Throwback Thursday: The Witcher 3 – Wild Hunt

Reden wir über Witcher 3. Als ich den folgenden Artikel in meinen Archiven gefunden habe, musste ich lachen. Denn es gibt wohl kaum ein Spiel, welches mich anfänglich so begeistert hat, dass ich aber dann doch nie beendet habe. Trotz diverser weiterer Versuche.

Werfen wir also, wie jeden Donnerstag, einen Blick in die Vergangenheit. Am 05. Juni 2015 habe ich auf meiner damaligen Webseite geek-planet einen ersten Eindruck zu dem Spiel The Witcher 3 veröffentlicht. Wie sich später herausstellte, war das etwas zu früh. Denn nach knappen 50 Spielstunden habe ich das Spiel für mich für beendet erklärt. Ich hatte mich zu sehr in Nebenmissionen verrannt, bin in Gebiete vorgedrungen, die ich eigentlich erst im späteren Spielverlauf hätte erkunden sollen und war einfach nur verloren. Es ging sogar so weit, dass ich gar nicht mehr genau wusste, was mein aktuelles Ziel in den Hauptmissionen war und welche Entscheidungen ich so getroffen hatte.

Im Laufe der Jahre habe ich es dann zwar noch ein paar Mal versucht, aber so fesseln, wie am Anfang, konnte mich das Spiel nicht. Nicht einmal das große PS5-Update, mit überarbeiteten Texturen und besserer Grafik, konnte mich überzeugen. Aber so ist es eben manchmal. Auch wenn ich ein starker Vertreter des Konzeptes bin, Dinge einfach mal zu Ende zu bringen, auch wenn es vielleicht schwerfällt, muss man auch wissen, wann es sich nicht auszahlt. Das gilt für Spiele genauso wie für andere Lebensbereiche. Manches muss man versuchen, vielleicht wiederholt, immer wieder, bis man am Ende erfolgreich da steht. Sei es etwas Berufliches, ein sportliches Ziel, das man sich gesetzt hat oder die Warhammer-Figuren, die zusammengebaut auf Farbe warten.

Witcher 3 zählt eindeutig nicht zu diesen Dingen. Zumindest nicht für mich. Aber nicht nur das Spiel hatte es schwer bei mir, auch die Bücher habe ich angefangen, aber nach dem ersten Buch war das Interesse irgendwie weg. Deshalb war es ganz lustig, den folgenden Artikel auszugraben und die darin abgebildete Begeisterung für dieses Spiel zu entdecken. Vielleicht hat es ja der nächste Witcher-Teil einfacher bei mir. Wer weiß.


Fans der bisherigen zwei Teile mussten lange auf einen Nachfolger warten. Nun ist er endlich da und ich als Neueinsteiger bekomme die wunderbare Gelegenheit, den Zauber, den diese Reihe anscheinend hat, selbst erleben zu dürfen.

Um ehrlich zu sein, hatte ich eigentlich nicht vor, Witcher 3 zu spielen. Die Trailer waren zwar ziemlich beeindruckend und von GameStar gibt es ein tolles Video dazu, doch zum Kauf konnten sie mich doch nicht bringen. Zum einen haben Rollenspiele bei mir sowieso einen schweren Stand und zum anderen hat mich das schiere Ausmaß der Welt abgeschreckt. Über 100 Stunden soll man angeblich beschäftigt sein, um dem Spiel all seine Geheimnisse zu entlocken. Doch ein gewisser jemand hat mich dann doch kontinuierlich bearbeitet und versucht mich von dem Spiel, welches „episch sein wird“, zu überzeugen.

Also habe ich mich breit klopfen lassen und es an einem grauen Donnerstag nach der Arbeit und vor einem langen Wochenende gekauft. 35 Spielstunden später war das Wochenende dann auch schon wieder vorbei und ich musste mich mit der Realität vertraut machen. Es gibt hier keine Dialogauswahl, keine Monster, die mich bei meinen Läufen im Wald angreifen und kein Pferd, welches nach einem kurzen Pfiff auf mich zugeritten kommt. Ich war enttäuscht (von der Realität, nicht vom Spiel). Aber lasst uns die einzelnen Elemente genauer betrachten:

Patches. Es ist mittlerweile üblich, am Tag der Veröffentlichung auch gleich einen Patch zur Verfügung zu stellen, der grobe Bugs und Fehler beseitigt. Am PC sind diese gleich mal heruntergeladen, doch auf der PS4 kann das schon ein Weilchen dauern. Mir kommt es so vor, als sei das PS-Network besonders lahm, zumindest teilweise. Nachdem der Patch schließlich installiert war, konnte ich das Spiel endlich starten und war gefangen in einer wunderbaren Welt voll mit Hexern, Monstern und unzähligen Missionen, Gegenständen und alchemistischen Formeln.

