There is only war
Im Juni ist es endlich so weit. Die neue, 11. Edition von Warhammer 40k erscheint. Wie mit jeder neuen Edition kommt auch dieses Mal selbstverständlich eine Starter-Box. Diese enthält dieses Mal meine liebste Space-Marine-Fraktion: Blood Angels. Orks sind auch dabei. Da ich diese noch nie gebaut oder bemalt habe, ist das eine nette Ergänzung. Die Tyraniden, die in der Box zur 10. Edition enthalten waren, haben sich zu meiner liebsten Xenos-Fraktion entwickelt. Vielleicht ist das mit den Orks ebenfalls so. Ich lasse mich gerne überraschen. Die Lore und das Magie-System, wenn man es bei den Orks überhaupt so bezeichnen kann, haben mich schon immer fasziniert. Vielleicht gelingt mir mit der 11. Edition der Einstieg in diese Armee. Sich 2026 mit Warhammer zu beschäftigen, ist allerdings schon auch etwas seltsam.
Versteht mich nicht falsch, es ist und bleibt ein faszinierendes Hobby. Dieses absolut übertriebene, dystopische Universum, in dem sich unterschiedlichste Fraktionen in endlosen Kriegen die Köpfe einschlagen und um ihr Überleben kämpfen, hat eine Anziehungskraft und Vielschichtigkeit, die ich von keinem anderen Hobby wirklich kenne. Immerhin konsumiert man hier nicht nur Filme oder Serien oder Comics. Man baut und bemalt die Figuren. Man rekreiert Schlachten, über die man gelesen hat. Über Charaktere, die man gerade noch bemalt hat, kann man ganze Buchreihen lesen. Aber sich in der aktuellen Zeit als Ablenkung für die reale Welt ein noch viel dystopischeres Universum auszusuchen, in dem es um Krieg geht und in dem keine per se „guten“ Fraktionen vorkommen, verlangt schon eine gewisse Ambiguitätstoleranz. Aber das ist eben der feine Unterschied, den man machen muss. In der Fantasy, in der fiktiven Welt von Warhammer 40k, kann Krieg cool, episch und heldenhaft sein. In der realen Welt ist er grausam, brutal und vernichtend. Solange man diese Trennlinie weiterhin ziehen kann, ist, aus meiner Sicht, noch alles in Ordnung.
„There is only war“ ist eine Tagline, eine Marketingkampagne, die nichts mit unserer Realität gemeinsam hat. In der Vergangenheit hat sich Games Workshop durchaus des Öfteren dazu berufen gefühlt, zu betonen: »Warhammer is for everyone«. So traurig es ist, dass Games Workshop das manchmal betonen muss, so wichtig ist es immer wieder, diese Botschaft zu unterstreichen und herauszustellen. Leider gibt es Arschlöcher, Idioten und einfältige, rechtsradikale, Möchtegern-Alphamänner, die sich einreden, ihre dummen, eingeschränkten, intoleranten Ansichten in die Welt tragen zu müssen, die sich einbilden, sie seien etwas Besseres, nur weil sie auf andere herabblicken, sie beleidigen und manchmal sogar angreifen. Aber das hat nichts mit Warhammer zu tun. Das hat in keiner Fanbase etwas verloren. Bei Star Wars ist der Kampf Gut gegen Böse sehr viel deutlicher auszumachen. Warhammer (besonders 40k) entstand aus einer Satire auf die wirkliche Welt heraus. Deshalb ist es so übertrieben und böse und ohne die typische gute Fraktion. Dass manche das vergessen oder übersehen, ist äußerst schade. Umso wichtiger ist es, dass Games Workshop das selbst immer wieder herausstellt. Auf der anderen Seite ist dann vielleicht an der Zeit, das Marketing oder die Lore oder die Herangehensweise an die Geschichten wieder mehr den satirischen Ursprüngen anzugleichen. Die vergangenen Ereignisse in der Welt von 40k haben sicherlich in diese Richtung gezeigt und eröffnen Möglichkeiten dorthin.
Für mich ist und bleibt es ein faszinierendes Hobby. Es bietet spannende Geschichten und Zerstreuung nach einem anstrengenden Tag. Das Bauen und Bemalen der Figuren bietet ein kreatives Outlet, bei dem ich etwas schaffen kann und das abseits von Bildschirmen funktioniert. Analog und nur für mich. Ich freue mich sehr auf die neue Edition, bin gespannt, welche neuen Modelle vorgestellt werden und ob mich die Orks in ihren Waaagh ziehen können.
- warhammer-community.com | The Imperium Is Driven by Hate. Warhammer Is Not.
- YouTube | Warhammer | Armageddon: Warhammer 40,000 New Edition Cinematic Trailer
Experimentelle Technik
Dafür, dass ich mich quasi spontan dafür entschieden habe, eine Tyraniden-Armee aufzubauen, gefallen mir die insektenähnlichen Viecher ausgesprochen gut. Das ist das Praktische, wenn man sich die Editionsboxen von Warhammer 40k kauft und dann liegen lässt. Drei Jahre später hat man eine gute Grundlage. So sind die Tyraniden in der Box ein äußerst guter Ausgangspunkt für eine ansehnliche Armee. Mir kommen auch immer wieder Ideen für Kitbashing-Projekte und kreative Bases, die ich noch umsetzen möchte. Doch erst einmal wollen die vorhandenen Figuren bemalt werden.
