Was definiert eigentlich eine Kolumne? Es ist eine eigene Meinung enthalten, eventuell fließen interessante Beobachtungen aus dem Alltag ein. Wenn es eine gute Kolumne ist, spielen genauso sprachlich geschickte Formulierungen eine Rolle. Sie erscheint regelmäßig. Lange Zeit hatte beispielsweise Max Goldt in der Titanic eine monatliche Kolumne. Bekannt geworden ist er mir erst mit seinem aktuell letzten Buch »Lippen abwischen und lächeln. Die prachtvollsten Texte von 2003–2014« aus dem Jahr 2016. Die Kolumnen, die darin abgedruckt sind, machen Freude beim Lesen und sind elegant geschrieben. Ich habe auch andere Textsammlungen von ihm im Regal stehen, aber das letzte enthält schon die genialsten Kolumnen von ihm.
Wenn man nicht nur fiktionale Texte (also Geschichten aller Art) schreibt, sondern sich im Blog-Format austobt, so wie ich es hier tue, kommt man nicht umhin, der eigenen Kolumne nachzuträumen. Natürlich könnte man die täglichen Texte, die hier erscheinen, als eine Art Kolumne bezeichnen. Immerhin sind es meistens nicht nur kurze Gedankenfetzen, die zu digitalem Papier gebracht werden. Ich versuche stets komplette Texte zu schreiben, auch wenn sie manchmal kürzer ausfallen. Unter »komplett« verstehe ich, dass Gedanken ausformuliert werden und ich auf einen Punkt hinarbeite. Nicht alles ist natürlich bis ins kleinste Detail ausdiskutiert oder hinterfragt, dafür ist das tägliche Ziel zu kurz. Dafür kommen manche Themen immer wieder in unterschiedlichen Gewändern vor.
In den vergangenen Jahren habe ich mich immer wieder an Formaten ausprobiert, die regelmäßig erscheinen und einem gewissen Muster folgen. Bei Rogues Portal beispielsweise habe ich in Briefform an Serien und Comics geschrieben, die mich bewegt oder mir viel bedeutet haben. Bei meinem ersten Blog Geek Planet waren es Wochenrückblicke und andere Experimente. Aktuell tobe ich mich in drei regelmäßig erscheinenden Formaten hier aus. Jeden Dienstag bespreche ich Geschichten, die sich mit queeren Charakteren beschäftigen (hauptsächlich Webcomics, aber später sollen andere Medien ebenso vertreten sein). Am Donnerstag gibt es wiederaufbereitete alte Texte von mir, die ich nicht nur redigiere, sondern mit einer kurzen Einleitung versehe. Dann gibt es jeden Samstag ein Update zu meinem MCU Rewatch. Alles zwar medienzentrierte Texte, aber man könnte sie im weitesten Sinne als Kolumnen bezeichnen.
Ich bin immer wieder am Überlegen, was für mich eine Kolumne wirklich ausmacht. Worauf es ankommt und was mir persönlich wichtig wäre, dass sie abdeckt. Vielleicht muss ich die Texte von Max Goldt wieder hervorholen. Das letzte Mal habe ich sie während des Studiums genossen, und das ist mittlerweile über 6 Jahre her. Eventuell kommt mir dabei die entscheidende Idee. So wie es bei diesem Blog-Projekt Matthew Dicks war, der mir die finale Inspiration gab, einfach jeden Tag zu schreiben.