Gewohnheiten sind schon etwas Tolles, aber manchmal können sie im Weg stehen. Das ist es, was man gelegentlich mit dem »die Komfortzone verlassen« meint. Nicht das einfache hinausgehen, aus den eigenen vier Wänden und in die Natur oder so etwas in der Art, sondern sich etwas trauen. Neue Erlebnisse zu machen, etwas Unangenehmes vielleicht für kurze Zeit auszuhalten, damit man am Ende besser, gestärkt und mit mehr Erfahrung dastehen kann.
Diese Einleitung kommt mir nur gerade in den Sinn, weil ich beim Spaziergang die aktuelle Folge der Wrintheit mit Alexadra Tobor und Holger Klein gehört habe. Darin unterhielten sich die beiden unter anderem über den Text »This is water« von David Foster Wallace, an den ich schon lange nicht mehr gedacht habe, muss ich gestehen. Bereits vor so einigen Jahren bin ich diesem Text oder genauer gesagt dem Vortrag das erste Mal begegnet. Es war eine Offenbarung. Ich habe den Text regelmäßig gelesen bzw. gehört, da er mit einer einfachen Brillanz besticht, die mich immer wieder erstaunt.
Ich habe sicher schon des Öfteren darüber geschrieben, aber es lohnt sich, diesem Text immer wieder Beachtung zu schenken. Es geht um die eigene Wahrnehmung, wie man selbst stets im Zentrum des eigenen Geschehens steht. Und vor allem darum, wie wichtig es ist, die Fähigkeit zu haben und zu trainieren, sich in andere Positionen, in andere Sichtweisen, hinein versetzen zu können. Ich selbst muss mir den Text unbedingt mal wieder zu Gemüte führen.
»This is water« kann man quasi als Mantra verwenden, um so viele verschiedene Ideen und Philosophien knackig zusammenzufassen. In den Vortrag passen Demut, Dankbarkeit, Verständnis, Geduld und viele weitere Tugenden, wie man sie vielleicht auch nennen könnte, hinein. Deshalb erstaunt es mich auch wiederholt, wie einleuchtend und einfach David Foster Wallace es gelang, das alles in einen kompakten, kurzweiligen Vortrag zu stecken. Leider habe ich sonst noch nichts von ihm gelesen, aber »This is water« sollte man sich nicht entgehen lassen.
Was hat das alles mit Veränderungen zu tun? Gute Frage, denn eigentlich wollte ich nicht über die großen Fragen des Lebens nachdenken oder dazu einen Anstoß geben, sondern nur darüber berichten, dass ich mich seit kurzen immer wieder dabei erwische, die Let’s Plays von dem YouTuber Jokerface anzuschauen. Ich wurde auf ihn aufmerksam, durch seinen Elden Ring Einsteigerguide. Er hat mir geholfen, dieses fantastische Spiel durchzustehen. Nur von seinen anderen „normalen“ Let’s Plays war ich eigentlich kein Fan. Denn bei diesen sieht man auch immer eine Kamera auf ihn gerichtet, zwar in einem kleinen Fenster in einer Ecke, aber so bekommt man nicht nur Audioreaktionen von ihm mit, sondern sieht ihn auch beim Spielen. Mag trivial klingen, aber mich störte dies.
TheRadBrad war und ist für mich das Level, welches andere zu erreichen haben, da es fantastisch ist, wie er an die Sache herangeht. Das Spiel steht im Fokus und seine Kommentare bricht er immer sofort ab, wenn eine Cut-Scene oder Dialog stattfindet – das Spiel und dessen Geschichte stehen im Fokus. Aber dass es eben auch anders geht, hat mir Jokerface gezeigt, aber daran musste ich mich erst gewöhnen oder eben meine Erwartungshaltung umstellen. Vor allem seine YouTube-Videos der Twitch-Livestreams, die er wöchentlich macht, haben es mir angetan, weil der Chat noch einmal eine nette Dynamik in das Ganze bringt.
Deshalb sind Veränderungen immer schlecht. Sie durchbrechen das Gewohnte und fordern uns heraus. Das kann im kleinen sein, wie einen neuen Let’s Player auf YouTube zu entdecken oder die großen philosophischen Fragen des Lebens sein, indem man anderen Menschen eine Chance gibt, einen zu überraschen. Aber egal, um was es sich handelt, man selbst muss als Erstes bereit sein, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken.