Kalt geduscht ist halb gewonnen

Es ist unfassbar warm, dafür, dass es eigentlich erst Februar ist. Und in einem kürzlichen Falter-Newsletter hat Katharina Kropshofer darüber geschrieben, dass wir des Öfteren über das Wetter reden sollten. „Darüber, dass es nicht nur die Extreme sind (das Hochwasser, das im Sommer den Süden Österreichs verwüstete; die Waldbrände, die riesige Flächen vernichteten). Sondern auch über diese feinen, fast banal wirkenden Dinge wie einen warmen Februartag.“1

Dem kann ich eigentlich nur zustimmen. Denn wie so manches wird auch der Klimawandel vielleicht erst so richtig begreifbar, wenn wir offen darüber sprechen. All die kleinen Dinge, die wir im Alltag darüber beobachten, die eventuell unser eigenes Verhalten beeinflussen, wie wir uns dabei fühlen. Denn natürlich verhalten wir uns auch anders, wenn es draußen angenehm warm ist, die Sonne scheint und man es sich eigentlich mit einem kleinen Eis auf der Terrasse gemütlich machen kann.

Wenn ich zu Hause, im Homeoffice arbeite, nutze ich die Mittagspause immer gerne für einen kleinen Spaziergang. Es ist angenehm, etwas raus zu kommen, nicht nur den ganzen Tag in einen Bildschirm hinein zu starren und die Bewegung tut natürlich auch gut. Diese Woche war es tatsächlich mal über 15 Grad warm, um ich konnte nicht nur einen Spaziergang in kurzen Hosen und einem T-Shirt absolvieren.

Eigentlich ist das etwas zum Genießen. Ich empfinde es als angenehm, wenn die Sonne auf die Haut scheint und man richtig spüren kann, wie man mehr Energie bekommt und man sich glücklicher fühlt, als wenn es kalt und grau ist. Allerdings ist es nicht gerade normal, leichter gekleidet durch den Februar zu spazieren. Nachdem ich den oben verlinkten Newsletter gelesen habe, musste ich diesen Eindruck doch etwas revidieren.

Nicht, dass ich es nicht genießen könnte, aber es sollte doch im Hinterkopf mitschwingen, dass es nicht normal ist, im Februar mit kurzer Hose und T-Shirt herumzulaufen. Die Sorgen, die damit verbunden sind, sollten einen auch nicht lähmen oder überhandnehmen, aber vielleicht, wie Frau Kropshofer vorschlägt, einfach mehr darüber reden – sich die Sorgen teilen. Zu sehen, dass es okay ist, sich Gedanken über die Zukunft zu machen und damit auch vielleicht etwas Angst verspüren. Zu akzeptieren, dass man selbst nur in einem gewissen Rahmen dazu beitragen kann, dass es besser wird, es aber hauptsächlich von der Politik abhängt, eine entsprechende Richtung einzuschlagen.

Dazu gehört auch auszuhalten, dass es keine einfachen Lösungen für die Probleme gibt. Die Welt ist komplex und erfordert eben auch komplexe Lösungen. Ambivalenten auszuhalten, ist ebenfalls Teil dieser Welt. Es lässt sich nicht alles in Gut und Schlecht einteilen, so wie es in Star Wars und anderen Geschichten ist. Zur Zerstreuung sind diese fantastisch, aber keine Blaupause für die echte Welt. Es ist ebenfalls in Ordnung, wenn man nicht alle Zusammenhänge versteht, denn das ist nicht immer möglich. Wenn man den ganzen Tag arbeitet, vielleicht noch Familie hat, sich um jemanden kümmern muss, einkaufen, kochen und so weiter, dann bleibt am Ende des Tages eben nicht mehr so viel Zeit übrig. Dann will ich nicht auch noch über diverse Probleme der Welt recherchieren. Alles nachvollziehbar. Man sollte sich aber soweit mit der Welt auseinandersetzen, dass man Personen wählt, die tatsächliche Wege aufzeigen, die in eine bessere Zukunft führen können. Allerdings sind das meist nicht diejenigen mit den einfachen Lösungen. Denn diese zeigen nur auf vermeintlich Schuldige, können selbst aber keine praktikablen Auswege aufzeigen. Sie sind eben nur gegen etwas, stehen aber kaum für etwas ein.

Jetzt bin ich doch etwas abgeschweift, aber manchmal führt ein einfaches Thema, wie »wir sollten mehr über das Wetter reden« zu allerlei anderen Gedanken. Eigentlich wollte ich noch eine zweite Sache aufzeigen, an der ich erkenne, dass es ein nicht gerade typischer Februar ist. Denn von Frühling bis Herbst dusche ich fast ausschließlich kalt. Ich mag den Kontrast zum warmen Wetter sehr gerne, vor allem nach einem anstrengenden Training ist es für mich angenehm. Aber es hat auch etwas Psychologisches an sich, wenn man sich beim Duschen kurz überwindet und die Temperatur so weit es geht, herunterdreht. Ich bin mir nicht sicher, was genau dahintersteckt, aber es wirkt sich positiv auf die Gemütslage aus. Körper und Geist können sich gleichermaßen danach entspannen und erfrischt in den restlichen Tag starten.

Es hat sicher jede*r eigene Rituale, wenn man so will, die man schon beinahe unbewusst angeht, sobald es wieder wärmer wird oder ein wolkenloser Himmel auf einen wartet. Seien es kaltes Duschen, eine Anpassung der Ernährung, weil sich mit dem Wetter vielleicht auch der Appetit etwas verlagert oder man entdeckt oder die kurzen Hosen, die man wieder sporadisch trägt. In diesem Sinne reden wir doch mehr über das Wetter, die Veränderungen, den Klimawandel und die damit verbundenen Sorgen. Vielleicht hilft es zu etwas mehr Einsicht und Bereitschaft zur Veränderung.

  1. Falter Nachhaltigkeits-Newsletter ↩︎