Es geht nicht um mich

Manchmal begegnet einem immer wieder dasselbe Thema innerhalb kürzester Zeit. Durch ein Ereignis wird man vielleicht auf dieses spezifische Thema aufmerksam und sieht es dann an jeder Straßenecke, sozusagen – plötzlich sieht man überall kastanienbraune Opel Astra. Für mich war es im Groben ein Thema, über das ich schon des Öfteren geschrieben habe. Und zwar, dass man selbst vielleicht das Zentrum des eigenen Universums ist, aber eben nicht das Zentrum des gesamten Universums. Ein Unterschied, der vielen nicht immer klar zu sein scheint, weil es die geistige Größe erfordert, sich selbst gelegentlich aus der Gleichung zu nehmen, sich in andere hineinzuversetzen, Empathie zu zeigen, die Perspektive zu wechseln.

Im normalen Alltag, wenn alles mehr oder weniger gewohnt dahin geht, mag das theoretisch einfach sein, aber wenn man vor eine Herausforderung gestellt wird oder dieser Glaube auf dem Prüfstand steht, ist es gar nicht mehr so leicht, an diesem scheinbar simplen Prinzip festzuhalten. Deshalb tausche ich mich so gerne mit anderen aus, rede über die Themen, die mich beschäftigen, um immer wieder mein eigenes Verhalten, meine Standardreaktionen sozusagen, auf den Prüfstand stellen zu können. Eine neue Perspektive zu erhalten, diese zu evaluieren und sich vielleicht zukünftig daran zu orientieren.

Ich glaube, Matthew Dicks hat in einem seiner letzten Newsletter über etwas Ähnliches geschrieben – wie bereits erwähnt, begegnete mir das Thema vergangene Woche häufiger. Dabei ging es darum, wer im Rahmen von Freundschaften und Bekanntschaften, wen, wie oft kontaktiert. Durchaus etwas, worüber ich mir auch bisweilen Gedanken mache, aber zu denjenigen Dingen gehört, die man schnell zu sehr verkopfen kann. Denn eigentlich ist es vollkommen egal, wer wen kontaktiert und wie oft. Wenn ich gerne Zeit mit einer Person verbringe, schreibe ich dieser eben, egal ob dieser Kontakt nun meist von mir ausgeht oder nicht. Manche sind organisierter oder haben das eher am Schirm als andere. Es ist einfach egal und nicht wert, einen Gedanken darüber zu verschwenden.

Genauso wie wenn mir Dinge zustoßen und die erste Frage, die sich im Kopf breit macht, ist: »Warum immer ich?« Wie ein enger Freund letztens meinte, darf man sich diese Frage gar nicht erst stellen. Sie am besten aus dem eigenen Repertoire verbannen und nie wieder erwähnen. Denn wenn man sich diese Frage öfter stellt, ist die Gefahr groß, in einer gefährlichen Spirale zu landen. Sich selbst immer als das Opfer sehen, in eine defensive Rolle zu versetzen, immer wieder, bis es sich so weit im eigenen Gedächtnis verankert hat, dass man es wirklich glaubt. Es ist ein verzerrtes Weltbild, das man nur schwer wieder los wird.

Das kann dazu führen, dass man schnell dem Glauben anheimfällt, es stünden einem Dinge zu. Es ist ein Weg abseits von Demut und Dankbarkeit, den ich auf keinen Fall gehen will. Ein Weg, der kaum von Empathie gesäumt ist. Deshalb ist es egal, wie man es nennt oder in welcher Lebenssituation man es anwendet. Sei es mein von David Foster Wallace geklautes Mantra »This is water«, das Verbannen von »warum immer ich« aus dem Wortschatz, dem eigenen Ego den Weg aus dem Zentrum des Universums zeigen oder ob man immer der- oder diejenige ist, die Freunde kontaktiert – es ist egal. Wichtig ist, wie man mit der jeweiligen Situation umgeht.