Sechs Jahre nach Erscheinen von God of War dachte ich mir, es ist Zeit, diese scheinbar großartige Neuauflage der geliebten Playstation-Spielreihe selbst zu erleben. Ich kann nicht einmal genau sagen, warum ich so lange gewartet habe. Die ursprüngliche God of War-Trilogie habe ich geliebt und nicht nur einmal durchgespielt. Den dritten Teil habe ich sogar platiniert.
Ich kann mich noch erinnern, dass man für die Platin-Trophäe von God of War III das Spiel auf dem schwierigsten Schwierigkeitsgrad durchspielen musste. Genau dieser letzte Durchgang des Spiels hat mir noch gefehlt. Ich bin recht gut durchgekommen, bis zu einer Stelle, wo man gegen den dreiköpfigen Hund antreten musste (Zerberus). Ich habe es unzählige Male probiert und bin immer wieder gescheitert, bis ich dachte, ich muss dieses Unterfangen abbrechen. Eine kurze Internet-Recherche hat allerdings ergeben, dass es in der ersten Version des Spiels einen Bug oder etwas Ähnliches gab, den man ausnutzen konnte, um sich diesen Kampf einfacher zu machen. Ich habe also das Spiel gelöscht (weil der Bug mit einem Update gefixt wurde) und neu installiert, ohne es zu aktualisieren. So kam ich schließlich also doch an diesem vermaledeiten Hund vorbei und habe mir meine Platin-Trophäe abgeholt. Der Rest des Spiels war zwar ebenfalls nicht gerade leicht, aber nichts hat mich so sehr genervt und vor eine Herausforderung gestellt wie dieser Hund. Wenn ich mich richtig erinnere, startete ich den Kampf auch immer mit sehr wenig Leben oder es gab etwas anderes, was diesen Kampf schwieriger machte. Jedenfalls werde ich das so schnell nicht mehr vergessen. Und das Spiel ist mittlerweile schon 14 Jahre her.
Aber zurück zur Neuauflage von 2018. Nachdem ich Elden Ring mehrmals durchgespielt habe und am Steam Deck Spiele wie Vampire Survivors oder Blasphamous II genieße, wollte ich mal wieder ein richtig gutes Story-Game. Ein Spiel, das nicht nur durch großartige Charaktere besticht, sondern durch gut designte Welten, einen tollen Soundtrack; das eine wirklich mitreißende Geschichte erzählt. Wohin wendet man sich da also? Richtig, Sony. Die Last of us-Reihe ist großartig und Horizon muss sich ebenso wenig verstecken (auch wenn ich die beiden Spiele der letztgenannten Reihe ebenso erst noch spielen muss) – das Studio liefert immer wieder bahnbrechende Spiele ab. God of War Ragnarök gilt als Meilenstein der Spielgeschichte, also blieb mir nichts anderes übrig, als mit dieser Reihe meinen Neueinstieg zu wagen.
Kratos hat sich mittlerweile von seinen griechischen Wurzeln losgesagt und ein Leben in der nordischen Mythologie aufgebaut (in a new realm). Ein einfaches Leben als Ehemann und Vater. Seine Frau ist erst kürzlich gestorben und ihr letzter Wille war es, am höchsten Berg bestattet zu werden. Also macht sich Kratos mit seinem Sohn Atreus auf, die Asche der Mutter auf ebendiesem Berg zu verstreuen. Doch es wäre nicht God of War, wenn sich Kratos nicht unfreiwillige Feinde machen würde. So wird es ein schwieriger Aufstieg und eine lange Reise durch die Welten der nordischen Mythologie, und man trifft auf jede Menge cooler Charaktere, die man zum Teil wiedererkennt, von anderen Geschichten, die sich dieser Erzählungen bedienen. Man reist von Midgard nach Alfheim, Niflheim und in andere Welten entlang des Weltenbaumes Yggdrasil. So muss nicht nur Atreus über sich hinauswachsen und lernt seinen Vater von einer neuen Seite kennen, auch Kratos muss lernen, sich seinem Sohn gegenüber zu öffnen. Ihm seine Wurzeln näher bringen.
