Eigentlich erstaunlich, dass gleich der dritte Film im MCU eine Fortsetzung ist. Ich bin mir nicht sicher, ob ich von der Reihenfolge etwas ändern würde. So wie sie ist, sieht die erste Phase ausgezeichnet aus und hat tolle, originelle Einträge, aber man kann stets etwas verbessern. Vor allem, wenn man es mit über 10 Jahren Abstand betrachtet. Was ich auf jeden Fall gerne gesehen hätte, unter Berücksichtigung des heutigen Wissensstands, ist ein Black Widow Film. Oder auch einen S.H.I.E.L.D.-Film, indem sie und Hawkeye die zentralen Figuren sind. Ein gut gemachter, bodenständiger Agenten-Thriller wäre das i-Tüpfelchen der ersten Phase gewesen.
Meine Modifikation würde dann so aussehen. Erst Iron Man und Incredible Hulk, gefolgt von dem SHIELD/Black Widow Film (die Geschichte könnte auch erzählen, wie Natasha zu S.H.I.E.L.D. gekommen ist, oder sie Nick Fury kennengelernt hat). Daran anschließen würde ich Thor. So hätte man vier komplett unterschiedliche Genres, die aber doch in einem Universum spielen. Dann Iron Man 2. Die Szene mit Coulson, wo er nach New Mexico fährt, um sich der Thor-Situation anzunehmen, könnte man so umschreiben, dass es suggeriert, dass die beiden Einträge ins MCU parallel verliefen und nicht unbedingt hintereinander. Schließlich_Captain America_ und Avengers; die beiden sollten in dieser Reihenfolge bleiben.
Es ist immer noch eine Schande, dass Black Widow erst einen eigenständigen Film bekommen hat, nachdem sie im MCU gestorben ist. »Too little, too late«, wie man so schön sagt. Trotzdem mag ich ihren Auftritt in Iron Man 2 sehr gerne. Sie hat von Anfang an eine dominierende Präsenz, die man erst zuordnen kann, wenn man weiß, dass sie zu S.H.I.E.L.D. gehört. Sie passt sich den Situationen an, wie sie kommen, und die Action-Szene mit Happy ist einfach großartig. Er ist mit einem Gegner beschäftigt, während sie 10 besiegt.
Ivan Vanko aka Whiplash als Gegner ist völlig in Ordnung. Mickey Rourke holt alles aus dem Charakter heraus, was ihm das Drehbuch gibt, was leider nicht allzu viel ist. Trotzdem passt er als Gegner, vor allem auch die Zusammenarbeit mit Hammer und dass er sich als Unterstützung Drohnen baut. Hammer wird als Charakter nie zu nervig und macht seine Rolle als comic relief passabel. Die Neubesetzung von Rhodey mit Don Cheadle ist gelungen und sollte sich, wie wir jetzt wissen, als Glücksgriff herausstellen. Die Reise seines Charakters ist beeindruckend und seine Chemie mit Robert Downey Jr. toll zu beobachten. Auch er hätte mittlerweile seinen eigenen Film verdient, besonders nach den Ereignissen in Avengers: Age of Ultron.
Womit ich eher ein Problem habe, ist die Darstellung von der Alkoholsucht von Tony Stark; genauer gesagt ihre nicht-Darstellung. Sie gehen mir hier nicht weit genug. Vor allem nach einem Film wie The Incredible Hulk, der teilweise sehr düster daherkommt, hätte man den Zuschauer*innen zutrauen können, mit einer ausführlicheren Darstellung umzugehen. Vor allem, weil die Comic-Vorlage »Demon in a bottle« zu den gefeiertsten Iron Man Comics jemals zählt. Es ist eine der wichtigsten und prägendsten Geschichten von Tony Stark. Etwas mehr Drama und Tragik hätte diese Erzählung verdient gehabt. Dafür seine Vergiftung etwas zurückschrauben oder ganz rausnehmen. So wird nämlich diese als Grund für sein Verhalten hingestellt und nicht sein Alkoholproblem. Eine verpasste Chance.
Aber abgesehen davon ist Iron Man 2 ein weiterer, durchaus solider Eintrag ins MCU und baut die Idee eines zusammenhängenden Universums weiter aus. Nach diesen drei erdgebundenen Filmen geht es als Nächstes raus ins Reich von Mythen und Sagen. Es wird großartig.