseln? Vielleicht ist das idealistisch. Aber das ist mein grundlegendes Verständnis von Schauspieler*innen. Deshalb kann ich beispielsweise auch die Diskussion nicht nachvollziehen, warum „nur“ queere Menschen queere Charaktere darstellen sollen. Repräsentation und Sichtbarkeit sind natürlich wichtig, sie lassen sich aber auch anders erreichen, indem man alle Rollen mischt, wenn man so will. Das ist aber eine andere Diskussion.
Wenn ihm schwule Menschen Angst machen, allein schon der Gedanke, von queeren Personen berührt zu werden – was sagt das über ihn aus? Und es geht hier nicht um romantische Berührungen oder um sexuelle Handlungen. Wenn man sich das Interview durchliest, scheinen ihn allein schon Berührungen, die aus Versehen, die in einer Menschenmenge oder so nun einmal nicht zu vermeiden sind, völlig aus der Fassung zu bringen. Was sind das für Aussagen? Nur weil etwas anders ist, als er es gewohnt ist? Nur weil er es nicht nachvollziehen kann? Macht ihm alles Angst, was ihm fremd erscheint oder nicht in sein Weltbild passt? Wie unsicher und schwach muss man sein, um so etwas öffentlich zu äußern – was für ein armseliges Leben muss dieser Mensch führen?
Und dann stellt er sich als Person des öffentlichen Lebens – als ehemaliger Star eines weltbekannten Franchises, dessen Filme ich durchaus gerne geschaut habe – hin und behauptet, schwule Menschen machten ihm Angst. Wer eine Plattform hat, trägt Verantwortung. Nicht jeder Gedanke muss ausgesprochen werden. Nicht jede persönliche Unsicherheit gehört in die Öffentlichkeit. Vor allem, wenn er noch ein Alkoholproblem hat (vielleicht sogar mehr?). Ich weiß es nicht), dann ist das nichts anderes als Clickbait und das Ausnutzen eines armen, unsicheren Menschen. Wem nützt die Aussage in diesem Interview? Was sollen sie bewirken? Im Privaten kann man diskutieren, zweifeln, sich mit Freunden austauschen. Und selbst dann springt hoffentlich jemand ein und holt ihn zurück zum Boden der Realität. Aber wer in der Öffentlichkeit steht, sollte sich der Wirkung seiner Worte bewusst sein. Verantwortung bedeutet auch, zu wissen, wann man am besten die Klappe halten soll. Unfassbar.
Hilfreich?
Ich habe bereits des Öfteren darüber berichtet, dass ich keine sozialen Netzwerke nutze. Das mache ich auch schon einige Jahre nicht mehr. Doch so ganz stimmt das eigentlich nicht. Denn wenn man es genau nimmt, ist auch Reddit ein soziales Netzwerk. Menschen posten Fragen oder stellen ein Thema vor, schreiben Reviews und berichten über alles Mögliche. Überleg dir ein Thema, egal wie absurd es erscheinen mag. Es gibt mit Sicherheit ein Subreddit davon mit zig Einträgen.
In den vergangenen Jahren habe ich Reddit mehr und mehr zu schätzen gewusst. Besonders wenn ich zu einem bestimmten Thema recherchiert oder etwas gesucht habe, gab es mit Sicherheit jemanden, der eine ähnliche Fragestellung auf Reddit gepostet hat. Darunter findet man dann mal mehr, mal weniger hilfreiche Antworten. In letzter Zeit nutze ich allerdings vermehrt bewusst die dedizierte Webseite von Reddit oder gar die App. Ich habe meinen alten Account wieder ausgegraben und angefangen, Communitys beizutreten und nützliche Beiträge zu speichern. Besonderen Gefallen habe ich an der Warhammer-Community gefunden, zu der es unzählige unterschiedliche Subreddits gibt.
