Hippie-Löwen
Was kann an »König der Löwen« schon falsch sein? Das Musical ist berühmt, der Animationsfilm ohnehin und auch die „Realfilm“-Neuauflage von Disney kann man sich gut anschauen. Also, warum nicht im Festspielhaus ein Konzert mit der Oscar-prämierten Musik genießen? Das habe ich mit Freund J. vergangenen Sonntag gemacht. Ich hatte keinerlei Erwartungen an das, was mir dort geboten werden würde. Um ehrlich zu sein, wusste ich auch nicht, was mich konkret erwartet. Ich lasse mich gerne überraschen. Doch selbst ohne Erwartungen hatte ich es mir am Ende besser vorgestellt und wurde enttäuscht.
Dieses Musical/Orchester wirkt überbordend mit Ideen. Ganz so, als hätte jemand gefehlt, der „nein“ sagt und etwas Struktur hineinbringt. Denn die meiste Zeit über scheint es so, als würden verschiedene Produktionen gegeneinander konkurrieren. Buchstäblich werden die rechten drei Viertel der Bühne vom Orchester eingenommen. In klassischem Schwarz gekleidete Menschen, die mit ihren Instrumenten den ikonischen Soundtrack spielen. Im letzten Viertel, ganz links, stehen ein Haufen barfüßige Hippies um drei Mikrofone und versuchen, durch Ausdruckstanz, Schreien und rituelle Tänze emotionale Reaktionen hervorzurufen. Und ja, es waren wirklich barfüßige Hippies. Also in Blumenkleidern gewickelte Menschen, die etwas high wirken und nicht den Eindruck erwecken, als hätten sie einen Plan, was sie die ganze Zeit über machen sollen.
Dann kommen die Protagonist*innen. Quasi die Hauptsänger*innen. Leider erfährt man nie deren Namen, also muss ich mich mit Beschreibungen begnügen. Anfangs waren es drei. Ein Mann und zwei Frauen, die die gesamten Rollen unter sich aufteilen. Allerdings kommen zwischendurch auch andere auf die Bühne, die man zuvor noch nie gesehen hat und die sich auch nicht aus dem Hippie-Chor hervortun, was die ganze Inszenierung verwirrt und einen immer wieder herausreißt. Das Problem ist, dass der Hauptsänger wirkliches Talent hat. Das merkt man besonders in der zweiten Hälfte der Show. Allerdings ist der komplette Bühnenaufbau darum bemüht, den Fokus immer wieder von ihm und den anderen Sänger*innen wegzuziehen. Der Hippie-Chor lenkt mit seinen unförmigen Bewegungen und bunten Kleidern ab. Dadurch haben die Sänger*innen die meiste Zeit über null Bühnenpräsenz. Hinzu kommt, dass niemand sich über die Beleuchtung Gedanken gemacht hat. Der Hippie-Chor ist die meiste Zeit hell erleuchtet, während die Sänger*innen im Halbdunkel um Aufmerksamkeit kämpfen.
Was natürlich der ganzen Sache auch nicht zuträglich ist, ist ein überbordend agierender Dirigent. Nicht nur einmal überlässt er das Orchester sich selbst und fängt an, selbst Instrumente zu spielen. Das klingt auf dem Papier vielleicht cool und modern, in Wirklichkeit lenkt es ungemein vom Hauptgeschehen ab. Der Gipfel des Ganzen war, als sich der Dirigent mit dem Saxofon mitten ins Publikum stellte und sich die Seele aus dem Leib spielte, während die erste Geige seinen Part übernahm und das Orchester dirigierte. Ich habe beim besten Willen nicht verstanden, was auf dieser Bühne passiert und wer das so freigegeben hat.
Aber zumindest, könnte man jetzt sagen, ist es „König der Löwen“, eine schöne Geschichte. Prinzipiell stimmt das. Doch auch hier scheitert diese Inszenierung. Die Geschichte wird nämlich nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt. Allein in der ersten Hälfte hatte es den Anschein, als sei Mufasa mindestens dreimal gestorben, bevor im zweiten Teil die berühmte Szene seines Todes vollkommen vermasselt wurde. Denn parallel zur Musik, dem Hippie-Chor und den Sänger*innen, die alle um Aufmerksamkeit des Publikums kämpften, gab es im Hintergrund noch schlecht gezeichnete Animationen. Es trägt auch nicht gerade dazu bei, dass ständig zwischen genuscheltem Deutsch und Englisch gewechselt wird. Wenn Der König der Löwen nicht einer der ikonischsten Filme Disneys wäre, wüsste ich am Ende dieser Inszenierung beim besten Willen nicht, worum es geht.
Es gibt allerdings Lichtblicke. Im zweiten Teil sieht man immer wieder das Potenzial, das in dieser Inszenierung steckt. Plötzlich werden zwischen den Animationen Erklärungen eingeblendet, was in der Geschichte passiert. Leider viel zu spät, aber man hat auf einmal einen Überblick. Das Orchester und der Hippie-Chor werden in diskretes, dunkelblaues Licht getaucht, und der Hauptsänger wird mit einem Scheinwerfer fokussiert. Plötzlich hat er eine Bühnenpräsenz und man erkennt sein wahres Talent. Das dauert aber bedauerlicherweise nur maximal 10 Minuten, dann fängt das Durcheinander von vorn an.
Ich verstehe nicht, warum man das Orchester nicht mittig platziert. Der Chor, am besten in einheitlicher Kleidung, gehört entweder hinter dem Orchester oder von mir aus links und rechts davon. Dadurch können sich die Sänger*innen freier bewegen und haben Platz auf der Bühne, die Szenen auszuspielen. Lasst die Beleuchtung bitte ständig auf die Sänger*innen gerichtet und den Dirigenten dort, wo er hingehört: vor dem Orchester, dirigierend. Manche Songs werden zweimal von unterschiedlichen Personen gesungen und am Ende dürfen sich die einzelnen Parteien nicht vor dem Publikum verbeugen, wie es normalerweise gemacht wird. Es ist sehr konfus.
Diese Inszenierung von König der Löwen hat tatsächlich Potenzial. Aber so, wie es aktuell aufgeführt wird, wirkt es unfertig, improvisiert und unstrukturiert. Das Talent ist da. Vor allem vom Hauptsänger und dem Orchester. Es scheitert allerdings daran, dass die einzelnen Teile nicht zusammenarbeiten, sondern gegeneinander um die Aufmerksamkeit des Publikums konkurrieren. Auf vielen Ebenen ein einzigartiges Erlebnis.

