Throwback Thursday: The Amazing Spider-Man – One More Day

Wie jeden Donnerstag werfen wir einen Blick in die Vergangenheit meiner Blogger-Karriere. Heute sehen wir uns den Artikel über die Spider-Man-Geschichte One More Day an. Dieser erschien am 10.06.2016 auf meiner damaligen Webseite geek-planet.

Diese Geschichte, die One More Day erzählt, ist geradezu verhasst unter Spider-Man-Fans, weil sie als eine der schwächsten und stumpfsinnigsten gilt. Zwar haben wir daran anschließend den über Jahre dauernden Run von Dan Slott bekommen, einen der einflussreichsten Autoren von Spider-Man, aber es ist immer spannend, sich zu fragen: Was wäre, wenn?

Beim Lesen des Textes ist mir aufgefallen, dass ich sehr viel Vorwissen voraussetze. Für einen Blog, der sich wie damals eben an ein sehr spezifisches, Comic-affines Publikum richten sollte, nichts Tragisches, aber ein wenig mehr Hintergrundwissen zu vermitteln, wäre nicht schlecht gewesen. Welche Geschichte haben Tony Stark und Peter Parker in Civil War durchgemacht? Was hat mir an Back in Black so sehr gefallen? Und darauf aufbauend dann eventuell detaillierter und ausführlicher herleiten, warum One More Day ein Betrug an den vergangenen Geschichten und den Charakteren war.

Ich springe sehr viel herum und gehe nur selten auf Details ein, wie ich finde. Aber deshalb sehen wir uns ja die alten Texte an. Um daraus zu lernen und zu sehen, ob sich Einstellungen und Meinungen eventuell geändert haben. Wenn es zu One More Day kommt, bleibe ich dabei, dass es eine schlechte Storyline ist, die viel Potenzial zunichtegemacht hat. Schade darum. Aber seitdem haben wir viele andere, fantastische Spider-Man-Geschichten bekommen. Und wir wollen uns ja auf die positiven Aspekte konzentrieren und nicht immer nur jammern.


  • Ausgaben: Amazing Spider-Man #544-545; Sensational #41; Friendly Neighborhood #24
  • Autor: J. Michael Straczynski
  • Künstler: Joe Quesada, Danny Miki, Richard Isanove, Chris Eliopoulos

“I’ll find a way to save aunt may if it means storming the gates of hell itself.” – Spider-Man

Die Story-Line One More Day knüpft direkt an Back in Black an und konzentriert sich vorwiegend darauf, wie Peter verzweifelt nach einer Möglichkeit sucht, seine Tante vor dem Tod zu bewahren. Es handelt sich hier insofern um eine besondere Geschichte, als dass sie sich über drei verschiedene Spider-Man-Titel erstreckt und davon zwei (Sensational Spider-Man und Friendly Neighborhood Spider-Man) zu einem Ende führt. Damit wollte Marvel damals dazu übergehen, die Reihe The Amazing Spider-Man zukünftig dreimal im Monat auszuliefern.

Qualitativ unterscheiden sich One More Day und Back in Black so grundlegend voneinander, dass man kaum glauben mag, sie stammen von den gleichen Autoren. Der Start der Story-Arc ist fantastisch, und das nicht nur, weil die Geschichte direkt mit der gleichen Atmosphäre wie aus den vorherigen Ausgaben fortgesetzt wird. Sie ist so großartig, weil sie die Welt von Spider-Man noch ein Stück weiter öffnet. Wir sind mit Back in Black eingestiegen und kennen uns noch nicht so gut mit der Welt aus, mit der wir es hier zu tun haben. Lediglich die grundlegenden Ereignisse aus Civil War sind uns bewusst.

Um seine Tante zu retten, besucht Peter erst einmal überraschend seinen derzeitigen „Gegner“ Iron Man, auch bekannt als Tony Stark, in dessen Tower. Der Kampf, der entfacht, ist schnell vorbei, da Peter alles tut, um Tony zu stoppen, und die folgende Unterhaltung spielt großartig mit den Stärken der beiden Charaktere. Gleichzeitig wird sehr viel von ihrem derzeit angespannten Verhältnis und ihrer ereignisreichen Vergangenheit klar. Auch eine Beziehung zwischen dem Butler Jarvis und May wird angedeutet, der ich mir bisher nicht bewusst war.

