Wer schon länger meinen Blog verfolgt oder mich kennt, weiß vielleicht, dass ich einen Hang zu langen Sätzen habe. Woran das liegt, kann ich nicht so genau sagen. Wahrscheinlich ist es Faulheit. Es scheint sehr einfach für mich zu sein, komplizierte Gedankengänge in langen Sätzen zu formulieren. Oder die Punkte, auf die ich hinaus will, mit langen Sätzen möglichst schnell erklären zu können. Es bringt mich schneller zum Ziel. Die SEO-Software, die ich verwende, sagt mir regelmäßig, dass meine Sätze zu lang sind. SEO steht für Search Engine Optimization. Es ist ein Tool, mit dem sich Webseiten für Suchmaschinen einfacher auffindbar machen. Dabei geben sie unter anderem Tipps, wie man die eigenen Texte verbessern kann. Kurze Sätze verwenden hilft beispielsweise.
Ich bin mir dessen durchaus bewusst. Manchmal will ich mich allerdings auch austoben, was die Formulierung von Texten anbelangt. Da nehme ich in Kauf, dass manches vielleicht komplizierter ausgedrückt ist, als es unbedingt notwendig ist. Ich arbeite seit insgesamt über 10 Jahren als technischer Redakteur. Habe Hunderte Blogartikel geschrieben. Ich beschäftige mich gerne mit Erzählstrukturen und anderen Themen, die mit den oben genannten Tätigkeiten zusammenhängen. Kurz: ich bin mir dessen bewusst. Außerdem ist es ein interessantes Thema, Sprache. Und es gibt stets etwas Neues zu lernen. Neue Perspektiven zu betrachten.
Deshalb bin ich sehr froh, diese Woche über die Webseite des Netzwerks für leichte Sprache gestoßen zu sein. Ich kannte dieses Prinzip beispielsweise von orf.at, die ebenfalls anbietet, Nachrichten in leichter Sprache darzustellen. Was steckt allerdings genau dahinter? Damit habe ich mich noch nicht auseinandergesetzt. Auf der Webseite des Netzwerks findet sich ein frei zugänglicher Leitfaden. Dieser ist als PDF-Datei verfügbar. In den vergangenen Tagen habe ich immer wieder einen Blick reingeworfen und war erstaunt, wie schwierig es tatsächlich sein kann, in einfacher Sprache Texte zu verfassen.
So manche Prinzipien waren mir natürlich bekannt, unter anderem aus beruflichem Kontext. Beim Überfliegen des Leitfadens musste ich an meinen letzten Text Politisches Potpourri denken. Dieser ist ebenfalls mit langen Sätzen, komplexen Themen, Fremdwörtern und so weiter ausgestattet. Außerdem setzt er Wissen für ein Thema voraus, welches ich selbst noch nicht zu hundert Prozent durchdacht oder verstanden habe. Auch ein Grund, warum ich diesen Blog hier betreibe. Als Werkzeug für mich zum Nachdenken.
Jedenfalls hat mir der Leitfaden mal wieder nahe gelegt, dass es manchmal ganz gut ist, sich beim Schreiben etwas mehr anzustrengen. Begriffe zu erklären oder gar in eigenen Texten den Leser*innen näherzubringen. Denn seien wir mal ehrlich: verstehen wir wirklich alle Begriffe und Wörter, die wir in unserem Alltag verwenden? Seien es politische Fachbegriffe, Fremdwörter oder sonstige spezielle Benennungen? Oder hoffen wir nur, dass niemand allzu genau nachfragt? Ein interessantes Gedankenexperiment. Und nochmal ein Grund, warum ich es gutheißen würde, wenn Zeitungen und Nachrichtenportal mehr Hintergrundinformationen liefern. Dinge einfach(er) erklären. Am Ende können wir nur alle davon profitieren.