Everything X-Men | Chris Claremont – Die Anfänge (2/3)
Setzen wir unsere Analyse von Chris Claremonts fantastischem X-Men-Run fort. Genauer gesagt: die ersten Jahre von 1975 bis 1978. Das ist »Everything X-Men«, wo ich jede Woche einen alten Text von mir vorstelle. Im dritten Jahr des Blogs stelle ich mein Projektstudium aus dem Medienwissenschaftsstudium vor. Das habe ich damals den X-Men gewidmet. Da ich die ursprünglichen Texte auf Englisch verfasst habe, übersetzte ich sie initial mit DeepL (inkl. der Zitate) und habe sie anschließend natürlich redigiert.
Als Letztes sind erschienen:
- X-Men First Class v1 (2007)
- Comic-Epochen (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5)
- Avengers Disassembled (Teil 1, Teil 2)
- House of M (Teil 1, Teil 2)
- Comic Book Events (Teil 1, Teil 2)
- Chris Claremont – Die Anfänge (Teil 1)
Erzählweise und Illustrationen
Wenn man sich die ersten siebzehn Ausgaben von Chris Claremont ansieht, hat man bereits das Gefühl, dass es sich eher um eine fortlaufende Geschichte handelt als bei den vorherigen Autoren. Die Serie von Kirby und Lee erinnerte mich an eine typische Serie von früher, die im Fernsehen lief. Die Erzählweise war sehr episodisch und jede Folge war in sich geschlossen. Jedoch hatte die Reihe von Thomas Adams bereits die Idee einer fortlaufenden Geschichte. Claremont perfektioniert sie. Zunächst bekommen wir kleinere Handlungsstränge, von Urlauben über Abschiede hin zu weiteren kleinen Einblicken. Diese sind jedoch stets miteinander verwoben, greifen ineinander, sodass es sich wie ein großer erzählerischer Akt anfühlt.
Die Geschichte in jeder Ausgabe wirkt natürlich, weil der Erzähler, die Gespräche und die Dinge, die in den Panels selbst gezeigt werden, sich nicht wiederholen. Alles trägt zu einem größeren Gesamtbild bei. Jede dieser Ebenen bietet mehr Informationen. Seien es Gedanken, Kontext oder persönlicher Hintergrund. Es gibt nur sehr wenig, was zweimal gesagt und/oder gezeigt wird. Dies gilt insbesondere für die späteren Ausgaben. Die Erzählung wird verwendet, um Dinge zu beschreiben, die man in einem Bild nicht oder zumindest nicht so gut zeigen kann. Die Kraft des Phönix (wir werden später noch ausführlich darauf eingehen) ist auf vielen verschiedenen Ebenen eine komplexe Angelegenheit. Man muss also die Bilder nutzen, um den Leser*innen eine Vorstellung davon zu vermitteln, was das bedeutet und was die Kraft des Phoenix bewirken kann. Der Text wird schließlich verwendet, um ihr eine Art Metaebene hinzuzufügen. Ich freute mich darauf, die Kraft des Phönix zum ersten Mal in Aktion zu sehen, und hätte nicht gedacht, dass es möglich sein würde, sie so umfassend zu erleben.
Ohne die Wiederholungen durch den Erzähler, durch die Illustrationen und die Figuren passiert in jeder Ausgabe viel mehr als je zuvor. Hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Eckpunkte:
Wir beginnen unsere Reise in einer Militärbasis, wo die X-Men auf Count Nefaria und seine Ani-Men treffen (sie haben offenbar bereits in den Ausgaben 22 und 23 gegen sie gekämpft). Zurück in der Villa begegnen sie einem Fabelwesen, das versehentlich von Scott freigelassen wurde. Danach verlassen einige X-Men die Basis, doch ihre Abreise am Flughafen wird von Eric the Red (einem weiteren wiederkehrenden Bösewicht, gegen den sie bereits in den Ausgaben 51 und 52 gekämpft haben) unterbrochen. Die X-Men wollen Weihnachten feiern, doch das einzige Geschenk, das sie bekommen, sind einige Sentinels. Diese greifen die X-Men auf dem Weihnachtsmarkt an. In der 100. Ausgabe erleben wir einen Kampf, den wir nicht erwartet hätten: X-Men gegen X-Men auf einer Raumstation. Während des Wiedereintritts versucht Jean, alle vor dem Tod zu retten. Aber sie stirbt selbst, wird wiedergeboren und entdeckt ihre Phoenix-Kraft. Nach all dem hat das Team doch einen Urlaub verdient, oder? Nun, in Irland (wo natürlich Kobolde leben) treffen sie in Banshees Schloss auf dessen Bruder und Juggernaut. Zu Hause werden Jean, ihre Eltern, ihre neue Mitbewohnerin und der Professor von Firelord angegriffen. Sie werden auf einen anderen Planeten gebracht, kämpfen gegen einen Teil des Shi’ar-Imperiums, treffen die Starjammer, bekämpfen einige Wächter und retten das Universum. Zurück auf der Erde wird Wolverine von seinem ehemaligen Arbeitgeber gejagt, und zu guter Letzt wird durch Warhawk in der »inventory issue« (# 110) eine neue, größere Bedrohung eingeführt.
Die neuen X-Men
„Ich bin ein X-Man, ganz einfach. Das hier ist mein Zuhause, mein Leben. Hier gehöre ich hin.“ – Scott
Zusätzlich zu all diesen großartigen Geschichten erfahren wir viel über unsere neuen Helden. Ihre Leiden, Sorgen, wo sie herkommen und was sie bislang erlebt haben. Wir erleben neue Beziehungen (Banshee und Moira) sowie einige tragische Todesfälle (John Proudstar) und X-Men, die das Team verlassen (Bobby, Lorna, Alex, Sunfire).
Was erzählt uns Chris Claremont über die neuen X-Men, und ist das innerhalb der Geschichte immer konsistent?