Seit ich mir eine Handvoll Videos angeschaut habe, welche Techniken es so gibt (Spoiler: Es gibt sehr viele), bekomme ich von YouTube immer mehr solche Videos vorgeschlagen und muss mich etwas zurückhalten. Denn die Menge an Informationen und Möglichkeiten kann durchaus schnell überfordern. Gleichzeitig erlaubt mir die Vielfalt an Maltechniken, an jeden Trupp etwas anders heranzugehen. Auch das ist das Praktische an Tyraniden: Es handelt sich um Alien-Viecher. Jede Abweichung oder warum ein Trupp anders aussieht als der daneben, kann mit der Natur erklärt werden. Lebewesen sind eben anders als Space Marines.
Das führt dann auch gleich zum Thema Farbschema, das man der Armee geben möchte. Die Freiheit, mich hier auszutoben, ist durchaus befreiend. Denn die verschiedenen Techniken und Methoden und Farbkombinationen machen Freude. In der Lore und den bisherigen Schwärmen, die die Galaxis von Warhammer 40k heimsuchten, sehen die Tyraniden zwar meist gleich aus, aber das muss natürlich nicht immer so sein. Es wäre auch viel zu schade, wenn alle gleich aussehen – ist zumindest mein Standpunkt. Nur die Bases haben stets eine ähnliche Struktur und farbliche Gestaltung, damit dies als verbindendes Element funktioniert.
Ich mag allerdings nicht nur Abwechslung beim Farbschema selbst, sondern auch bei dem, was ich bemale. Denn 20 Termagants gleichzeitig zu bemalen, artet schnell in eine Serienfertigung aus. Deshalb bemale ich mehrere Trupps auf einmal. Aber welche Techniken habe ich bisher so angewendet? Bei den 20 Termagants war die Herangehensweise klassisch mit Pinsel. Was das grundlegende Schema anbelangt, habe ich mich an der Albino-Variante des YouTube-Kanals „Midwinter Minis“ orientiert. Für die 5 Bargaunts habe ich mich an Tinte und einer Technical-Farbe versucht und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Bei den 10 Neurogants (eigentlich 11, wenn man den Leader dazurechnet) habe ich eine Schwamm-Tupf-Technik angewendet. Die Haut habe ich schließlich mit einer verdünnten Contrast-Paint bemalt.
Die genauen Techniken werde ich zukünftig als eigene Texte präsentieren. Aber dazu müssen die Figuren erst einmal fertig werden. Das dient dann auch als Nachschlagewerk für mich, falls ich die Techniken mal wieder anwenden und rekreieren möchte. Bislang bin ich mit den Resultaten sehr zufrieden. Vor allem mit dem grünen Untergrund ergibt sich ein schöner Kontrast zu den Tyraniden. Mal sehen, welche Techniken und Farbschemata mir noch begegnen.




Souls-Spiele und grau-brauner Matsch
Die typischen Soulslike-Spiele fallen in ein ähnliches Setting: Dark Fantasy. FromSoftware und ihr kreatives Oberhaupt Hidetaka Miyazaki haben das Genre der Souls-Spiele erfunden. Wenn diese Spiele von FromSoftware erscheinen, redet man üblicherweise von Soulsborne; auch in Anlehnung an deren Meisterwerk Bloodborne. Nehmen sich andere Entwicklerstudios die Spiele von FromSoftware als Inspiration und redet man von einem Soulslike – da es zwar dem Konzept entspricht, aber nicht vom Schöpfer selbst stammt. Soweit also die Grundlagen dieses Begriffs.
Souls-Spiele zeichnen sich dadurch aus, dass sie (typischerweise) keinen Schwierigkeitsgrad haben, knüppelhart sind und eben dem Dark-Fantasy-Genre angehören. Ob jetzt Spiele wie »Lies of P« Dark-Fantasy sind, mag jede und jeder für sich entscheiden, aber ich würde es durchaus dazuzuzählen. Den Souls-Spielen ist ebenfalls gemein, dass man gewisse Ressourcen verliert, wenn man stirbt, typischerweise die Geldeinheiten, die man aufgesammelt hat. Wenn man noch einmal stirbt, bevor man sich diese Geldeinheiten zurückholen kann, gehen sie verloren. Ein Fokus dieser Spiele liegt meist auf den Bosskämpfen. Das sind die großen Highlights. Dabei sollten sie durchaus anspruchsvoll sein, aber nie unfair.
In den vergangenen Jahren sind immer mehr dieser Soulslikes entstanden. Spätestens mit FromSoftwares (bisherigem) Magnum Opus »Elden Ring« hat das Genre ein breiteres Publikum erreicht und den Weg in den Mainstream gefunden. Es war auch meine Einstiegsdroge. Etwas, das diese Spiele auch auszeichnet, ist ihr Setting. Dark Fantasy kann viele Facetten annehmen. Es soll nicht unbedingt immer bedrückend sein, doch eine dichte Atmosphäre und eventuelle Horrorelemente sind gerne gesehen. Zwei durchaus ernstzunehmende Kandidaten waren in den letzten Jahren »The First Berserker: Khazan« und »Lords of the Fallen«. Beide schaffen es, eine dichte Atmosphäre aufzubauen und dem Genre etwas Eigenes anzubieten. Das künstlerische Design beider Spiele ist hervorragend und sie machen Spaß. Doch beide habe ich abgebrochen (wobei ich mir bei »Lords of the Fallen« noch nicht sicher bin). Grund dafür ist nicht unbedingt die Schwierigkeit, sondern das Color Grading. Ich finde beide Spiele teils furchtbar langweilig anzuschauen.
