Newsletter Konventionen

Was ich immer wieder gerne ausprobiere, und zwar aus den unterschiedlichsten Bereichen, sind Newsletter. Es gibt zwar die sozialen Medien, auf denen man den diversen Personen und Institutionen, von denen man regelmäßig etwas mitbekommen möchte, aber ich habe schon vor längerer Zeit festgestellt, dass das nichts für mich ist. Ich mag die ausgiebigere Form und die Ruhe von Newslettern sehr gerne. Man ist nicht auf eine gewisse Textlänge beschränkt oder muss Threads erstellen, sondern kann sich so viel oder so wenig Raum lassen, wie das diskutierte Thema eben benötigt.

Außerdem kommen sie automatisch in mein Postfach, ich kann ihnen meine Zeit widmen, wenn ich den Kopf dafür habe und es läuft mir nichts davon. Des Weiteren kommt nicht ein dauernder Strom an Kommentaren und Meinungen zu diesen Dingen mit. Ich kann mir selbst ein Bild des Gelesenen bilden und lasse mich nicht durch die Untiefen von Kommentarspalten und sozialen Netzwerken beeinflussen.

Wenn ich diese Kommentare und Meinungen lesen und hören will, dann mache ich das explizit, indem ich die News-Seite der Wahl öffne. Oder ich besuche die Seite des Podcasts und schaue dort nach, was die Leute darüber denken. Das ist auch das Angenehme an der gedruckten Zeitung – das Losgelöste, die Ruhe und das Analoge.

Habe ich mir früher eher die Newsletter von bestimmten Personen abonniert, so habe ich aktuell eher Nachrichten und andere Seiten abonniert. Was nicht bedeutet, dass ich die Einzelpersonen komplett de-abonniert habe, nur eben etwas reduziert.

Der frühere Personenkult, wenn man so will, kam daher, dass ich immer auf dem Laufenden sein wollte, was sich in der Comic-Welt gerade so tut und was die Autor*innen und Künstler*innen im Schilde führen. Daher hatte ich von Aditya Bidikar, über Kieron Gillen, Scott Snyder, Chip Zdarsky, bis hin zu James Tynion IV, so einige Newsletter im Abo. Auch durch den Einstieg von Firmen wie Substack in den Comic-Bereich, hat das Medium Newsletter einen neuen Hype erfahren. Außerdem hatte man dadurch die Möglichkeit, die Erschaffenden (es gibt leider keine wirklich gute deutsche Entsprechung für das Wort creator) direkt zu unterstützen.

Auch wenn ich heute noch gewisse Newsletter von Einzelpersonen, wie eben den Autor Matthew Dicks, abonniert habe, so probiere ich aktuell gerne diverse Nachrichtenseiten aus. DerStandard, Falter, Krautreporter und Ähnliches, habe ich mittlerweile schon durch. Dadurch habe ich erst so richtig realisiert, was ich eigentlich von einem Newsletter erwarte.

Zwar lese ich gerne den Standard im Print oder Online, aber der Newsletter entspricht nicht meinen Erwartungen. Es sind einfach nur viele Links auf diverse Storys des Tages, die ich auf deren Seite ebenso finde, da brauche ich nicht den Newsletter. Der Falter macht das komplette Gegenteil. Sie haben Newsletter zu verschiedensten Fokus-Themen, zu denen man dann mehr oder weniger täglich einen Text lesen kann, der explizit für dieses Medium geschrieben worden ist. Dieser Text dient sozusagen als Einleitung, darunter sind dann ein paar wenige Artikel verlinkt, wenn man sich damit noch tiefer auseinandersetzen will. Ähnlich machen es auch die Krautreporter.

Ich abonniere also gerne Newsletter, die als eigenständiger Text funktionieren. Es ist zwar schön und durchaus Pflicht, gerade von journalistischen Newslettern, dass die Quellen und weiterführenden Artikel im Text verlinkt sind, aber es sollte eben nicht nur eine Link-Sammlung an sich sein. Wie gesagt, ich erwarte, dass man den Text an sich lesen kann und dann zumindest eine (oberflächliche) Idee des Themas hat – eine gute Zusammenfassung eben.

Was ich auch sehr empfehlen kann, ist übrigens der Montagsblock, wo sich drei Autor*innen jede Woche abwechseln und ausführlich über verschiedenste Themen schreiben.

All diese Newsletter bieten unterschiedliche Perspektiven und Einblicke in ein Thema oder Themengebiet. Am positivsten überrascht hat mich eindeutig der Falter. Die Inhalte, die hier geboten werden, sind hochwertig und werden gut verständlich dargestellt. Außerdem mag ich, dass man sich für bestimmte spezifische Themenbereiche oder auch Ressorts entscheiden kann und nicht automatisch alles bekommt.

Aber es ist immer wieder ein Testen und Ausprobieren, was die Institutionen und Personen an Inhalten zu bieten haben und welches Format man schlussendlich bevorzugt. Wert, damit zu experimentieren, ist es auf jeden Fall.