- Nightcrawler: Er spielt immer wieder eine wichtige Rolle in den Geschichten. Besonders interessant ist seine Beziehung zu Scott. Als sie von ihrer Weltraumreise zurückkehren, konfrontiert er Scott und möchte, dass dieser sich öffnet. Scott interpretiert Nightcrawlers ständig gute Laune fälschlicherweise als Zeichen für ein gutes und einfaches Leben. Aber er ist blau, behaart und hat einen Schwanz. Scott scheint diese Merkmale nicht als seltsam oder ungewöhnlich wahrzunehmen. Sie sind Teil von Nightcrawler, so wie das Visier Teil von Scott ist. Als Reaktion auf diese Fehlinterpretation antwortet Kurt sehr schroff, aber bevor sie ein richtiges Gespräch führen können, kommt Banshee in den Raum. Ich bin gespannt, wie sich diese Beziehung in den nächsten Ausgaben entwickelt. In Bezug auf seine Kräfte (z. B. Teleportation) sagt er, dass er seinen Schwung beibehält. Diesen Effekt sehen wir jedoch nicht häufig. Nightcrawler nutzt seine Teleportation zwar regelmäßig, wenn sich das Team in der Villa befindet, aber kaum während der Kämpfe. Das ist etwas, was ich am meisten vermisse. Das erste Mal habe ich diese Figur im zweiten Film gesehen, in der brillanten Kampfszene im Weißen Haus. Wenn er richtig eingesetzt wird, ist Nightcrawler einer der tödlichsten X-Men. Vielleicht lernt er noch dazu. Es gibt auch Hinweise, dass er noch nie zwei Personen gleichzeitig teleportiert hat. Vielleicht ein Setup für später? Wir müssen wohl noch etwas Geduld haben.
- Ororo: Während eines Kampfes zwischen Colossus und Juggernaut liegt Ororo einfach in einer dunklen Ecke – gelähmt vor Angst (Klaustrophobie). In einer Rückblende sehen wir, wie sie aufgewachsen ist, oder zumindest einige Höhepunkte davon. Ihre Eltern zogen nach Kairo, als sie sechs Monate alt war. Dort wuchs sie wie ein normales Kind auf, aber im Alter von fünf Jahren wurden ihre Eltern getötet. Dies geschah 1956, im Jahr des Suezkriegs. Ein beschädigtes Flugzeug wird getroffen und stürzt vom Himmel, wobei es genau den Bereich trifft, in dem Ororos Familie lebt. Sie überlebt knapp und lebt fortan auf der Straße, bis ein Mann namens Achmed El Gibàr sie aufnimmt. Er zeigt ihr, wie man überlebt. Eines Tages geht sie fort und wandert zur Serengeti-Ebene. Ihrer natürlichen Heimat. Sie lernt, ihre Vergangenheit zu vergessen, aber die Klaustrophobie bringt alles zurück an die Oberfläche.
- Colossus: Das Tragischste, was wir von ihm erfahren, ist, dass sein Bruder Mikhail, ein russischer Kosmonaut, bei einem Unfall ums Leben kam. Seine Rakete explodierte.
- Wolverine: Einmal erwähnt er kurz seine vielschichtige Vergangenheit, aber nichts Konkretes. In Ausgabe Nr. 98 nutzt er zum ersten Mal seine Krallen ohne Uniform. Seine Kameraden dachten, sie seien Teil seines Kostüms und nicht Teil von ihm – eine Erinnerung daran, dass man sich als Leser*in und Fan an etwas gewöhnen kann und offen bleiben muss, wenn man so etwas zum ersten Mal liest.
Eine Sache, über die ich nicht sprechen möchte – vor allem, weil ich nicht sicher bin, ob ich alles richtig verstanden habe –, ist die Sache mit dem Shi’ar-Imperium. Der Professor hat Visionen von Prinzessin Lilandra, die von ihrem eigenen Bruder, dem Kaiser, gejagt wird. Sie scheint über ähnliche Kräfte wie der Professor zu verfügen und verbindet sich mit ihm. Die X-Men werden in Ausgabe Nr. 105 in diesen Konflikt hineingezogen. Ich empfehle wärmstens, diese Ausgabe zu lesen. Für mich persönlich ist dies ein Höhepunkt von Claremonts Erzählkunst. Ich mag sie unter anderem wegen ihrer Komplexität. Die Geschichte zeigt, was Comics leisten können – wenn sie richtig gemacht sind.
Im Puff
Manche Chancen muss man einfach nutzen. Es kommt die Zeit im Leben eines Mannes, da kann man nicht anders. Dann besucht man vielleicht Etablissements, von denen man nie gedacht hätte, sie zu betreten. So geschehen am vergangenen Wochenende. Denn es bot sich die einmalige Gelegenheit, das ehemalige Freudenhaus in der Steingasse in Salzburg zu besuchen, welches gerade zu einem Luxushotel umgebaut wird. Wobei Luxushotel nach Prunk und Größe und ausschweifenden Zimmern klingt. Das ist für dieses zukünftige Hotel nur bedingt richtig.
Grund dafür ist, dass das über 500 Jahre alte Gebäude gerade einmal vier Meter breit ist. Was ich nicht wusste, ist, dass es sich um ein ehemaliges Gerbereihaus handelt. Die Salzach reichte damals bis quasi zur Haustür, so konnte diverser Abfall und dergleichen direkt entsorgt werden. Über das Dasein des Hauses als Puff erfuhr man leider nichts, aber trotzdem war es eine der wohl ungewöhnlichsten Führungen, die ich je erlebt habe. Und ich habe schon sehr viele Führungen in Salzburg mitgemacht. Das Ungewöhnliche rührt allerdings eher daher, wie das Haus aufgebaut ist. Es gibt nur eine Handvoll kleiner Räume. Das Treppenhaus ist verwinkelt, schmal, steil, jede Stufe ist anders und man muss wirklich aufpassen, wo man hintritt. Aktuell ist es auch noch eine Baustelle, womit das noch einmal mehr zutrifft.
Das Hotel an sich, wenn es fertig ist, wird ebenfalls ungewöhnlich. Es gibt dann lediglich die Rezeption und fünf Zimmer. Keine Küche, kein Aufenthaltsraum, keine Bar, nichts – wo sollten diese Sachen auch Platz haben? Es war schon eine Herausforderung, die Zimmer unterzubringen. Bei manchen wird die Dusche im Zimmer sein, bei anderen geht man durchs Bad ins Zimmer, und wie bei anderen ist die Toilette im ehemaligen Kamin untergebracht. Das oberste und unterste Zimmer sind auf zwei Stöcke aufgeteilt. Auf den gerenderten Bildern sieht das alles luxuriös und toll aus und es wäre spannend, einmal eine Nacht oder zwei dort zu verbringen. Jedoch wird das weit jenseits meines Budgets liegen.
