Nach Guardians of the Galaxy und Age of Ultron tut es richtig gut, einen Film im MCU zu haben, der eine intimere Geschichte erzählt. Es geht nicht um etwas, das gleich die ganze Welt bedroht oder um das Ende des Universums. Es geht um Hank Pym und seine Erfindung, die nicht in die falschen Hände geraten sollte. Und natürlich geht es um Scott Lang, der, nachdem er seine Zeit im Gefängnis abgesessen hat, für seine Tochter da sein möchte und dafür alles tun würde. Es geht um Familie, Vertrauen und Aufopferung.
Ich mag den Film sehr gerne. Er funktioniert auf vielen Ebenen optimal. Man merkt dem Film allerdings leider an, dass Edgar Wright zuerst eine sehr spezielle Vision für den Film hatte, die auf halbem Weg geändert wurde. Scott Lang kann sich scheinbar nicht entscheiden, ob er der lustige Typ von nebenan sein will oder doch ein ernst zu nehmender Charakter. Ohne das Talent von Rudd würde die Rolle schnell auseinanderfallen, aber er spielt sie mit einer Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit, die ihr sehr zugutekommt. Es scheinen zwei unterschiedliche Visionen eines Ant-Man-Films um die Dominanz zu kämpfen. Eine Edgar Wright Version und eine Marvel-Version. Das Endergebnis ist zwar an manchen Stellen etwas unentschieden und wechselt zu schnell den grundlegenden Vibe des Filmes, wenn man es so bezeichnen will, kann sich aber immer noch sehen lassen.
Das liegt vorwiegend an den tollen Charakteren und ihrer Besetzung. Michael Douglas als Hank Pym zu engagieren ist ein ähnlich cleverer Schachzug, wie Anthony Hopkins als Odin einer war. Schauspielgiganten in Marvel-Filmen zu sehen, macht immer wieder Freude. Besonders wenn sie so hervorragend eingesetzt und geschrieben sind, wie in den beiden genannten Beispielen. Paul Rudd steht dem allerdings in nichts nach. Er passt wunderbar in die Rolle des Scott Lang und neuen Ant-Man. Corey Stoll als Gegenspieler Yellowjacket findet die richtige Dosis an Over-Acting und hat sichtlich Spaß an der Rolle. Evangeline Lilly als Tochter von Hank Pym und zukünftige Wasp etabliert sich gut in dem Film und ist ein exzellenter Ausgleich zu Scott und ergänzt wunderbar den Cast.
Man könnte fast sagen, dass sich auf zwei Zeitebenen Vater-Tochter-Beziehungen abspielen. Einmal haben wir Scott mit seiner Tochter Cassie. Sie vergöttert ihren Vater und er will ihr beweisen, dass er für sie da sein kann, trifft allerdings immer wieder fragwürdige Entscheidungen. Er hat es nicht leicht, diesen grundlegenden Wunsch, für seine Tochter zu sorgen, zu erfüllen. Cassie ist die geheime Heldin des Films. Sie ist toll geschrieben und perfekt porträtiert von Abby Ryder Fortson. Sie glaubt an ihren Vater, weiß genau, was vor sich geht, und ihr gehören immer wieder tolle, lustige Momente im Film. Ihre Chemie mit Paul Rudd ist wunderbar, und sie hätten gerne noch mehr Abenteuer miteinander erleben dürfen.
Auf der zweiten Ebene haben wir Hank Pym mit seiner Tochter Hope. Sie spiegeln in gewisser Weise die Zukunft von Scott und seiner Tochter wider, wenn es ihm nicht gelingt, für seine Tochter da zu sein und ihr zu beweisen, dass er der Held ist, für den sie ihn hält. Hank und Hope haben immer wieder bewegende Szenen miteinander, die allerdings leider durch Meta-Kommentare von Scott zunichtegemacht werden. Mich würde sehr interessieren, ob das Wrights Handschrift ist, oder Marvel glaubte, diese tiefgründigeren Momente bräuchten einen Witz, damit das Publikum nicht zu viel fühlt. Vielleicht hat es hier seinen Anfang, dass so viele Momente in zukünftigen Marvel-Filmen durch Meta-Kommentare anderer Charaktere gestört werden. Es dürfen solche Szenen gerne für sich stehen, atmen und seinem Publikum zuzutrauen, mit solchen Momenten umgehen zu können. Aber außer diesem einen Fauxpas, gelingt es dem Film immer wieder auf gekonnte Weise, die Figuren und ihre Beziehungen ins Zentrum zu stellen.
Aber was wäre Ant-Man ohne die tollen Effekte? Die Ameisen sehen großartig aus und die Interaktionen zwischen Scott und den Tieren sind immer wieder ein Höhepunkt des Films. Bedauerlicherweise überlebt seine Lieblings-Ameise Anthony nicht den Film, aber es zeigt, dass er etwas anders an die Sache herangeht, als Hank. Das Schrumpfen und Vergrößern funktioniert reibungslos und kann sich auch weiterhin sehen lassen. Die CGI-Elemente passen sich in die praktische Umgebung und die Sets ein, ohne dass es stört oder einem zu sehr ins Auge springt. Der Anzug von Yellowjacket beispielsweise ist komplett CGI, wenn ich das richtig gelesen habe, und man merkt es quasi nicht. Das haben spätere Filme durchaus schlechter gemacht.
Die Action-Sequenzen sind sowohl episch in ihren Ausmaßen und Umsetzungen als auch lustig. Man denke nur an die Verfolgungsjagd auf dem Spielzeug-Zug in Cassies Zimmer. Ant-Man nimmt sich an den richtigen Stellen ernst, weiß aber den Schleier geschickt zurückzuziehen und die Absurdität mancher Situationen hervorzuheben. Es ist unterm Strich ein gut gemachter Film und führt das Universum von Ant-Man geschickt ins MCU ein. Es fehlt am Ende nur das gewisse Etwas, um ihn in die gleichen Höhen zu hieven wie Captain America oder Iron Man. Wahrscheinlich ist es das zu inkonsequente Drehbuch, das fehlt. Ich hätte gerne Edgar Wrights Version gesehen. Ant-Man steht für sich, etabliert seine Charaktere und wie die Technologien funktionieren, weiß aber, sich ins größere Ganze einzugliedern – was es nicht einmal unbedingt gebraucht hätte. Eine nette Abwechslung zu den ansonsten so großen Weltuntergangsszenarien der anderen Filme.