MCU Intermission | The Amazing Spider-Man I & II

Ich liebe die The Amazing Spider-Man-Filme. Marc Webb hatte leider nur die Gelegenheit zwei Filme zu machen und konnte seine Trilogie nie abschließen, trotzdem schaue ich die beiden Teile immer wieder gerne an. Andrew Garfield und Emma Stone haben eine fantastische Chemie. Sie versprühen diesen awkward-Teenager-Vibe, der diese Filme zu etwas Einzigartigem macht. Ihre Beziehung ist glaubwürdig, weil sie es auch im echten Leben war, was das tragische Ende umso bestürzender macht. Die Bösewichte sind toll, die Bilder sind großartig eingefangen, die Musik rockt und der Anzug ein Höhepunkt in der Kinogeschichte des Charakters. Aber alles der Reihe nach.

Mittlerweile ist es 13 Jahre her, dass The Amazing Spider-Man in die Kinos kam. 2012 hat man sich darüber beschwert, dass schon wieder eine Origin-Story von Spider-Man erzählt wird, wo doch die Sam Raimi Filme erst ein paar Jahre zurücklagen. Trotzdem bin ich sehr froh, dass sich Sony entschieden hat, diesen Weg zu gehen. So konnte Andrew Garfield und der restliche Cast ihr eigenes Spider-Man-Universum aufbauen, ohne direkt in die Fußstapfen von Tobey Maguire zu treten. Auch wenn sie natürlich bis heute immer wieder miteinander verglichen werden und darüber diskutiert wird, wer denn nun der bessere Spider-Man/Peter Parker war oder ist.

Es ist aber wie bei James Bond. Es gibt keine definitive Antwort. Sie sind alle Kinder ihrer Zeit. Tobey Maguire hat perfekt für die Art von Film gepasst, den Sam Raimi machen wollte. Genauso wie Andrew Garfield in dieses Universum passt und Tom Holland ins MCU. Es sind verschiedene Interpretationen desselben Charakters. Ein Vergleich ist da schwierig und meiner Meinung nach sogar etwas unangebracht. Das redet die anderen schlecht, obwohl sie genauso im Kanon des Charakters existieren und einen guten Job gemacht haben. Egal, wer auf einer imaginären Nummer 1 steht. Ich schaue mir alle Spider-Man-Filme immer wieder gerne an. Und mittlerweile haben wir sogar hervorragende Animationsfilme des Charakters. Erfreuen wir uns der Vielfalt, anstatt einen Vergleich anzustreben, der nur scheitern kann.

Doch zurück zu den Filmen. Der erste Teil, The Amazing Spider-Man, ist schlicht großartig. Ich mag das neue Design des Anzugs. Es ist etwas simplistischer gestaltet, sticht aber trotzdem durch sein durchdachtes Gesamtkonzept heraus. Außerdem trägt Andrew Garfield den Anzug (oder auch seine Stunt-Doubles natürlich). Es mag an der ein oder anderen Stelle mit CGI nachgearbeitet werden, aber er fühlt sich echt an, hat eine Haptik, die man erahnen kann. Das fehlt mir bei den Tom Holland Anzügen. Die MCU-Varianten sind zu perfekt, zu glatt und sind quasi wie eine zweite Haut von Tom Holland. Nicht, dass die anderen Anzüge nicht Andrew Garfield oder Tobey Maguires Körper betonen würden. Doch sie werfen Falten, haben Nähte und etwas Dreidimensionales an sich. Hier ist die Variante aus The Amazing Spider-Man 2 für mich der Höhepunkt an allem, was wir bisher gesehen haben. Natürlich kann man Farben ändern oder Designs überdenken, aber allein dass der Anzug im Wind flattert, wenn Spider-Man durch die Wolkenkratzer und Häuserschluchten stürzt, trägt so viel zum Gefühl des Films bei.

Ich habe vor ein paar Monaten ein Video auf YouTube gesehen, das sich mit der Evolution der Schwünge von Spider-Man beschäftigt. Also die Art und Weise, wie gezeigt wird, dass sich der Charakter in Filmen oder Serien durch New York bewegt. Sony bzw. deren Produzenten und Regisseure haben in den frühen Spider-Man-Filmen, sowohl bei Raimi als auch bei Webb, sich en détail damit auseinandergesetzt. Es sollte echt wirken, wie Spider-Man schwingt, was er macht, wie er sich dreht und so weiter. Diese Entwicklung sieht man, man fühlt es. Auch hier ist meiner Meinung nach TASM 2 der Peak an Performance. Gemischt mit den Ego-Perspektiven, sodass man als Zuschauer*in kurz in die Rolle des Helden schlüpft, machen diese Filme zu etwas wirklich Besonderem.