Der Umgangston in diesen speziellen Nischenthemen ist erstaunlich positiv. Jemand postet ein Foto seiner ersten bemalten Figur seit Jahren und darunter finden sich mit Sicherheit eine Handvoll nette Kommentare. Selbst wenn jemand ein Bild eines pinken Space Marines postet, mit dem halb scherzhaft gemeinten Text, dass er dafür viel Hate ernten wird, finden sich eigentlich nur positive Rückmeldungen. Hier bricht die Realität sehr mit meiner Erwartungshaltung an das Internet als Ganzes. Es ist eben nicht nur eine sumpfartige, trübe, zähflüssige Kloake, durch die man watet, in der Hoffnung, irgendwo einen Diamanten zu finden. Die Seiten gibt es natürlich auch, aber sie sind häufiger die Ausnahme, als man denkt.
Wenn Algorithmen die Timeline für einen zusammenstellen, sind die Inhalte vermehrt „Aufregerthemen“ oder welche, die man darunter einsortieren könnte. Immerhin generieren diese scheinbar Klicks und damit (Werbe-)Einnahmen. Doch wenn man sich bewusst die Inhalte zusammenstellt und die Communitys heraussucht, deren Inhalte und Posts man wirklich lesen möchte, sieht die Sache schon ganz anders aus. Deshalb war ich zu Twitters Hochzeiten großer Fan von Drittanbieter-Apps. Diese hatten keinen algorithmischen Feed, sondern haben nur die Tweets derjenigen Personen angezeigt, denen man folgt. Und das auch noch in der korrekten zeitlichen Abfolge und nicht irgendwie durcheinander, nach einer internen, nicht durchschaubaren Metrik. Ein unfassbares Konzept, ich weiß.
Ich steige relativ spät in das Reddit-Game ein. Wie gesagt, nutze ich es schon länger bei Recherchen, konkreten Fragen und so weiter. Ich speichere mir allerdings erst seit Kurzem dedizierte Posts oder trete Communitys bei. Noch bin ich sehr positiv gestimmt. Ich hoffe, das bleibt so.
Everything X-Men | Avengers Disassembled (1/2)
Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen Text aus grauer Vorzeit an. Für mein Medienwissenschaftsstudium habe ich ein sogenanntes Projektstudium geschrieben. Darin habe ich mich mit den X-Men-Comics auseinandergesetzt. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute in Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich sie mithilfe von DeepL initial übersetzt und anschließend redigiert.
In den nächsten Wochen beschäftigen wir uns mit Comic-Events aus dem Marvel-Universum, in denen die X-Men involviert waren. Ich habe mir damals, als ich die Texte schrieb, zwei prominente Beispiele herausgesucht: »Avengers Disassembled« und »House of M«. Nicht nur sind diese bedeutend für die Avengers, sondern es zeigt die Macht von einem meiner Lieblingscharaktere: Wanda Maximoff. Besonders seit sie Teil des MCU ist, habe ich mich etwas mehr mit ihrem Charakter auseinandergesetzt. Ich mag die Interpretation von Elizabeth Olsen sehr gerne. Doch nicht nur für die Charaktere sind die beiden Events bedeutend. Sie stellen auch den Beginn einer Karriere dar. Nämlich von Brian Michael Bendis. Zwar schrieb er schon vorher großartige Geschichten bei Marvel, doch mit »Avengers Disassembled« begann eine neue Ära. Über viele Jahre hat Bendis Marvel geprägt wie kein Zweiter.
Als ich mir den Text über »Avengers Disassembled« noch einmal zu Gemüte führte, ist mir aufgefallen, dass ich mal wieder sehr wenig auf den künstlerischen Aspekt der Comics eingehe. Das ist eine der großen Schwächen meiner Reviews, wie ich finde. Ich sage zwar immer, ob mir ein Stil gefällt oder ob etwas visuell gut dargestellt ist, aber ich hätte mir gewünscht, näher darauf eingegangen zu sein. Es ist allerdings nicht leicht, über Kunst zu schreiben. Besonders wenn man sich nebenbei noch Gedanken um die Geschichte und Charaktere macht, was sie bedeutet und wo sie hinführen könnte. Mal sehen, ob es im Laufe dieser Reihe besser wird. Ich kann mich offen gesagt nicht mehr im Detail daran erinnern.