Am schlimmsten ist es bei Khazan. Manche Level gehen unter in einem grau-braun-rötlichen Matsch, der es schwer macht, Details zu unterscheiden. Kontrast sucht man teils vergebens. Dazu kommt eine Dunstwolke, die vielleicht einen coolen Effekt machen soll, aber nur dazu führt, dass alles noch einheitsbreiiger aussieht, als ohnehin schon. Außerdem verbringt man in beiden Spielen viel Zeit in Tunneln, Dungeons, Schluchten oder vernebelten Bergen. Eines der letzten Level, die ich in Lords gespielt habe, beinhaltete ein Dorf in einem Sumpf. Das Dorf war aus Holz gebaut. Aber sowohl der sumpfige Teil als auch das Holz und die Bäume und der Himmel verschwammen zu einem einzigen braunen Amalgam. Am Ende (oder war es davor? Ich bin mir nicht mehr ganz sicher) bekämpft man einen Boss, der ebenfalls diese Farben aufweist, was den Kampf visuell sehr schwierig macht. Man erkennt nichts.
Elden Ring hat mit seinem DLC »Shadow of the Erdtree« gezeigt, dass Souls-Spiele durchaus Kontrast haben dürfen und bunte Farben. Das düstere Setting muss darunter nicht leiden. Dark Fantasy heißt nicht, dass es immer dunkel ist und ich nichts sehen darf. Das “dunkle” Mittelalter heißt auch nicht so, weil es immer finster und düster war. Oder nehmen wir den FromSoftware-Titel »Bloodborne«. Hier ist es meist dunkel und düster, aber Details erkennt man trotzdem. In Lords hat man immer mal wieder Momente, genauso wie in Khazan, wo man aus dem grau-braunen Einheitsbrei ausbricht, aber so richtig lange dauern diese Passagen nicht. Die Einstellungen helfen genauso wenig. Es ist ein grundlegendes Design-Problem.
Wenn man sich etwa das Artwork ansieht, dann strotzen diese vor Kontrasten und Farben und coolen Ideen. Im finalen Produkt bleibt davon allerdings sehr wenig übrig – leider. »Silksong«, ein anderes Meisterwerk von Team Cherry, hat ebenfalls eine dystopische Welt mit wenig Hoffnung. Trotzdem ist es visuell abwechslungsreich, farbenfroh und mit Kontrasten gesegnet. Das nimmt der Stimmung und Atmosphäre nichts weg. Ich würde mir wünschen, dass zukünftige Spiele das besser machen. Ich finde so etwas langweilig und teils mühsam zu spielen, da es anstrengt, sich so auf das Visuelle konzentrieren zu müssen. Das lenkt von den Kämpfen ab und ermüdet beim Erkunden der Welten. Schade. So werde ich diese eigentlich guten Spiele wohl nicht zu Ende bringen.
Everything X-Men | Chris Claremont – Die Anfänge (1/3)
Endlich ist es so weit. Wir sind bei Chris Claremont angekommen und seinen ersten Herrschaftsjahren über die X-Men (1975–1978). Willkommen zu »Everything X-Men«, wo ich jede Woche einen alten Text von mir vorstelle. Für das dritte Jahr des Blogs habe ich mir überlegt, mein Projektstudium aus dem Medienwissenschaftsstudium vorzustellen. Das habe ich damals den X-Men gewidmet. Mit dem heutigen Text sind wir endlich bei Chris Claremont gelandet. Da ich die ursprünglichen Texte auf Englisch verfasst habe, übersetzte ich sie initial mit DeepL (inkl. der Zitate) und habe sie anschließend natürlich redigiert. Ohne weitere Umschweife stürzen wir uns ins Abenteuer.
Als Letztes sind erschienen:
- X-Men First Class v1 (2007)
- Comic-Epochen (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5)
- Avengers Disassembled (Teil 1, Teil 2)
- House of M (Teil 1, Teil 2)
- Comic Book Events (Teil 1, Teil 2)
Einleitung
In diesem Artikel sehen wir uns die ersten Ausgaben von Chris Claremonts X-Men-Run genauer an. Wir beginnen mit »Giant-Sized X-Men # 1« und machen mit X-Men # 94 bis # 110 weiter. Ich denke, # 110 ist ein guter Punkt, um die Diskussion zu beenden, da es sich um eine sogenannte »inventory issue« handelt. Es ist ein Füller des Gastkünstlers Tony DeZuniga. Nach dieser Ausgabe übernimmt John Byrne bis zur Ausgabe # 143 die künstlerische Seite.
Laut Joseph Darowski (2011) war der Grund für den Neustart der X-Men nicht so uneigennützig, wie man hoffen könnte. Man wollte einfach mehr Comics international verkaufen, und Roy Thomas (damals Chefredakteur von Marvel) schlug vor, die X-Men zu verwenden. Die X-Men wurden zu dieser Zeit neu aufgelegt, da man sich dadurch neue Leser*innen versprach, die damit auch leichteren Zugang zu den Charakteren und ihrer Geschichte finden sollten. Len Wein und Dave Cockrum wurden zum Autor und Zeichner der neuen Inkarnation des Teams. Aber, wie Thomas es ausdrückt, ging die Idee eines internationalen Teams dabei ein wenig verloren. Die neuen Mitglieder kamen unter anderem aus Kenia und Russland, „kaum Märkte, in denen Marvel 1975 viele Comics verkaufte“.
Je nachdem, wen man fragt, hört oder liest man vielleicht unterschiedliche Versionen dieser Geschichte. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass die Leute bei Marvel daran interessiert waren, eine ethische, intrinsische Motivation für den Neustart aufrechtzuerhalten, als nur mehr Geld zu verdienen.
