Unfokussierte Konzentration

Vergangene Woche hatte ich ca. zwei Tage, an denen ich nicht so recht wusste, was ich mit mir anfangen sollte. Vielleicht kennen das die geneigten Leser*innen ebenfalls. Man will irgendetwas machen, sich um anstehende Sachen kümmern oder bei einem Projekt weiter kommen, aber man springt von einem zum Nächsten. Dabei richtet man nicht wirklich etwas aus, bleibt unfokussiert und unkonzentriert. Dazu kommt dann noch ein gewisser Drang, dauernd das iPhone in die Hand zu nehmen und alles Mögliche zu checken, auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich in den letzten 5 Minuten etwas Weltbewegendes verpasst habe.

Diese Tendenz, sich dann mit Hilfe des Smartphones abzulenken, ist groß. Ist doch das gemeine Versprechen, sich zumindest mit etwas zu beschäftigen. Ein persönliches Problem von mir ist allerdings, dass ich keine Social-Media-Apps installiert habe. Somit bleiben nur noch wenige Apps übrig. Eine davon ist meine E-Mail-App, um nachzusehen, ob mein lang erwartetes BlueBrixx-Set Das Planetarium des Astronomen endlich erschienen ist oder einer meiner abonnierten Newsletter eintraf. Dazu fehlte mir allerdings die Muse, sie zu lesen. Mehr Bücher brauchte ich mir auch nicht zu bestellen, also legte ich es unverrichteter Dinge wieder zur Seite.

Ich wollte mich auch nicht so recht mit dem zweiten Dune-Buch beschäftigen, weil es doch anstrengender war zu lesen, als das zweite. Außerdem fehlte mir ein aktuelles Spiel. Bei einer Unterhaltung mit Kolleg*innen bin ich auf Forza 5 aufmerksam geworden. Ich war bisher immer der Annahme anheimgefallen, dass es sich dabei um eine realistische Rennsimulation handelt.

Der Horizon-Ableger davon ist allerdings etwas offener und eher im Sinne von Need for Speed. Was schon eher meinem Metier entspricht. Need for Speed Hot Persuit gehört zu meinen absoluten Favoriten, was Rennspiele anbelangt, aber das habe ich über die Jahre schon so oft gespielt, dass es zwar weiterhin Spaß macht, aber trotzdem eintönig wird. Forza 5 Horizon kam also genau richtig. Und es ist im Xbox Game Pass enthalten, was natürlich half, da ich es mir wahrscheinlich so nicht gekauft hätte.

Ich dachte mir nämlich, wenn mich schon nichts wirklich zufrieden stellt und ich von einer Sache zur anderen Springe, dann sollte doch ein cooles, gut gemachtes Rennspiel funktionieren. Die Intro-Sequenz des Spiels hat mich dann direkt gepackt. Autos werden aus einem Flugzeug geworfen, man fährt in einen Sandsturm hinein, rast durch einen Dschungel und springt über Rampen. Action geladen, mit einer guten Steuerung. Die Rennen dauern nicht allzu lange, die offene Welt ist interessant, man kann einfach Punkte sammeln und machen, worauf man gerade Lust hat.

Über die folgenden Tage habe ich dann durchaus ein einige Stunden in das Spiel investiert und bin weiterhin begeistert. Zwar stören mich die Online-Features ein wenig und die „in-App-Käufe“, wenn man so will, aber die kann man ignorieren. Deaktivieren lassen sie sich scheinbar nicht. Aber Forza 5 Horizon trat genau zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben.

Das ist jetzt alles über eine Woche her und das Spiel begeistert mich weiterhin. Das zweite Dune-Buch ist ebenfalls abgeschlossen und ich bin gerade dabei die beiden Bücher Boyfriend Material und Husband Material zu lesen. Das Erste hat mich von Seite 1 an gepackt – ich kann es kaum zur Seite legen. Ein schönes, witzig, aber auch tiefgründig geschriebenes Buch, das einem die Seele streichelt.

Tage, an denen ich nichts mit mir anzufangen weiß, habe ich selten. Aber wie so oft im Leben gilt es, solche Phasen zu akzeptieren und mit der Sicherheit im Hinterkopf zu leben, dass es vorbeigeht. Wichtig finde ich dabei, sich nicht mit Doom-Scrolling am Smartphone abzulenken, da es das nur schlimmer macht. Lieber ein gutes Buch finden, ein Spiel, das begeistert, rausgehen oder sich mit Menschen treffen, die einem guttun. Und natürlich die Augen offen halten, wer weiß, was man entdeckt.