Als Letztes sind erschienen:
- Comic Book Authority
- Thomas & Adams (Teil 1, Teil 2)
- Was ist ein Mutant (Teil 1, Teil 2)
- X-Men First Class v1 (2007)
- Comic-Epochen (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5)
Einleitung
Im November 2017 gab Brian Michael Bendis bekannt, dass er Marvel (nach 17 Jahren) verlassen und ausschließlich für DC Comics arbeiten werde. Wenn man sich auch nur ein wenig für Comics interessiert, weiß man, dass dies eine große Sache ist. »Ultimate Spider-Man« war eines seiner ersten Projekte für Marvel und ist eine meiner Lieblingsinkarnationen von Spider-Man. Bendis schuf auch Miles Morales, den Nachfolger von Peter Parker, und begann 2004 mit dem Schreiben der Avengers-Comics. Er tat für die Avengers, was Claremont für die X-Men tat. Einige vergleichen Bendis’ Einfluss sogar mit dem von Kirby oder Lee.
Deshalb wollte ich mir die Geschichten, die er geschrieben hat, und die Art und Weise, wie er das Team neu erfunden hat, genauer ansehen. Dazu höre ich mir den Podcast »Bendis Assembled« an. Dieser Podcast führt wunderbar durch die Abenteuer, die Bendis federführend schrieb, und was mit den Charakteren in dieser Zeit passiert ist. Alternativ oder zusätzlich gibt es noch »Legendary Runs«. Hier wird etwa in Folge 45 über »Alias« gesprochen, einen weiteren Meilenstein der Comic-Geschichte, geschrieben von Brian Michael Bendis.
Die Geschichte von »Avengers Disassembled« erstreckt sich über gerade einmal vier Ausgaben von »Avengers« (500 bis 503) und klingt in »Avengers Finale« Nr. 1 aus. Anschließend beginnt die Zählung neu, mit »New Avengers« Nr. 1. Ich erfuhr, dass ein bestimmter X-Men, der bereits in den 60er Jahren eingeführt wurde, eine wichtige Rolle in den kommenden Abenteuern der Avengers spielte. Also beschloss ich, diese Geschichten in mein Projekt zu integrieren, und nun sind wir hier und sprechen über die Avengers in einer Kolumne, die den X-Men gewidmet ist (wir werden das vielleicht für »AvX« wiederholen).
Die Geschichte
Wie wir am Ende von Ausgabe Nr. 501 sehen, gibt es viele Charaktere, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte von Marvel Teil der Avengers waren. Wie zerlegt man also eines der besten Superheldenteams im Marvel-Universum?
Die Geschichte konzentriert sich auf Hawkeye, Scott Lang alias Ant-Man, Janet alias Wasp, She-Hulk, Jarvis und Captain Britain. Sie befinden sich in der Villa der Avengers. Hawkeye und Ant-Man diskutieren darüber, wen aus ihrem Team sie nie haben könnten: „das eine Mädchen, von dem man weiß, dass man es nicht haben kann“. Plötzlich ertönt ein schriller Alarm und warnt sie vor einem Eindringling. Es klingt herablassend, wie sie über ihre Kolleginnen sprechen, aber durch die kommenden Ereignisse könnte man sagen: Karma schlägt zurück. Das Signal unterbricht die Diskussion. Karma ist hier personifiziert durch Jack of Hearts.
Wer ist Jack of Hearts? Keine Ahnung. Aufgrund intensiver Recherchen (ich habe die ersten paar Absätze auf Wikipedia gelesen) kann ich sagen, dass er nicht nur ein mächtiges Wesen ist, sondern auch konstant leidet Er muss einen speziell angefertigten Anzug tragen, damit er nicht explodiert, und verbringt jeden Tag viel Zeit in einer Kontaminationszelle, ebenfalls um eine spontane Explosion zu verhindern. Er sollte tot sein – und so wie er aussieht, ist er es – und geht ruhig auf die Villa zu. Scott geht auf Zombie-Jack zu und versucht, mit ihm zu sprechen. Aber er explodiert in einer gewaltigen Feuerwolke und pulverisiert Scott.
