Everything X-Men | House of M (2/2)

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Im dritten Jahr des Blogs habe ich mich dafür entschieden, mein Projektstudium aufzubereiten, welches ich für das Medienwissenschaftsstudium geschrieben habe. In meinem Fall handelte es sich um eine Reihe von Texten rund um die X-Men-Comics. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute in Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich sie mithilfe von DeepL initial übersetzt und anschließend redigiert.

Heute geht es mit dem zweiten und letzten Teil zum Event »House of M« weiter. Nächstes Mal sprechen wir dann allgemein über Comic-Book-Events.


Als Letztes sind erschienen:


Schöne neue Welt?

Wanda hat es geschafft. Sie hat eine völlig neue Realität geschaffen. Steve Rogers ist nicht mehr Captain America. Ms. Marvel ist eine der letzten Superhelden, die keine Mutanten sind (und Menschen töten?). Luke Cage ist ein Untergrundboss, Sam Wilson ein Detektiv, Strange nicht mehr der Sorcerer Supreme, Colossus immer noch in Russland und so weiter und so fort. Der Einzige, der zu wissen scheint, was vor sich geht, ist Wolverine. Die letzten beiden Seiten der zweiten Ausgabe zeigen einen Helicarrier, umgeben von Flugzeugen und Sentinel-ähnlichen Robotern. Alle mit dem M-Logo. Für Magneto? Oder Mutant?

Normalerweise sind Mutanten die Minderheit auf dem Planeten. Gehasst. Gefürchtet. Gejagt. Nicht mehr. Homo Superior ist die dominierende Rasse. Homo sapiens sind die Minderheit und werden in wenigen Jahren ausgestorben sein. Von der Erde getilgt.

Gesetze verbieten die Extraktion des Mutantengens. In den Schulen wird die Geschichte der Mutanten gelehrt (obwohl ich nicht glaube, dass Namor der Erste war). Es ist ein Zufluchtsort für Mutanten. Aber ist es das wirklich? Es sollte eine bessere Version der Welt sein, aber man spürt, dass etwas nicht stimmt. Nur Andeutungen hier und da. Als Ororo beispielsweise ein Kleid anprobiert, zerstört sie fast den Laden, um zu testen, ob er ihren Kräften standhalten würde. Mutanten sind frei, sind die dominierende Spezies und gedeihen, aber jetzt sind sie die Unterdrücker. Hank sagt in einer anderen Szene zu Pym:

„Als es den Dinosauriern passierte, haben sie es nicht kommen sehen. Sie hatten nicht den Intellekt oder die Fähigkeit, es zu verstehen. Aber du hast es. Du siehst zu, wie es passiert, und es tut verdammt weh. […] Es ist nicht fair, dass du hier sitzen musst, mit vollem Bewusstsein, und zusehen musst, wie es langsam passiert.“

In einer Zeitung namens »The Pulse« erfahren wir etwas mehr über diese Welt und was mit ihr passiert ist. Ein Artikel erzählt die Geschichte von Eric Magnus (Magneto), der dafür verantwortlich ist, die geheimen Angriffe der Regierung auf die Mutanten vor einigen Jahren aufgedeckt zu haben. Seitdem hat er die Welt neu aufgebaut und den Homo Superior befreit. Man hat das Gefühl, das Regierungen keine Rolle mehr spielen. Es ist das Haus Magnus, das diese Seite des Globus regiert. Die königliche Familie der Mutanten. Das House of M ist wie eine Organisation, die alle in Schach hält. Erinnern wir uns an die Sentinels. Sie wurden umprogrammiert, sodass sie Nicht-Mutanten-Lebensformen töten, wenn diese sich nicht an die Regeln halten. Regeln wie: keine Versammlungen abhalten. Oder das ständige Tragen ihrer GPS-Chipkarten. Superhelden, die keine Mutanten sind, sind verboten. Sie werden sogar gejagt. In der Spider-Man-Begleitgeschichte beispielsweise entlarvt J. Jonah Jameson Spider-Man als Nicht-Mutanten – er wurde lediglich von einer Spinne gebissen.

Einige dieser Geschichten beschäftigen sich auch mit vagen Erinnerungen oder Vorstellungen, dass dies nicht die Welt ist, wie sie sein sollte. Es ist ziemlich beängstigend, sich bewusst zu sein, dass sich alles falsch anfühlt. Was wäre, wenn wir uns an ein altes Leben „erinnern“ würden? Nicht bewusst, sondern unbewusst. Was würde man tun? Es gibt im Grunde zwei Möglichkeiten, sich in einer neuen Welt zu verhalten, die man nicht kennt: zu versuchen, sich anzupassen, herausfinden, was vor sich geht, und versuchen, es rückgängig zu machen. Oder man macht es wie Wolvie und tut, was man möchte, bis man einen Weg findet, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Wie wir festgestellt haben, scheint Wolverine der Einzige zu sein, der sich der Veränderungen bewusst ist. Er springt von einem Helicarrier, um S.H.I.E.L.D. und einer blauen Mutantin zu entkommen, bei der es sich vermutlich um Mystique handelt. Er weiß nicht, was vor sich geht, stiehlt ein Motorrad und versucht, Charles Xavier zu finden. Niemand hat etwas von ihm gehört. Hat Eric ihn aus der Geschichte entfernt oder ist er kein Teil von Wandas Neuer Welt? Mutanten gibt es überall, also braucht man keine Schule, wie Xavier sie führte, oder? Es scheint auch, als sei Wolverine der Boss eines Teams innerhalb von S.H.I.E.L.D., und wegen seines kleinen Stunts jagen sie ihn nun. Aber eine Untergrundgruppe hilft ihm. Luke Cage „lädt“ ihn ein, und Hawkeye (!) taucht ebenfalls auf.

Logan erzählt Luke Cage und seinen Freunden alles. Aber nicht, bevor Hawkeye ihm in den Kopf schießt – mit einem seiner Pfeile. Aber da er Wolverine ist, steht er wenige Sekunden später wieder auf. Diese Sekunden wären eine hervorragende Gelegenheit gewesen, um zu fliehen, denn Wolverine hat einen Peilsender im Nacken und inzwischen ist sein ehemaliges Team eingetroffen. Cloak teleportiert alle weg (Cloak ist einer meiner Lieblingscharaktere in dieser Geschichte, obwohl ich zum ersten Mal etwas mit ihm lese). Als Logan ihnen erzählt, was passiert ist, glauben sie ihm überraschenderweise.