Aber was wäre Spider-Man ohne den Tod von Onkel Ben? Martin Sheen verkörpert diese Rolle perfekt. Er spielt sie mit einer Wärme und Hingabe, die man nicht missen möchte. Auch hier hat man sich, wenn ich mich recht erinnere, etwas darüber lustig gemacht. Nicht über Sheen, aber über die Abwandlung des Zitates »with great power, there must also come great responsibility«. Sie machen es hier etwas anders. Ich habe das schon immer begrüßt. Denn das ursprüngliche Zitat stammt nicht von Onkel Ben, erst später wurden sie ihm in den Mund gelegt. Im ersten Spider-Man-Comic ist es der Erzähler, der diese Worte über unseren Helden spricht. Und selbst wenn es nicht so wäre, begrüße ich, dass sie etwas anderes versuchen. Besonders in einer Filmreihe, die mehr vorhatte, mit den Eltern von Peter und ihrer Verwicklung in Oscorp. Der Tod von Onkel Ben ist dennoch tragisch und dient als Motivation für unseren Helden.

Sheen steht Sally Field (Tante May) gegenüber. Sie ist, offen gestanden, meine Lieblingsinterpretation des Charakters. Sally Field ist fantastisch und jeder Blick, jede Geste und jede Berührung erzählen so viel über den Charakter, ich schaue ihr immer wieder gerne zu. Vor allem ihre Interaktionen mit Peter. Sally Field und Andrew Garfield gemeinsam in den Szenen zu sehen, macht einfach Freude. Es sind zwei Schauspielgrößen, die gerne mehr Szenen miteinander gehabt haben dürfen. Es sei nur an die Szene im zweiten Teil erinnert, wo sich May erst weigert, Peter über die Vergangenheit seiner Eltern zu erzählen. Die Szene ist mitreißend geschrieben, gekonnt eingefangen und lebt von der Leistung der beiden Schauspieler*innen.

Hinzu kommt, dass man weiß, dass May weiß, dass Peter Spider-Man ist. Das kam im ersten Teil bereits rüber, als er grün und blau geschlagen nach Hause kommt und ihr die Eier überreicht. Im zweiten Teil ist das noch einmal mehr betont und ich begrüße das sehr. Sam Raimi hat bereits damit gespielt und mehr oder weniger subtile Hinweise eingebaut, dass May Bescheid weiß. Marc Webb setzt hier noch einmal einen obendrauf. Es ist nachvollziehbar, passt zu den Charakteren und ich mag diese ewige Geheimniskrämerei nicht. Natürlich weiß May Bescheid, die beiden leben im gleichen Haus. Peter kommt durch die Vordertür nach Hause. Es ist offensichtlich und wunderbar gespielt von Sally Field.

Kommen wir zu den Bösewichten, die sich ebenfalls sehen lassen können. Der Lizard war längst überfällig. Lange Zeit wurde er in den Filmen von Sam Raimi angeteasert, und hier darf er endlich sein wahres Gesicht zeigen. Rhys Ifans als Dr. Connors ist großartig gewählt und verkörpert die Rolle brillant. Man sieht ihm das Bedürfnis, die Besessenheit, seinen verlorenen Arm nachwachsen zu lassen, regelrecht an. Alles dreht sich quasi danach. Er hätte es sicher auch geschafft, wenn Osborn ihm nicht dermaßen im Nacken gesessen hätte. Auch das finde ich, im Übrigen, eine gelungene Änderung. Osborn als das Zentrum allen Übles im Spider-Man-Universum einzusetzen, ist durchaus passend.