Die Führung war eine einmalige Chance und wird sich so schnell nicht mehr ergeben. Vor allem in diesem Zustand wird man das Gebäude nicht mehr sehen können. Doch vieles von den alten Substanzen wird erhalten. Sei es die Holzbalken der Decken, die Kerzennischen oder Marmorböden und so weiter. Dass es sich einmal um einen Puff gehandelt hat, wurde daher schnell zur Nebensache und galt eher als lustiger Aufhänger. Tatsächlich war es ein spannender und einzigartiger Einblick in die Vergangenheit der Stadt. Ein seltsames und zugleich furchtbar spannendes Gebäude.
Lokalbahn am Ende
Diesen einen speziellen Waggon erkennt man bereits aus weiter Ferne. Nicht anhand einer schreienden Farbe oder sonstiger äußerer Merkmale. Man hört ihn. Er schlägt förmlich auf die Schienen, tobt und braust sich auf. Alle sollen wissen, dass er kommt. Aber natürlich ist dies keine Absicht, denn es handelt sich – mutmaßlich – um jahrelange Sparmaßnahmen, Vernachlässigungen und alles, was man auch immer wieder von der Deutschen Bahn hört. Dieser eine Waggon, der sich ganz und gar nicht normal anhört und einen Lärm verursacht, dass jeder Specht neidisch wird, ist nicht mehr allein. Als ich letztens nach Salzburg fuhr (und leider auch wieder beim Nachhausefahren), hatte ich ebenfalls einen Zug, der schrecklichen Lärm machte.
Ein Arbeitskollege erzählte schließlich von einem Waggon, bei dem der Mülleimer so laut klapperte, dass es sich ebenfalls nach einem mechanischen Problem anhörte. Vielleicht war auch das mein Waggon gewesen. Wer weiß das schon? Allerdings ist es schon bezeichnend, wenn nicht einmal mehr Mülleimer so montiert oder repariert werden können, ohne dass es sich so anhört, als hätte man besser noch ein Testament aufgesetzt. Dann gibt es wieder Abschnitte, in denen man durchgeschüttelt wird, weil die Waggons zu wackeln anfangen. Man fährt auch Schienen. Die sind in der Regel parallel und gerade verlegt. Was wackelt da?
Man muss der Lokalbahn allerdings zugutehalten, dass sie seit Jahren Abschnitte renoviert, und scheinbar kommen nächstes Jahr endlich neue Garnituren zum Einsatz. Natürlich hätte man das in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten laufend machen sollen, sodass man nun nicht jeden Sommer die halbe Strecke aufgrund der Renovierungsarbeiten sperren muss. Dieses Jahr ist das schlimmste, da über drei Monate die Strecke zwischen Bürmoos und Salzburg gesperrt ist. Ich bin sehr gespannt, wie es mit dem Schienenersatzverkehr aussieht und ob dieser einen ausreichenden Ersatz bieten kann. Es bräuchte viel mehr Busse, als jetzt Züge fahren, um das auch nur annähernd auszugleichen, und verschiedene Strecken – normale, express und so weiter.
Dass man an diesen grundsätzlichen Dingen so sehr sparen kann, bis es gar nicht mehr geht, verstehe ich nicht. Öffentliche Verkehrsmittel sind für viele der Arbeitsweg. Ich glaube, es ist nicht untertrieben, zu sagen, dass ein gut ausgebautes und funktionierendes, regelmäßig gewartetes und modernisiertes System ein Grundpfeiler für die Wirtschaft und auch den Wohlstand eines Landes ist. Die Menschen fahren nicht nur zur Arbeit, sondern gehen auch einkaufen, essen, feiern, besuchen Freunde und so weiter. Und wir sind kein armes Land. Es zeugt nicht nur von Inkompetenz, hier sparen zu wollen, sondern es vielleicht auch noch in private Hand zu geben (ich spreche jetzt allgemein), ist Irrsinn. Öffentliche Betriebe sollen nicht unbedingt gewinnbringend sein. Sie sollen sich selbst erhalten oder sie werden querfinanziert anhand dessen, wo die Leute dann ihr Geld verdienen und wieder ausgeben. Dass das nicht verstanden wird, zeugt oft von realitätsfernen Weltansichten.
Legendenbildung
Wer es noch nicht wusste: 2010 haben wir das Musik als Konzept durchgespielt und müssen eigentlich nichts mehr Neues produzieren. Was ist passiert? Beim ESC 2010 präsentierte »SunStroke Project« den Song »Run Away«. Grundsätzlich ein ganz unterhaltsames Lied. Aber wie es ein YouTube-Kommentar richtigerweise ausgedrückt hat: Der Saxofonist wird leider konstant durch die Sänger*innen und anderen Musiker*innen unterbrochen. Deshalb gibt es bedauerlicherweise nur etwa 15 Sekunden der wohl ikonischsten Performance des ESC. Immerhin überdauert dieses Meme nun schon 16 Jahre und wird immer noch in so manchen popkulturellen Erzeugnissen verwendet.
Mir kam es das erste Mal bei einem kurzen Video von CarbotAnimations unter. Dieser zauberhafte Kanal hat sich dem Parodieren von Videospielen gewidmet. Mit viel Herz, Gefühl und Leidenschaft entstehen immer wieder großartige Einträge. Ich kann die Playlist zu Elden Ring sehr empfehlen. Sie ist wahrhaftig komplett – mit Heldenreise, emotionalen Momenten, epischen Schlachten – eben alles, was Elden Ring von Grund auf zu bieten hat – und zudem unfassbar lustig. Ein Höhepunkt ist die Hauptstadt der Zwischenlande: Leyndell. In der Parodie kommt das Meme des Epic Sax Guy vor.
Lange habe ich nicht gewusst, um was es sich handelt. Dann habe ich irgendwann den Song von SunStroke Project gefunden, bis ich erst vor Kurzem herausgefunden habe, dass es sich um eine Performance beim ESC 2010 handelt. Aber man muss sich zum Glück nicht immer den kompletten Song anhören, um zu den glorreichen 15 Sekunden zu kommen. Der offizielle YouTube-Kanal des ESC hat uns mit einer 10-Stunden-Fassung beglückt, die man jederzeit im Hintergrund laufen lassen kann. Ich will nicht offenbaren, wie lange ich schon hineingehört habe. Es genügt wahrscheinlich, zu sagen, dass ich dieses Meisterwerk immer mal wieder zurate ziehe. Ein paar Loops und schon geht es einem besser. Ist das die gute alte Zeit, von der alle sprechen?
