Die Meinung anderer

Es ist manchmal wirklich nicht leicht, die Meinung anderer auszublenden. Von überall prallen die Ansichten, Meinungen und Weltanschauungen auf uns ein. Da kann es manchmal ganz hilfreich sein, die eigenen Gedanken zu ordnen und zu hinterfragen, ob die aktuelle Einstellung wirklich meinen Überzeugungen entspricht oder ob ich mich nur von den lautesten Stimmen beeinflussen lasse. Das kann in trivialen Dingen ebenso passieren wie in weitreichenden oder politischen.

Diese extrinsische Beeinflussung der eigenen Ansichten, die natürlich immer gegeben ist, kann uns auf unterschiedliche Arten beeinflussen. Manchmal ist unser Verhalten betroffen, manchmal aber einfach nur die Freude an gewissen Dingen. Das zu hinterfragen und sich dagegenzustemmen ist nicht immer einfach, aber notwendig. Denn mitlaufen und sich der Entrüstung zu beteiligen, mit den lauten Stimmen mitzuschwimmen, weil es gerade ein auserkorenes Opfer gibt, welches sich besonders anbietet, bedarf keiner großen Überlegung. Ob es allerdings förderlich ist, sei dahingestellt.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel aus dem Serienbereich. The Acolyte ist eine Serie im Star Wars Universum und scheint alles andere als gut zu sein. Allein die Interviews des Casts haben mir ausgereicht, um mir zu verraten, dass hinter dieser Serie keine Leidenschaft oder ein respektvoller Umgang mit dem Material steht. Stattdessen ist es ein Sammelsurium aus seltsamen Ideen und Ereignissen, die nichts mit der ursprünglichen Idee von der Ära The High Republic zu tun haben. Aber darüber habe ich bereits geschrieben (Wie man eine IP zerstört).

Mit meinem Text von damals bin ich etwas auf den Zug aufgesprungen und habe mich vielleicht daran beteiligt, die Serie extra schlechtzureden. Bei mir ging die Motivation für den Text von einer Art Frust aus, der sich seit der Übernahme von Lucasfilm durch Disney abzeichnete. Wenn es eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema ist, welche Probleme es gibt und was man besser machen soll und kann, ist es eine fruchtbare Diskussion. Aber wenn es nur darum geht, draufzuhauen, um eben draufzuhauen, entstehen Texte und Videos, die ich seit Jahren versuche zu vermeiden.

Immerhin sind Serien ebenso nur ein Hobby. Hobbys sollen Freude bereiten und Spaß machen. Wenn sie das nicht mehr tun, dann wende ich mich eben anderen Dingen zu. Oder wenn die Fan-Gemeinde zu toxisch wird, dann setze ich mich mit dieser so wenig wie möglich auseinander, suche mir die Ecken des Internets, in denen die Freude am Thema noch vorhanden ist, wo respektvoll miteinander umgegangen wird. Alles andere sollte man ignorieren und den toxischen Stimmen keine Plattform bieten.

Bewusstgeworden ist mir das erst so richtig anhand von der Amazon-Serie Die Ringe der Macht. Aktuell läuft die zweite Staffel, genauer gesagt, geht sie zu Ende. Die Serie wird viel gescholten und sich über alles Mögliche lustig gemacht. Auf YouTube flog sogar ein Video an mir vorbei, wo der Serie der Status einer Fantasy-Serie abgesprochen wird. Ich habe es mir natürlich nicht angesehen. Statt sich darauf zu konzentrieren, was schlecht ist, fokussiere ich mich lieber auf die guten Dinge.

Dazu muss man die anderen Stimmen, die sich vielleicht schon im Hinterkopf versuchen einzunisten, ignorieren und aktiv hinterfragen. Bei einer Serie wie Ringe der Macht ist die Frage allerdings relativ einfach: Macht mir die Serie Freude? Und bei mir ist die Antwort eindeutig, ja. Besonders die Folgen 5 bis 7, welche ich in einem Rutsch geschaut habe, waren fantastisch.

Wie ich bereits in der Vergangenheit festgehalten habe (Ringe an die Macht) gefällt mir die Storyline um die Zwerge am meisten. Durin und Disa haben eine ausgezeichnete Dynamik und funktionieren wunderbar miteinander. Die Elben rund um Galadriel und Elrond, mit ihren internen Streitigkeiten und den Gefahren, denen sie sich gegenübersehen, sind ebenso überzeugend. Mittlerweile habe ich mich auch an Saurons Darstellung gewöhnt. Seine Manipulation von Celebrimbor (dem Schmied der Ringe) gehört für mich zu den Höhepunkten der zweiten Staffel.

Ich schreibe diesen Text, bevor ich das Finale gesehen habe, freue mich aber sehr darauf. Die Schlacht in der vergangenen Episode war zerstörerisch und tragisch, von heldenhaften Momenten ebenso gespickt wie von coolen Action-Einlagen. Das Einzige, was ich weiterhin nicht ganz nachvollziehen kann, ist das Geschehen in Númenor, aber das dortige Chaos wird mit der Zeit vielleicht auch Sinn ergeben. Und wenn nicht, dann ist es eben so.

Die Meinung von anderen ignorieren oder zumindest zu hinterfragen ist nicht nur hilfreich, sondern notwendig. Bin ich wirklich der Meinung, dass x so schlecht ist oder fühle ich mich nur dazu verpflichtet mitzuschwimmen, weil es einfach ist. Sich das bewusst zu machen, ist wichtig. Das fängt bei kleinen Dingen wie eben Serien an, kann aber große Auswirkungen haben, wenn wir das weiterführen und weiterdenken. Lassen wir uns nicht von den lautesten Stimmen beeinflussen. Bilden wir unsere eigene Meinung und hinterfragen sie. Ständig und immer wieder.