Pinsen-Weisheiten

Wenn mich jemand fragen würde, für welche kulinarische Küche ich mich im Zweifelsfall entscheiden würde, müsste es nach reiflicher Überlegung wohl doch die mediterrane/italienische sein. Olivenöl, verschiedenste Käsesorten, Pizza und Nudeln sollten doch ein Teil der Ernährung bleiben. Zumindest meiner. Außerdem ist sie sehr variabel; was immer man auf eine Pizza tun kann oder mit dem man eine Nudelsauce verfeinern und zu etwas Besonderem machen kann, sind im Grunde keine Grenzen gesetzt. Und nein, damit meine ich nicht nur Ananas.

Nicht selten kommt es vor, dass ich mir neue Rezepte für Pizzateig heraussuche, die verschiedene Komplexitätsstufen annehmen können. Auch die Kombination verschiedener Mehle und die Wahl des Olivenöls sind selbstverständlich nicht dem Zufall zu überlassen. Von Teigen, bei denen alle Zutaten gemischt und gut verrührt werden, mit einer anschließenden Gehzeit von mindestens 48h oder zu den aufwendigeren Varianten, die immer wieder gefaltet und gestreichelt werden wollen. Es ist für alle Geschmacksrichtungen und Situationen etwas dabei. Egal, ob man viel Zeit hat oder wenig. Nur eine Gehzeit von mindestens einem Tag, kann ich allen ans Herz legen, da die Hefe richtig schön Zeit sich zu entfalten und der Teig wird etwas fluffiger und lockerer.

Der Belag kann selbstverständlich jedes Mal variiert werden. Von den verschiedensten Tomaten- oder Pizzasaucen, die das Supermarktregal hergibt, bis zu den kreativsten Käsesorten, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Doch zuweilen bleiben doch die Klassiker, wenn man so will, die Favoriten. Schinken mit Mais und vielleicht etwas Gemüse dazu. Salami mit Unmengen an Champignons. Thunfisch mit Zwiebeln und Fetakäse. Einfach nur ein guter Büffelmozzarella. Die Variationen sind schier endlos und die Kombinationen herrlich zu erkunden.

Die Pizza hat allerdings einen gewissen Nachteil, um den man nicht so recht umhinkommt. Sie muss immer in den Ofen geschoben und gebacken werden. Alles wird erhitzt, schmilzt, verbindet sich, wird geröstet, gebräunt und ergibt am Ende ein fantastisches Geschmackserlebnis. Trotzdem – es ist eben immer alles gebacken und nichts „frisch“. Deshalb war ich umso begeisterter, vor Kurzem die nicht minder leckere Pinsa für mich zu entdecken. Wie konnte sie mir nur so lange entwischen?

Der Teig wird für sich selbst dem Ofen überlassen, bäckt vor sich hin und wird köstlich gebräunt und knusprig. Erst danach wird dieser mit den gewünschten Zutaten garniert und alles frisch und saftig verzehrt. Meist bildet die Basis auf dem warmen Teig ein Häufchen (manchmal wird es ein Haufen) Rucola. Darauf verteilt werden ein paar Blätter köstlich zartem Prosciutto und einige Scheiben eines würzigen Käses. Weinkäse scheint mir hier besonders gut zu passen. Vielleicht noch etwas Paprika oder Cocktailtomaten darauf verteilt und das Ganze kann mit einer großzügigen Portion Olivenöl beträufelt werden. Oder wenn man ehrlich ist: übergossen.

Ich gehe dabei gerne so vor, dass ich nach der Rucola-Gabe mit einem großen, breiten Pizzaschneider über die Pinsa gehe und so handliche Rechtecke forme. Danach kommen die restlichen Zutaten drauf und man muss sich nicht mehr mit dem Schneiden von kleinen Stücken plagen.

Eine frisch zubereitete und gut belegte Pinsa ist eine wunderbare Köstlichkeit. Besonders wenn man einen Supermarkt findet, der diese vorgebackenen Teige anbietet, ist der Aufwand noch geringer. Ich muss mich erst noch damit beschäftigen, wie man einen ordentlichen Pinsa-Teig zubereitet und welche Geheimnisse es hier zu entdecken gibt. Aber meine kulinarische Entdeckungsreise wurde wieder einmal um ein Stück erweitert.