Die X-Men wurden jedenfalls neu aufgelegt. Und mit Ausgabe Nr. 94 begann Chris Claremont seine siebzehnjährige Herrschaft über das Team. Während dieser Zeit schrieb er fast jedes Skript der X-Men, startete Spin-offs, limitierte Reihen und Maxi-Serien, schuf neue Charaktere und schrieb Geschichten, deren Einfluss bis heute spürbar ist. Zunächst erschienen die Comics alle zwei Monate, dann monatlich (beginnend mit Ausgabe Nr. 112).
Ein neuer Anfang: Giant-Sized X-Men # 1
„Was uns zu unserem nächsten kleinen Problem bringt … was machen wir mit dreizehn X-Men?“ – Angel
Obwohl Chris Claremont nicht als Teil des Teams aufgeführt ist, soll er angeblich an der Neuauflage beteiligt gewesen sein. Aber wer sind diese neuen X-Men und wie sind sie zusammengekommen?
Praktischerweise verschwanden alle ursprünglichen Mutanten während einer Mission auf der mysteriösen Insel Krakoa (ein Name, der einigen Leser*innen bekannt vorkommen dürfte). Sie untersuchten einige seltsame Anzeichen und verschwanden einfach. Nur Scott überlebte und überbrachte dem Professor die schreckliche Nachricht. Xavier begibt sich auf eine Reise um die Welt, um ein neues Team von Mutanten zusammenzustellen. Sie sollten nicht nur die ursprünglichen X-Men retten, sondern auch Teil von ihnen werden.
„Die neuen Teammitglieder waren Nightcrawler (ein deutscher Teleporter namens Kurt Wagner), Storm (Ororo Munroe, eine Wetterkontrolleurin aus Kenia), Colossus (der Russe Peter Rasputin, der sein Fleisch in Stahl verwandeln konnte), Banshee (der Ire Sean Cassidy, der einen Schallschrei hatte), Warpath (John Proudstar, ein Indianer mit Superkräften), Sunfire (ein Feuerbändiger aus Japan namens Shiro Yoshida) und Wolverine (der Kanadier mit Klauen und einer Heilungsfähigkeit, der nur als Logan bekannt ist). Nicht alle diese Charaktere blieben lange bei den X-Men, aber dieser Neustart etablierte die X-Men endgültig als ein Team, das internationale Charaktere auf eine Weise integrierte, wie es andere Marvel-Superheldenteams wie die Avengers oder die Fantastic Four selten taten.“ (Darowski, 2011, S. 123) Als das neue Team auf der Insel landet, stellt sich heraus, dass diese selbst ein Mutant ist.
Natürlich entstand Krakoa durch eine atomare Explosion rein zufällig (ein Überbleibsel des Atomzeitalters der Comics?). Sie besiegen ihren Feind mit der vereinten Kraft von Storm und Lorna Dane. Allerdings hilft der Professor dabei, die Mutanteninsel abzulenken, während sie ihren Angriff vorbereiten. Dies ist ein erstes Anzeichen dafür, dass diese neue Version einige Dinge anders macht. Zwei Frauen retten sie alle – in früheren Ausgaben wäre dies nicht möglich gewesen. An dieser Stelle spielt Jean keine wirklich aktive Rolle in der Geschichte. Dieser Fehler wird in kommenden Handlungssträngen korrigiert werden.
Ich möchte zwei Dinge zu diesen neuen Mitgliedern hervorheben.
Erstens: Ororo ist für die Ureinwohner, bei denen sie lebt, eine Göttin. Sie beten zu ihr und suchen ihre Hilfe, wenn es nötig ist. Die Fähigkeit, Wetter zu kontrollieren und innerhalb von Sekunden Regen fallen zu lassen, kann eine mächtige Waffe sein und wirkt sehr gottähnlich. Der Erzähler sagt, dass „ihre flüssigen Augen dunkel werden“, wenn sie ihre Kräfte einsetzt, was an sich schon ein kraftvolles Bild ist. Leider werden ihre Augen in den Illustrationen als rein weißlich dargestellt (auch in den Filmen werden sie weiß).
Zweitens, die Rekrutierung von Colossus: Die Geschichte seiner ersten Begegnung mit dem Professor ist etwas weit hergeholt. Vor allem, weil seine Schwester in Gefahr ist, auf einem offenen Feld von einem Traktor überfahren zu werden. Traktoren können sehr laut sein. Wie kann man von ihnen überrascht werden? Sie sitzt einfach auf dem Feld und tut nichts. Als Peter sie dann in seinen Händen hält, steht er einfach da und zerstört das Fahrzeug. Er hätte einfach aus dem Weg springen können. Fiel dem Autor keine bessere Geschichte ein, um uns Peters Kräfte vorzustellen?
Wie auch immer, das neue Team ist zusammengestellt und:
„Unter den neuen Mitgliedern des Teams befand sich kein einziger weißer Amerikaner, und viele der vertretenen Minderheiten waren in den Vereinigten Staaten weitverbreiteten Vorurteilen ausgesetzt, die zum Großteil von der Regierung institutionalisiert worden waren. Deutschen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg und den weithin bekannten Schrecken des Holocaust misstraut. Afrikaner leiden seit Langem unter Vorurteilen in Amerika, angefangen mit dem Sklavenhandel. Die allgemeine Stimmung gegenüber Russen während des Kalten Krieges war alles andere als freundlich, und ein osteuropäischer Akzent konnte zu Vorwürfen des Kommunismus führen. Die antiirische Stimmung war Mitte des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten am stärksten, als die Diskriminierung am Arbeitsplatz sogar dazu führte, dass in Stellenanzeigen NINA-Schilder (No Irish Need Apply) angebracht wurden. Die amerikanischen Ureinwohner wurden in den Vereinigten Staaten seit der Ankunft der ersten Siedler an den Küsten des Landes misshandelt, und die Zwangsumsiedlung in Reservate ist nur einer von vielen Missständen. Während des Zweiten Weltkriegs zwang die Regierung japanischstämmige Amerikaner aufgrund von Misstrauen, in Internierungslagern zu leben.“ (Darowski, 2011, S. 125-126)
Bevor wir uns vom Neustart von Giant-Sized verabschieden, noch ein paar letzte Fakten:
- Die Schule von Xavier befindet sich in Westchester, New York.
