Es heißt doch so schön, dass aller Anfang schwer wäre, aber manchmal ist es das zu Ende bringen von gewissen Dingen, was im Wege steht. Man rappelt sich auf oder nimmt sich etwas vor und fängt voller Elan an, nur um dann, wie eine Katze, von etwas anderem, scheinbar viel Schönerem, Neuerem und Glitzernden abgelenkt zu werden. Das ursprüngliche Vorhaben wird aufgeschoben, mit dem festen Vorsatz, es bestimmt später zu Ende zu bringen. Wer kennt es nicht? Es braucht dabei nicht nur Disziplin, sondern auch Durchhaltevermögen.
Man muss den inneren Strudelwurm, wie es Maja Storch benennt, davon überzeugen, dass es eine gute Sache ist, einen selbst voranbringt und es sich auszahlt „durchzubeißen“ oder durchzuhalten, was eine nettere Formulierung ist. Dabei kann es sich um alles Mögliche handeln: Haushaltstätigkeiten, die man vor sich her schiebt, die Verkleidung im Bad, die seit Monaten locker ist, mit einem einfachen doppelseitigen Klebeband und ein paar Minuten erübrigter Zeit, aber einfach festzumachen wäre. Oder aber die Warhammer-Figuren, die angefangen in einer Box liegen und still auf die Fertigstellung warten. Alles rein fiktive Beispiele, natürlich.
Im Januar habe ich mir vorgenommen, dass ich abends, statt Serien oder Filme zu schauen oder das kürzlich erworbene, hervorragende Spiel Prince of Persia zu spielen, Bücher lese. Und zwar nicht irgendwelche Bücher, sondern die, die ich vergangenes Jahr angefangen, aber nie zu Ende gelesen habe. Einfach als Experiment, mit diesem Vorhaben starten und sehen, wie es sich anfühlt. Ist es eher eine Plackerei und lag ich richtig darin, diese Bücher zu überspringen bzw. liegenzulassen oder hätte ich etwas verpasst, wenn ich sie nicht gelesen hätte?
Ich kann schon mal vorwegnehmen, dass ich von jedem der sechs Bücher begeistert war (ob man den Ernährungskompass komplett zählen will, sei mal dahingestellt, da ich nur mehr wenige Kapitel übrig hatte). Alle Bücher hatten etwas anderes zu bieten und haben mich in eine fantastische Welt entführt oder mir eine bisher unbekannte näher gebracht. Aber bevor ich auf Details eingehe, hier die Liste der Bücher:
- Bas Kast: Der Ernährungskompass
- Charles Soule: Das Licht der Jedi
- Erzählungen des Verrats (Buch 10 der Horus Heresy)
- Mike Lee: Gefallene Engel (Buch 11 der Horus Heresy)
- Stephen King: Fairy Tale
- Patrick Stewart: Making it so
Über den Ernährungskompass habe ich schon des Öfteren geschrieben und Das Licht der Jedi, ebenfalls in einem eigenen Text besprochen (Aufbruch in eine neue Ära). Die Warhammer-Bücher werde ich gleichsam im Detail einmal durchnehmen, wenn ich mit dem Sammelband durch bin.
Stephen Kings Fairy Tale hat mich durchweg begeistert, und ich weiß nicht, warum ich es nicht gleich beim ersten Mal fertig gelesen habe. Die Geschichte mit der Kombination von verschiedenen Märchen und zweier Parallelwelten ist schön erzählt und entführt in eine wahrlich fantastische Welt. Ein großartiger Roman mit viel Herz. Es ist teilweise eine tragische Erzählung, teils eine Abenteuergeschichte, in die man selbst gerne hineinstolpern möchte. Es hat sehr viel zu bieten, und ich werde sicherlich noch gesondert darüber schreiben müssen.
Making it so, die Memoiren von Patrick Stewart haben mich ebenso fasziniert. Man mag vielleicht tagträumen, wie es ist, ein Schauspieler zu sein, in diesem Buch erfährt man, welch ein Kampf es sein kann. Kompromissbereitschaft, Engagement und Durchhaltevermögen gehören natürlich dazu. Seine Lebensgeschichte so dargestellt zu lesen und auch seine schwierige Kindheit hier aufgearbeitet zu sehen hat mich mitgerissen. Und er nimmt einen mit in die verschiedenen Zeiten, die er durchlebt, und wie sich das auf das Theater ausgewirkt hat.
Ich habe verschiedene Kommentare gesehen, wo er kritisiert wird, zu viele Namen zu nennen und damit zu prahlen, aber ich finde, das macht die Geschichten greifbarer. Er hat in hunderten Theateraufführungen mitgewirkt, bevor er mit Mitte vierzig der Captain der Enterprise geworden ist, da haben sich eben so manche Geschichten und Begegnungen angesammelt. Seine Erzählung seiner beruflichen Laufbahn ist spannend und man fiebert durchaus mit ihm mit, wenn ich ehrlich bin. Man spürt seine Leidenschaft für diesen Beruf auf jeder Seite.
Was ich mir vielleicht mehr gewünscht hatte, wäre ein etwas tieferer Einblick in das Privatleben, das parallel dazu natürlich ebenfalls stattgefunden hat. Beispielsweise berichtet er kaum über seinen Part als Vater zweier Kinder. Der Fokus liegt eindeutig auf der beruflichen Laufbahn. Seine Kindheit und frühen Jahre als Schauspieler sind ausgeglichener dargestellt, mit einer Mischung aus beiden Welten. In einem Nebensatz erwähnt Patrick Stewart einmal, dass er als Vater kaum anwesend war, weil er viel gearbeitet hat und damit auch viele Reisen einhergingen. Der Wechsel zwischen Hollywood-Produktionen, UK-Filmen und Serien, und Theatern war sicherlich keine einfache Aufgabe. In dem einen Nebensatz steckt viel drin und ich hätte mir gewünscht, dass er näher darauf eingegangen wäre.
Worüber er durchaus schreibt, sind seine Ehen, aber meist auch nur vage. Zum Schluss hin wird er offener, wenn er auf Sunny trifft, mit der er noch heute verheiratet ist. Überraschenderweise schreibt er wenig über die X-Men Filme. Star Trek findet regelmäßig Erwähnung, und er scheint darüber eher aus dem Nähkästchen zu plaudern. Da hätte ich mir ebenfalls gewünscht, etwas mehr zu erfahren. Aber abgesehen davon ist es ein hervorragendes Buch, welches ich gerne gelesen habe. Es bringt einem nicht nur das Leben von Patrick Stewart näher, sondern auch die Welt des Theaters, die Magie Shakespeares und das Handwerk des Schauspielens.