Some People win the contest, others become legends.
There is only war
Im Juni ist es endlich so weit. Die neue, 11. Edition von Warhammer 40k erscheint. Wie mit jeder neuen Edition kommt auch dieses Mal selbstverständlich eine Starter-Box. Diese enthält dieses Mal meine liebste Space-Marine-Fraktion: Blood Angels. Orks sind auch dabei. Da ich diese noch nie gebaut oder bemalt habe, ist das eine nette Ergänzung. Die Tyraniden, die in der Box zur 10. Edition enthalten waren, haben sich zu meiner liebsten Xenos-Fraktion entwickelt. Vielleicht ist das mit den Orks ebenfalls so. Ich lasse mich gerne überraschen. Die Lore und das Magie-System, wenn man es bei den Orks überhaupt so bezeichnen kann, haben mich schon immer fasziniert. Vielleicht gelingt mir mit der 11. Edition der Einstieg in diese Armee. Sich 2026 mit Warhammer zu beschäftigen, ist allerdings schon auch etwas seltsam.
Versteht mich nicht falsch, es ist und bleibt ein faszinierendes Hobby. Dieses absolut übertriebene, dystopische Universum, in dem sich unterschiedlichste Fraktionen in endlosen Kriegen die Köpfe einschlagen und um ihr Überleben kämpfen, hat eine Anziehungskraft und Vielschichtigkeit, die ich von keinem anderen Hobby wirklich kenne. Immerhin konsumiert man hier nicht nur Filme oder Serien oder Comics. Man baut und bemalt die Figuren. Man rekreiert Schlachten, über die man gelesen hat. Über Charaktere, die man gerade noch bemalt hat, kann man ganze Buchreihen lesen. Aber sich in der aktuellen Zeit als Ablenkung für die reale Welt ein noch viel dystopischeres Universum auszusuchen, in dem es um Krieg geht und in dem keine per se „guten“ Fraktionen vorkommen, verlangt schon eine gewisse Ambiguitätstoleranz. Aber das ist eben der feine Unterschied, den man machen muss. In der Fantasy, in der fiktiven Welt von Warhammer 40k, kann Krieg cool, episch und heldenhaft sein. In der realen Welt ist er grausam, brutal und vernichtend. Solange man diese Trennlinie weiterhin ziehen kann, ist, aus meiner Sicht, noch alles in Ordnung.
„There is only war“ ist eine Tagline, eine Marketingkampagne, die nichts mit unserer Realität gemeinsam hat. In der Vergangenheit hat sich Games Workshop durchaus des Öfteren dazu berufen gefühlt, zu betonen: »Warhammer is for everyone«. So traurig es ist, dass Games Workshop das manchmal betonen muss, so wichtig ist es immer wieder, diese Botschaft zu unterstreichen und herauszustellen. Leider gibt es Arschlöcher, Idioten und einfältige, rechtsradikale, Möchtegern-Alphamänner, die sich einreden, ihre dummen, eingeschränkten, intoleranten Ansichten in die Welt tragen zu müssen, die sich einbilden, sie seien etwas Besseres, nur weil sie auf andere herabblicken, sie beleidigen und manchmal sogar angreifen. Aber das hat nichts mit Warhammer zu tun. Das hat in keiner Fanbase etwas verloren. Bei Star Wars ist der Kampf Gut gegen Böse sehr viel deutlicher auszumachen. Warhammer (besonders 40k) entstand aus einer Satire auf die wirkliche Welt heraus. Deshalb ist es so übertrieben und böse und ohne die typische gute Fraktion. Dass manche das vergessen oder übersehen, ist äußerst schade. Umso wichtiger ist es, dass Games Workshop das selbst immer wieder herausstellt. Auf der anderen Seite ist dann vielleicht an der Zeit, das Marketing oder die Lore oder die Herangehensweise an die Geschichten wieder mehr den satirischen Ursprüngen anzugleichen. Die vergangenen Ereignisse in der Welt von 40k haben sicherlich in diese Richtung gezeigt und eröffnen Möglichkeiten dorthin.
Für mich ist und bleibt es ein faszinierendes Hobby. Es bietet spannende Geschichten und Zerstreuung nach einem anstrengenden Tag. Das Bauen und Bemalen der Figuren bietet ein kreatives Outlet, bei dem ich etwas schaffen kann und das abseits von Bildschirmen funktioniert. Analog und nur für mich. Ich freue mich sehr auf die neue Edition, bin gespannt, welche neuen Modelle vorgestellt werden und ob mich die Orks in ihren Waaagh ziehen können.
- warhammer-community.com | The Imperium Is Driven by Hate. Warhammer Is Not.
- YouTube | Warhammer | Armageddon: Warhammer 40,000 New Edition Cinematic Trailer
Experimentelle Technik
Dafür, dass ich mich quasi spontan dafür entschieden habe, eine Tyraniden-Armee aufzubauen, gefallen mir die insektenähnlichen Viecher ausgesprochen gut. Das ist das Praktische, wenn man sich die Editionsboxen von Warhammer 40k kauft und dann liegen lässt. Drei Jahre später hat man eine gute Grundlage. So sind die Tyraniden in der Box ein äußerst guter Ausgangspunkt für eine ansehnliche Armee. Mir kommen auch immer wieder Ideen für Kitbashing-Projekte und kreative Bases, die ich noch umsetzen möchte. Doch erst einmal wollen die vorhandenen Figuren bemalt werden.
Seit ich mir eine Handvoll Videos angeschaut habe, welche Techniken es so gibt (Spoiler: Es gibt sehr viele), bekomme ich von YouTube immer mehr solche Videos vorgeschlagen und muss mich etwas zurückhalten. Denn die Menge an Informationen und Möglichkeiten kann durchaus schnell überfordern. Gleichzeitig erlaubt mir die Vielfalt an Maltechniken, an jeden Trupp etwas anders heranzugehen. Auch das ist das Praktische an Tyraniden: Es handelt sich um Alien-Viecher. Jede Abweichung oder warum ein Trupp anders aussieht als der daneben, kann mit der Natur erklärt werden. Lebewesen sind eben anders als Space Marines.
