Elden Ring & Gatekeeping

In den vergangenen Wochen war es Spiele-technisch abwechslungsreich. Erst habe ich einen weiteren Durchlauf in Lies of P, als Vorbereitung auf das DLC, hinter mich gebracht; es ist und bleibt ein fantastisches Spiel. Es überzeugt nicht nur mit brillanter Kampftechnik, sondern tollen und geradezu ausufernden Möglichkeiten, Waffen anzupassen und einen eigenen Stil zu finden. Dann habe ich Zelda: A Link to the Past angespielt, um Erinnerungen nachzuhängen und in nostalgischen Gefühlen zu schwelgen. Schließlich kam noch eine Remaster-Version von Darksiders 2 für die aktuelle Konsolen-Generation heraus. Treffender Titel ist natürlich Deathinitive Edition.

Gerade hat mich allerdings wieder einmal das Elden Ring Fieber gepackt. Es ist mir unerklärlich, wie mich ein Spiel, in das ich schon weit über 300 Stunden investiert habe, noch immer so begeistern kann. Nicht nur, dass ich einen eigenen Challenge-Run begonnen habe, nein, ich schaue zusätzlich noch etliche Videos darüber. Es wird einfach nicht langweilig. Vor allem schaue ich gerne Videos, in denen Mods verwendet werden oder sich zwei Streamer eine Art Duell liefern. Es geht darum, wer am schnellsten ein bestimmtes Ziel erreicht hat.

Mods sind leider kein Thema auf Konsolen und sich extra dafür einen Gaming-PC zuzulegen, lohnt sich nicht. Zum Glück gibt es YouTube und man kann trotzdem in den Genuss von Mods kommen. Meine Standard-YouTuber Jokerface und Bushy habe ich dafür noch um einen erweitert: Captain Domo. Seine Videos sind hervorragend geschnitten und dadurch kurzweilig, aber sehr unterhaltsam. Jeder YouTuber scheint seine eigene Art zu finden, an ein Spiel heranzugehen, auch wenn sie dasselbe Spiel spielen. Es fasziniert mich immer wieder.

Aber was mich eigentlich dazu gebracht hat, einen erneuten Durchlauf in Elden Ring zu wagen, waren die Videos von OneGhostyBoi (die Namen der Kanäle sind einfach grandios). Bedauerlicherweise macht dieser nicht allzu oft Videos. Er hat auch viel zu wenige Abonnent*innen für die Qualität, die er abliefert. Die Videos sind fantastisch und hochwertig gemacht, er ist ein toller Sprecher und hat einen guten Sinn für Humor. Zudem informiert er sich scheinbar ausführlich für seine Videos und Challenge-Runs und hat tolle, inspirierende Sichtweisen auf die teils toxischen Seiten der Souls-Community.

Diese Seite wurde besonders bei Elden Ring sichtbar. Immerhin bietet das Spiel diverse Möglichkeiten, sich den Schwierigkeitsgrad selbst anzupassen. Nicht dadurch, dass man diesen direkt einstellt, sondern durch geschickte Spielmechaniken. Zum einen gibt es unzählige Möglichkeiten, den eigenen Spielstil zu gestalten und zu optimieren. Von Krieger über Magier hin zu spezifischen Builds, die sich spezielle Statuseffekte zunutze machen, kann man sehr viel testen. Zum anderen kann man sich sogenannte Aschen bei Kämpfen zu Hilfe rufen. Das sind Geister von Kriegern, die man zuvor bezwungen hat und nun für seine eigenen Zwecke nutzen kann. Oder aber man nutzt die diversen NPCs, die in Bosskämpfen unterstützen.

