Ein offenes Gespräch

Ich bin mir gar nicht mehr sicher, wie ich darauf aufmerksam geworden bin, aber vor ein paar Wochen ist mir zum ersten Mal der Podcast von Robert Kratky über den Weg gelaufen: Kratky sucht das Glück …

Der sympathische Ö3-Wecker-Moderator hat Ende des vergangenen Jahres einen Podcast gestartet, in dem er mit Menschen über ihre psychischen Probleme spricht. Aktuell gibt es sieben Episoden und ich hoffe, es gibt noch viele weitere, denn sieben sind eindeutig zu wenig. Es ist ein großartiges Projekt und sollte auf jeden Fall weiter geführt werden. Die Folgen werden, soweit ich das gelesen habe, auch vom ORF ausgestrahlt werden, was die Wichtigkeit dieses Projekts noch einmal unterstreicht.

Wenn ich das beim Überfliegen der Podcast-Episoden richtig gesehen habe, dauert eine Folge gut eine Stunde. Diese Woche, während ich Warhammer-Figuren bemalte, habe ich mir zufällig ein Gespräch herausgesucht, ohne groß auf den Namen des Gastes zu achten. Und natürlich musste es die Folge mit Michi Buchinger sein, die ich als Erstes hörte. Etwas anderes wäre gar nicht möglich gewesen, wie mir scheint. Jedenfalls ist es ein offenes, respektvolles und vor allem auch ehrlich neugieriges Gespräch. Ohne Vorurteile, ohne etwas schönzureden. Ein wunderbares Format, dessen anderen Episoden mir sicherlich noch Gesellschaft leisten werden.

Der Podcast legt den Fokus auf die psychischen Probleme, wie die individuelle Reise der Gäste ausgesehen hat, und ist durch seine bestechende Offenheit wahrlich eine Offenbarung. Zwar höre ich auch andere Podcasts, in denen die Gesprächspartner offen miteinander reden (beispielsweise Holger Klein in seinem WRINT-Podcast, den ich nicht missen möchte), aber durch die Unterstützung von Ö3 erhält das Ganze doch noch ein anderes Gewicht.

Psychische Krankheiten und Probleme offen zu besprechen, ist leider immer noch ein Tabu in unserer Gesellschaft. Das merkt man auch vor allem daran, dass man sich entscheiden kann, ob entsprechende Diagnosen oder Besuche von Kliniken, wie der Christian-Doppler-Klinik in Salzburg, auf der eCard aufscheinen sollen oder nicht. Was ein vollkommen absurdes Konzept ist, wenn man mal ehrlich darüber nachdenkt. Denn so hat jeder Arzt und jede Ärztin, die man aufsucht, immer nur einen Teil des Bildes, wenn man es nicht selbst anspricht. Nur weil man es nicht sehen kann oder für Außenstehende schwer zu beurteilen ist, sind diese Krankheiten nicht weniger real. Offene Gespräche, die darüber in der Öffentlichkeit in solch einem Format geführt werden, helfen sicherlich weiter, dass das Thema mehr Raum findet, diskutiert zu werden.

Ich hoffe sehr, dass es mit dem Format noch weiter geht und bin sehr gespannt auf die restlichen Folgen, die mich noch erwarten. Auch dass sie am Anfang jeder Folge betonen, wo man Hilfe findet, ist eine tolle Sache und entsprechende Anlaufstellen sind ebenso auf der Webseite zu finden (Kratky sucht das Glück). Es ist ein wunderbarer und wichtiger Podcast.