Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen alten Text von mir an. Der folgende wurde am 02. November 2016 zum ersten Mal veröffentlicht. Auf meinem damaligen Blog Geek-Planet habe ich regelmäßig über Comics, Filme und mehr berichtet. Den Blog gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem will ich alle meine Texte an einem Ort versammelt haben. Deshalb redigiere ich diese für diese Seite etwas und versehe sie mit einer kleinen Einleitung.
Black Science ist mir sehr positiv in Erinnerung geblieben. Vor allem kann ich mich noch an die tollen Cover erinnern und die großartigen, kreativen Szenen der Geschichte. Indie-Comics, wie es eben Black Science einer ist, haben häufig etwas, das sie visuell von anderen unterscheidet. Deshalb habe ich, trotz meiner Begeisterung für Marvel und DC, immer gerne so viele Indie-Comics wie möglich mitgenommen. Sie erzählen Geschichten mit Charakteren, die man so nicht bei Marvel findet. Es sind im besten Fall intimste Geschichten, die von Menschen oder Wesen erzählen, die einen berühren und begeistern. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Black Science je fertig gelesen habe, doch das, was ich las, war ein verrücktes und großartiges Abenteuer und strotzte nur so vor Kreativität.
Lange schon liegen die ersten beiden Collections von Black Science auf meinem zu-lesen-Stapel. Jetzt bin ich endlich dazu gekommen, den ersten Band nachzuholen. Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht mit einer so verrückten Reise durch verschiedenste Welten und Dimensionen. Es entfaltet sich etwas, das man sich nicht entgehen lassen sollte: ein wahres Eververse.
- Ausgaben: #1 bis #6
- Autor: Rick Remender
- Künstler: Matteo Scalera
- Painted Art: Dean White
- Lettering + Logo Design: Rus Wooton
„Mind goes blank with rage. Rage pushes me over the edge. Same mistake I always make. Leap before I look.“ – Grant
In Black Science haben wir es nicht mit Zeitreisen zu tun, sondern mit Reisen in andere Dimensionen und Varianten unseres Universums. Grant und sein Team von Wissenschaftlern haben den so genannten „Pillar“ entwickelt. Dieses Gerät transportiert alle Wesen in der unmittelbaren Umgebung in eine andere Welt. Der Autor Rick Remender greift hier die Idee des Multiversums auf und modifiziert diese Theorie ein wenig. Das (herkömmliche) Konstrukt von mehreren Universen (Multiversum) ist meist so dargestellt, dass jedes Universum eine Blase ist und diese nebeneinander existieren. Sie sind quasi in einem ständigen Prozess, des immer wieder Entstehens, Entwickelns und Vergehens.
In Black Science aber ist dieses Multiversum wie eine Zwiebel aufgebaut – zumindest wird das Gemüse als Schaubild verwendet. Es gibt also Schicht um Schicht neue Versionen, die sich mit jeder Entscheidung, die getroffen wird, vervielfachen. Das heißt also in einer Version habe ich mich dazu entschieden, keinen Blog über Comics zu schreiben, sondern berichte über die verschiedenen Fortpflanzungsmöglichkeiten von Säugetieren (eigentlich keine so blöde Idee …). Die Theorie ist, dass es etwas im Zentrum dieser Zwiebel gibt – eine Art erste Entscheidung, die dieses Eververse, wie es von Grant genannt wird, gestartet hat.
Doch jemand hat den Pillar manipuliert und beschädigt, und nun springen sie nicht gezielt durch diese Schichten, sondern landen an zufälligen Orten in dieser Zwiebel. Auch die Dauer des Aufenthalts variiert. Normalerweise einstellbar, zählt der Countdown von einer zufälligen Zahl abwärts. So bleibt man mal zwei oder drei Tage an einem Ort und dann mal wieder nur 15 Minuten. Dies macht den besonderen Reiz von Black Science aus, da man sehr viele verschiedene Welten kennenlernen kann und das ein oder andere Mal auch Versionen unserer Protagonisten auftauchen. So begegnen wir zum Beispiel einem Affen-Grant, der ebenfalls einen Pillar zu bauen begonnen hat und die Theorie des Eververse verfolgt.
Ein anderes Mal begegnen wir fantastischen Froschwesen, die auf die Wissenschaftler nicht so nett zu sprechen sind. Früher oder später werden wir dann sicher auch fast identischen Varianten der Charaktere begegnen, wie es auch schon einmal der Fall war. Doch diese tolle Szene möchte ich nicht vorwegnehmen. Die Forscher haben aber auch an Situationen gedacht, wo es vielleicht keinen Sauerstoff zu atmen gibt und tragen entsprechende Anzüge, die sie vor diversen Umwelteinflüssen schützen. Schön, wenn mal etwas mitgedacht wird.
Die verschiedenen Charaktere, die mit dem Pillar gezwungen sind zu reisen, setzen sich aus Grant, seiner Frau und den beiden Kindern zusammen. Außerdem ist noch Grants bester Freund und Kollege Ward dabei. Er darf die ersten paar Ausgaben über den Erzähler mimen, wodurch man ein ziemlich gutes Bild von ihrer innigen Freundschaft erhält. Ward hat Grant ziemlich viel zu verdanken und opfert sich für ihn auf, wie man es sich nicht vorstellen kann. Bis zuletzt kämpft er um das Überleben seines besten Freundes, der ihm so viel ermöglicht hat.
Was natürlich an einer solchen Zusammenstellung an Charakteren auch nicht fehlen darf, ist ein Quertreiber. Jemand, der sich gegen die Gruppendynamik ausspricht und vielleicht sogar so etwas wie ein kleiner Antagonist ist. Es zeichnet sich zwar eine kleine Wandlung am Horizont ab, jedoch glaube ich diese erst, wenn sie in der nächsten Story-Arc passiert. Die Rede ist hierbei von Kadir, dem Finanzier der ganzen Geschichte und der mehr oder weniger zufällig in diesen Schlamassel reingeraten ist. Remender gelingt es jedoch, ihn nicht nur zu diesem typischen, nervigen Charakter zu machen, der am besten beim nächsten Sprung zurückgelassen wird, sondern er verleiht ihm etwas Interessantes. Dadurch will man doch mehr von ihm erfahren und hofft, dass er sich für das Wohl der Gruppe entscheidet.
Black Science ist eine fantastische Kombination aus Science-Fiction-Comic, mit einem Hauch Stargate. Die Zeichnungen vermitteln einen tollen Eindruck und verstehen es, die unterschiedlichsten Gegenden in Szene zu setzen. Teilweise sind mir die Farben nur etwas zu dunkel gewählt, vor allem am Anfang, wo wir direkt in die Geschehnisse hineingeworfen werden. Ich freue mich aber auf den nächsten Teil und wie es darin weitergeht. Den Protagonisten wurde bereits nahegelegt, dass sie mit ihren Reisen nicht gerade positiv auf die Eververse-Zwiebel einwirken, sondern geradezu Löcher in dessen feine Wände reißen. Wie sich das wohl bemerkbar machen wird, wenn das zutrifft, sehen wir hoffentlich in Volume 2.