Noch bin ich mir nicht sicher, ob ich zu jedem Film einen kleinen Text schreibe. Doch ich bin gerade sehr begeistert von meinem MCU Rewatch und will diese Begeisterung teilen. Aktuell schaue ich einige Filme innerhalb kurzer Zeit, aber die Texte darüber werde ich etwas strecken, denn sonst habe ich einen Monat lang nichts anderes als MCU als Thema des Blogs. Zwar ist daran nichts auszusetzen, doch habe ich noch andere Ideen und Themen, über die ich schreiben möchte.
Wie dem auch sei, kommen wir zu dem Film, den man vielleicht gerne mal vergisst. Ich kann nicht genau sagen, warum, aber er fühlt sich, vor allem aus heutiger Sicht, nicht zu 100 % passend an, im MCU. Versteht mich nicht falsch, es ist ein toller Film und sieht auch heute, 16 Jahre später, immer noch gut aus. Allerdings ist die Atmosphäre des Films komplett anders, als man es von einem MCU-Film erwarten würde.
Iron Man war schon anders, als ich ihn in Erinnerung hatte. The Incredible Hulk legt da noch eine gewaltige Schippe obendrauf. Zum Teil ist es ein kleiner Body-Horror-Film, der nicht davor zurückschreckt, die Angst und das Brutale hinter dem Hulk zu zeigen. General Ross geht geradezu kaltblütig gegen Bruce Banner vor und erst zu spät merkt er, dass nicht jeder Preis dafür steht, den Hulk zu fangen. Ich mag auch die Beziehung zwischen Bruce und Betty ist glaubwürdig und der Film vermeidet es zum Glück, einen erzwungenen Dreieckskonflikt aufzumachen. Bettys aktueller Freund vertraut ihr, wird nicht sofort eifersüchtig. Zwar gerät er sehr in den Hintergrund und bleibt nur ein Mittel zum Zweck, aber die Szenen mit ihm wissen zu überzeugen.
Bruces innerer Konflikt, wunderbar portraitiert von Edward Norton, ist zentraler Bestandteil des Films. Seine Versuche, den Hulk zu kontrollieren, indem er ihn unterdrückt und die Annahme, dass es mit seiner Aufregung und Puls zusammenhängt, dass er sich verwandelt, ist aus heutiger Sicht fast tragisch. Doch genauso nachvollziehbar sind diese Unterfangen, denn am Ende helfen sie ihm zu dem Bruce Banner zu werden, den wir später in Avengers wiedersehen werden.
Blonsky aka Abomination (Tim Roth) ist ein passender Gegenspieler, der noch einmal unterstreicht, dass es sich bei Hulk um ein Monster handelt, das gejagt, gefangen und seziert werden muss. In Verbindung mit den Methoden von Ross und den Experimenten, die an Blonsky unternommen werden, entsteht so eine dicht gepackte Atmosphäre. Dazu kommen Effekte, die sich auch heute noch sehen lassen können. Hulk hat sich in jedem folgenden Film etwas verändert und weiterentwickelt, aber ich mag seine erste MCU-Inkarnation, die wir hier zu sehen bekommen. Man merkt bereits die Vielschichtigkeit des Charakters.
The Incredible Hulk ist besser als sein Ruf. Oder zumindest besser, als ich es dem Film zugestanden hätte. Das passiert mir ehrlicherweise immer, wenn ich mir diesen Film alle paar Jahre ansehe. Ich bin überrascht von dem ernsten Ton, der tollen Atmosphäre und der spannend erzählten Geschichte. Es ist ein Eintrag ins MCU, den man aus heutiger Sicht nicht erwarten würde. Es wäre schön, wenn Marvel wieder etwas mehr experimentieren würde.