MCU Rewatch | Iron Man Three

Mit Iron Man 3 beginnt die zweite Phase des MCU. Bis heute ist es der letzte Solo-Auftritt von Robert Downey Jr. als Iron Man und wird es vermutlich auch bleiben. Umso erstaunlicher ist es, dass seine Präsenz im MCU trotzdem dermaßen spürbar ist. Allerdings ist der Film nicht gerade unumstritten oder ohne seine kontroversen Entscheidungen. Besonders beim ersten Mal, als ich den Film damals im Kino sah, ging ich eher enttäuscht wieder raus. Mit der Zeit wird der Film allerdings besser, vor allem wenn man den Twist kennt. Bis dorthin ist es allerdings zweifelsohne ein brillanter Eintrag ins MCU.

Iron Man 3 gelingt das, woran der Vorgänger scheiterte: eine glaubwürdige Darstellung der Belastungen, die die Erfahrungen in New York nach sich ziehen. Tony steigert sich nicht nur in die Konstruktion und den Bau immer neuer Anzüge, er ist regelrecht abhängig davon. Des Weiteren hat er immer wieder Panikattacken, will sich nicht einmal an die Situationen und seinen temporären Ausflug in die Weiten des Weltalls erinnern lassen. Er kompensiert es, indem er in alte Muster zurückfällt, bis ihn der Mandarin dazu zwingt zu reflektieren und sich auf seine Talente und Fähigkeiten zu besinnen. Er ist so viel mehr als Iron Man.

Die Szenen im verschneiten Tennessee sind fantastisch und stimmungsvoll umgesetzt. Der junge Harley als Counterpart nicht nur gut gecastet, sondern eine wunderbare Ergänzung zu Tonys mentalen Zustand. In dem Sinn, dass er ihm Paroli bieten kann, ihn auf die richtige Art herausfordert und aus den Reserven lockt. Die dann kommende Bedrohung wird somit persönlicher, intimer und es ist nicht gleich wieder die gesamte Welt bedroht. Es ist eine großartige Idee, nach den großen, weltumspannenden Krisen wieder auf bodenständige Abenteuer und Probleme zurückzukehren. Vielleicht etwas, was sich Marvel hätte merken sollen, für spätere Phasen. Denn nach Endgame hätte es mehr dieser intimeren Filme benötigt. Die großen Bedrohungen müssen erst wieder aufgebaut und verdient werden. Es kann nicht immer um die Rettung der Welt gehen.

Dieses intimere Erzählen von Geschichten setzt sich ebenso mit den Nebencharakteren fort. Pepper und Aldritch beispielsweise und Peppers Konflikte mit Tony. Natürlich ist in dieser Situation jemand anziehend, der sich mehr für sie interessiert. Pepper wird allerdings nie ihre Autonomie aberkannt, was schließlich im Finale damit endet, dass sie zur Abwechslung Tony das Leben rettet. Happy liegt zwar den halben Film im Krankenhaus, trotzdem nimmt er einen angenehmen Platz im Film ein. Seine Charakterstärke und der Drang, Tony zu unterstützen, etwas beizutragen, zeigen sich in den anfänglichen Szenen bis zum Attentat sehr deutlich. Rhodey darf sich ebenfalls weiterentwickeln, bleibt aber eher im Hintergrund. Trotzdem will ich ihn nicht missen und seine Rolle wird mit den kommenden MCU-Filmen weiter ausgebaut.

Kommen wir nun zu den beiden Gegenspielern oder dem einen Bösewicht, der zwei Rollen einnimmt. Aldritch als Extremis ist einem vergleichsweise jungen Comic entnommen worden (2005). Pearce stellt ihn wunderbar dar. Der Charakter ist elegant geschrieben und eignet sich als perfekter Drahtzieher hinter dem Mandarin. Kingsley als Mandarin ist brillant, und ich hätte mir gewünscht, es wäre der echte gewesen. Die TV-Einspieler im Film, die Monologe und One-Liner spricht Kingsley mit genau dem richtigen Maß an Gravitas. Einfach fantastisch unheimlich. Ich würde mir wünschen, dass er noch einmal die Rolle einnehmen darf, aber dieses Mal richtig. Scheinbar gibt es ja irgendwo den richtigen Mandarin im MCU – mal sehen, ob wir ihn auch antreffen werden.

Doch nicht nur die Geschichte, alles darum herum verstärkt die Sogwirkung des Films. Die Effekte können sich noch immer sehen lassen. All die unterschiedlichen Anzüge, die Tony entwickelt hat, teasern perfekt zukünftige Ereignisse an – allen voran der Hulkbuster. Die Musik hat den richtigen Retro-Touch, übertreibt es allerdings nicht. Und die Cinematographie fängt all das wunderbar ein. Wir erhalten tolle Bilder – den Film in der Weihnachtszeit anzusiedeln, war dafür die richtige Entscheidung. Bis auf den Twist bezüglich des Mandarin (den ich mittlerweile hinnehmen und akzeptieren kann) halte ich Iron Man 3 für einen der besten MCU-Filme (etwas, was ich wahrscheinlich noch des Öfteren schreiben werde). Er macht immer wieder Freude und schickt unseren Helden auf eine schmerzliche, aber lehrreiche Reise. Er darf sich weiterentwickeln und alle Beteiligten gehen stärker, ehrfahrungsreicher aus diesem Abenteuer heraus.