Auch darüber, kann ich mich erinnern, wurde sich fleißig beschwert, als der zweite Teil in die Kinos kam. Denn dort wird am Ende Doc Ock, Vulture und Rhino als zukünftige Bösewichte angedeutet. Rhino sieht man sogar noch im Film, aber dazu gleich. Am Ende bleiben also noch zwei über, die man für zukünftige Filme hätte verwenden können und nebenbei angedeutet hat. Fleißig wurde sich beschwert, dass Sony schon wieder zu viel wollte. Doch ich mochte das. Es war nicht zu aufdringlich und ergab im Film durchaus Sinn. Im Keller von Oscorp, wo schon seit Jahrzehnten an solchen Dingen geforscht wird, liegen nun einmal solche Exoskelette herum. Marvel hat ebenfalls schon in Thor den Infinity-Gauntlet angeteasert, und darüber hat man sich nicht lustig gemacht, sondern gerätselt, wie Thanos zu ebendiesem kommen mag. Man hat mit zweierlei Maß gemessen, was dem Film gegenüber unfair war. Es war in Ordnung, passte in den Film und ich hätte gerne mehr gesehen.

So blieb es dann beim Lizard und im zweiten Teil bei Electro und zu einem kleinen Teil Green Goblin. Jamie Foxx macht einen wunderbaren Job als Electro. Erst noch der übergangene, unterschätzte und gemobbte Ingenieur bei Oscorp wird er zu einem ernst zu nehmenden Bösewicht, der aber leider auch nur ausgenutzt wird. Dane DeHaan geht ein bisschen in seinem over-acting auf und ihm hat man zu sehr den Emo-Look aufgedrückt, der nicht so ganz passt. Außerdem ist er mir zu schnell und zu besessen mit der Heilung seiner Krankheit. Das hätte man gerne etwas in die Länge ziehen oder auf einen nächsten Teil verschieben können. Aber im Großen und Ganzen mag ich die Bösewichte in den Filmen.

Wir haben es hier mit einem Typen zu tun, der von einer Spinne gebissen wurde und nun im Strampelanzug Menschen rettet und gegen Bösewichte kämpft, die alle mit Tierthemen ihre Anzüge und Identität gestalten. Man muss es nicht allzu ernst nehmen. Innerhalb des Universums, natürlich. Es ist ein Unterschied, ob man Spaß mit den Figuren hat und sie in manchmal absurde Situationen wirft, die Charaktere aber mit einer gewissen Ernsthaftigkeit herangehen, oder ob man sich aktiv lustig darüber macht. Für mich haben die beiden Teile von The Amazing Spider-Man genau das gemacht. Sie hatten Spaß mit den Charakteren und dem Univsersum, haben manches auf die Spitze getrieben. Waren es perfekte Filme? Nein, aber das müssen sie auch nicht sein, um die Lust auf mehr in mir hervorzurufen. Das liegt aber nicht nur an den Filmen und den Geschichten an sich, sondern auch an den fantastischen finalen Shots der Filme.

Spider-Man, der im zweiten Teil nach einem Jahr Abstinenz zurückkehrt. Er trauerte um Gwen, doch es wird Zeit, die Maske erneut aufzusetzen. Doch er wird gut vertreten. Ein Kind stellt sich voller Mut vor einem verrückten Rhino und wird schließlich von Spider-Man abgelöst. Er wirft mit lustigen Sprüchen um sich, nur um dann mit einem genialen Sprung gegen Rhino anzutreten. Das war der Moment im Film, wo ich mir dachte »okay, let’s go«. Nochmal zwei Stunden Spidey-Action. Ich wäre gerne sitzen geblieben. Es ist eine Schande, dass die Reihe fallen gelassen und nie fortgesetzt wurde. Es war ein hoffnungsvolles Ende, optimistisch, farbenfroh, und ich wollte mehr davon.

Dazu kam natürlich noch die großartige Musik. War es im ersten Teil James Horner, der die Musik beisteuerte und den grundlegenden Sound von The Amazing Spider-Man legte, so war es im zweiten Film Hans Zimmer und The Magnificent Six. Sie bauen gekonnt auf die Basis von Horner auf. So klingen die Filme ähnlich, haben aber doch einen distinktiven Sound. Es ist großartig. Gepaart mit den tollen Action-Sequenzen und den durchweg fantastischen Schauspieler*innen, sind die The Amazing Spider-Man-Filme welche, zu denen ich immer wieder gerne zurückkehre. Ich male mir gerne aus, was als Nächstes gekommen wäre. Ein Team-Up von Dock Ock und Vulture? Dann die Sinister Six? Mysterio? Wir werden es vielleicht nie erfahren. Doch ich erfreue mich immer wieder gerne der Filme, die wir bekommen haben.