- Wir bekommen bereits einen Eindruck von einem größeren Universum, als der Professor seinen neuen Schülern von ihren neuen Kostümen erzählt: „Ich habe sie von einem Mann namens Reed Richards bekommen …“
- Hank hat offenbar mit den X-Men abgeschlossen und arbeitet nun mit den Avengers zusammen (und ist endlich blau und pelzig).
Schnecke
Am Wochenende habe ich mal wieder einen schönen, ausgiebigen Spaziergang unternommen. Die Au in Weitwörth ist dabei immer ein hervorragendes Ziel. Hin und zurück bin ich dabei knapp über 2 Stunden unterwegs, also genug Zeit, um die Natur zu genießen und ein paar gute Podcasts zu hören. Unter anderem, um die aktuellen Hoaxilla-Folgen nachzuholen, die schon wieder viel zu lange in der Playlist liegen. Samstag war es zudem auch noch sonnig und warm. Wobei ich schon recht früh am Vormittag losgegangen bin. Ich wollte einfach raus und da ich ohnehin länger unterwegs sein würde, hatte die Sonne ausreichend Zeit, die lästigen Wolken aus dem Himmel zu verbannen.
Natürlich sind mir wieder die typischen Menschen untergekommen, die es nicht schaffen, ihre Hunde anzuleinen und die auch nicht wirklich so aussehen, als hätten sie ihre Viecher unter Kontrolle, wenn es darauf ankäme, aber darüber möchte ich mich heute nicht aufregen. Ich ging gedankenverloren und dem Podcast lauschend genüsslich über den Schotterweg in der Au, da erblickte ich eine Schnecke am Boden. Ich hielt sofort inne, da ich fast draufgetreten war. Erst machte ich noch ein paar Schritte, kehrte schließlich aber doch um, um ein hübsches Bild von der Schnecke zu machen, die sich gerade ihren Weg über die Steine bahnte.
Normalerweise finde ich Schnecken eher eklig, vor allem wenn sie an Fenstern oder Terrassentüren kleben. Das hatte ich des Öfteren in meiner Einzimmerwohnung in Reutlingen. Meine erste Wohnung fürs Studium befand sich dort im Erdgeschoss eines Hauses und dort lebten scheinbar gerne Schnecken. Weiße Schnecken, um genau zu sein. Regelmäßig musste ich diese von Fenstern und Türen entfernen. Keine angenehme Sache. Aber in der freien Natur sind sie mir relativ egal, und diejenige, die ich am Wochenende erblickte, machte einen tollen Eindruck. Also: Augen auf beim Spazierengehen. Die größeren Exemplare sieht man einfacher, aber es gibt auch kleinere, auf die man gerne tritt. Und es wäre doch schade darum.

Black Library App
Vor ein paar Wochen veröffentlichte Games Workshop ein großes Update für Black Library. Hier handelt es sich um den hausinternen Verlag, unter dem Hunderte Bücher zu »Warhammer 40k«, »The Horus Heresy« oder den Fantasy-Welten von Warhammer veröffentlicht wurden und werden. Bisher war es so, dass man sich die Bücher, hauptsächlich die E-Books, auf deren Webseite kaufen konnte und eine EPUB-Datei erhielt. Diese konnte man auf der App oder einem Gerät der Wahl lesen. Diese Zeiten sind nun allerdings vorbei. Mit dem großen Update und der kompletten Überarbeitung des Angebots gibt es das nicht mehr. Auf der Webseite kann man sich nur mehr Leseproben herunterladen. Alles andere macht man jedoch über die neue App.
Das heißt: keine EPUBs, keine Offline-Bibliothek und kein eigenes Verwalten der Bücher. Was sich Games Workshop davon verspricht, ist mir nicht ganz klar. Denn dadurch, dass man sich die Dateien herunterladen und frei verwalten konnte, hatten sie ein Alleinstellungsmerkmal. Kein lästiges DRM oder sonstiger Blödsinn, der es Käufer*innen digitaler Inhalte dieser Tage sehr schwer macht. Aber man will ja nicht von vornherein negativ sein. Vielleicht ist die neue App und Herangehensweise gar nicht so schlecht. Es ist natürlich sehr schade, dass man die Dateien nicht mehr bekommt und gezwungen ist, die offizielle App zum Lesen der Bücher zu verwenden. Das ist ein großer Einschnitt. Warum man die Dateien nicht mehr bekommt, ist nicht ganz nachvollziehbar. Vielleicht möchten sie Piraterie einschränken. Ich glaube jedoch nicht, dass sie dies erreichen, indem sie mehr Einschränkungen einführen. Vielleicht kommt noch ein Abo-Modell à la Kindle Unlimited, was ich äußerst sympathisch fände.
Ich habe mir bisher die wenigen Bücher von Black Library, die ich gelesen habe, als physisches Medium gekauft. Aber seit ich den Boox-E-Reader habe, lese ich sehr viel mehr auf dem tollen kleinen Gerät. Natürlich musste ich mir auch die neue Black-Library-App darauf installieren und sehen, ob die etwas taugt.