Denn: Vor Logan kam ein Mädchen zu ihnen, das nach Daredevil suchte. Stattdessen fand sie Cage. Irgendwie ist sie sich dieser alternativen Realität bewusst und erzählte ihnen, was sie weiß. Während sie mit Wolverine spricht, entdeckt sie, dass sie selbst eine Mutantin ist – mit mentalen Fähigkeiten. Ihr Name ist Layla. Ich bin mir nicht sicher, ob wir sie kennen sollten, aber sie ist eine großartige Bereicherung für das Team. Vor allem, als sie zu Emma Frosts Wohnung gehen.

Escape my mind

Das Team befreit Peter Parker, Kitty Pride, Stephen Strange, Carol Danvers, Tony Stark, Matt Murdock und Jennifer Walters. Captain America lassen sie in Ruhe, da er etwa hundert Jahre alt ist. Als ich diese Seiten zum ersten Mal las, hatte ich das Gefühl, dass er zurückkommt und eine wichtige Rolle im Finale spielen würde – leider ist das nicht der Fall. Dennoch war es eine spannende Idee. Zu guter Letzt »befreien« sie Logans neues Team: Kurt Wagner, Rogue, Raven und Doc Ock. Im Finale dieser Ausgabe erfahren wir schließlich, was mit Charles Xavier passiert ist. Denn Magneto steht vor einem großen Grabstein mit dessen Namen darauf.

Bevor wir weitermachen, möchte ich noch über Peter Parker sprechen. Die von Wanda geschaffene Realität sollte jedem all das geben, was er oder sie sich jemals gewünscht hat. Träume werden in dieser Welt wahr. Wolverine möchte unbewusst Nick Fury sein, Captain America möchte nicht Captain America sein und so weiter. Peter möchte seinen Onkel zurückhaben und mit Gwen Stacy verheiratet sein. Verständlich. Er lebt ein glückliches Leben, hat Spider-Man zu einer Ikone gemacht – zu einer Rolle, die er spielt. Kein Held. Aber als sie ihn »befreien«, ist er sich der ganzen Tragödie bewusst. All den Schmerz, den er erlebt hat. Nach dem ersten Schock möchte er allein sein. Wolverine ist derjenige, der auf ihn zugeht – und mit ihm spricht. Was folgt, ist eine der besten Szenen dieses Ereignisses. Mit allem, was um sie herum vor sich geht, haben sie diesen intimen Moment. Nur diese beiden Charaktere. Toll!

Später besprechen die Befreiten den Plan, wie sie das House of M angreifen und die Welt wieder korrigieren können. Doch die Frage ist: Sollten sie die Welt überhaupt korrigieren? Wie Jessica sagt:

„Wenn etwas von dieser Größenordnung passiert … muss man einen Schritt zurücktreten und sich sagen: Vielleicht war es an der Zeit, dass dies passiert. Wer sind wir, dass wir entscheiden, wie die Welt zu sein hat? […] Vielleicht werden Mutanten auf diese Weise zur nächsten dominierenden Spezies. […] Man weiß nicht, ob ich Recht habe oder nicht, und das macht mir eine Heidenangst. Und das sollte es auch.“

Sie müssen einen Schlag nach dem anderen einstecken. Nicht physisch, sondern psychisch. Für Peter bedeutet das, Gwen und Ben erneut zu verlieren. Und er sagt, dass er sich vielleicht nicht zurückhalten kann. Er würde Magneto dafür töten, wenn er die Gelegenheit bekäme. Und der beängstigende Gedanke ist: Alle sind sich einig. Diese Welt ist falsch. Egal, was passiert, sie haben die Welt zu korrigieren. Alles hängt von ihnen ab, und sie können sich nicht zurückhalten. Also beginnt die letzte Schlacht.

Seit ich »Astonishing X-Men« gelesen habe, ist Emma Frost eine meiner Lieblingsfiguren aus den X-Men. Sie widmet sich voll und ganz der anstehenden Aufgabe und kann ihre Kräfte sehr gut einsetzen. Sie ist der Grund, warum das Team einen Helicarrier infiltriert, ihn stehlen und die Männer und Frauen, die ihn befehligen, nach Genosha fliegen lassen können. Dort hat das Haus Magnus einige Gäste. König T’Challa, Victor von Doom, Prinzessin Ororo, König Namor und Genis-Vell vom Kree-Imperium. Es ist eine sehr beeindruckende Gästeliste, und man kann nur hoffen, dass sie nicht alle im Namen von Magnus kämpfen.

Während die anderen die Party angreifen, um alle zu täuschen, suchen Emma, Layla und Cloak nach Xavier. Als sie den Grabstein finden, kann Emma es nicht mehr ertragen. Sie sinkt auf die Knie und möchte nur noch aufgeben. Wieder ein kraftvoller, intimer Moment. Aber als Cloak das Grab untersucht, findet er nichts. Kein Sarg, keine Leiche, nichts. Was ist passiert?

In einer dritten Szene folgen wir Doctor Strange, der Wanda beim Spielen mit ihren Kindern findet. Sie ist sich nicht bewusst, was vor sich geht, und es ist ihr egal. Aber nicht auf eine wütende Art und Weise. Sie wollte nur, dass die Welt besser wird. Manipuliert von demjenigen, der vorgab, sie zu lieben, schuf sie diese Neue Welt. Aber es war nicht ihr Vater. Es war ihr Bruder Pietro. Er wollte sie vor den Avengers und den X-Men retten. Aber als Magneto sich von ihnen abwandte, aufgab und zuließ, dass die Avengers und X-Men sie töten würden (oder auch nicht), überredete Pietro seine Schwester dazu. Und sie gab allen, was sie sich jemals gewünscht hatten.

