Manchmal bestelle ich Dinge gerne vor. In den vergangenen Jahren waren es meist irgendwelche Comics und Graphic Novels, die ich vorbestellt hatte, da ich wusste, die erste Auflage fällt eventuell etwas kleiner aus. Aber es können die Verlage dann natürlich auch entsprechend besser kalkulieren, wie viel sie von dem jeweiligen Produkt benötigen, um die erste Welle an Kund*innen zufriedenzustellen. So zumindest meine Theorie davon. Und wenn ich weiß, ich möchte das Buch, den Comic, sowieso lesen, ist es eine nette Art, mich zu überraschen und daran zu erinnern, indem ich einfach mal eine Vorbestellung tätige. Stornieren kann man es ja dann immer noch, sollte man es sich anders überlegen.
Eine gänzlich andere Strategie, wenn man es so nennen will, scheint Games Workshop zu fahren. Wie die geneigten Leser*innen vielleicht schon wissen, lese ich von Warhammer gerne die Horus Heresy. Es ist die große Vorgeschichte zum berühmt-berüchtigten 40k, Science-Fiction, Universum. Dutzende Bücher behandeln den großen Bruderkrieg zwischen den Legiones Astartes aus allen möglichen Blickwinkeln. Es ist ein faszinierendes Erlebnis, sich nach und nach durch die Bücher zu lesen. Ich mag die Geschichte, die teils verrückten Charaktere und das Setting ist sowieso unübertroffen.
Deshalb war ich ganz angetan, dass Games Workshop ein The Art of the Horus Heresy Buch herausbringen. Darin sind alle Cover der Bücher im Großformat abgebildet, mit Kommentaren und Hintergrundinformationen, hauptsächlich vom Künstler Neil Roberts. Bis auf ein einziges Cover zeichnet er sich für alle verantwortlich und ist deshalb auch maßgeblich dafür, wie man sich die Horus Heresy vorstellt und die Charaktere sich einem zeigen. Ich hatte mich auf das Buch gefreut.
Vergangenen Samstag sollte also die Vorbestellung starten. Die Zahl der Bücher war wie immer limitiert, und zwar auf 6.500 Stück. Warum man so ein Buch limitieren muss, erschließt sich mir nicht, aber gut, so ist die seltsame Strategie des Unternehmens eben. Ich war unterwegs, und nicht gleich um 10 Uhr oder wann auch immer die Vorbestellungen starteten, online. Um halb zwölf oder so ginge ich auf die Warhammer-Seite, rein in den Shop und da stand, das Buch sei online bereits ausverkauft. Keine zwei Stunden, nachdem das Angebot veröffentlicht wurde.
Jetzt könnte man natürlich sagen, ich sei selbst schuld, da ich nicht um Punkt 10 Uhr, mit diversen Rechnern, Smartphones und Tablets ausgestattet, die Seite immer wieder neu lud – aber da ist noch ein anderes, viel größeres Problem. Scalper. Der Abschaum der Menschheit, die sich alles an limitierten Veröffentlichungen bestellen, das sie nur kriegen können und dann für das teilweise 8- bis 10-fache, auf eBay weiter verkaufen. Games Workshop weiß um dieses Problem. Beim Release von Das Ende und der Tod – Vol. III, von vor ein paar Monaten, sind sie bereits gegen Bestellungen vorgegangen, die sich mehr als 1 Stück bestellt haben. Das Buch ist das große Finale der Horus Heresy und wurde unter anderem in einer limitierten spezial Edition veröffentlicht.
Da The Art of the Horus Heresy ebenfalls so schnell ausverkauft war, vermute ich mal stark, dass das Gleiche wieder passiert ist: Scalper haben sich auf den Release gestürzt. Ich hoffe nur, es folgt eine zweite Vorbestellungsrunde, wie beim vorhin genannten Buch. Meine Hoffnungen sind gering. Es ist schade, dass man als Fan so zweitklassig behandelt wird. Es gibt keine Möglichkeiten, sich über die Veröffentlichung irgendwie benachrichtigen zu lassen. BlueBrixx bekommt das um einiges besser hin mit ihren Klemmbausteinsets. Dort trägt man sich mit seiner E-Mail-Adresse beim jeweiligen, angekündigten Produkt ein und bekommt sofort die Nachricht, sobald es verfügbar ist. Eine tolle Sache und ich muss mich nicht erst online erkunden, wann eventuell die Vorbestellungen, in welcher Zeitzone starten.
Es ist unnötig, ärgerlich und schmälert die Freude an dem Ganzen. Warhammer ist gefühlt schon seit Anbeginn immer wieder ein Teil meines Lebens, aber bei dieser künstlichen Verknappung eines Buches (!) ist der Spaß an der Sache durchaus gedrückt. Ich hoffe sehr, dass noch eine weitere Auflage folgt.