Das führt dann auch gleich zum Thema Farbschema, das man der Armee geben möchte. Die Freiheit, mich hier auszutoben, ist durchaus befreiend. Denn die verschiedenen Techniken und Methoden und Farbkombinationen machen Freude. In der Lore und den bisherigen Schwärmen, die die Galaxis von Warhammer 40k heimsuchten, sehen die Tyraniden zwar meist gleich aus, aber das muss natürlich nicht immer so sein. Es wäre auch viel zu schade, wenn alle gleich aussehen – ist zumindest mein Standpunkt. Nur die Bases haben stets eine ähnliche Struktur und farbliche Gestaltung, damit dies als verbindendes Element funktioniert.
Ich mag allerdings nicht nur Abwechslung beim Farbschema selbst, sondern auch bei dem, was ich bemale. Denn 20 Termagants gleichzeitig zu bemalen, artet schnell in eine Serienfertigung aus. Deshalb bemale ich mehrere Trupps auf einmal. Aber welche Techniken habe ich bisher so angewendet? Bei den 20 Termagants war die Herangehensweise klassisch mit Pinsel. Was das grundlegende Schema anbelangt, habe ich mich an der Albino-Variante des YouTube-Kanals „Midwinter Minis“ orientiert. Für die 5 Bargaunts habe ich mich an Tinte und einer Technical-Farbe versucht und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Bei den 10 Neurogants (eigentlich 11, wenn man den Leader dazurechnet) habe ich eine Schwamm-Tupf-Technik angewendet. Die Haut habe ich schließlich mit einer verdünnten Contrast-Paint bemalt.
Die genauen Techniken werde ich zukünftig als eigene Texte präsentieren. Aber dazu müssen die Figuren erst einmal fertig werden. Das dient dann auch als Nachschlagewerk für mich, falls ich die Techniken mal wieder anwenden und rekreieren möchte. Bislang bin ich mit den Resultaten sehr zufrieden. Vor allem mit dem grünen Untergrund ergibt sich ein schöner Kontrast zu den Tyraniden. Mal sehen, welche Techniken und Farbschemata mir noch begegnen.




Souls-Spiele und grau-brauner Matsch
Die typischen Soulslike-Spiele fallen in ein ähnliches Setting: Dark Fantasy. FromSoftware und ihr kreatives Oberhaupt Hidetaka Miyazaki haben das Genre der Souls-Spiele erfunden. Wenn diese Spiele von FromSoftware erscheinen, redet man üblicherweise von Soulsborne; auch in Anlehnung an deren Meisterwerk Bloodborne. Nehmen sich andere Entwicklerstudios die Spiele von FromSoftware als Inspiration und redet man von einem Soulslike – da es zwar dem Konzept entspricht, aber nicht vom Schöpfer selbst stammt. Soweit also die Grundlagen dieses Begriffs.
Souls-Spiele zeichnen sich dadurch aus, dass sie (typischerweise) keinen Schwierigkeitsgrad haben, knüppelhart sind und eben dem Dark-Fantasy-Genre angehören. Ob jetzt Spiele wie »Lies of P« Dark-Fantasy sind, mag jede und jeder für sich entscheiden, aber ich würde es durchaus dazuzuzählen. Den Souls-Spielen ist ebenfalls gemein, dass man gewisse Ressourcen verliert, wenn man stirbt, typischerweise die Geldeinheiten, die man aufgesammelt hat. Wenn man noch einmal stirbt, bevor man sich diese Geldeinheiten zurückholen kann, gehen sie verloren. Ein Fokus dieser Spiele liegt meist auf den Bosskämpfen. Das sind die großen Highlights. Dabei sollten sie durchaus anspruchsvoll sein, aber nie unfair.
In den vergangenen Jahren sind immer mehr dieser Soulslikes entstanden. Spätestens mit FromSoftwares (bisherigem) Magnum Opus »Elden Ring« hat das Genre ein breiteres Publikum erreicht und den Weg in den Mainstream gefunden. Es war auch meine Einstiegsdroge. Etwas, das diese Spiele auch auszeichnet, ist ihr Setting. Dark Fantasy kann viele Facetten annehmen. Es soll nicht unbedingt immer bedrückend sein, doch eine dichte Atmosphäre und eventuelle Horrorelemente sind gerne gesehen. Zwei durchaus ernstzunehmende Kandidaten waren in den letzten Jahren »The First Berserker: Khazan« und »Lords of the Fallen«. Beide schaffen es, eine dichte Atmosphäre aufzubauen und dem Genre etwas Eigenes anzubieten. Das künstlerische Design beider Spiele ist hervorragend und sie machen Spaß. Doch beide habe ich abgebrochen (wobei ich mir bei »Lords of the Fallen« noch nicht sicher bin). Grund dafür ist nicht unbedingt die Schwierigkeit, sondern das Color Grading. Ich finde beide Spiele teils furchtbar langweilig anzuschauen.
Am schlimmsten ist es bei Khazan. Manche Level gehen unter in einem grau-braun-rötlichen Matsch, der es schwer macht, Details zu unterscheiden. Kontrast sucht man teils vergebens. Dazu kommt eine Dunstwolke, die vielleicht einen coolen Effekt machen soll, aber nur dazu führt, dass alles noch einheitsbreiiger aussieht, als ohnehin schon. Außerdem verbringt man in beiden Spielen viel Zeit in Tunneln, Dungeons, Schluchten oder vernebelten Bergen. Eines der letzten Level, die ich in Lords gespielt habe, beinhaltete ein Dorf in einem Sumpf. Das Dorf war aus Holz gebaut. Aber sowohl der sumpfige Teil als auch das Holz und die Bäume und der Himmel verschwammen zu einem einzigen braunen Amalgam. Am Ende (oder war es davor? Ich bin mir nicht mehr ganz sicher) bekämpft man einen Boss, der ebenfalls diese Farben aufweist, was den Kampf visuell sehr schwierig macht. Man erkennt nichts.
Elden Ring hat mit seinem DLC »Shadow of the Erdtree« gezeigt, dass Souls-Spiele durchaus Kontrast haben dürfen und bunte Farben. Das düstere Setting muss darunter nicht leiden. Dark Fantasy heißt nicht, dass es immer dunkel ist und ich nichts sehen darf. Das “dunkle” Mittelalter heißt auch nicht so, weil es immer finster und düster war. Oder nehmen wir den FromSoftware-Titel »Bloodborne«. Hier ist es meist dunkel und düster, aber Details erkennt man trotzdem. In Lords hat man immer mal wieder Momente, genauso wie in Khazan, wo man aus dem grau-braunen Einheitsbrei ausbricht, aber so richtig lange dauern diese Passagen nicht. Die Einstellungen helfen genauso wenig. Es ist ein grundlegendes Design-Problem.
