Bevor ich Elden Ring angefangen habe, konnte ich mir nie wirklich vorstellen, ein Spieler des soulslike Genres zu sein. Darunter werden Spiele verstanden, die keinen Schwierigkeitsgrad haben, wo scheitern (also sterben) dazu gehört und man nur weiterkommt, indem man besser wird. Boss-Gegner sind zu lernen und zu verstehen, damit man im richtigen Moment ausweichen oder parieren kann. Zuschlagen nur in den dafür besten Zeitpunkten. Simples hau-drauf-Prinzip ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt.
Schlussendlich sind die Spieler*innen also für ihr eigenes Glück verantwortlich. Man muss es nur geduldig immer wieder versuchen. Die Gegner besser kennenlernen; die eigenen Taktiken anpassen. Scheitern zu lernen, bringt es wohl auf den Punkt. Runen zu verlieren, steht ebenfalls an der Tagesordnung. Runen ist hier nur beispielhaft angeführt, weil es in Elden Ring die Geldeinheit ist, mit der man Level-ups kaufen kann oder Ausrüstung und Zauber.
Besonders geprägt hat das Genre der Hersteller From Software mit Spielen wie Dark Souls und Bloodborne, die auch namensgebend für das Genre sind. Spiele, die mich durchaus reizen, dabei bin ich noch nicht einmal mit meinem ersten Durchlauf von Elden Ring fertig. Aber es hat mich eben gepackt. Besiege ich Gegner zu schnell, weil ich die so genannte Mimic Tear verwende oder anderweitig Unterstützung hole, finde ich den Fortschritt an sich zwar toll, aber ich will es beim nächsten Mal ohne Hilfe versuchen. Deshalb freue ich mich tatsächlich auf ein paar weitere Durchläufe.
Es ist schon faszinierend, wie schnell sich manche Ansichten ändern können. In Elden Ring wird nichts vorgekaut. Man wird nur wenig an der Hand genommen. Es ist jeder Spielerin / jedem Spieler selbst überlassen, wie man sich durch die Welt bewegen will. Ist man eher als Krieger unterwegs, oder als Magier? Welche Waffen verwendet man? Wie rüstet man sie genau aus und wo investiert man die erworbenen Runen? Am Ende steht das Besiegen von Gegnern, an denen man zum Teil schon sehr lange sitzen kann – es ist ein unbeschreibliches Gefühl.
Vor längerer Zeit habe ich einmal in einem Reddit-Forum gelesen, dass es für manche eine wirkliche psychische Hilfe war, solche Spiele zu schaffen. Es steigert das Selbstwertgefühl, man schafft etwas aus eigenem Antrieb, aus eigenem Entschluss, lässt sich nicht unterkriegen, sondern macht weiter, bis das Hindernis überwunden ist. Nachdem ich es nun selbst erlebe, kann ich mir besser vorstellen, dass es für manche eben eine Unterstützung sein kann.
Nicht, dass ich jetzt plötzlich zu einem leidenschaftlichen soulslike Spieler werden würde, aber ausschließen will ich es nicht. Jedenfalls finde ich meinen Gefallen an diesem Spielprinzip und bin gespannt, wie es sein wird, zu anderen Spielen zurückzukehren. Aber erst in ein paar Monaten, wenn ich meine ganzen Elden Ring Varianten ausprobiert habe und das DLC durchgestanden ist. An Ideen für neue Herausforderungen fehlt es mir jedenfalls nicht.