Als Erstes fällt einem die fantastische Grafik auf. Das Spiel erhielt, wenn ich mich recht entsinne, ein PS5-Update, aber kein richtiges Remake oder Remaster. Trotzdem sieht das Spiel besser aus, als so manche aktuelle Spiele, die einen ähnlichen Grafik-Stil verfolgen. Besonders auf Kratos wurde viel Wert gelegt, dass sein Charakter detailliert und echt aussieht. Die Welt um ihn herum, allen voran natürlich sein Sohn, steht dem allerdings um nichts nach. Dafür sorgen auch die großartigen Schauspieler bzw. Synchronsprecher. Christopher Judge als Kratos passt, wie ein Kettenschwert zu einem Space Marine – a match made in heaven. God of War beweist, was möglich ist, wenn man sich auf eine Konsole spezialisiert und alles aus ihr herausholt. Man merkt die Liebe zum Detail und dass den Machern die Reihe wichtig ist. Das war schon bei den alten Spielen der Fall. Nun bin ich sehr gespannt, wie Ragnarök aussehen wird.
Die Steuerung ist durchaus intuitiv, allerdings komplexer als noch bei den Vorgängern. Was natürlich an der Art des Spiels liegt. Die Neuauflage ist ein Third-Person-Action-Rollenspiel. Die alten waren zwar auch Third-Person, aber im Hack-and-Slay-Genre zu verorten. Atreus hilft in den Kämpfen ordentlich mit und es macht großen Spaß, mit ihm die Welt von Midgard und Co. zu erkunden. Die Geschichte entfaltet sich in einem angenehmen Tempo, und wir treffen immer mehr interessante Gestalten, die die beiden auf der Reise begleiten oder unterstützen.
Es gibt so einige Nebenmissionen, die man erledigen sollte, um bessere Ausrüstung zu bekommen und entsprechend aufleveln zu können. Diese Nebenmissionen sind jedoch kurzweilig und vertiefen die Geschichten der Charaktere und der Welt. Was allerdings etwas sauer aufstößt, ist der Schwierigkeitsgrad. Es gibt in God of War eine Art Hub, in den man immer wieder zurückkehrt und der sich im Laufe des Spiels verändert. Wenn man hier neue Gebiete freischaltet, will man diese natürlich erkunden. Atreus bestärkt einen sogar darin, dass man das tun sollte. Mit dem kleinen Ruderboot macht man sich also auf den Weg. Allerdings stößt man hierbei immer wieder auf Gegner, die mehrere Level über Kratos derzeitiger Stufe sind und mit uns den Boden aufwischen. Das frustriert und ist ungeschickt gelöst. Warum Gebiete freischalten und zum Erkunden aufrufen, wenn man nur gegen eine künstliche Level-Mauer rennt?
Ebenso hätte man das Erzeugen und Upgraden von Rüstungen etwas einfacher gestalten können. Es gibt sehr viele verschiedene Materialien, Rüstungsgegenstände und Möglichkeiten, diese mit Buffs und Fähigkeiten auszustatten. Ebenso die Waffen, die man findet. Das lenkt für meinen Geschmack etwas zu sehr von der Geschichte ab und ist mir zu komplex. Auch, dass man immer wieder in frühere Gebiete zurückkehren muss, um Kisten zu öffnen, die zuvor unzugänglich waren, weil man eine bestimmte Fähigkeit dafür benötigt, ist nicht ganz mein Stil. Das geht bei Metroidvania-Spielen, weil es hier zum Konzept gehört, aber bei God of War muss ich das nicht unbedingt haben.
Bis auf das Thema mit dem Schwierigkeitsgrad sind das allerdings Kritiken auf einem hohen Niveau. Im Nachhinein frage ich mich, warum ich so lange mit diesem großartigen Spiel gewartet habe. God of War ist ein würdiger Nachfolger und eine tolle Fortsetzung der Reihe. Die alten Teile und die früheren Geschichten werden nicht ignoriert, sondern geschickt in diese Neuauflage integriert. Atreus ist eine tolle Ergänzung und keinesfalls ein nerviger Begleiter, wie es bei manch anderen Spielen der Fall wäre.
Zum Schluss möchte ich noch ein Video empfehlen. Und zwar von der damaligen Ankündigung von God of War. Das war 2016 auf der E3. Ich habe das damals, glaube ich, gar nicht so mitbekommen. Aber Spiele sollten öfter auf diese Weise vorgestellt werden. Besonders, wenn diese Spiele eine so reichhaltige und lange Geschichte haben wie God of War. Wirklich fantastisch gemacht.