Wenn man sich etwa das Artwork ansieht, dann strotzen diese vor Kontrasten und Farben und coolen Ideen. Im finalen Produkt bleibt davon allerdings sehr wenig übrig – leider. »Silksong«, ein anderes Meisterwerk von Team Cherry, hat ebenfalls eine dystopische Welt mit wenig Hoffnung. Trotzdem ist es visuell abwechslungsreich, farbenfroh und mit Kontrasten gesegnet. Das nimmt der Stimmung und Atmosphäre nichts weg. Ich würde mir wünschen, dass zukünftige Spiele das besser machen. Ich finde so etwas langweilig und teils mühsam zu spielen, da es anstrengt, sich so auf das Visuelle konzentrieren zu müssen. Das lenkt von den Kämpfen ab und ermüdet beim Erkunden der Welten. Schade. So werde ich diese eigentlich guten Spiele wohl nicht zu Ende bringen.
Everything X-Men | Chris Claremont – Die Anfänge (1/3)
Endlich ist es so weit. Wir sind bei Chris Claremont angekommen und seinen ersten Herrschaftsjahren über die X-Men (1975–1978). Willkommen zu »Everything X-Men«, wo ich jede Woche einen alten Text von mir vorstelle. Für das dritte Jahr des Blogs habe ich mir überlegt, mein Projektstudium aus dem Medienwissenschaftsstudium vorzustellen. Das habe ich damals den X-Men gewidmet. Mit dem heutigen Text sind wir endlich bei Chris Claremont gelandet. Da ich die ursprünglichen Texte auf Englisch verfasst habe, übersetzte ich sie initial mit DeepL (inkl. der Zitate) und habe sie anschließend natürlich redigiert. Ohne weitere Umschweife stürzen wir uns ins Abenteuer.
Als Letztes sind erschienen:
- X-Men First Class v1 (2007)
- Comic-Epochen (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5)
- Avengers Disassembled (Teil 1, Teil 2)
- House of M (Teil 1, Teil 2)
- Comic Book Events (Teil 1, Teil 2)
Einleitung
In diesem Artikel sehen wir uns die ersten Ausgaben von Chris Claremonts X-Men-Run genauer an. Wir beginnen mit »Giant-Sized X-Men # 1« und machen mit X-Men # 94 bis # 110 weiter. Ich denke, # 110 ist ein guter Punkt, um die Diskussion zu beenden, da es sich um eine sogenannte »inventory issue« handelt. Es ist ein Füller des Gastkünstlers Tony DeZuniga. Nach dieser Ausgabe übernimmt John Byrne bis zur Ausgabe # 143 die künstlerische Seite.
Laut Joseph Darowski (2011) war der Grund für den Neustart der X-Men nicht so uneigennützig, wie man hoffen könnte. Man wollte einfach mehr Comics international verkaufen, und Roy Thomas (damals Chefredakteur von Marvel) schlug vor, die X-Men zu verwenden. Die X-Men wurden zu dieser Zeit neu aufgelegt, da man sich dadurch neue Leser*innen versprach, die damit auch leichteren Zugang zu den Charakteren und ihrer Geschichte finden sollten. Len Wein und Dave Cockrum wurden zum Autor und Zeichner der neuen Inkarnation des Teams. Aber, wie Thomas es ausdrückt, ging die Idee eines internationalen Teams dabei ein wenig verloren. Die neuen Mitglieder kamen unter anderem aus Kenia und Russland, „kaum Märkte, in denen Marvel 1975 viele Comics verkaufte“.
Je nachdem, wen man fragt, hört oder liest man vielleicht unterschiedliche Versionen dieser Geschichte. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass die Leute bei Marvel daran interessiert waren, eine ethische, intrinsische Motivation für den Neustart aufrechtzuerhalten, als nur mehr Geld zu verdienen.
Die X-Men wurden jedenfalls neu aufgelegt. Und mit Ausgabe Nr. 94 begann Chris Claremont seine siebzehnjährige Herrschaft über das Team. Während dieser Zeit schrieb er fast jedes Skript der X-Men, startete Spin-offs, limitierte Reihen und Maxi-Serien, schuf neue Charaktere und schrieb Geschichten, deren Einfluss bis heute spürbar ist. Zunächst erschienen die Comics alle zwei Monate, dann monatlich (beginnend mit Ausgabe Nr. 112).
Ein neuer Anfang: Giant-Sized X-Men # 1
„Was uns zu unserem nächsten kleinen Problem bringt … was machen wir mit dreizehn X-Men?“ – Angel
Obwohl Chris Claremont nicht als Teil des Teams aufgeführt ist, soll er angeblich an der Neuauflage beteiligt gewesen sein. Aber wer sind diese neuen X-Men und wie sind sie zusammengekommen?
Praktischerweise verschwanden alle ursprünglichen Mutanten während einer Mission auf der mysteriösen Insel Krakoa (ein Name, der einigen Leser*innen bekannt vorkommen dürfte). Sie untersuchten einige seltsame Anzeichen und verschwanden einfach. Nur Scott überlebte und überbrachte dem Professor die schreckliche Nachricht. Xavier begibt sich auf eine Reise um die Welt, um ein neues Team von Mutanten zusammenzustellen. Sie sollten nicht nur die ursprünglichen X-Men retten, sondern auch Teil von ihnen werden.
„Die neuen Teammitglieder waren Nightcrawler (ein deutscher Teleporter namens Kurt Wagner), Storm (Ororo Munroe, eine Wetterkontrolleurin aus Kenia), Colossus (der Russe Peter Rasputin, der sein Fleisch in Stahl verwandeln konnte), Banshee (der Ire Sean Cassidy, der einen Schallschrei hatte), Warpath (John Proudstar, ein Indianer mit Superkräften), Sunfire (ein Feuerbändiger aus Japan namens Shiro Yoshida) und Wolverine (der Kanadier mit Klauen und einer Heilungsfähigkeit, der nur als Logan bekannt ist). Nicht alle diese Charaktere blieben lange bei den X-Men, aber dieser Neustart etablierte die X-Men endgültig als ein Team, das internationale Charaktere auf eine Weise integrierte, wie es andere Marvel-Superheldenteams wie die Avengers oder die Fantastic Four selten taten.“ (Darowski, 2011, S. 123) Als das neue Team auf der Insel landet, stellt sich heraus, dass diese selbst ein Mutant ist.