Teile der Villa werden zerstört, sodass die anderen unter den Trümmern begraben werden. Captain America und Falcon treffen am Ort des Geschehens ein, als ein von Vision gesteuerter Quinjet auf den Überresten der Villa notlandet. Vision geht ein paar Schritte, löst sich auf, schmilzt, genauer gesagt, und bringt fünf Metallkugeln hervor, die sich in Ultron-Roboter verwandeln. Sie können diese Bedrohung gerade noch rechtzeitig eindämmen, als She-Hulk durchdreht – unfähig, all das Geschehen zu verarbeiten. Die Wut übernimmt die Kontrolle und sie zerreißt Visions Leiche. Nicht horizontal (an der Taille), wie man erwarten könnte, sondern vertikal – und legt so die „Organe“ von Vision frei. Und das ist nur der Anfang.
Ein paar Stunden später, als Wasp im Krankenhaus versorgt wird (immer noch geschrumpft und in kritischem Zustand), kehren Cap und Hawkeye zur Villa zurück, wo alle Avengers bereitstehen, um die Situation zu untersuchen. Der Tag ist jedoch noch nicht vorbei. Eine Flotte von Kree-Schiffen greift die trauernde Gruppe an. Doch etwas stimmt nicht, denn der Helicarrier von S.H.I.E.L.D. kann die Flotte nicht erkennen. Während der großen Schlacht wird Hawkeye schwer verletzt. Soweit man es sehen kann, von einem explosiven Pfeil oder Ähnlichem. Bevor dieser aber explodieren kann, schnappt er sich einen Kree und fliegt mit Hilfe eines Jetpacks in das Mutterschiff. Sein Opfer bleibt nicht unbemerkt, da die Kree miteinander verbunden sind, und wenn man eines ihrer Mutterschiffe ausschaltet, sind sie alle besiegt.
Nach dem Kampf erscheint Doctor Strange und erklärt ihnen, dass all dies eine Art chaotische, magische Störung ist. Es ist kein Trick – alles ist wirklich passiert –, aber Magie ist im Spiel.
Das Ende?
Fassen wir zusammen: Die Avengers gibt es nicht mehr. In der Sonderausgabe »Avengers Finale #1« versammeln sich die Kernmitglieder der Avengers, zumindest diejenigen, die noch am Leben sind, ein letztes Mal in der zerstörten Villa. Jeder darf seinen Lieblingsmoment aus ihrer umfangreichen Geschichte erzählen. Jeder Moment wird auf einer Doppelseite zusammengefasst. Selbst wenn man die meisten dieser Geschichten nicht gelesen hat (so wie ich), ist es eine sehr emotionale Situation. Immerhin verabschieden sie sich und gehen davon aus, dass es vorbei ist. Zumindest in dieser Konstellation. Scott ist tot. Hawkeye ist tot. Jack of Hearts ist tot. Wasp ist verletzt und im Krankenhaus.
Außerdem lässt dieser Trick Tony Stark (der zu diesem Zeitpunkt Verteidigungsminister ist) betrunken erscheinen, obwohl er seit Wochen oder sogar Monaten keinen Alkohol mehr getrunken hat, und bringt ihn in Verruf. Er verliert einen Großteil seines Geldes (er kann die Avengers nicht mehr finanzieren) und einige seiner Freunde vertrauen ihm nicht mehr. Das passiert zwar alles relativ schnell, bleibt allerdings trotzdem nachvollziehbar.
Bendis hat es geschafft, die Avengers und ihr Zuhause nicht nur physisch zu zerstören, sondern sie auf emotionaler Ebene vernichtend zu schlagen. Das Vertrauen ist weg. Man muss sich darauf verlassen können, dass die Person neben dir dir den Rücken freihält. Wenn dieses Vertrauen weg ist, was kann man dann noch tun, außer die Reset-Taste zu drücken?
Frühling?
Es frühlingt draußen. Kann man „Frühling“ so als Verb verwenden? Wenn nicht, dann führe ich es hiermit offiziell in den Sprachgebrauch ein. Jedenfalls ist es seit vergangener Woche deutlich wärmer geworden. Die graue, trübe, feuchte Masse am Himmel ist gewichen und man erblickt wieder herrliches, strahlendes Blau. Auch die Sonne kann man dort hoch oben wieder erkennen, was eine schöne Abwechslung ist. Ich mag zwar den Winter sehr gerne, aber zu düster sollte es nicht sein. Solange Schnee liegt, es richtig kalt ist und sich die Sonne zwischendurch blicken lässt, ist alles in Ordnung. Doch in letzter Zeit war es einfach nur ein Amalgam aus Braun, Grau und Nass. Perfekt für eine verspätete Winterdepression. Doch seit einer Woche blüht alles auf – buchstäblich und im übertragenen Sinn.