Die App an sich ist noch sehr rudimentär. Es gibt quasi keine Einstellungsmöglichkeiten. Die Schriftenauswahl im Reader der App ist auf das Mindeste reduziert. Es gibt ganze vier Schriften, unter denen man auswählen kann, aber immerhin ist eine für Dyslexiker. Dann kann man noch die Schriftgröße einstellen. „Helligkeit“ macht auf dem Boox nichts, zumindest habe ich noch nicht herausgefunden, was diese Einstellung bewirkt. Abstände oder dergleichen kann man nicht verändern, was ich äußerst schade finde. Außerdem gibt es keine Einstellung, die es erlaubt, die Volume-Tasten zum Umblättern zu verwenden. Ich hoffe, dass die Funktionalitäten der App noch deutlich ausgebaut werden. Wenn sie die Menschen motivieren wollen, ihre App zu verwenden, müssen sie eine wirkliche Konkurrenz zu den beliebten E-Reader-Apps werden.
Ansonsten gibt es über die App nicht viel zu sagen. Man kauft die Bücher direkt in der App und hat die Möglichkeit, Hörbücher darüber anzuhören. Wenn man sich bis Ende April anmeldet, bekommt man zudem ein paar Bücher gratis, was kein schlechtes Angebot ist, um reinzuschnuppern. Ob der Umstieg wirklich notwendig war, sei einmal dahingestellt. Mich würde auf lange Sicht interessieren, ob das ihren Umsätzen gutgetan hat oder ob die Leute nun eher alternative Quellen suchen. Im zweiten Fall müssen sie sich etwas einfallen lassen. Die App kann man beibehalten und weiter ausbauen, nur die EPUB-Dateien herunterladen zu können, wäre eine wünschenswerte Rückbesinnung auf ihre Wurzeln. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wo die Reise hingeht.
Ein nerdiges Eichhörnchen
Über die Jahre habe ich mich an so einigen Blogprojekten versucht oder war beteiligt Meinen ersten eigenen Blog »Geek-Planet« habe ich über Jahre betrieben und über 300 Texte dafür geschrieben. Dabei ging es vor allem um Rezensionen, Essays und Kommentare rund um Comics. Es gab jedoch auch Platz für Filme, Serien und andere Dinge. Später, während meines Medienwissenschaftsstudiums, habe ich beim amerikanischen Projekt »Rogues Portal« mitgeschrieben, was mir sehr viel Freude bereitet hat. Dann kamen ein paar Jahre Pause, bis ich diesen täglichen Blog gestartet habe.
Dazwischen gab es allerdings immer wieder Ideen. Meine Sichtweise auf das Thema war jedoch etwas eingeschränkt. Die Kernthemen dieser Ideen drehten sich stets um Rezensionen und dergleichen. Das ist an sich nichts Schlechtes, doch ich wollte meinen Horizont erweitern. Ich musste erst Matthew Dicks Buch »storytelling« lesen und seinen täglichen Blog entdecken, bis mir die richtige Idee kam. Jedenfalls gab es spannende Namensideen für diese Blogs, die ich starten wollte. Einer, der mir immer wieder ins Gedächtnis kommt, ist »A Nerdy Squirrel«. Auch heute, Jahre später, muss ich gelegentlich an diesen Namen denken, da er etwas hat. Er gefällt mir weiterhin hervorragend.
Letztens beim Durchstöbern alter Texte bin ich auf Textideen gestoßen, die ich für »A Nerdy Squirrel« notiert habe. Ich dachte mir, ich teile diese Notizen. Es ist ein kleiner, spannender Einblick in das, was mich zu dieser Zeit beschäftigt hat. Auch heute kann ich diesen Ideen noch einiges abgewinnen, und würde ich noch regelmäßig Comics lesen, wären dies sicherlich spannende Gedankenexperimente oder etwas, was genauerer Betrachtung wert wäre. Wenn ich die Notizen richtig interpretiere, sind diese etwa 6 Jahre alt – mehr oder weniger. Für die folgende Aufzählung habe ich sie etwas korrigiert, damit sie besser zu lesen sind:
- Sind Marvel und DC das Äquivalent zu Comfort Food? So etwas wie Wiederholungen von Sitcoms oder Nostalgie? Man weiß grob, was passieren wird; Veränderung ist stets temporär, und wenn sie doch von Dauer sein soll, wird die Entwicklung über Jahre langsam vorangetrieben. Beispielsweise Damian in den Batman-Comics.
- Comics und Qualität. Ich stoße selten auf einen Comic oder eine Graphic Novel, die ich wirklich nicht mag oder erbost weglege (ich kann mich nicht erinnern, dass mir das jemals passiert ist). Wenn die Geschichte mich nicht wirklich fesselt, kann das verschiedene Gründe haben: Entweder stimmt das Tempo nicht, die Stimmen der Figuren passen für mich nicht, die Zeichnungen holen mich nicht ab oder die Geschichte finde ich einfach nicht interessant. Meistens gebe ich dem Kreativteam jedoch den „benefit of the doubt“ und warte einfach ab. Ich lege das Buch sozusagen zurück ins Regal, lasse es dort liegen – es reifen, wenn man so will – und schaue es mir zu einem anderen Zeitpunkt wieder an. Das kann Monate oder manchmal sogar Jahre später sein. Ich finde das eine gute Strategie, denn meistens finde ich dann doch noch Gefallen an der Geschichte.
- Illustrationen und künstlerisch anspruchsvolles Lesen. Mehr Vorbereitung, was die Diskussion des Zeichenstils anbelangt. Für mich schwer zu formulieren. Warum?
