Wie jeden Donnerstag suche ich mir einen Artikel aus längst vergangener Zeit heraus, als ich noch den Blog geek-planet betrieb. Der heutige Text handelt vom ersten Hardcover-Buch des Comics The Walking Dead.
The Walking Dead war nicht nur als Serie ein gewaltiges Phänomen. Bevor es den Weg in unsere Wohnzimmer fand, war es bereits als Comic ein Hit und hat jeden Monat die Charts gestürmt und war in aller Munde. Natürlich musste ich auch in meinem alten Blog die Comics Besprechen und habe mir dafür die Hardcover-Bücher nach und nach besorgt. Parallel dazu habe ich mir dann die Serie (bis zu einem gewissen Zeitpunkt, bis dann die Qualität doch stark nachließ) angeschaut und ebenfalls besprochen. Beides parallel zu machen, also den Comics zu lesen und die Serie zu schauen, war vielleicht nicht ganz so clever. In meinem Kopf bringe ich nun immer wieder Dinge durcheinander und bin mir manchmal unsicher, was wo passiert ist. Aber das ist nun einmal so und damals hat es mir große Freude bereitet, mich mit beiden Medien auseinanderzusetzen.
Aus der heutigen Sicht das Ganze zu betrachten, als die ersten Staffeln der Serie anliefen, ist schon interessant. Mittlerweile gibt es ja einige Ableger der Serie. Ganz im Gegensatz zum Comic, der ohne große Ankündigung eines Tages, mit Ausgabe 194, einfach endete. Schauen wir also neun Jahre zurück, denn der ursprüngliche Text erschien am 12.10.2015.
Bevor ich überhaupt mit der Serie „The Walking Dead“ anfange, will ich mich mit der Vorlage beschäftigen. Mir war gar nicht bewusst, dass es inzwischen schon über 140 Ausgaben des hochgelobten Comics von Robert Kirkman gibt. Es wurde also höchste Zeit für eine kleine Aufholjagd.
- Autor: Robert Kirkman
- Künstler: Tony Moore, Charlie Adlard
- Gray Tones: Cliff Rathburn
- Erstveröffentlichung: 2006
„Don’t hurt my Daddy again!“ – Carl
Ich habe mir gedacht, wenn ich schon anfange, „The Walking Dead“ zu lesen, dann mache ich es auch richtig und sammle gleich die Hardcover-Versionen. Im ersten Buch sind die Ausgaben #1 bis #12 enthalten.
Was mir besonders gut gefällt, ist die Tatsache, dass das Buch mit wenig Schnickschnack auskommt. Eine Seite mit dem Titel des folgenden Kapitels und schon geht es los. Auch wird die Geschichte nicht durch Nummerierungen oder Cover unterbrochen, die aufzeigen sollen, wann und wo welche Ausgabe beginnt bzw. endet. Dies ist sehr erfrischend, da man bis zum nächsten Kapitel, und davon gibt es im Buch gerade einmal zwei, ununterbrochen in der Welt bleiben kann. Die Qualität der Seiten und des Hardcovers an sich ist wie immer vom Image-Verlag ausgezeichnet. Es fühlt sich hochwertig und stabil an.
Aufgrund dessen, dass manche meiner Freunde bereits seit längerem die Serie schauen und am Ende des Buches das Gefängnis angeteasert wird, kann ich ungefähr abschätzen, dass die ersten drei Staffeln der Serie dem ersten Buch entsprechen. Wenn es so weiter geht und die Serie auf den bisherigen Erfolgen aufbauen kann, stehen uns noch sehr viele weitere Staffeln bevor. Die Verantwortlichen selbst haben bereits in einem Interview bestätigt, dass sie schon für die nächsten Staffeln vorausgeplant haben. Lust weiterzumachen haben sie also allemal.
Zur Handlung selbst muss ich, glaube ich, nicht viel sagen. Nur so viel: Wir starten mit Rick, einem Polizisten, der seit einem Monat im Koma liegt, nachdem er bei einer Schießerei übel erwischt wurde. Er erwacht in einem düsteren, chaotisch hinterlassenen Krankenhaus und muss feststellen, dass er weit und breit der einzige lebende Mensch ist. Er lernt ziemlich bald die neue Weltordnung kennen, in der die Zombies die Oberhand haben. Zwar sind diese Kreaturen nicht gerade von Intelligenz und Schnelligkeit geprägt, doch ihre schiere Menge macht sie zu einem gefährlichen Gegner. Bald findet er seine Familie in einem nahegelegenen Camp und zukünftig stellt sich die Gruppe gemeinsam der Herausforderung, in dieser Welt zu überleben.
Mich hat besonders die Gruppendynamik überrascht. Normalerweise gibt es immer den ein oder anderen Quertreiber, die unsympathisch sind und für Unruhe sorgen, doch hier sind Streits die Ausnahme und alle helfen immer gut zusammen. Egal, ob bei der Durchsuchung von Häusern, dem Retten von Fremden oder beim Kampf gegen die Zombies, die hier auch deutlich so genannt werden, sie ziehen meist an einem Strang. Auch wenn nicht immer mit voller Überzeugung und wenn jeder seine eigene Agenda verfolgt. Denn sie wissen, dass das Überleben der Gruppe von jedem einzelnen von ihnen abhängt.
Dazu passt auch der gesamte Stil des Comics. Angefangen bei den Schwarz/Weiß-Darstellungen, die wahrscheinlich verhindern sollen, dass einem zu übel wird beim Lesen oder dem Fehlen von einem Erzähler oder Zeitangaben. Man muss alles aus dem Kontext von Unterhaltungen und den fantastischen Zeichnungen schließen. Robert Kirkman liefert mit seinem Team einen großartigen Comic ab. Was mir aufgefallen ist, ist die Entwicklung der Zeichnungen. Zu Anfang sind es oft noch überzogene Mimik und Gestik, wenn sich Rick zum Beispiel im Krankenhaus erschreckt oder überrascht blickt, doch nach und nach werden diese subtiler, realer. Dieser Fortschritt gefällt mir ausgesprochen gut, da es zeigt, dass sich der Künstler mit der Materie auseinandersetzt und sich weiterentwickelt.
„The Walking Dead“ ist deutlich besser, als ich erwartet hatte. Ich habe eher eine typische Zombiegeschichte erwartet, die auf schockierende Brutalität und Grausamkeit, sowie stereotypische Charaktere setzt. Bei den Protagonist*innen ist dies zwar manchmal der Fall, doch sie entwickeln sich und wachsen über sich hinaus. Ein gewisser grad an Gewalt ist bei so einer Geschichte nicht zu verhindern und das „Mature“ Rating ist zweifelsohne angebracht, doch es geht hauptsächlich um das Überleben der Gruppe – das Zwischenmenschliche steht im Vordergrund.