Durch penible Inspektion meines Autos ist mir aufgefallen, dass man nicht mehr wirklich aus den Seitenfenstern schauen kann, wenn die Sonne im richtigen Winkel draufscheint, also habe ich Freitag nach der Arbeit der lokalen Waschstraße einen Besuch abgestattet. Überraschenderweise war es eher ruhig, kurz vor Mittag. Kurz gewartet, war auch schon mein Auto an der Reihe und wurde vom Dreck des Winters befreit. Da der Tank ebenfalls schon recht leer war, wollte ich diesen nachfüllen, scheiterte allerdings zum ersten Mal in meinem Leben daran, ein Auto zu betanken. Grund dafür war, dass der Tankdeckel sich nicht öffnen ließ. Eine kurze Recherche offenbarte, dass wahrscheinlich ein defekter Stellmotor die Ursache sein mag. Ich hatte am Wochenende noch versucht, die Notentriegelung zu finden, doch auch diese Mühen blieben fruchtlos. Muss also doch die Werkstatt konsultiert werden.
Ich ließ mich aber durch diese kleine Episode nicht demotivieren. Freitagnachmittag verbrachte ich eine herrliche Zeit in Salzburg, genoss Waffeln, Nudeln und angenehme Gespräche mit entspannten Spaziergängen. Es hieß allerdings, zeitig ins Bett zu gehen, denn Samstag wollte ich um sechs Uhr aufstehen. Es gab einiges zu tun. Der beste örtliche Bäcker hat seit einer Woche endlich wieder geöffnet, da wollte ich natürlich frisches Brot kaufen. Außerdem hatte ich mir neue Insektenschutzgitter gekauft, die ich montierte, und die Fenster geputzt. Schließlich habe ich noch den letzten, eher kürzeren Lauf meines ersten Monats mit der Nike-Running-App absolviert. Der Beginner-Kurs ist somit abgeschlossen; doch der nächste Trainingsplan wartet schon darauf, gestartet zu werden (was ich am Montag auch getan habe).
Es ist immer wieder erstaunlich, was ein bisschen Sonne, blauer Himmel und ein paar Grad mehr ändern können. Das Energielevel steigt, man ist motiviert, anzupacken und loszulegen. Was auch immer es ist, das man vorhat oder tun möchte, mit den ersten Anzeichen des Frühlings gelingen solche Vorhaben schon deutlich besser. Jetzt wäre es nur noch schön, wenn ich mein Auto betanken könnte.

Schwierige Spiele
Ich schaue gerne Twitch oder entsprechende VODs auf YouTube. VoDs bedeutet Video-on-Demand und steht dafür, dass man sich die Aufzeichnung eines Livestreams weiterhin anschauen kann, wenn man das möchte und der Streamer oder die Streamerin die Inhalte online lässt. Gelegentlich kommt es dabei zu Diskussionen zwischen Chat und Streamer*in in Bezug auf den Schwierigkeitsgrad von Spielen. Ich finde das mittlerweile eine äußerst müßige Diskussion. Denn natürlich geht es um »Soulslikes«, also Spiele, die dazu gemacht sind, herausfordernd zu sein, und die gewisse Mechaniken in sich haben. Etwa, dass Gegner, wenn man sie besiegt hat, wieder da sind, nachdem man „gerastet“ hat. Oder ein gutes Bossdesign oder eine Geschichte, die nicht immer zu 100 % nachvollziehbar ist. Es gibt viele Dinge, die ein »Soulslike« zu einem »Soulslike« machen. „Echte“ »Soulslikes« gibt es natürlich nur von FromSoftware, dem Erfinder des Genres, wenn man so möchte. Aber es gibt mittlerweile ein sehr viel breiteres Spektrum an Spielen in dem Genre. Was diese Spiele ebenso auszeichnet, ist ihr harter Schwierigkeitsgrad, den man nicht verändern kann.
