Ich weiß nicht, wie oft ich den ersten Trailer zu Age of Ultron damals angeschaut habe. Aber es muss sehr oft gewesen sein. Die eingespielte Kindermusik, die Anspielungen auf Pinocchio, die endzeitliche Stimmung, sowie die grandiose Performance von James Spader haben mich nicht mehr losgelassen. Die Vorfreude auf den Film war gigantisch. Vor allem, weil dieser erneut von Joss Whedon inszeniert werden sollte. Mit dem ersten Avengers hat er bewiesen, dass er sich in dem Universum auskennt und nun soll er uns erneut mit einem Zusammentreffen unserer liebsten Helden beglücken.
Die Änderungen an der Comic-Vorlage, die in diesem Fall durchgeführt wurden, finde ich äußerst passend. Veränderungen, wenn sie der Geschichte dienen, sind nicht nur positiv zu bewerten, sondern willkommen. In den Comics hat Hank Pym (Ant-Man) Ultron ins Leben gerufen. Das hätte nicht ins MCU gepasst. Die dramatischen Ereignisse aus New York, die nicht nur Iron Man 3 und Captain America – The Winter Soldier geprägt haben, werden hier gekonnt vorgesetzt. So ist es Tony Stark, mit Hilfe von Bruce Banner, der die AI rund um Ultron zum Leben erweckt. Doch seine ursprüngliche Programmierung, genauer gesagt das eigentliche Ziel, die Menschheit zu beschützen, schlägt schnell in das Gegenteil um.
Das Perfide an Ultron ist, dass er mit jeder neuen Generation von sich selbst besser wird. Bessere Materialien, bessere Eigenschaften, mehr Vernetzungen in der Welt und so weiter. Jede Iteration macht etwas besser als die vorhergehende; Evolution in Überschallgeschwindigkeit. Erneut hat die Casting-Direktorin Sarah Halley Finn ihr Geschick bewiesen, als sie James Spader als den terrorisierenden Roboter engagierte. Auch hier sind die behind-the-scenes Videos sehr zu empfehlen. Es ist großartig zu sehen, wie diese Charaktere entstehen, und James Spader ist immer ein Genuss. Ich mochte ihn auch in den ersten Staffeln von Black List, aber die immer abstruser werdenden Geschichten haben mich irgendwann verloren. Jedenfalls ist er ein begnadeter Schauspieler. Ultrons Größenwahn transportiert er mit Bravour. Die Avengers haben einen beängstigenden Gegner, dem sie hier gegenüberstehen.
Ich fände es immer noch cool, wenn Ultron irgendwann vielleicht zurückkehren und eine neue Bedrohung für die Avengers darstellen würde. Die neue Generation der Avengers könnte sich auf ihre ganz eigene Art mit dieser Bedrohung auseinandersetzen. Wie kaum ein anderer Gegner könnte Ultron den aktuellen Zeitgeist aufgreifen und seine Bedrohung dadurch noch echter machen. Es wäre ein interessantes Experiment.
Was mir an Age of Ultron ebenso gut gefällt, abseits von den beeindruckenden Kulissen und Action-Sequenzen, sind die einfacheren Szenen. Die Momente, in denen unsere Helden einfach nur dasitzen oder -stehen und sich unterhalten. Das hat dieser Film wirklich fantastisch gemacht, und es ist etwas, das mir in aktuellen Filmen etwas fehlt. Sei es die Party-Szene, bevor Ultron sie so unhöflich unterbricht. Sie scherzen, diskutieren und testen, ob sie nicht doch Mjölnirs würdig sind (im Rückblick fantastisch umgesetzt, dass Cap nur vortäuscht, den Hammer nicht hochheben zu können; in Kombination mit Visions Fähigkeit dies zu tun und die humorvolle Art, wie dies umgesetzt wird, lenkt perfekt von der Tatsache ab, dass Steve es könnte; die Russo Brothers lösen das Rätsel schließlich in einer der besten Szenen in Endgame auf – aber dazu kommen wir in ein paar Monaten).
Zu diesen stimmungsvollen Momenten gehört ebenso die Zeit, die sie auf der Farm von Hawkeye verbringen. Es zeigt sie verletzlich. Die Dynamiken zwischen den Charakteren werden weiter ausgebaut, man versteht sie besser. Erst wenn wir diese Charaktere auf einer menschlichen Ebene sehen und begreifen, können die großen, heldenhaften Momente umso intensiver ihre Wirkung entfalten.
Die neuen Figuren, die mit Age of Ultron eingeführt werden, sollen noch eine große Rolle im weiteren Verlauf des MCU spielen. Allen voran natürlich Wanda und Vision, die am Ende bereits ihre angehende Beziehung andeuten. Elizabeth Olsen als Wanda ist ein ebenso genialer Zug, wie Paul Bettany von seiner Sprecherrolle als Jarvis hin zu Vision zu befördern. Beide passen perfekt in ihre Rollen und sind nicht mehr aus dem MCU wegzudenken. Ich hoffe, sie kehren bald wieder zurück. Dann haben wir natürlich noch Andy Serkis als Ulysses Klaue – ebenso ein hinterhältiger und gut umgesetzter Bösewicht, der noch eine größere Rolle im großen Ganzen einnehmen darf – und Aaron Tayler-Johnson als Quicksilver. Er verlässt uns zwar frühzeitig wieder, hinterlässt aber trotzdem einen bleibenden Eindruck.
Age of Ultron ist ein toll umgesetzter Film. Die Geschichte der Avengers wird gekonnt fortgesetzt. Man hält sich nicht lange mit der Etablierung des Teams auf oder wie sie in diesem Fall zusammenfinden, um die letzten Basen von Hydra zu beseitigen. Wir steigen direkt ein und es kann losgehen. Die Charaktere sind etabliert und man fokussiert sich auf das Team selbst, ihre Dynamik und den Problemen, denen sie gegenüberstehen. Action-Sequenzen und ruhigere Momente lösen sich wunderbar ab und halten eine Balance, die die Geschichte in einem angenehmen Tempo erzählt.
Am Ende dürfen wir dann noch einen Blick auf den großen Bösewicht des MCU werfen. Thanos nimmt es selbst in die Hand, um sich der Avengers zu entledigen und die Infinity-Stones zusammenzubringen. Der perfekte Teaser für Phase drei des MCU. Doch zunächst müssen wir die Zweite mit dem ersten Ant-Man-Film abschließen.
Und nur um den Überblick zu behalten und weil ich es selbst andauernd vergesse, welcher Stein wofür steht, hier eine Übersicht, welche wir bisher kennengelernt haben und wo sie sich befinden:
- Der Tesseract beinhaltet den »Space Stone« und befindet sich, nach den Ereignissen von Avengers, in Asgard.
- Lokis Zepter beinhaltet den »Mind Stone« und befindet sich in Vision, genauer gesagt auf seiner Stirn.
- Der Äther, der den »Reality Stone« repräsentiert, ist irgendwo in der zerstörten Sammlung des Collectors in Knowhere
- Der »Power Stone«, den zwischenzeitlich Ronan in seinem Hammer hatte, befindet sich auf Xandar