Der Vorteil am Urlaub, außer natürlich dem offensichtlichen, ist, dass ich nicht nur viele Dinge erledige und Unternehmungen mache, sondern dadurch diverse Ideen für Texte bekomme. Der Nachteil ist, dass ich zum Teil sehr zeitsouverän über die Dinge berichte. Heißt: Es kann vorkommen, dass ein Text, den ich im Urlaub geschrieben habe, beispielsweise über eine Dom-Führung, erst eine Woche später erscheint. So wird es wahrscheinlich mit diesem hier sein. Grundsätzlich ändert das nichts, ich dachte mir nur, es könnte ein interessanter Blick hinter die Kulissen sein.
Wie dem auch sei. Vergangenen Freitag habe ich mich mit Freund J. mal wieder in Salzburg getroffen. Es standen zwei Führungen auf dem Plan. Die erste sollte eine allgemeine, touristisch angehauchte Tour durch Salzburg werden. Mittlerweile sind wir schon sehr spezifisch geworden, was die thematischen Führungen anbelangt. Da kann es zwischendurch nicht schaden, sich der Geschichte Salzburgs aus der Vogelperspektive zu nähern. Immerhin kennt man mittlerweile die berühmteren Namen und kann sie ihren Jahrhunderten zuordnen oder was sie für die Stadt getan haben.
Es passte hervorragend, dass die Führung um 12 Uhr Mittag starten sollte, da am Nachmittag / Abend ein Gewitter abzusehen war. Doch als wir uns um kurz vor 12 noch einen Kaffee genehmigten, fing es plötzlich an zu regnen. Innerhalb weniger Minuten entwickelte sich das zu einem regelrechten Schauer, weshalb wir entschlossen, die Führung nicht zu machen und stattdessen in der Steinbar auszuharren. Von der Bar aus, direkt an den Fenstern sitzend, hatten wir einen herrlichen Blick auf eine verregnete Stadt. Hatten wir so, in dieser Art, auch noch nicht erlebt.
Es war auch nichts verloren, da diese allgemeine Führung beinahe jeden Tag stattfindet, von daher kann man diese immer wieder nachholen. Was wir allerdings gemacht haben, ist die Dom-Führung. Diese finden ebenfalls täglich um 14 Uhr statt. Bisher sind wir noch nie dazu gekommen, eine wahrzunehmen. Der nette Guide, der uns über eine Stunde durch den Dom führte, machte nicht nur einen sehr kompetenten Eindruck, er verstand es, die Geschichte des Doms spannend und nahbar zu erzählen. Der angenehmen Stimme und seiner Erzählweise hätte ich noch einige Stunden mehr zuhören können.
Über die Jahre war ich schon häufig im Dom. Sei es, wenn Freunde zu Besuch sind, wenn spezielle Tage anstehen (zum Beispiel die Lange Nacht der Museen) oder einfach nur so. Doch der wirklichen Bedeutung des Doms, was die Erbauer damit zu erzählen versuchten, welches Thema sie verfolgen, war mir in dieser Weise nicht bewusst. Nicht nur die geografische Ausrichtung von West nach Ost, sondern dass man mit dem Beschreiten des Weges vom dunklen Eingang zum hellen Altar die Leidensgeschichte Jesu nachempfindet. Die Bedeutung der Bilder und ihre Reihenfolge, wenn man so will, war mir ebenso nicht bewusst, wie die Tatsache, dass die Wiederauferstehung das Kernthema des Gebäudes ist.
Ebenso neu war mir, dass die Gebetszeile „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ nicht oft als bildliche Darstellung in Kirchen zu finden ist. Aber wenn man darüber nachdenkt und sich die Kirchen, die man besucht hat, ins Gedächtnis ruft, ist es durchaus nachvollziehbar. Diese Zeile wird oft ausgelassen und nicht dargestellt. Dabei ist es zentral, alles in dem Gebet zu zeigen, da die Menschen des gemeinen Volkes im Mittelalter natürlich nicht lesen konnten und sich deshalb dieser Geschichte und den Gebeten, über die Gemälde in der Kirche genähert haben. Deshalb gibt es so viele Gemälde in Kirchen. Auch etwas, das man vielleicht zu oft ausblendet und vergisst.
Deshalb mache ich so gerne diverse Führungen in Salzburg mit. Man lernt nicht nur die Geschichte der Stadt immer detaillierter, sondern ebenso die verschiedenen Perspektiven, aus denen man diese betrachten kann. Manche Führungen mache ich gerne mehrfach, da man sich die ganzen Daten, Namen und Fakten nicht auf Anhieb merken kann. Mit der Zeit entsteht allerdings ein immer größeres, vernetztes Bild. Vor allem, wenn man als Abschluss des Tages bei einem guten Stück Pizza über das gehörte und gesehene sinniert und philosophiert.