Nun gibt es aber Spiele wie »Lies of P«. Ein herausragendes »Soulslike«, das ich schon des Öfteren durchgespielt habe, und das immer wieder ein Genuss ist. Die Geschichte ist fantastisch erzählt, vor allem im grandiosen DLC. Gefühlvoll, nachvollziehbar, mit ein paar Überraschungen. Das Kampfsystem fühlt sich einfach nur gut an. Mit den unterschiedlichen Waffen, Fertigkeiten und dergleichen kann man sich in einem begrenzten Rahmen einen eigenen Stil zusammenbauen. Ich mag es, wenn Entwickler*innen nicht zu viele Optionen anbieten. Komplexe Systeme wie in Elden Ring sind toll, aber manchmal darf es etwas weniger sein. Jedenfalls hatte »Lies of P« anfangs keinen Schwierigkeitsgrad. Mit dem DLC haben sie allerdings welche eingeführt. Der Aufschrei unter manchen „Gatekeepern“ war groß und die Frage, ob »Lies of P« noch ein Soulslike ist, wurde gestellt.
Alles eine sinnlose, müßige Diskussion. Soulslike-Spieler*innen kommen mir manchmal so vor, als würden sie meinen, sie wären die Elite der Gamer. Denn nur sie haben ausreichend Durchhaltevermögen, um „richtige“ Soulslikes durchzuspielen. Manche Menschen wollen nicht stundenlang an einem Boss sitzen und immer wieder scheitern. Manche haben gar nicht die Zeit dafür. Da finde ich es doch großartig, wenn mehr Menschen in den Genuss dieser Spiele kommen. Denn was die meisten großen und erfolgreichen Soulslikes auszeichnet, ist eine spannende, atmosphärische und eine mit viel Liebe gestaltete Welt. Die Geschichten sind einzigartig, teils sehr komplex, tiefgründiger und weitreichender, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Sich aufzuplustern und einem Spiel ein fiktives Kriterium „Soulslike“ abzuerkennen, nur weil es mit einem Update Schwierigkeitsgrade bekommen hat, ist lächerlich und fehl am Platz.
Mit solchen hochnäsigen Diskussionen wertet man nicht nur tolle Spiele ab, sondern beleidigt stellenweise auch die Spieler*innen, die die leichteren Stufen auswählen. Khazan hat auch Schwierigkeitsgrade und die habe ich genutzt. Elden Ring bietet zwar keine Schwierigkeitsgrade, dafür aber andere Mechanismen, die unterstützen können und mit denen man die Herausforderung justieren kann. Das ist schön und ich feiere das. Außerdem sind das alles Einstellungen und Mechaniken, die die Entwickler*innen anbieten – es sind Optionen. Niemand wird gezwungen, ein Spiel auf leicht zu spielen oder in Elden Ring Phantome zu rufen. Ich kann diese Diskussionen nicht mehr hören. Und wenn jemand nur die schwerste Stufe wählt, weil aus Prinzip oder Stolz oder anderen irrsinnigen Gründen – Glückwunsch, behaltet es aber bitte für euch.
Neues Jahr, neue Armee
Magazine sind eine unterschätzte Form, sich mit Hobbys auseinanderzusetzen. Glaube ich zumindest. Immerhin finden sich in Supermärkten in der Nähe der Kassen jede Menge Zeitschriften und Magazine. Und wer weiß, wie viele Leute solche Inhalte mittlerweile digital konsumieren? Ich habe auch das ein oder andere im Abo, allerdings digital. Doch ich mag das Gefühl, Papier in der Hand zu haben. Magazine einfach durchblättern zu können, bei einem Text oder Bild hängen zu bleiben – das ist etwas Großartiges.
Als ich wieder mit Warhammer angefangen habe und dem Bemalen von Miniaturen, habe ich mir die verfügbaren »White Dwarf«-Ausgaben von Games Workshop bestellt. Leider (oder zum Glück) waren nur die letzten drei Ausgaben verfügbar – darunter diejenige zum 50. Jubiläum von Games Workshop. Auch das Magazin »White Dwarf« gibt es seit dem Ende der 70er und es ist seither ein wesentlicher Bestandteil der Warhammer-Marken. Man erfährt neue Regeln, wird über neue Figuren informiert, die Community stellt Figuren vor und Fragen an die Redaktion, und es werden spannende Geschichten aus den Warhammer-Welten erzählt. Das Magazin dient auch als Inspiration. Es gehört für mich zum Hobby dazu.