- Events. Ich glaube, ich habe endlich einen für mich geeigneten Weg gefunden, um Events zu genießen. Als Erstes lese ich die eigentliche Geschichte. So bekomme ich ein Gefühl für die Atmosphäre, den Stil und die Stimmen und habe einen Fokus auf den Kern des Events. Es ufert nicht zu sehr aus. Erst danach lese ich die tie-ins. Dieses Vorgehen ist allerdings schwierig, wenn man ein Event direkt beim Erscheinen lesen möchte. Man müsste immer warten, bis sie vorbei sind und die Collected Editions herauskommen. Das bedeutet auch, dass Events bestimmte Kriterien erfüllen müssen: Es muss ein Haupt-Event-Buch geben, das Sinn ergibt und alle relevanten Informationen enthält, und tie-ins sind nur ein Bonus und keine Pflichtlektüre, die man lesen muss, um das Event überhaupt verstehen zu können. Ausnahmen davon sind natürlich Events, die Teil eines größeren Ganzen sind, wie die X-Men-Events »X of Swords« oder das kommende »Inferno«.
Von Anfang bis Ende
Im März bin ich mit Freund J. zum ersten Mal den gesamten Kapuzinerberg abspaziert. Normalerweise geht man bei der Linzergasse hinauf, geht eine Runde und kommt neben dem Platzl wieder herunter. Oder man geht in die umgekehrte Richtung. Wobei es sich bei uns zumindest eingebürgert hat, von der Linzergasse aus zu starten. So hat man den steilen, anstrengenden Teil gleich hinter sich. Es ist immer wieder ein toller Spaziergang. Man ist im Grünen, aber doch mitten in der Stadt. Durch die vielen Bäume und die Höhe merkt man vom Trubel der Stadt nichts. Es ist eine Oase, mitten in Salzburg. Es ist auch nicht mit dem Mönchsberg vergleichbar. Vom Mönchsberg aus sieht man immer wieder in die Stadt hinunter. Aber der Kapuzinerberg ist anders, man ist abgeschiedener.
Dieses Mal haben wir uns entschieden, den Basteiweg entlangzugehen. Ein Stück hinter dem Kloster kann man rechts abbiegen und gelangt durch einen kleinen Weg zur Wehrmauer. Der Anblick der Stadt ist von hier aus wahrlich einzigartig. Die Festung wirkt imposanter, das Gelände flacher und man hat einen herrlichen Blick über die Landschaft. Ich freue mich schon, denselben Weg im Sommer zu gehen, wenn die Bäume saftig grüne Blätter tragen, alles blüht und es warm ist. Nicht, dass es an jenem Tag kalt gewesen wäre, aber der Wind hat doch noch eine gewisse Frische in sich, die im Sommer einem angenehmen Lüftchen weicht.
Leider hat das Schlössl aktuell geschlossen, da scheinbar ein paar zu laute Techno-Partys gefeiert wurden. Es gab auch eine Auktion, bei der man sich ein paar der Dinge hätte ersteigern können, die der nun ehemalige Besitzer hinterlassen hat. Wenn man den Berichten glauben darf, konnte man durchaus ein paar nette Schnäppchen machen. Die Auktion habe ich ungünstigerweise verpasst. Aber man kann trotzdem hinaufwandern und rechts eine metallene Treppe hinabsteigen. Von da aus geht ein Weg weiter zu einer Aussichtsplattform. Diese bietet einen schönen Blick auf den Gaisberg, der mit gerade einmal 3 Stunden Gehzeit zu erreichen wäre. Vielleicht muss man die Angabe des Schildes zu einem späteren Zeitpunkt überprüfen.
Jedenfalls geht neben der Aussichtsplattform eine Treppe nach unten. Eine schier endlose Treppe, die immer wieder Kurven macht und in mehr oder weniger konstanten Serpentinen nach unten führt. Diesen Weg bin ich noch nie zuvor gegangen. Ich fragte mich, wo wir wohl rauskommen würden. Immerhin startet man von der Linzergasse aus. Ein Stück Altstadt, das sich durchaus sehen lassen kann, vor allem weil man vom Stefan-Zweig-Platz durch ein prächtiges Tor schreitet. Die Ernüchterung war groß, als wir schließlich hinter einer Tankstelle neben dem Einkaufszentrum ZiB (Zentrum im Berg) herauskamen. Wir sind von dort aus schließlich wieder zur Linzergasse zurück und auf die andere Seite der Salzach gegangen, um Futter zu suchen und Erfrischungsgetränke zu uns zu nehmen.
Es ist immer wieder erstaunlich. Jetzt gehe ich schon so lange in Salzburg herum, mache Führungen mit, beschäftige mich mit der Geschichte und erkunde die Stadt. Doch auch Jahre später gibt es immer wieder Neues zu entdecken.


Raus aus dem Trott
Vielleicht kennt das ja jemand, diesen Alltagstrott – oder ich bin allein damit, aber ich behaupte einfach mal, dass das nicht der Fall ist. Mit Alltagstrott meine ich, dass die Tage an einem vorbeiziehen, ohne dass sich dabei ein Gefühl der Erfüllung einstellt. Eine monotone Abfolge verschiedener Handlungen, die gemacht werden müssen, sei es in der Arbeit, zu Hause oder wo auch immer. Und abends sitzt man auf der Couch, schaut irgendwas an, was eben gerade läuft, oder klickt zu viele YouTube-Videos an, die einen eigentlich nicht interessieren, aber irgendwie doch spannend klingen, nur um am Ende mit einem „Mäh“-Gefühl dazusitzen und es ist schon wieder halb elf, also viel zu spät, weil eigentlich wollte man doch früher ins Bett. Oder so ähnlich zumindest.
Diesen Trott hatte ich Ende März. Also habe ich mich hingesetzt und das gemacht, was mir immer hilft: Schreiben. Ich habe mein Journal zur Hand genommen und mir drei Fragen gestellt, die es einfach machen, etwas zu Papier zu bringen: Was lief heute gut? Was lief heute schlecht? Und: Wie ordnet sich dieser Tag ins größere Ganze ein? Die Reflexion über den Tag und die vergangenen Tage fiel positiver aus, als ich es im Gefühl hatte. Manchmal lässt man sich zu sehr vom Jammern der anderen oder von Kleinigkeiten runterziehen. Natürlich spielt die aktuell eher mittelmäßige Weltlage ebenfalls eine Rolle. In so einem Fall hilft es mir, den Fokus etwas enger zu ziehen. Sich auf sich selbst und die unmittelbare Umgebung zu konzentrieren. Am Ende sieht man die Welt etwas klarer und sieht Dinge eventuell positiver, als sie anfangs schienen. Um diese Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und meiner Wirklichkeit zu verinnerlichen, sie zu realisieren, hilft es ungemein, sie auf einem Blatt Papier geschrieben zu sehen.
Nach dieser Rückschau und neuen Einordnung des Geschehenen habe ich mir ein paar Punkte notiert, die ich in den letzten Tagen des März beachten oder erledigen möchte. Eine solche Liste beginne ich gerne mit den einfachen Dingen. Zum Beispiel die Wohnung putzen. Das macht man hoffentlich ohnehin regelmäßig, von daher würde ich es sowieso in den nächsten Tagen erledigt haben. Ein weiterer Punkt war, zu meiner gewünschten Zeit wirklich ins Bett zu gehen und nicht erst eine Stunde später. Oder täglich einen Text zu schreiben. Beides Dinge, die ich meistens mache, aber die gerne auch vernachlässigt werden. Ich hatte mir zu dem Zeitpunkt gerade ein neues Buch gekauft (»Die Wirklichkeit ist auch nicht wahr« von Florian Aigner), also war ebenfalls auf der Liste: jeden Tag ein Kapitel zu lesen. Ich bin alles durchgegangen, was ich vor mir hergeschoben hatte, und am Ende stand eine ordentliche Liste auf dem Blatt Papier. Vielleicht würde ich nicht alles schaffen oder zu allem kommen, aber ich setze mir lieber mehr und etwas höhere Ziele. Ich betrachte es nicht als gescheitert, sollte ich nicht alles abhaken können; cool wäre es allerdings schon. Mich spornt so etwas an.
Allein diese Liste vor Augen zu haben und meine Gedankenwelt nicht nur sortiert, sondern neu eingeordnet zu haben, hat mir ungemein geholfen. Zuerst sollte man stets reflektieren, wo man sich befindet. Erst dann kann man ableiten, was man zeitnah erreichen oder erledigen möchte. Bei der Bullet-Journal-Methode gibt es eine Handlung, die sich »weekly reflection« nennt. Man setzt sich am Ende der Woche hin und lässt die Woche Revue passieren. Das werde ich wieder regelmäßig machen. Denn in den vergangenen Wochen und Monaten habe ich das zu sehr vernachlässigt. Es ist aber ein nützliches Tool. Mir haben die oben genannten Schritte sehr geholfen. Jedoch gilt wie immer bei solchen Dingen: Jeder und jede muss für sich herausfinden, was funktioniert, was man braucht und was man machen oder erreichen möchte.
Schnell gekocht
Es war an einem unscheinbaren Samstagabend. Ich hatte fast den ganzen Tag damit zugebracht, Warhammer-Figuren zu bemalen, und wollte es mir auf der Couch gemütlich machen. Da erreichte mich eine Nachricht von Freund J. Unaufgefordert wurde mir ein Bild zugeschickt, das den Verlauf des Abends für immer verändern sollte. Es war ein Bild von Essen. Eine Frechheit. Da dachte ich mir, Chips würden reichen. Dann erblicke ich auf dem Foto gebratenes Hühnchen und leckeres Gemüse. Solch unaufgeforderte Bildsendungen sollten umgehend verboten und mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden. Eine Frechheit. Nun sah ich mich also gezwungen, zu kochen; der Hunger auf Fleisch und frisch Gekochtes war geweckt.
Ich heizte also den Ofen vor. Hier sollte das Tiefkühl-Ofengemüse gemacht und die Kroketten zubereitet werden. Unterdessen machte ich mich daran, die Putenschnitzel, welche sich idealerweise in meinem Kühlschrank befanden, vorzubereiten. Ich mag es gerne einfach. Also habe ich die Schnitzel nur gesalzen, gepfeffert und mit Paprikapulver bestreut – auf beiden Seiten natürlich –, bevor ich sie noch mit einer feinen Schicht Mehl bedeckte. Die Pfanne wurde mit etwas Öl gefüllt und vorgeheizt. Während das Gemüse und die Kroketten langsam fertig wurden, brut ich die Schnitzel von beiden Seiten je einige Minuten an. Nach etwa einer halben Stunde war alles fertig.
So aß ich um 20 Uhr abends mit einem herrlich zubereiteten Gericht auf der Couch und sah mir den aktuellen Elden-Ring-Challenge-Rund von Bushy an. Das perfekt gebratene Putenschnitzel, das Ofengemüse und dazu die krossen Kroketten schmeckten wunderbar. Nach einem langen Mal-Tag genau das Richtige. Vielleicht kann man also Gnade walten lassen und das unaufgeforderte Verschicken von Essensbildern nicht komplett verbieten. Manchmal können sie durchaus motivierend wirken.
