Geek-Planet: The Amazing Spider-Man – Brand New Day

Ich habe mir vorgenommen, mehr Spider-Man-Artikel für die zukünftigen Donnerstage herauszusuchen. Immerhin war dieser Charakter und die unzähligen Comics, in denen er vorkommt, der Grund, warum ich meinen damaligen Blog »geek-planet« gestartet habe. Also sollen diese Texte auch hier einen entsprechenden Stellenwert einnehmen. Mit Sicherheit nicht jeden Donnerstag, aber ich nehme sie mehr in den Fokus.

Der folgende Text stammt vom 17. Juni 2016 und behandelt einen soften Reboot der Spider-Man-Reihe, nachdem die vorangegangene Geschichte nicht gerade gut aufgenommen wurde. Aber das behandle ich ausführlich im Text.

  • Ausgaben #546-564
  • Autoren: Dan Slott, Marc Guggenheim, Bob Gale, and Zeb Wells
  • Zeichner: Steve McNiven, Salvador Larroca, Phil Jimenez, Chris Bachalo, Marcos Martin, and Barry Kitson
  • Inker: Dexter Vines, Andy Lanning, and Tim Townsend
  • Farben: Morry Hollowell, Dave Stewart, Jason Keith, Jeromy Cox, and Antonio Fabela

Nach dem ziemlich enttäuschenden Ende der letzten Story-Arc (One More Day), scheinen sich die kreativen Köpfe von Marvel etwas Neues überlegt zu haben. Oder es war schon immer ihr Plan, eine so enttäuschende StoryArc zu schreiben, dass das, was folgt, umso besser wirkt. Aber wer weiß das schon? Egal, was sich hinter den Vorhängen abgespielt hat, nach #545 kann es nur mehr Bergauf gehen. Leider müssen wir uns, wie bereits im letzten Artikel erwähnt, von der Idee verabschieden, dass wir es mit einem Spider-Man zu tun bekommen, dessen Identität jeder Person auf der Welt bekannt ist. Stattdessen bekommen wir mit Brand New Day quasi einen frischen, alten, neuen Spider-Man.

Getreu dem Motto: back to the roots, wurde nicht nur das kollektive Gedächtnis aller Menschen gelöscht, was das alter Ego von Peter Parker betrifft, sondern auch die Beziehung mit Mary-Jane ist nichtig geworden. Es hätte nur noch gefehlt, dass Peter zurück in die Highschool muss und wir wären wieder am Startpunkt angelangt. Natürlich ist nicht alles hinfällig geworden, denn der Registration Act, um den es im Civil-War-Event ging, ist immer noch aktuell. Da Peter sich eines besseren besinnt hat und sich nicht wie zuvor registrieren lässt, ist er ein gesuchter Superheld geworden. Diese Tatsache ist ziemlich gut in die Geschichten eingewoben und unser Held macht natürlich jede Menge Sprüche darüber, besonders wenn ihm eine gewisse Anfängerin namens »Jackpot« begegnet. Sie ist neu im Superheldengeschäft und ließ sich selbstverständlich brav registrieren. Leider begeht sie aber einen Anfängerfehler, der dazu führt, dass eine Stadträtin ums Leben kommt. Dies nagt natürlich an beiden.

Es ist etwas, was im Laufe der Geschichte immer wieder aufgegriffen wird: Konsequenzen. Vergangene Ereignisse, die nicht unbedingt nur in Brand New Day stattgefunden haben, zollen ihren Tribut und Spidey muss einen Weg aus dem Schlamassel finden. Überhaupt haben wir es hier wieder mit einem Spider-Man zu tun, den wir kennen. Er macht einen Spruch nach dem anderen, redet pausenlos und kommt in Situationen, in die nur er gelangen kann. Dabei »verliert« (wenn man es so sagen möchte) er gleich am Anfang einen seiner Web-Shooter und im weiteren Verlauf auch ein Kostüm nach dem anderen. Humor wird nach den letzten beiden StoryArcs wieder großgeschrieben und tut der Geschichte richtig gut.