Wie gesagt, war das erste Wochenende ziemlich Spiel-intensiv, aber was andere als Sucht bezeichnen, ist für mich ausgiebige Recherche. Am Anfang ist alles noch ziemlich überschaubar und anfängerfreundlich. Es werden die wichtigsten Charaktere vorgestellt und man bekommt einen sehr groben Überblick über die bisherigen Ereignisse. Kaer Morhen ist eine schöne alte Burg, mit vielen Gängen und Gerüsten, mit deren Hilfe auch gleich die Steuerung getestet werden kann. Das bringt mich zum nächsten Punkt: die Grafik.

Egal, ob Geralt von Riva sich in Wiesen bewegt, über Felder reitet oder in den Bergen Freunde besucht und Monster jagt, es sieht alles atemberaubend aus. Der Detailgrad hat mich ziemlich überrascht und es ist schon erstaunlich, was die Entwickler aus einer Konsole heraus kitzeln. Haare bewegen sich rhythmisch beim Reiten, Bäume rascheln und knistern, das Wasser in den Seen würde man am liebsten gleich trinken und wenn man in Skellige am Rand der Burgmauer steht und die Sonne hinter den Bergen verschwindet, verblasst die Umgebung und die Mission wird irrelevant – es ist einfach nur schön!

Ich hatte schon die Befürchtung, dass manche Stellen auf der Karte leer und trostlos wirken würden, doch die offene Welt, die sich langsam mit den Missionen immer weiter ausdehnt und umfangreicher wird, ist sowohl abwechslungsreich als auch mit vielen verschiedenen Personen gefüllt. Alles wirkt glaubhaft. Es scheint keine Ecke zu geben, die die Entwickler eingefügt und nicht durch Kleinigkeiten aus Flora und Fauna ergänzt hätten. Eine wahre Meisterleistung. In detailliert ausgearbeiteten Städten begegnen dem Protagonisten die unterschiedlichsten Charaktere, welche alle ausnahmslos ihre eigene Geschichte haben. Man kann intensiv nachfragen, wenn es interessiert, oder nur die wichtigsten Punkte abklappern, je nach Bedarf.

Wovon ich ebenfalls sehr positiv überrascht war, ist der ungeheure Freiheitsgrad, den dieses Spiel aufweist. Dieser würde nur noch übertroffen, wenn man Geralt individuell gestalten könnte. In den Dialogen lässt sich nicht nur der Ablauf einer Mission beeinflussen (friedlich oder mit Gewalt), ganze Quests scheinen den Spieler*innen verloren zu gehen, wenn man mit dem „falschen“ Text antwortet oder nicht rechtzeitig auf einen Hilferuf reagiert.

Auch bietet das Spiel immer wieder nicht umkehrbare Entscheidungen, wie das Töten, Retten oder Hintergehen eines Monsters (bis auf die so genannten „godlings“; wer diesen sympathisch witzigen Kreaturen etwas antut, tötet auch Katzenbabys). Entscheidungen wirken sich oftmals auf spätere Missionen aus und machen sie dadurch leichter oder schwieriger. Wäre es nicht so zeitaufwendig, könnte durch strategisch richtiges Speichern oder ein zweites Durchspielen jede Möglichkeit abgearbeitet werden, aber jetzt steht erst einmal der Spielspaß im Vordergrund. Mir scheint auch, als ob sich teilweise entscheiden lässt, wer Freund und wer zu einem Feind wird.

Apropos Missionen. Diese gestalten sich äußerst abwechslungsreich. Bis auf die Hauptmissionen lassen sich alle Aufträge von der Reihenfolge und teilweise vom Inhalt her individuell gestalten. Es gibt verschiedene Typen von Nebenmissionen. Es wird einem vieles geboten, sodass es nie langweilig werden muss. Was mich etwas stört, aber das ist mein Problem mit Rollenspielen, ist die oft sehr Dialoglastige Abwicklung einer Mission. Da rennt man von A über B nach C, nur um wieder nach A zu gelangen und bei jedem Standort redet man ununterbrochen mit den verschiedensten Personen. Das wird mir manchmal zu viel und dann kümmere ich mich um unentdeckte Orte oder erledige ein paar andere Aufträge.

Eine weitere interessante Frage, welche gleich zu Anfang beantwortet werden muss, später aber jederzeit geändert werden kann, ist die Einstellung des Schwierigkeitsgrades.

Zwar habe ich mit Stufe 2 begonnen, da mir dieser aber mit der Zeit zu schwierig und die Ladezeiten der PS4 zu lang wurden, reduzierte ich auf Stufe 1 und fahre bis jetzt relativ gut damit.

Alles in allem bin ich von Witcher 3 sehr begeistert und freue mich auch die nächsten 50 Stunden, die ich gemeinsam mit Geralt und seinem treuen Pferd Plötze erleben darf. Ich muss noch so manche Level aufsteigen und Rüstungen schmieden lassen, bis ich mich schließlich der Wild Hunt stellen und Ciri von ihren kalten Händen retten kann, auch wenn sie sich gut selbst in der Welt zurechtfindet.