Natürlich entstand Krakoa durch eine atomare Explosion rein zufällig (ein Überbleibsel des Atomzeitalters der Comics?). Sie besiegen ihren Feind mit der vereinten Kraft von Storm und Lorna Dane. Allerdings hilft der Professor dabei, die Mutanteninsel abzulenken, während sie ihren Angriff vorbereiten. Dies ist ein erstes Anzeichen dafür, dass diese neue Version einige Dinge anders macht. Zwei Frauen retten sie alle – in früheren Ausgaben wäre dies nicht möglich gewesen. An dieser Stelle spielt Jean keine wirklich aktive Rolle in der Geschichte. Dieser Fehler wird in kommenden Handlungssträngen korrigiert werden.
Ich möchte zwei Dinge zu diesen neuen Mitgliedern hervorheben.
Erstens: Ororo ist für die Ureinwohner, bei denen sie lebt, eine Göttin. Sie beten zu ihr und suchen ihre Hilfe, wenn es nötig ist. Die Fähigkeit, Wetter zu kontrollieren und innerhalb von Sekunden Regen fallen zu lassen, kann eine mächtige Waffe sein und wirkt sehr gottähnlich. Der Erzähler sagt, dass „ihre flüssigen Augen dunkel werden“, wenn sie ihre Kräfte einsetzt, was an sich schon ein kraftvolles Bild ist. Leider werden ihre Augen in den Illustrationen als rein weißlich dargestellt (auch in den Filmen werden sie weiß).
Zweitens, die Rekrutierung von Colossus: Die Geschichte seiner ersten Begegnung mit dem Professor ist etwas weit hergeholt. Vor allem, weil seine Schwester in Gefahr ist, auf einem offenen Feld von einem Traktor überfahren zu werden. Traktoren können sehr laut sein. Wie kann man von ihnen überrascht werden? Sie sitzt einfach auf dem Feld und tut nichts. Als Peter sie dann in seinen Händen hält, steht er einfach da und zerstört das Fahrzeug. Er hätte einfach aus dem Weg springen können. Fiel dem Autor keine bessere Geschichte ein, um uns Peters Kräfte vorzustellen?
Wie auch immer, das neue Team ist zusammengestellt und:
„Unter den neuen Mitgliedern des Teams befand sich kein einziger weißer Amerikaner, und viele der vertretenen Minderheiten waren in den Vereinigten Staaten weitverbreiteten Vorurteilen ausgesetzt, die zum Großteil von der Regierung institutionalisiert worden waren. Deutschen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg und den weithin bekannten Schrecken des Holocaust misstraut. Afrikaner leiden seit Langem unter Vorurteilen in Amerika, angefangen mit dem Sklavenhandel. Die allgemeine Stimmung gegenüber Russen während des Kalten Krieges war alles andere als freundlich, und ein osteuropäischer Akzent konnte zu Vorwürfen des Kommunismus führen. Die antiirische Stimmung war Mitte des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten am stärksten, als die Diskriminierung am Arbeitsplatz sogar dazu führte, dass in Stellenanzeigen NINA-Schilder (No Irish Need Apply) angebracht wurden. Die amerikanischen Ureinwohner wurden in den Vereinigten Staaten seit der Ankunft der ersten Siedler an den Küsten des Landes misshandelt, und die Zwangsumsiedlung in Reservate ist nur einer von vielen Missständen. Während des Zweiten Weltkriegs zwang die Regierung japanischstämmige Amerikaner aufgrund von Misstrauen, in Internierungslagern zu leben.“ (Darowski, 2011, S. 125-126)
Bevor wir uns vom Neustart von Giant-Sized verabschieden, noch ein paar letzte Fakten:
- Die Schule von Xavier befindet sich in Westchester, New York.
- Wir bekommen bereits einen Eindruck von einem größeren Universum, als der Professor seinen neuen Schülern von ihren neuen Kostümen erzählt: „Ich habe sie von einem Mann namens Reed Richards bekommen …“
- Hank hat offenbar mit den X-Men abgeschlossen und arbeitet nun mit den Avengers zusammen (und ist endlich blau und pelzig).
Schnecke
Am Wochenende habe ich mal wieder einen schönen, ausgiebigen Spaziergang unternommen. Die Au in Weitwörth ist dabei immer ein hervorragendes Ziel. Hin und zurück bin ich dabei knapp über 2 Stunden unterwegs, also genug Zeit, um die Natur zu genießen und ein paar gute Podcasts zu hören. Unter anderem, um die aktuellen Hoaxilla-Folgen nachzuholen, die schon wieder viel zu lange in der Playlist liegen. Samstag war es zudem auch noch sonnig und warm. Wobei ich schon recht früh am Vormittag losgegangen bin. Ich wollte einfach raus und da ich ohnehin länger unterwegs sein würde, hatte die Sonne ausreichend Zeit, die lästigen Wolken aus dem Himmel zu verbannen.
Natürlich sind mir wieder die typischen Menschen untergekommen, die es nicht schaffen, ihre Hunde anzuleinen und die auch nicht wirklich so aussehen, als hätten sie ihre Viecher unter Kontrolle, wenn es darauf ankäme, aber darüber möchte ich mich heute nicht aufregen. Ich ging gedankenverloren und dem Podcast lauschend genüsslich über den Schotterweg in der Au, da erblickte ich eine Schnecke am Boden. Ich hielt sofort inne, da ich fast draufgetreten war. Erst machte ich noch ein paar Schritte, kehrte schließlich aber doch um, um ein hübsches Bild von der Schnecke zu machen, die sich gerade ihren Weg über die Steine bahnte.
Normalerweise finde ich Schnecken eher eklig, vor allem wenn sie an Fenstern oder Terrassentüren kleben. Das hatte ich des Öfteren in meiner Einzimmerwohnung in Reutlingen. Meine erste Wohnung fürs Studium befand sich dort im Erdgeschoss eines Hauses und dort lebten scheinbar gerne Schnecken. Weiße Schnecken, um genau zu sein. Regelmäßig musste ich diese von Fenstern und Türen entfernen. Keine angenehme Sache. Aber in der freien Natur sind sie mir relativ egal, und diejenige, die ich am Wochenende erblickte, machte einen tollen Eindruck. Also: Augen auf beim Spazierengehen. Die größeren Exemplare sieht man einfacher, aber es gibt auch kleinere, auf die man gerne tritt. Und es wäre doch schade darum.