Den verschiedenen Autoren und Künstlern gelingt es herrlich, das Privatleben und Superhelden-Dasein miteinander zu verknüpfen und beiden genug Raum zur Entfaltung zu bieten. Brand New Day wird gleich von einer Handvoll verschiedener Teams betreut, die jede ihre eigene kleine Geschichte präsentieren darf. Damals erschien The Amazing Spider-Man dreimal im Monat und pro Monat gab es einen Handlungsbogen.

Im Allgemeinen sind die Zeichnungen wirklich fantastisch. Die Bewegungen unseres Helden im Kampf und bei seinen Reisen durch die Stadt wirken dynamisch. Zusammen mit den bunten, unverkennbaren Farben wird der Comic zu einem wahren Augenschmaus. Jedoch, und dies muss hier kurz erwähnt werden, sind nicht alle Stile immer gleich gut. Das ist natürlich sehr subjektiv, doch an der ein oder anderen Stelle haben mir die Darstellungen nicht so zugesagt, auch wenn die verschiedenen Künstler sich um einen ähnlichen Look bemühen.

Die Bösewichte sind abwechslungsreich. Angefangen von Mr. Negativ, Manace und einem sich sehr schnell entwickelnden Freak, hin zu einem Maya-Gott und natürlich Paper Doll. Alle stellen auf ihre eigene Art und Weise eine Herausforderung für Spider-Man dar und bringen ihre eigenen Motive und Hintergründe mit. Dies gefällt besonders gut, da diese klar dargebracht und deshalb nachvollziehbar werden. Es sind nicht immer nur Gegner, die er so schnell wie möglich besiegen muss; es ist Zeit, dass sich in gewisser Weise Mitgefühl entwickelt.

Doch es gibt genauso viele eigene Herausforderungen, die Peter Parker in den Griff bekommen muss. Seine typischen Geldprobleme, eine Wohnungssuche und sein neuer Job beim DB, der sich auch auf seine Beziehungen auswirkt, sind nur die Spitze des Eisbergs. Ihr denkt jetzt sicher, DB steht für Daily Bugle. Leider nicht mehr. Denn unser cholerischer J. Jonah Jameson hat es endlich zu einem Herzinfarkt geschafft; so wie er sich immer aufführt, wundert es ja schließlich niemanden, warum das nicht schon früher passiert ist. Seine Frau hat sich dann kurzerhand dazu entschlossen, die Zeitung an einen gewissen Dexter Bennett zu verkaufen.

Dieser macht zwar noch mehr Jagd auf Spider-Man, als JJJ das jemals gemacht hat und biegt auch gerne mal ein paar Geschichten zurecht, doch zumindest bezahlt er Peter anständig für seine Fotos. So kann er sich nicht nur eine eigene Wohnung, sondern neue Netzflüssigkeit leisten, genauer gesagt, die Inhaltsstoffe, damit er diese zusammenbrauen kann.

Brand New Day ist eine Spider-Man-Geschichte, wie ich sie mir gewünscht habe, seit ich den Film Civil War gesehen habe. Immer lässige Sprüche auf den Lippen und eine gute Mischung aus verschiedensten Problemen, die er mit seiner lockeren Attitüde zu bewältigen versucht. Die Zeichnungen, die wie bereits erwähnt von den unterschiedlichsten Künstlern stammen, sind zum überwiegenden Teil unfassbar gut gemacht und tragen ihr Übriges zu einer unterhaltsamen Lesestunde bei. Unerwähnt lassen darf ich auch nicht die unterhaltsamen Editor-Notes, die sich über die gesamten Ausgaben hinweg finden. Sie zeugen von einer, wie ich finde, guten Zusammenarbeit des Teams und haben großen Unterhaltungswert.

Zwar hätte es mich interessiert, wie die Geschichte von Back in Black sich ohne One More Day fortgesetzt hätte, aber dieser kleine Neuanfang ist wirklich gut gelungen. Ich freue mich auf die kommenden Abenteuer. Vielleicht lese ich zwischendurch ein paar »Ultimate Spider-Man« Geschichten, denn immerhin sind sie der Grund, warum ich diesen Blog überhaupt gestartet habe.