Eine der Ausgaben, die ich erworben hatte, beschäftigt sich mit dem Thema, eine neue Armee zu beginnen. Die Ausgabe vom Dezember 2025 bietet dafür durchaus gute Richtlinien. Der Artikel fokussiert sich nicht nur darauf, welche Fraktionen und Möglichkeiten es gibt, sondern zieht es von einer anderen Seite auf, nämlich der Spieler-Perspektive. Welche Strategien wendet man am liebsten an? Ist man eher aggressiv oder zurückhaltend? Setzt man gerne Magie ein oder baut man auf brutale Muskelkraft? Will man den Gegner überrennen oder strategisch vorgehen? Anhand verschiedener Fragen hangelt man sich immer weiter vor, bis man eine mögliche neue Armee für sich entdeckt hat. Ich halte das für sehr gut gemacht, weil es die verschiedenen Strategien in den Vordergrund rückt und man sich daraufhin entscheiden kann.
Seit Jahrzehnten habe ich Warhammer nicht mehr gespielt. Aber es wäre durchaus reizvoll. Das Problem ist nur, dass ich keine wirkliche Armee zusammenbringe. Ich male immer das, was mich am meisten interessiert. Hier ein paar Blood Angels, dort ein paar Sylvaneth aus der Fantasy-Ecke von Warhammer, hier ein paar Dämonen. Auch die Bases gestalte ich bei jedem Trupp, den ich bemale, anders. Ich mag die Abwechslung und möchte nicht unbedingt hunderte Figuren und Fahrzeuge auf dieselbe Weise anmalen. Trotzdem ist es mein Ziel, dieses Jahr eine Armee zusammenzubringen. Die Frage ist nur: Wo fängt man an? Soll ich komplett neu anfangen? Auf bestehende Figuren aufbauen, die ich habe? Die Entscheidung wurde mir irgendwie abgenommen.
Aus Versehen habe ich eine Ultramarines-Armee angefangen. Klingt jetzt vielleicht etwas langweilig, wenn man sich mit Warhammer auskennt, da Ultramarines (die blauen Figuren) die Aushängeschilder von Warhammer sind, aber was soll’s. Irgendwo muss man ja anfangen. Es begann mit dem Terminator-Trupp und einem Dreadnought, die ich aus irgendeinem Grund in den Farben der Ultramarines bemalen wollte. Bei Games Workshop gab es dann noch klassische Figuren als made-to-order-Vorbestellung. Auch hier habe ich mich für die Helden der Ultramarines entschieden. Außerdem kommt demnächst noch Titus, bekannt aus dem Videospiel »Space Marine 2«, an, da dieser bei einer Charakter-Enzyklopädie dabei war. Mir bleibt erstmal also nichts anderes übrig, als eine Ultramarines-Armee aufzubauen. Immerhin gibt es verschiedene Techniken, die man beim Bemalen anwenden kann.
Chaos würde mich natürlich auch interessieren. Es gibt tolle Dämonen und Figuren oder Charaktermodelle der Primarchen (allen voran Fulgrim in seiner transformierten, schlangenähnlichen Gestalt). Deshalb fällt es mir so schwer, mich für eine Fraktion und eine Armee zu entscheiden. Es gibt zu viele coole Sachen. Aber zumindest werde ich die Bases der verschiedenen Fraktionen zukünftig immer gleich gestalten. So sollte im Laufe der Zeit durchaus etwas zustande kommen. Es würde mich auch interessieren, ein eigenes Space-Marines-Chapter aufzustellen und zu kreieren, mit einem eigenen Hintergrund und einer eigenen Geschichte. Mal sehen, ob mir hierzu etwas einfällt.
Das ist das Tolle an Warhammer. Das Hobby hat viele verschiedene Aspekte und bietet immer wieder andere kreative Abenteuer an.
