Bereits zum zweiten Mal in meinem Leben musste ich einen ungeplanten Reifenwechsel durchführen. Das erste Mal war ich einfach nur unvorsichtig und bin an der Ausfahrt aus der Europark-Tiefgarage in die Kante des Bordsteins gefahren. Dabei wurde der Reifen teilweise ziemlich aufgerissen und musste gewechselt werden. Es war eine ziemliche Herausforderung, die Muttern zu lösen, da diese sehr fest saßen und ich musste mich erst einmal wieder mit einem Wagenheber auseinandersetzen. Am Ende hat es aber einwandfrei funktioniert und die Fahrt konnte weitergehen.
Dazu muss man wissen, dass ich meine Reifen normalerweise in der Werkstatt wechseln lasse. Dort lagern die jeweiligen nicht-Saison-Reifen ein, werden gewaschen, gewuchtet und ich habe keinen Aufwand damit. Es ist ein Luxus, den ich mir gerne gönne, da ich mich darauf verlassen kann, dass alles seine Richtigkeit hat und passt. Es ist ein peace-of-mind, der es mir wert ist.
Dieses Mal habe ich es erst spät gemerkt, dass bei meinem Reifen etwas nicht in Ordnung ist. Bei uns ist gerade einiges los an Baustellen; unter anderem wird die Straße zum Haus erweitert und der Kanal ausgebaut. Da passieren natürlich viele Bagger-Arbeiten, es ist eine provisorische Schotterstraße aufgeschüttet und manchmal muss man etwas warten, bis Platz zum Durchfahren ist. Gestern bin ich allerdings scheinbar etwas zu nah am Bagger vorbeigefahren und habe mir an dessen Schutzblech den halben Reifen aufgeschlitzt. Ich hatte mich schon gewundert, warum jemand der Bauarbeiter gepfiffen hat.
Aber zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nichts von meinem Glück; bin also normal weitergefahren bis zum Europark. Die Fahrgeräusche waren zwar durchaus anders, aber ich habe das auf den Schlamm und Schotter zurückgeführt und dass sich etwas irgendwo verfangen hat – außerdem legten sich die Geräusche nach ein paar Minuten wieder. Im Europark, ja der scheint bei meinen Reifenwechsel-Manövern eine zentrale Rolle zu spielen, habe ich nicht mehr daran gedacht und eine schöne Zeit mit netten Menschen verbracht.
Aber auf dem Weg aus der Tiefgarage heraus wusste ich bereits, dass etwas nicht stimmt; die Luft war nun endgültig entwichen und ich hörte deutlich, dass der Reifen nicht in Ordnung ist. Ich rettete mich noch zum Messezentrum und habe dort eine Parkbucht gefunden, wo ich den Reifen wechseln konnte. Zum Glück habe ich noch einen Ersatzreifen im Kofferraum – das ist ja mittlerweile auch nicht mehr wirklich Standard. Mit dem Prozedere bereits von vor ein paar Jahren vertraut, zwar mit einem anderen Auto, aber trotzdem, war der Reifen schnell gewechselt.
Ich bin sehr froh, heil sowohl zum Europark als auch dann zum Parkplatz vor dem Messezentrum gekommen zu sein, ohne dass sich Teile des Reifens von der Felge gelöst haben oder sonst etwas Schlimmeres passiert ist. Zum Glück müssen sowieso die Sommerreifen drauf, von daher verschieben sich die Kosten in den Herbst, was mir aktuell ganz recht ist. Zwar musste ich mich ziemlich ärgern über den ganzen Vorfall, aber schlussendlich hat keiner daran Schuld. Die erste Reaktion ist zumeist, einen Schuldigen zu finden und dafür verantwortlich zu machen, doch solche Sachen passieren nun mal.
Aber es hat mir gezeigt, dass es wichtig ist, gewisse Fertigkeiten zu haben oder zumindest zu wissen, wie man bei manchen Dingen vorgehen muss. Und wenn es nur ein Reifenwechsel am Straßenrand ist.