Schreibmodi

Matthew Dicks hat in einem seiner letzten Newsletter über einen Klienten geschrieben, der behauptete, nur unter spezifischen Bedingungen schreiben zu können.1 Es würde bestimmte Parameter bedürfen, unter denen er arbeiten müsse. Andernfalls könnte er nicht die volle Leistung erbringen. Sei es eine bestimmte Zeit, eine gewisse Umgebung oder andere Details, die stimmen sollen. Doch Matthew Dicks stempelt das alles als Blödsinn ab. Egal wo, egal wann, man sollte immer bereit sein, kreativ zu arbeiten, da es sich manchmal einfach nicht anders realisieren lässt.

Als ich die Beschreibung seines Klienten las, habe ich zuerst gedacht: ja, das klingt nachvollziehbar. Aber sobald Dicks diese Behauptungen als Null und Nichtig abgestempelt hatte, dachte ich weiter darüber nach. Mir ist aufgefallen, dass ich meine Texte für den Blog ebenfalls immer unter denselben Bedingungen schreibe. Meist zu ähnlichen Zeiten, am selben Ort. Ich setze mich am Abend hin, häufig nach dem Abendessen, in der Küche beim Esstisch und fange an zu schreiben. Manchmal höre ich Musik, aber das kommt eher selten vor.

Ich habe mir vorgenommen, diese Routine etwas herauszufordern. Denn ich will schreiben. Täglich. Und es sollen nicht nur tägliche Texte für den Blog sein, sondern eventuell Kurzgeschichten und mehr werden. Dabei kann und will ich mich nicht auf eine Routine verlassen, die mir irgendwann im Weg stehen kann. Deshalb schreibe ich diesen Text auf der Couch sitzend, während eine Folge von Star Trek – The Next Generation läuft. Vielleicht etwas Overkill, was Ablenkungen angelangt, aber irgendwo muss man ja anfangen.

Es war, glaube ich, Malte Welding, der in einem Podcast-Gespräch mit Holger Klein gesagt hat, dass er manchmal neben Serien wie Dr. House schreibt. Oder sogar des Öfteren. Ich bin mir nicht mehr sicher. Die Gespräche, die die beiden im Laufe der Jahre in Holgis WRINT-Podcast geführt haben, sind schon einige Zeit her. Laut Weldings Wikipedia-Seite fand das letzte Gespräch 2017 statt. Aber trotzdem ist mir die Anekdote über das Schreiben, während nebenbei eine Serie läuft, im Gedächtnis geblieben.

Natürlich können solche Ablenkungen mit Sicherheit zu einem gewissen Grad helfen. Mit bestimmten Serien kann man sich in eine bestimmte Stimmung bringen oder kann sich von gewissen Charakteren, deren Eigenschaften und Fehlern inspirieren lassen. Oder aber man ist abgelenkt, während sich ein aufmüpfiger Telepath in die Routinen der Enterprise einmischt. Es ist halb lustig, aber erinnert mich eher an Young-Adult-Romane, die etwas zu vorhersehbar geschrieben sind.

Worauf ich hinaus will, denke ich, ist Folgendes: Manchmal ist es ganz hilfreich, die eigenen Routinen zu hinterfragen. Zu sehen, ob wir sie wirklich brauchen oder uns nur einreden, sie haben zu müssen, um funktionieren zu können. Ein voller Alltag, mit Arbeit, Familie und anderen Verpflichtungen, erlaubt natürlich nicht immer, sich diese Freiheit zu nehmen. Aber manchmal ist es nur jammern auf hohem Niveau. Sich einzureden, nur schreiben zu können, wenn eine bestimmte Musik läuft, die Sonne gerade richtig steht und der eine Tisch in der Ecke des Cafés frei ist, fällt mit Sicherheit in die zweite Kategorie.

  1. JD Salinger: Bullets, bombs, and a book ↩︎