Als der Kampf seinen Höhepunkt erreicht, befreit Layla Magneto. Und als er erkennt, was seine Kinder getan haben, was Pietro in Magnetos Namen getan hat, verliert er völlig die Kontrolle. Zuerst hält er alle mit seinen Kräften fest (indem er jedes Metall um sie herum nutzt). Dann tötet er seinen Sohn. Es ist gewalttätig. Brutal. Es ist in keinster Weise ein triumphierender Moment. Es ist einfach nur tragisch. Als Wanda die Szene verfolgt, fragt sie sich, warum sie herrschen sollten. Was macht Mutanten besser als Homo Sapiens? In diesem Moment beschließt sie:

„No more mutants.“

Fazit

So endet es also? Nun, fast. Als Wanda die Erde in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt, nimmt sie den Mutanten das Mutanten-Gen. Sie tötet nicht alle Mutanten, sondern nimmt ihnen ihre Kräfte. Emma kann jedoch einige ihrer Freunde und Kolleg*innen mit ihren Fähigkeiten schützen. Dennoch gibt es jetzt nur noch wenige Hundert Mutanten, während es zuvor Tausende waren. Sie wurden dezimiert.

Aber wie Hank in den letzten Zeilen der letzten Ausgabe erklärt: Energie kann man nicht zerstören. Und er fragt sich, wohin all die Kraft, all die Energie verschwunden ist. Das letzte Bild zeigt eine rot und gelb leuchtende Kraft, die sich der Erde nähert.

House of M ist ein großartiges Ereignis. Brian Michael Bendis und das Team rund um dieses Event hat hervorragende Arbeit geleistet. Es ist etwas von großer Tragweite und mit weitreichenden Konsequenzen, trotzdem gibt es intime und persönliche Momente. Wir werden eine Pause von dieser Zeit der X-Men einlegen, aber wir werden zurückkommen, um zu sehen, was die Zukunft für unsere Helden bereithält.

Hilfreiche Schilder

Es gibt Schilder, die hilfreich sind. Richtungsweiser, die anzeigen, wie lange man zum gewünschten Ort spazieren muss. Höhenangaben auf Bergen oder diverse Schilder, denen man als Autofahrer begegnet. Wobei man an gewissen Stellen sicherlich von einer Schilderflut sprechen könnte. Man sieht den Baum vor lauter Wäldern nicht mehr – oder so ähnlich. Besonders wenn man in Gegenden unterwegs ist, die man nicht kennt, können Wegweiser helfen, sich nicht zu verlaufen. Als ich vor über zehn Jahren mit Bekanntem M. den West Highland Way in Schottland entlang wanderte, war es durchaus hilfreich, dass der Weg immer wieder ausgeschildert war. Besonders wenn man in kleineren Dörfern landete und nicht immer klar war, wo es entlangging.

Ich will nicht davon sprechen, dass wir fast den Ausgangspunkt des über 150 km langen Wanderweges nicht gefunden hätten. Man startet in Milngavie, außerhalb von Glasgow. Mit analogen Karten ausgestattet, fühlten wir uns sehr gut vorbereitet. Doch am vermeintlichen Startpunkt standen wir da und suchten vergeblich nach dem Weg. Bis eine nette Einheimische ihr Wissen mit uns teilte. Wir müssen wohl sehr verloren und verwirrt gewirkt haben, und das schon bevor wir überhaupt nur einen Schritt auf dem Weg getan hatten. Schließlich traten wir durch einen Bogen, wenn ich mich recht entsinne, der den Startpunkt des Weges markierte, und machten uns auf ins Abenteuer.

Jedenfalls gibt es hilfreiche Schilder. Genauso gibt es aber überflüssige Schilder. Wie letztens am Kapuzinerberg in Salzburg entdeckt. Wenn man den Basteiweg entlangspaziert, findet man das abgebildete Schild. Dreimal wird man auf den Basteiweg hingewiesen, auf dem man sich gerade befindet. Wenn man sich das Schild genau ansieht, erkennt man die Schwierigkeitsgrade der Wege anhand der farblichen Markierungen. Wobei der einzige abweichende, schwarz ausgezeichnete Weg jetzt auch nicht unbedingt schwierig ist. Was will man sich von einem quasi Rundweg auch erwarten? Egal in welche Richtung man geht, es ist der Basteiweg. Ob man das jetzt unbedingt dreimal ausschildern muss, sei dahingestellt.

The power of the sun

Im zweiten Spider-Man-Film mit Tobey Maguire träumte Doc Ock von der Macht der Sonne in seinen Händen. So etwas Ähnliches ist tatsächlich auch notwendig, um die aktuellen Prozessorgenerationen zu produzieren. Letztens habe ich eine spannende Doku entdeckt, die sich mit der wohl wichtigsten Maschine der Welt beschäftigt. Zumindest von einem bestimmten Standpunkt aus betrachtet. Ohne die Maschinen von ASML wäre es nicht möglich gewesen, Moores Law einzuhalten. Es ist erstaunlich, wie sich die Industrie immer wieder an dieser Theorie entlanghangelt und versucht, sie einzuhalten, als wäre es ein Naturgesetz. Doch es verhilft immer wieder zu erstaunlichen Fortschritten. Dabei war es durchaus knapp, und der aktuelle Schritt hat Jahrzehnte gedauert, bis ASML sich durchsetzen konnte und überhaupt die Technologien entwickelt hatte, die notwendig sind, um die Leistungsfähigkeit von Prozessoren weiter zu erhöhen und deren Größe zu reduzieren.

Ich behaupte nicht, alles verstanden zu haben, um was es in der Doku ging, aber dennoch war es spannend, sie anzuschauen. Allein zu sehen, was alles funktionieren muss, damit wir unsere Smartphones, Smartwatches und Computer verwenden können, wie wir es heute tun. Die Präzision ist atemberaubend und faszinierend. Veritasium ist ohnehin ein Kanal, den ich empfehlen kann. Ihre Videos begeistern mich immer wieder und bestechen mit einer hohen Produktionsqualität. Das Video zu ASML ist eines ihrer längeren und behandelt das Thema wirklich vollumfänglich. Trotzdem bleibt es ein komplexes Thema. Wer schon immer wissen wollte, wie die Maschinen, die wir in unserem täglichen Leben verwenden, funktionieren, welche Hürden überwunden werden mussten und mit welcher Präzision gearbeitet wird, sollte sich die Doku nicht entgehen lassen.

„How often do you miss?“
„We don’t“

Schon wieder?

Manchmal frage ich mich, ob ich über bestimmte Themen zu viel schreibe. Aber wenn mich ein Thema interessiert oder ich ein neues Interesse entdecke, dann brenne ich dafür. Ich mache mir Gedanken und überlege, was ich besser, anders oder überhaupt machen kann. Wie kann ich dieses Hobby für mich nachhaltig gestalten? Was motiviert mich und wie kann ich unabhängig vom Motivationslevel mehr für mich herausholen, ohne nach ein paar Wochen auszubrennen und es wieder liegenzulassen?

