Ich hätte mir ja nie vorstellen können, dass ich jemand bin, der sich Biografien von Menschen durchliest. Gut, es gibt wenige Biografien von Tieren oder anderen Lebewesen, wobei ich das auch nicht unbedingt ausschließen möchte, aber ich schweife ab. Jedenfalls habe ich mich bis vor Kurzem nur mit zwei Biografien auseinandergesetzt. Beides Personen, die ich da über viele Jahre verfolgt und gefeiert hatte: Michael Jackson und Steve Jobs. Sehr unterschiedliche Charaktere, aber die Biografien habe ich durchaus gerne gelesen.
Nun habe ich in den vergangenen Monaten diverse Bücher in der Hand gehabt, die eben unter jene Kategorie fallen. Manche nennen es Memoiren, andere Autobiografien – fällt aber alles unter die gleiche Kategorie. Ganz nebenbei googelte ich den Unterschied zwischen den beiden Begriffen, und man hätte es sich denken können: Memoiren erzählen Geschichten aus einem Leben, die Autobiografie will über ein gesamtes Leben berichten. Wäre das also schon mal geklärt.
Was mir nun aufgefallen ist, sind die unterschiedlichen Herangehensweisen, wie sich die Personen entscheiden, über ihr Leben zu berichten. Patrick Stewart fokussiert sich beispielsweise sehr stark auf seine professionelle Laufbahn. Was natürlich verständlich ist, aber er klammert dabei natürlich viele Dinge aus, die in seinem Privatleben passiert sind oder erwähnt diese nur hier und da in einem Halbsatz. Seine Kindheit, bis er in die Schauspielerei einsteigt, stellt er sehr ausführlich dar, mit all seinen (teils unangenehmen) Aspekten. Ich mochte überraschenderweise seine Berichte und Beschreibungen der unterschiedlichen Shakespeare-Aufführungen sehr gerne, an denen er mitgewirkt hat.
Vor kurzem beendete ich die Memoiren von Peter Falk. Er erzählt, anders zu Patrick Stewart, sehr episodisch und in kurzen Geschichten. Manche umfassen nur wenige Absätze, die längsten sind gerade mal ein paar Seiten lang. Eine durchaus spannende und interessante Herangehensweise. So kann er sich auf die aus seiner Sicht wichtigsten Ereignisse, Begegnungen und teils sehr lustigen Geschichten aus seinem Leben konzentrieren, ohne dabei allzu sehr ins Detail zu gehen. Trotzdem lernt man Peter Falk etwas besser kennen, vor allem, dass er durchaus viel zu Drehbüchern und Charakteren beigetragen hat, indem er Teile umgeschrieben oder ergänzt hat. Es sind auch viele Fotos enthalten und seine künstlerische Seite wird mit diversen Abbildungen der Kunstwerke untermalt.
Vergangenes Jahr habe ich Pageboy von Elliot Page gelesen. Ich kannte ihn bereits von den X-Men-Filmen und natürlich von der fantastisch, verrückten Netflix-Serie Umbrella Academy. Ich wollte mich (und will natürlich weiterhin) mehr mit der LGBTQIA+-Community auseinandersetzen. Als queere Person will ich einfach mehr über meine Community wissen und sie besser verstehen. Da ich über Trans-Menschen noch nicht viel wusste und mehr über deren Lebensrealität erfahren wollte, habe ich zum Buch von Elliot Page gegriffen. Es ist ein mitreißendes, teils beklemmendes und schwieriges Buch, aber auch eines der wichtigsten, die in letzter Zeit erschienen sind.
Ähnlich war es beispielsweise auch mit Asexualität. Ich wusste nicht viel darüber, wenn nur Halbwahrheiten, also habe ich zum Buch A.C.E. von Angela Chen gegriffen. Es ist wichtig, wenn man nichts oder wenig über gewisse Lebensrealitäten weiß, sich erst mal ein Bild davon zu machen. Es bringt einem die Menschen näher und man versteht sich gegenseitig besser. Vor allem, wenn es um Gruppen geht, die in der Gesellschaft wenig Beachtung oder gar Verachtung erfahren, sollte man sich besonders damit auseinandersetzen.
Eine Biografie, die mir aktuell noch bevorsteht und schon auf dem Lese-Stapel liegt, ist This Much is True von Miriam Margolyes. Ich habe zwar noch nichts mit ihr gesehen, wenn ich mich richtig entsinne, wurde auf sie aber durch die Talkshow von Graham Norton aufmerksam. Eine fantastische, offene und lustige Persönlichkeit und ich freue mich schon, sie durch das Buch näher kennen zu lernen.
Biografien sind etwas Wunderbares. Ich bin sehr froh, nun auch diese Bücherkategorie mehr zu erkunden. Ich kann es nur empfehlen.