Bevor ich mich abends meinem aktuellen Buch widme, schaue ich gerne eine Folge Star Trek – The Next Generation. Seit Ende Januar hat es mich, nach der Lektüre von Patrick Stewarts Biografie, gereizt, wieder einmal die Serie zu schauen. Paramount+ ist einer der günstigeren Streaming-Anbieter und da ich meist ohnehin nur einen abonniert habe, passte das insgesamt ganz gut.
Es ist schon wieder einige Jahre her, seit ich die Serie schaute; war allerdings mit der ersten Folge gleich wieder drin. Die ersten zwei Staffeln gehören zwar noch zur Findungsphase der Serie, aber es gibt doch einige Höhepunkte, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Measure of a man ist da sicherlich eine der besten Episoden. Leider ist die Extended Version nicht bei Paramount+ dabei. Diese hatte ich einmal gesehen, als ich noch die Blu-Rays der Serie besaß und war begeistert von den paar zusätzlichen Szenen, die mehr Kontext gaben.
Was mich heute aber eigentlich beschäftigt, ist die erste Folge der dritten Staffel. Sie konzentriert sich auf Wesley Crusher. Er hat ein wissenschaftliches Experiment am Laufen und schläft dabei ein. Am nächsten Morgen verschläft er und wird von Commander Rikers Ruf geweckt, dass er sich doch bitte zum Dienst melden sollte, wenn es ihm genehm ist. In seinem hastigen Aufräumen des Labors entwischen ihm ein paar der Naniten, mit denen er sich beschäftigt. Unbeobachtet von der Crew entwickeln sich diese weiter, vermehren sich rasend schnell und fangen schließlich an, die Enterprise zu beeinflussen und Systeme zu stören.
Die Naniten erinnern etwas an die Replikatoren von Stargate, die natürlich um einiges größer sind, aber ein ähnliches Verhalten an den Tag legen. Vielleicht könnte man die Naniten aus Star Trek als eine Art Vorstufe zu den Replikatoren aus Stargate sehen. Wäre zumindest interessant, zu sehen, wo sich diese hinentwickeln. Denn wie sich herausstellt, entwickeln sie sich so schnell weiter, dass sie Intelligenz und vielleicht sogar eine Art Bewusstsein entwickeln. Das zeigt sich spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem sich Data als Kommunikationsfigur einsetzen lässt. Die Naniten übernehmen ihn temporär und verhandeln so mit Picard und der Crew über ihre weitere Existenz.
Schließlich gelangt man zu dem Schluss, dass man dieses neu entstandene Leben nicht einfach auslöschen darf, sondern ihnen eine Chance lassen sollte. Man setzt sie auf einem unbewohnten Planeten aus und überlässt sie sich selbst. Alles ganz normal für eine Star Trek Folge, möge man jetzt denken. Nichts weiter als ein typischer Dienstag für die USS Enterprise.
Was mich an der Folge aber immer wieder stört, egal, wie oft ich sie über die Jahre nun schon gesehen habe, ist Folgendes: Wesley hat einfach so, nebenbei, neues Leben erschaffen. Zugegeben war es ein Unfall und die Naniten haben sich zufällig entwickelt. Eine Kombination aus den Materialien der Enterprise, die sie für die Vermehrung benutzt haben, und den Daten, die sie aus dem Schiffscomputer haben, führten irgendwann zu einem signifikanten Sprung in ihrer Entwicklung. Trotzdem – Wesley hat neues Leben geschaffen. Und niemand gratuliert ihm oder erwähnt es auch nur. Er entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten und dann wird weiter gemacht, wie bisher. Ich glaube, die Naniten kommen in keiner weiteren Episode mehr vor.
Eine faszinierende Geschichte, eines typischen Star Trek Abenteuers, welches aber die Chance verpasst hat, etwas noch außergewöhnlicheres zu werden. Sei es ein Zweiteiler mit der Weiterentwicklung der Naniten oder einer Follow-up-Folge zu einem späteren Zeitpunkt in der Serie. So bleibt Wesleys Errungenschaft hinter einem großen Potenzial zurück.