So habe ich in den vergangenen zweieinhalb Jahren, in denen ich diesen Blog nun schon betreibe, immer wieder solche Interessen begleitet. Etwa Gaming. Es gibt Zeiten, in denen ich sehr viel spiele und darüber entsprechend vermehrt schreibe. Dann lässt dieses Interesse wieder nach und wird durch etwas anderes abgelöst. Filme zum Beispiel. So entstand vergangenes Jahr auch die Idee zum MCU-Rewatch und den daraus resultierenden Samstagstexten, die ich während des zweiten Jahres des Blogs veröffentlicht habe. Aktuell ist dieses wiederkehrende Thema Warhammer. Dieses Hobby bietet unterschiedliche Herangehensweisen, doch im Kern geht es mir im Moment um das Bemalen der Figuren. Entsprechend schreibe ich mehr Texte dazu, wie ich mich dem Hobby nähere, was mich am meisten daran begeistert und welche Fortschritte ich mache.

Ich versuche allerdings stets, dass diese monothematischen Texte, wenn man sie so bezeichnen möchte, nicht zu dominant in den Vordergrund treten. Das erziele ich zum einen, indem ich diese Texte weiter auseinanderziehe. Soll heißen: Es erscheint maximal ein Text pro Woche zum Thema Warhammer (oder auch Gaming, Filme und so weiter). Des Weiteren bin ich stets bemüht, neue Aspekte zu finden. Auch wenn man immer wieder über dasselbe Thema schreibt, müssen die Texte nicht automatisch dieselben Aspekte behandeln. Man kann versuchen, es aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten. Ob mir das gelingt, müssen andere bewerten.

Die Gefahr ist auch, zumindest für mich, dass ich mich zu sehr in ein Thema verbeiße und mich nur mehr dem Warhammer-Hobby widme. Andere Dinge geraten in den Hintergrund oder ich nehme sie nicht mehr so wahr wie zuvor. Das reduziert die Themenvielfalt und Ideen für Texte. Alleine deshalb möchte ich mich nicht zu sehr von einem Thema oder Hobby einnehmen lassen. Dieser Blog ist eben kein Warhammer-, Gaming- oder Film-Blog. Die Themen sollen sich spontan anfühlen, man soll überrascht werden und vielleicht Texte lesen, zu Dingen, die man normalerweise ignorieren würde. Ein Blog über alles und nichts, eben. Das ist es auch, was mich nach zweieinhalb Jahren und über 800 Texten noch immer motiviert, mich regelmäßig hinzusetzen und zu schreiben. Die Spontanität, Abwechslung und mich überraschen zu lassen, was ich wohl heute zu digitalem Papier bringen mag.

Erste Fortschritte bei den Tyraniden.

Ungebrochene Faszination

Es war im Jahre des Herrn 2022, als FromSoftware unter der kreativen Leitung von Hidetaka Miyazaki ihr bisheriges Magnum Opus veröffentlichte: Elden Ring. Ich schreibe bewusst „bisherigen Magnum Opus“, da es immer Luft nach oben gibt und wer weiß, was sich das Studio zukünftig noch ausdenken wird. Als Soulsborn-Spiel eigentlich eher in einer Nische des Gamings beheimatet, wurde Elden Ring zu einem sensationellen Erfolg. Soulslikes waren in aller Munde und für viele stellte Elden Ring die Einstiegsdroge in dieses faszinierende Genre dar. So auch für mich. Elden Ring bleibt mit Abstand das Spiel, in dem ich am meisten Stunden versenkt habe. Und heute, vier Jahre später, ist die Faszination des Spiels weiterhin ungebrochen.

Meine gespielten Stunden kann man mit Sicherheit um ein Vielfaches erhöhen, wenn man die Zeit hinzuzählt, die ich mit Let’s Plays, Walkthroughs und anderen Twitch-Streams oder YouTube-Videos zugebracht habe. Besonders natürlich Challenge-Runs. Dabei stellen sich Spieler*innen besonderen Herausforderungen. Sei es, dass Bosse mit nur einem Hit besiegt werden müssen oder ausschließlich eine bestimmte Waffe verwendet werden darf oder man mit Level 1 durchläuft. Was immer spannend ist: Randomizer. Sei es ein Item-Randomizer, der alle Gegenstände durcheinanderwürfelt, oder ein Gegner- und Boss-Randomizer, der diese zufällig gegeneinander tauscht. Oder gleich ein „Item, Enemy & Boss Randomizer“. Es gibt unzählige Herausforderungen, die man sich anschauen oder denen man sich selbst stellen kann – wenn man einen PC hat, denn für Randomizer benötigt man einen PC.

Aktuell läuft die „Deathless Randomizer League“. Hier wird ein spezieller „Item, Enemy & Boss Randomizer“ verwendet. Der Initiator dieser Herausforderung stellt den Spieler*innen spezielle Seeds zur Verfügung, sodass alle dieselben Zufälligkeiten haben. Dadurch kann man Ergebnisse vergleichen. Spieler*innen haben zwei Stunden Zeit, so viele Bosse wie möglich zu besiegen. Jeder Boss ist ein Punkt. Wenn man stirbt, zählt der dann aktuelle Punktestand. Es gibt noch ein paar zusätzliche Dinge zu beachten und Sonderregelungen, aber das führt hier zu weit. Manche meiner liebsten Streamer machen dabei mit und machen diverse Trainingsruns, bevor sie sich den offiziellen Seeds widmen. Sei es Bushy, Captain Domo oder andere, ich schaue ihnen gerne dabei zu, wie sie ihre perfekte Route planen, welche Strategien sie anwenden, welche Shortcuts und dergleichen verwendet werden. Manche können stundenlang Sport schauen, ich schaue Challenge-Runs.

Diese Videos kann man auch super nebenher laufen lassen, während man Warhammer-Figuren bemalt oder Silksong am Steam-Deck spielt. Natürlich lege ich auch selbst Hand an. Auch wenn mir der Gaming-PC für einen Randomizer fehlt, so hat allein schon das Basisspiel Potenzial für unzählige Stunden Unterhaltung. Außerdem habe ich bei weitem noch nicht alle Bosse gemeistert. Ich nutze alle Mechaniken, die mir das Spiel bietet, um sie zu bezwingen, insbesondere bei den Endbossen. Das ist auch in Ordnung. Es braucht Zeit, die Bosse zu lernen, und manchmal fehlt mir die Geduld dazu.