Ich will hier nicht jedes einzelne Detail der Geschichte wiedergeben, sondern nur grobe Eindrücke vermitteln, also springen wir weiter zu Peters nächsten Halt, nachdem ihm Tonys Geld nicht wirklich weiterhilft. Niemand geringerer als The Sourcerer Surpreme Dr. Stephen Strange ist sein nächstes Ziel. Die Szenerie wechselt sofort zu einem mystischen Flair, den man aus Spider-Man-Comics wahrscheinlich nicht so sehr gewohnt ist. Auf sehr schmerzvolle Weise wird Peter hier beigebracht, dass niemand in der Lage ist, May das Leben zu retten und er sich mit der Tatsache abfinden muss, dass ihre Zeit gekommen sei. Schade finde ich an dieser Stelle, dass Strange hier vielleicht etwas zu naiv dargestellt wird und ich glaube ihm keine Sekunde. Mit Sicherheit wäre er in der Lage, May zu retten, zumindest wird das zwischen den Zeilen vermittelt. Warum er es allerdings nicht tun will, erläutert leider nicht.

Schließlich, und dies ist der große dritte Teil der Geschichte, konfrontiert ihn Mephisto, der König der Unterwelt persönlich, und bietet ihm einen Deal an. Wenn er seine Liebe zu Mary Jane aufgibt und damit nicht nur die Vergangenheit der beiden, sondern auch ihre Ehe, dann sorgt er dafür, dass May gesund wird. Er wolle sich aus ihrer heimlichen Sehnsucht zueinander nähren, was viel kostbarer sein soll, als eine Seele, die freiwillig für ein höheres Ziel geopfert wird.

Es ist sehr ärgerlich, wie eine so brillante Geschichte und Jagd nach einer Lösung dermaßen, und mir fällt ehrlich kein anderer Begriff ein, dumm zu Ende geführt werden kann. Die fantastisch inszenierte Begegnung zwischen Tony und Peter, in die so viel Herz gesteckt wurde, nicht nur was die Dialoge und die Handlung selbst betrifft, sondern auch die Zeichnungen. Diese vermitteln wunderbar den verzweifelten Peter Parker, der alles dafür tun würde, um seine Tante zu retten. Die mystische Begegnung mit Dr. Strange sowie die bewegenden Szenen im Krankenhaus. Alles toll ausgearbeitet. Doch dann folgt diese berühmt-berüchtigte Ausgabe #545.

Alles, was bis zu diesem Punkt aufgebaut wurde, wird zunichtegemacht. Nicht nur die Auflösung, wie May gerettet wird, ist ärgerlich, sondern auch die zusätzliche Klausel, wenn man so will, die Mary Jane in den Deal mit Mephisto eingebracht hat: Die ganze Welt soll vergessen, dass Peter Parker Spider-Man ist. Gerade erst vor drei Ausgaben haben wir gesehen, wie er an Wilson Fisk ein Exempel statuiert hat. Das alles wird jetzt nichtig.

Großartige Geschichten hätten sich aus den weiterführenden Prämissen von Civil War und Back in Black weben lassen (entschuldigt das Wortspiel). Aber anstatt die einzigartige Gelegenheit zu nutzen, machen sie alles ungeschehen. Natürlich wäre es ungewöhnlich und vielleicht auch etwas risikobehaftet gewesen, Spider-Mans Geschichte so sehr auf den Kopf zu stellen, aber einen Versuch wäre es wert gewesen. Zu allem Überfluss arbeiten die Autoren dann auch noch auf dermaßen billige und kitschige Weise die ewige Liebe zwischen Peter und MJ ein, dass einem übel werden könnte.

Gerade die letzten Seiten haben mich überraschend wütend gemacht. Denn statt auch mit dieser lächerlichen Prämisse zu spielen, wird bereits angedeutet, dass alles gut enden wird. An dieser Stelle hätte es der Reihe gutgetan, ein paar Risiken einzugehen und May vielleicht sterben zu lassen. Wie wir alle wissen, stirbt in Comics ja niemand wirklich (ausgenommen die Eltern von Bruce Wayne und Peters Onkel Ben).

So gut die Reihe begonnen hat, so schnell wird sie gegen die Wand gefahren und viel Potenzial verschenkt. Schade für die in Back in Black gelegten Grundsteine. Hoffentlich geht es besser weiter.