All diese Optionen dienen dazu, das Spiel einsteigerfreundlich zu machen, ohne den allgemeinen Schwierigkeitsgrad zu reduzieren. FromSoftware hat hier eine wunderbare Möglichkeit gefunden, sowohl Neueinsteiger als auch Veteranen von Souls-Spielen abzuholen. Doch manchen Spielern scheint das nicht zu passen. Für meine ersten beiden Durchläufe habe ich alle möglichen Hilfestellungen benutzt, weil ich die Erfolgserlebnisse brauchte und mich nicht stundenlang mit Bossen beschäftigen wollte. Mir ging es um das Erkunden der Welt, das Erleben des Spiels.

Doch für manche bedeutet das Nutzen dieser Hilfestellungen, dass man das Spiel nicht wirklich durchgespielt hat. Man hat es nicht verdient, man hat es falsch gemacht; hat es nicht so gespielt, wie es die Schöpfer im Sinn hatten. Richtige Souls-Spieler brauchen nichts weiter als ein Schwert (nicht einmal ein Schild ist erlaubt) und die eigenen Fähigkeiten. Sich durch Bosse zu quälen und nach stundenlangen Kämpfen siegreich hervorzugehen, ist Pflicht. So muss das sein. Nicht anders.

Alles natürlich kompletter Blödsinn. Wenn mir Spiele Mechaniken zur Verfügung stellen, die ich nutzen möchte, um mich etwas zu unterstützen, damit ich nicht frustriert nach ein paar Stunden aufhöre, dann nutze ich diese. Dieses künstliche Gatekeeping, welches natürlich nicht nur Souls-Spiele betrifft, sondern auch in anderen Communitys und Hobbys vorkommt, ist toxisch und sollte von allen ignoriert werden. Es sind einfältige Menschen, die sich wichtig vorkommen wollen. Spiele sollen Spaß machen und jede*r sollte sie auf die eigene Art erleben.

Elden Ring ist ein Meisterwerk der Spielgeschichte und wenn es schon Möglichkeiten bietet, damit umso mehr Spieler*innen diese großartige Welt erkunden und entdecken können, dann ist das doch großartig. Besonders wenn es, wie für mich, das erste soulslike-Spiel ist, dass man spielt, sollte und muss das erste Erleben ein Erfolg sein. Niemand sollte sich von anderen einreden lassen, wie er oder sie ein Spiel zu spielen hat. Solange es Freude bereitet und mir Spaß macht, habe ich alles richtig gemacht.

Für mich selbst habe ich entdeckt, dass ich nach über 300 Stunden bereit bin für etwaige Herausforderungen. Nur mein Schwert und ich, sonst nichts. Der Fokus liegt auf den Bossen und ich stelle mich ihnen allein. Ich entdecke das Spiel von einer neuen Seite und es ist großartig. Aber für meinen ersten Durchlauf wäre das fatal gewesen. Ich hätte es nie durchgespielt, geschweige denn mir das DLC gekauft.

Und selbst wenn ich mir selbst diese Herausforderung stelle, inspiriert von OneGhostyBoi, und ich mir bei Gegnern besonders schwertue, dann rufe ich die entsprechenden NPCs zur Unterstützung. Bisher war das beim »Draconic Tree Sentinel« und »Radahn« (die Variante in Caelid) der Fall. Der Sentinel hat mich frustriert und Radahn ist ein chaotischer Kampf; für mich völlig unübersichtlich. Aber dann ist es immer noch meine Entscheidung und ein valider Durchlauf.

Wir opfern Zeit und Geld, um diese großartigen Spiele zu erleben. Elden Ring, Lies of P und all die anderen, die versuchen, in ihre Fußstapfen zu treten, erschaffen faszinierende Welten und eigene Mythologien. Die Charaktere sind spannend geschrieben und manchmal sehr ominös oder mysteriös. Das Design der Bosse ist durchdacht und in den besten Spielen dieser Art nie unfair. Außerdem sehen die meisten einfach nur verdammt cool aus und bestechen durch tolle Sprecher*innen. Wie so oft muss man die negativen Stimmen ausblenden und auf sich selbst hören. Spiele sollen Spaß machen. Sie sind ein Hobby. Alles andere kann man ignorieren.