Vier Jahre später ist Elden Ring noch immer ein unerreichter Meilenstein der Spielegeschichte. Ob es jemals getoppt wird? Wir werden sehen. Doch bis dahin bietet Elden Ring (und natürlich seine Vorgänger) hervorragende Unterhaltung.

Entscheidungen

Das Internet ist schon ein gemeiner Ort. Da schaut man ein paar Videos und Shorts zu Maltechniken und Farbschemata, entscheidet sich für eines und dann kommen unzählige weitere Inhalte, die die getroffene Entscheidung infrage stellen. Wie können sie es wagen?! Aber grundsätzlich empfinde ich es ja als toll, wenn der Algorithmus zur Abwechslung nützlich ist, denn durch die vorgeschlagenen Videos habe ich schon die ein oder andere Technik gesehen, die ich für meine Tyraniden verwenden kann.

Seit einem Monat bin ich wieder voll im Warhammer-Hobby drin. Es hat mich eigentlich nie losgelassen, doch beschäftige ich mich wieder eingehender mit dem Zusammenbauen und Bemalen der Figuren. Von den Space Marines oder Adeptus Astartes (was ein sehr viel schickeres Wort für die genetisch modifizierten Supersoldaten des unterdrückenden „Wir-löschen-sicherheitshalber-alles-aus-was-uns-eventuell-gefährlich-werden-kann“-Imperiums ist) bemale ich seither Blood Angels am liebsten. Die rote Rüstung und ihre Lore haben mich schon immer begeistert. Doch seit Kurzem bemale ich außerdem Ultramarines, da ich zu dieser Standardfraktion aus Versehen eine Armee begonnen habe. Doch immer nur Space Marines ist auch langweilig.

Deshalb habe ich mir Tyraniden ausgesucht – unter anderem deshalb, weil sie in der Box der 10. Edition dabei waren und diese Box sich in meiner Sammlung befindet. Tyraniden sind insektenartige Monster, die durch eine Schwarmintelligenz gesteuert werden und vor allem dadurch bestechen, dass sie ganze Planeten einfach nur überrennen und alles töten und fressen, was ihnen in den Weg kommt. Ich möchte aber nicht alle gleich bemalen. Ich brauche Abwechslung. Sei es in den Farben, in denen ich meine Tyraniden-Armee bemale, oder in der Technik, am besten in beidem. Ausgangspunkt meiner Überlegungen war ein älteres Video von »Midwinter Minis«, einem meiner Lieblingskanäle. Die kleineren Tyraniden bemale ich in der Albino-Variante, die darin vorgestellt wird. Das geht halbwegs zügig von der Hand und mit diversen Details kann man diese Technik noch verfeinern.

Mindestens eines der größeren Modelle möchte ich im Alien-Schema bemalen, da das ziemlich cool aussieht, und die Lava-Variante möchte ich ebenfalls unterbringen. Eine einheitliche Armee kommt für mich dann zustande, wenn die Bases der Figuren gleich gestaltet sind, und das möchte ich in diesem Fall definitiv machen. Dafür habe ich eine Mischung aus Leim und zwei Arten künstlichen Grases zusammengemischt und auf den Platten verteilt, bevor ich diese grundiert habe. Diese bemale ich dann in einem giftigen Grün und statte sie noch mit violettfarbenen Tufts aus. Ein schöner Kontrast zu den Farben der Tyraniden, egal ob sie eher hell bemalt sind oder schwarz.

Durch die Vorschläge des Algorithmus bin ich auf weitere Techniken gestoßen, die ich ausprobieren möchte. Eine davon verwendet Malschwämme und eine damit verbundene Tupf-Technik. Ich experimentiere gerne. Es muss am Ende nicht perfekt aussehen, auch wenn das natürlich immer ein Anspruch ist. Doch sich von Perfektionismus zu trennen und einfach nur zu machen, was Spaß macht oder eventuell cool aussehen könnte, ist eine äußerst legitime Herangehensweise. Bevor ich mich allerdings den größeren Modellen widme, übe ich noch bei den kleineren Schwärmen und Trupps. Meine Fertigkeiten mit dem Pinsel sind in den vergangenen Jahren etwas eingerostet – nicht dass sie jemals herausragend gewesen wären. Aber das kann man ja ändern. Um den Umgang mit dem Pinsel zu lernen und besser zu werden, sind verschiedene Maltechniken ebenfalls gut geeignet. Ich bin schon gespannt auf die ersten Ergebnisse.

Mythen

Ich möchte etwas, das ich in einem vorherigen Text geschrieben habe, etwas relativieren. Genauer gesagt einordnen. Worum geht es? Im Text »Digitale Mündigkeit« habe ich angemerkt, dass Verschwörungstheoretiker*innen gerade Hochkonjunktur feiern, ob der ganzen Erkenntnisse rund um die Epstein-Files und die daraus resultierenden, sehr realen Auswirkungen, die uns noch außerordentlich lange beschäftigen werden. Außerdem habe ich die Konsequenzen, die das neue Twitter auf weltpolitische Ereignisse hat, erwähnt. Zweiteres hervorragend erklärt in einer kürzlich erschienenen Episode von Last Week Tonight.

Ebenfalls sehr empfehlenswert ist eine aktuelle Folge des Podcasts Hoaxilla, in der es um die Epstein-Files geht. Hoaxilla ist einer der Podcasts, die ich wahrscheinlich am längsten verfolge, nur getoppt von »Bits und so«. Jedenfalls haben die Hoaxillas angekündigt, dass sie noch mehr zu den Epstein-Files machen werden, da es kaum in einer einzigen Folge aufzubereiten ist. Die kürzlich erschienene Episode ist auch nur ein Prolog, wenn man so möchte, und beschäftigt sich mit der Figur Epstein und damit, wie es zur Veröffentlichung der Files kam. Dabei haben sie auch erwähnt, dass eine Unterscheidung zwischen Verschwörungen und Verschwörungstheorien wichtig ist.

Ich bin mir über den genauen Wortlaut nicht mehr sicher, habe die entsprechende Stelle auf Anhieb auch nicht gefunden, es ist aber auch zweitrangig. Mir ist es wichtig, die zugrundeliegende Erkenntnis zu betonen. Denn nur weil es eine Verschwörung gibt, die sehr real ist und deren tatsächliche Ausmaße und Auswirkungen wir erst in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren vollumfänglich aufarbeiten können, heißt das nicht, dass andere, scheinbar damit verknüpfte Verschwörungstheorien ebenfalls wahr sind. Epstein hatte ein gewaltiges Netzwerk. Und es tauchen entsprechend viele Namen in den Epstein-Files auf. Doch nur weil ein Name darin auftaucht, sind nicht alle automatisch schuldig. Es geht in den Files auch um Untersuchungen, Befragungen und so weiter – es sind vielschichtige Akten, die von Profis aufgearbeitet werden müssen. Rechtliche Schritte müssen zu gegebener Zeit und mit den entsprechenden Beweisen eingeleitet werden.

Dass diese Gelegenheit von Spinnern genutzt wird, müsste wohl den meisten klar sein. Ein Sänger tut sich dabei besonders hervor, den ich eigentlich schon wieder vergessen hatte und den ich eigentlich nicht noch einmal erwähnt wissen wollte. Es wird von jüdischer Weltverschwörung erzählt und alle möglichen weiteren Fantasien werden gesponnen, die nichts mit der Realität zu tun haben. Der Grat zwischen Fakt und Fiktion mag in Bezug auf die Epstein-Files und Mythen, die scheinbar damit zusammenhängen, schmal sein, doch es gibt ihn. Mythen und Theorien sind und bleiben genau das: Mythen und Theorien. Es gibt sehr reale Netzwerke, die eine ungemeine Macht unter sich vereinen. Fokussieren wir uns doch lieber auf die, arbeiten wir doch lieber die auf, anstatt unsere Zeit mit irgendwelchen Spinnereien von Sänger*innen zu vergeuden, die längst nichts mehr in der Öffentlichkeit zu suchen haben, geschweige denn, denen wir zuhören sollten.

Everything X-Men | House of M (1/2)

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Im dritten Jahr des Blogs habe ich mich dafür entschieden, mein Projektstudium aufzubereiten, welches ich für das Medienwissenschaftsstudium geschrieben habe. In meinem Fall handelte es sich um eine Reihe von Texten rund um die X-Men-Comics. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute in Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich sie mithilfe von DeepL initial übersetzt und anschließend redigiert.

Nachdem wir in den vergangenen Wochen das Event »Avengers Disassembled« angesehen haben, geht es heute nahtlos mit der Fortsetzung weiter. »House of M« ist ein Stück Comic-Geschichte. Obwohl man das eigentlich über fast alles sagen kann, was Brian Michael Bendis geschrieben hat. Es ist auch eines DER X-Men-Events. Leider gefällt mir mein Text dazu im Rückblick nicht ganz so gut. Zwar habe ich viel darüber geschrieben, aber hauptsächlich erzähle ich die Story nach; manchmal ordne ich etwas ein. Ich hätte mir gewünscht, mich intensiver mit dem Event auseinandergesetzt zu haben. Eben das zu machen, worum es im Projektstudium (meiner Ansicht nach) geht: Analysieren und aus einer medienwissenschaftlichen Perspektive darauf blicken.

Doch ich bin zu sehr ins Schreiben einer Rezension abgedriftet. Ich hätte mir gewünscht, mehr erklärt zu haben. Warum ist diese letzte Szene, die ich in diesem ersten Teil des Textes anspreche, so bedeutsam? Wenn man sich mit Comics noch nie beschäftigt hat oder Spider-Mans Geschichte nicht kennt, sagt das einem nichts. Das hätte man bei House of M vielfach machen können. Auf die einzelnen Charaktere eingehen, ihre Geschichte. Es wäre ein umfassendes Projekt an sich geworden, aber sicherlich ein spannendes Unterfangen geworden. Natürlich hat Zeit eine Rolle gespielt. »Everything X-Men« war ein Mammutprojekt und es alleine zu machen, doch etwas viel. Trotzdem mag ich es gerne, auf meine alten Texte zurückzublicken. Ich kann mir daraus etwas für die Zukunft mitnehmen.


Als Letztes sind erschienen:


Einleitung

Als 2005 die erste Ausgabe dieses Events »House of M« in den Handel kam, hatten Events noch eine Bedeutung. Zumindest glaube ich das. Jedenfalls mehr als heute. Es scheint, als hätte Marvel in den vergangenen Jahren nichts anderes getan, als ein Event nach dem anderen zu veröffentlichen. Und jedes einzelne davon sollte das Marvel-Universum für immer verändern. Um ehrlich zu sein, mag ich Events – solange sie in sich geschlossen sind, also nicht monatelang jede einzelne Reihe in Anspruch nehmen. Und vor allem: Wenn sie Konsequenzen haben. Erinnert sich noch jemand an Battleworld? Ist das aktuell? Ich habe den Überblick verloren und dieses spezielle Event nicht gelesen. Aber wir werden in einem anderen Artikel über Comic-Events sprechen. Jetzt wollen wir uns auf »House of M« konzentrieren.

Was ist House of M? Wie wir in unserer letzten ausführlichen Rezension besprochen haben, hat Wanda die Fähigkeit, die Realität zu verändern. Diese Fähigkeit wird auch als Chaosmagie bezeichnet. Einen Vorgeschmack darauf lieferte bereits »Avengers Disassembled«. Magneto hat sie am Ende der Geschichte mitgenommen. Doch nun wollen die Avengers und die X-Men über ihr Schicksal entscheiden. Aber erneut kommt ihnen Wanda zuvor und sie rettet sich selbst. Indem sie die Welt neu erschafft.

Die Realität, die Wanda geschaffen hat, ist anders. Wir kennen sie nicht. Ich halte es für gut, dass es neben dem Hauptereignis mehrere limitierte Serien, One-Shots und Tie-Ins gibt. Ja, ich weiß, dass dies im Widerspruch zu dem steht, was ich zuvor gesagt habe, aber wenn man eine ganz neue Welt erschafft, muss man sie auch verstehen können. Laut Marvel Unlimited umfasst die gesamte Handlung 51 Ausgaben. Die Haupthandlung besteht aus acht Ausgaben. Ich konzentriere mich hier auf die Haupthandlung. Ich habe einige der anderen Comics gelesen und sie bei Bedarf erwähnen.

Road to Nowhere

Die Cover der Hauptstory sind wunderschön. Auf den ersten Blick wirken sie schlicht, nur die groben Umrisse der Figuren, aber je genauer man hinsieht, desto mehr Details entdeckt man. Mein Favorit ist Ausgabe Nr. 4. Es ist faszinierend, Hawkeye auf dem Cover zu sehen, obwohl er in »Avengers Disassembled« gestorben ist. Hier schießt er einen Pfeil nach dem anderen auf Wolverine ab, während dieser am Boden liegt.

Die erste Ausgabe beginnt mit einem Traum, einer Welt, in der Wanda leben möchte. Ihr Bruder Quicksilver alias Pietro Maximoff, ihr Ehemann The Vision und ihre X-Men-Kolleg*innen an ihrer Seite. Sie bringt ihre Kinder zur Welt. Es ist ein glücklicher Moment, und man kann verstehen, dass sie in diesem Traum leben möchte. Sich so fest wie möglich daran klammern. Aber dann spricht Xavier mit ihr. Er sagt ihr, dass dies eine Lüge ist. Sie hat keine Kinder. Dies ist kein glücklicher Ort. Dies ist Genosha. Erik, Charles und Wanda haben diesen Ort als ihren Zufluchtsort gewählt. Um sich vor der Welt zu verstecken und zu versuchen, Wanda zu heilen. Aber will sie überhaupt geheilt werden? Sie ist eine der mächtigsten Mutanten und Magierinnen im Universum. Ich frage mich, ob sie sich dessen bewusst ist oder einfach nur ihrer Fantasie folgt.

Während Erik und Charles über Wanda sprechen, sehen wir Erik ohne sein Magneto-Outfit. Das ist vielleicht das erste Mal seit Beginn unserer Reise. Es unterstreicht die Bedeutung des Gesprächs. In diesem Moment ist er nicht Magneto oder ein Bösewicht. Er ist ein Vater, der sich um das Leben seiner Tochter sorgt. Er macht sich selbst verantwortlich für das, was ihr widerfahren ist. Außerdem: Der Kampf gegen die Menschheit, die Kämpfe gegen die X-Men, die Avengers und andere haben ihn sehr mitgenommen. Er sieht müde aus. Sogar erschöpft.

Springen wir zum neuen Hauptquartier der Avengers. Nachdem sich das Team aufgelöst hat, hat Cap ein neues gebildet: Spider-Man, Spider-Woman, Captain America, Wolverine und Luke Cage sind die New Avengers und hatten bereits ihre ersten Missionen, als Charles Xavier sie zusammenruft. Einige X-Men und ehemalige Mitglieder der Avengers sind ebenfalls anwesend. Er hat sie zusammengerufen, weil er Hilfe bei einer Entscheidung braucht: Soll er Wanda Maximoff töten, oder nicht?

Erik, der mit Wanda auf Genosha geblieben ist, führt das gleiche Gespräch mit seinem Sohn Pietro. Überraschenderweise stimmt er ihm zu. Sie zu töten könnte die einzige Lösung sein, um sie aufzuhalten. Emma Frost (die genauso aussieht wie in der »Astonishing X-Men«-Reihe) ist diejenige, die dafür plädiert, Wanda zu töten. Wolverine stimmt ihr zu und fragt Cap, wie viele noch sterben müssen, bis sie ihr ein Ende setzen.

Es ist eine Diskussion, die so alt ist wie Comics selbst. Sollten Helden Bösewichte töten, wenn diese immer wieder zurückkommen oder eine große Bedrohung für die gesamte Bevölkerung darstellen? Sollte Batman den Joker töten? Wann sind genug Menschen gestorben, um einen weiteren vorsätzlichen Tod zu rechtfertigen? Die Diskussion in Tony Starks Wohnung ist eine der intensivsten Auseinandersetzungen, die ich je in Superhelden-Comics gelesen habe. Nicht nur wegen des exzellenten Textes, sondern auch wegen der Illustrationen. Es ist ein umfangreiches Thema. Einige der Panels scheinen zu klein für das zu sein, was darin dargestellt wird. Dieser Stil schafft eine dichte Atmosphäre. Man könnte schon fast klaustrophobisch werden.

Cap betrachtet Wanda als eine Avenger, daher sollte es ihre Entscheidung sein, und außer Wolverine sind alle gegen ihre Tötung. Die Art und Weise, wie Cap Wolverine zurechtweist, ist einer der besten Momente der Reihe. Es wird mit Schatten gespielt und klargemacht: mit Cap legt man sich besser nicht an. Am Ende beschließen sie, sie auf Genosha zu besuchen. So können sie sie sehen und sich ein besseres Bild von der Situation machen.

Sprung nach Genosha: Wir erleben die folgende Szene aus Spider-Mans Sicht. Wanda ist weg, ebenso wie Erik. Auch die anderen sind plötzlich verschwunden. Niemand ist da. Er ist allein. Er sieht das Licht. Die Welt wird weiß. Und er wacht in seinem Bett auf. In einem anderen Zimmer weint ein Baby. Peter steht auf und kümmert sich um sie, während Gwen Stacy, seine Frau, im Bett bleibt.

Ach, dieser Neid

Regen sich die Menschen bei Sportlern eigentlich auch auf, wenn diese lukrative Marketingkampagnen angeboten bekommen? Wenn jemand das Gesicht für eine Marke wird, begegnet man diesem stets mit Neid und Eifersucht? Oder könnte, besser gesagt, sollte es einem nicht völlig egal sein? Robert Kratky, die Stimme Österreichs, mit der Millionen Menschen in den vergangenen Jahrzehnten aufgestanden sind und ihre ersten Stunden des Tages verbracht haben, macht seit Kurzem Werbung für Billa. Vergangenes Jahr hat er nach vielen Jahren bei Ö3 aufgehört und sich zurückgezogen. Auch aus gesundheitlichen Gründen. Nun ist er also zurück und das auch noch in der Werbung.

Meine Untersuchungsbasis beschränkt sich auf die Kommentarspalten des Standards, aber das dürfte noch eine zurückhaltende Reaktion sein, die im Internet zu finden ist. Speziell danach suchen werde ich mit Sicherheit nicht. Doch die Kommentare sind voller Abneigung gegen den ehemaligen Moderator. Es fängt schon damit an, dass der Standard einen völlig nichtssagenden Artikel dazu schreibt. Man erfährt in den wenigen Zeilen Text quasi nichts Neues. Es soll einfach nur aufregen. Dass Kratky jetzt für Billa wirbt, ist keine Nachricht. Dass er eine knappe halbe Million Gage pro Jahr bekommen hat, wissen bereits alle. Warum genau muss man darüber berichten? Der Text soll nur aufregen und zu Interaktionen in den Kommentaren führen.

Das hat er auf jeden Fall erreicht. Denn es wird geschimpft und auf eine persönliche Ebene gegangen, die nicht notwendig ist. Dass in ein paar Jahren alle Kratky vergessen haben würden, ist eine dumme, unüberlegte Aussage Getätigt von Leuten, die noch immer nicht darüber hinweg sind, dass er eine halbe Million pro Jahr verdient hat. Dass er wohl eine der bekanntesten Österreicher*innen ist, überall erkannt wird und stets in der Öffentlichkeit stand und steht, ist den Menschen wohl nicht bewusst. Hat er das Geld wirklich „verdient“? Keine Ahnung. Neidisch bin ich ihm darum nicht, denn dieses Geld hat auch seinen Preis. Außerdem hat er das sicherlich nicht während seiner gesamten Ö3-Karriere bekommen, aber das wird wahrscheinlich ebenfalls ignoriert. Wenn man in der Lage ist, sich auch nur annähernd in andere Menschen hineinzuversetzen und andere Lebensrealitäten zu akzeptieren, würde man das begreifen.

Und warum sind die Leute ausgerechnet bei Kratky so neidisch und eifersüchtig? Es verdienen manche sehr viel mehr und haben es sehr viel weniger verdient. Dass er nun Werbung macht, ist ein logischer nächster Schritt. Es ist nachvollziehbar. Und ich werde dasselbe tun, was ich mit aller Werbung mache: versuchen, es zu ignorieren. Es spielt in meiner Lebensrealität keine Rolle. Ich muss mich darüber weder echauffieren noch aufregen, noch muss ich mich darüber freuen oder es groß gutheißen. Es ist mir schlicht egal und gleichgültig. Kümmern wir uns doch lieber um die wirklich wichtigen Dinge.

Digitale Mündigkeit

Zum Schutz der Kinder! Weltweit grassieren gerade Gedanken zum Verbot von sozialen Medien für unter 14-Jährige – entsprechende Gesetze werden in einem Staat nach dem anderen erlassen. Manchmal ist auch 16 Jahre die Grenze, wenn ich mich recht entsinne, aber das Thema bleibt das gleiche: Man möchte Jugendliche vor den Schäden von Social Media bewahren. Dem großen Übel des 21. Jahrhunderts – Gegner und Bedrohung der Demokratie. Es macht süchtig (aktuell laufen entsprechende Klagen und ich bin sehr gespannt auf die ersten Urteile, die wegweisend sein könnten – Vergleiche zur Tabakindustrie werden herangezogen und scheinen gar nicht mal so weiter hergeholt), reduziert die Aufmerksamkeitsspanne und ist ein Zeitfresser, wie wir es wohl in der Menschheitsgeschichte noch nicht erlebt haben. Ganz davon abgesehen, welcher Müll dort teils verbreitet wird. Wobei »Müll« hier sehr viele Definitionen einnehmen kann, je nachdem von welcher Seite oder von welchem Blickwinkel man das Thema betrachtet.

Sehr empfehlenswert zu dem Thema ist die zweite Folge der 13. Staffel von Last Week Tonight. John Oliver und sein Team widmen sich eingehend dem Untergang von Twitter und wie gefährlich die Plattform wirklich ist – egal ob man sich nun darauf herumtreibt oder nicht. Es ist augenöffnend. Verschwörungstheoretiker scheinen zurzeit sowieso Hochkonjunktur zu haben und könnten uns allen sagen: „Wir haben es euch doch gesagt!“ Bei den Epstein Files kratzen wir gerade erst an der Oberfläche und entdecken schon jetzt ein globales Netzwerk, das seinesgleichen sucht. Dann haben wir soziale Medien wie Twitter, das vom reichsten Menschen der Welt betrieben wird und der so in politische Systeme eingreifen kann, wie kaum ein Zweiter. Es ist beängstigend. Für mich hat die Last-Week-Tonight-Episode allerdings auch bestätigt: Kinder und Jugendliche sind nicht das Problem.

Es ist eine Scheindiskussion, auf die man sich eigentlich gar nicht einlassen sollte. Bringen sich Altersbeschränkungen wirklich etwas, solange man nicht seinen Ausweis einreichen muss, um das eigene Alter zu bestätigen? Und will man, weiter gedacht, wirklich seinen Ausweis amerikanischen Plattformen zur Verfügung stellen, nur um das eigene Alter zu verifizieren? Wer hat dann Zugriff auf meine Daten? Die US-Regierung? Will ich das wirklich? Alles ganz große Fragezeichen. Das viel größere Problem von sozialen Netzwerken sind nicht die Jugendlichen, sondern die Erwachsenen. Alle können quasi unmoderiert posten, was sie für richtig und wichtig halten. Fakten gibt es schon lange nicht mehr, da man sich seine eigene Blase zusammenbaut und glauben kann, was man möchte. KI-generierte Inhalte, Bilder und Videos machen die Unterscheidung zwischen Fakt und Fake noch einmal schwieriger. Und ich wage zu behaupten, dass niemand von uns in der Lage ist, wirklich den Unterschied zu erkennen.

Altersbeschränkungen für soziale Medien sind nett. Viel wichtiger wäre es jedoch, wenn die Plattformen endlich für die Inhalte, die mit ihren Mitteln gepostet und verbreitet werden, haften würden. In der Anfangszeit von Social Media war es vielleicht noch okay, so naiv zu sein und den Usern die Moderation der Inhalte zu überlassen – mit ein bisschen Content-Moderation der Betreiber. Doch diese Anfangszeit ist längst überholt. Social Media, egal um welche Plattform es sich handelt, um welchen Betreiber, muss Verantwortung für das übernehmen, was auf ihnen veröffentlicht wird; KI produzierte Inhalte müssen entsprechend gekennzeichnet werden. Nur so können wir in die Nähe einer brauchbaren Nutzung von sozialen Medien kommen. Alles andere sind Scheindiskussionen und Ablenkungen, auf die man sich eigentlich gar nicht einlassen sollte.

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