MCU Rewatch | Thor: Ragnarok

Man sollte vorsichtig sein, mit dem, was man sich wünscht. Manchmal gehen diese Wünsche nämlich in Erfüllung. Letztens habe ich noch gedacht, dass es ganz nett wäre, wenn jeder Film ein Intro hätte. Entweder vom Regisseur, der Regisseurin oder einer Schauspielerin, einem Schauspieler. Man erfährt vielleicht etwas über die Hintergründe, warum jemand das Projekt gemacht hat, was sie sich dabei dachten oder warum ihnen ein bestimmter Charakter wichtig ist. Vielleicht mit einem Schwenk aus der Kindheit oder Ähnliches. Es muss auch nicht immer der 100-prozentigen Wahrheit entsprechen. Es ist immer noch Hollywood, aber zumindest etwas, das die Fans begrüßt und den Film einleitet.

Dann kam Taika Waititi. Er mag ein talentierter Mann sein, kreative Indie-Filme machen, ein begnadeter Voice-Actor sein und ein guter Regisseur, aber seine Art mag mir irgendwie nicht gefallen. In seinem kleinen Intro verliert er kein Wort über Thor oder warum er das Projekt angegangen ist. Er macht sich nur lustig über sich selbst, spricht aber auch nur über sich selbst und nimmt die Veranstaltung in keinem Moment ernst. Wer dachte, dieses Intro würde passen? Ich finde ihn weder lustig noch originell. Zumindest nicht in diesen zwei Minuten. Es ist genau die falsche Einleitung, die ich mir für Thor: Ragnarok gedacht hätte.

Ich weiß nicht, wie viel von Waititi im Film steckt, was die Story betrifft. In den Credits und auf Wikipedia werden Eric Pearson, Craig Kyle und Christopher Yost genannt. Waititi hat sicherlich kreativen Input geleistet und sich eventuell Korg ausgedacht, sowie ein paar improvisierte Szenen überlegt. Ich bin allerdings sehr froh, dass die Hauptverantwortlichen für die Geschichte Menschen waren, die die Sache etwas ernster nehmen und sich nicht permanent über alles und jeden lustig machen. Das passt offen gesagt nicht zum generellen Ton des Films. Es sterben in einer Tour Charaktere, die wir seit dem ersten Film kennen. Immerhin heißt der Film Ragnarok und es ist das Ende der nordischen Götter, so wie wir sie kennen. Natürlich kann man Spaß mit der Geschichte haben und es muss keine Tragödie werden. Eine Balance ist wichtig, und der Film schafft dies auf weiter Strecke tatsächlich hervorragend.

Ich mag beispielsweise die Abschiedsszene von Odin. Nur er und seine beiden Söhne auf einer Klippe am Meer. Loki weiß den Ernst der Situation zu erkennen und es ist eine wirklich gute Szene. Das CGI der Umgebung hätte vielleicht noch etwas Feinschliff bedurft, aber grundsätzlich passt es. Helas Auftritt, nur wenige Augenblicke später, ergibt Sinn, da Odin es war, der die Siegel ihres Gefängnisses aufrechterhält. Die Zerstörung Mjolnirs unterstreicht ihre Macht. Cate Blanchett hat sichtlich Freude an der Rolle und findet meiner Meinung nach eine tolle Balance zwischen ehrlicher Bedrohung und lässigen Sprüchen. Es sind immerhin (fast) unsterbliche Wesen, die sich hier die Köpfe einschlagen, die haben Erfahrung und schon genügend gesehen, dass sie nicht immer todernst sein müssen.

Der Ausflug nach Sakaar macht Laune. Jeff Goldblum als Zeremonienmeister der Gladiatorenkämpfe ist fantastisch. Die Planet Hulk-Geschichte mit Thor zu verknüpfen und so ins MCU einzubauen, ist eine großartige Idee. Es zementiert, dass Bruce und Hulk zwei eigenständige Persönlichkeiten sind. Das wird später in Infinity War noch einmal unterstrichen, doch hier werden die Grundsteine dafür gelegt. Hulk redet hier auch mehr als sonst. Es passt und scheint eine natürliche Entwicklung des Charakters zu sein. Dass Thor sich hier nur auf sich selbst konzentriert und einmal Hulk, einmal Banner bevorzugt, ist, ob der Tatsache, dass sein gesamtes mythologisches Universum im Begriff ist zusammenzubrechen und ausgelöscht zu werden, durchaus nachvollziehbar.

Tessa Thompson als Valkyrie einzuführen und so die Mythologie noch einmal mehr auszubauen, finde ich eine tolle Ergänzung. So ist es nicht nur Hela, die Odins frühere Eroberungszüge zur Schau stellt, Valkyrie unterstreicht dies noch einmal. Irgendwie ist Odin und damit Asgard an den Reichtum gekommen, der sie ausmacht. Es ist schön zu sehen, dass die Mythologie hier hinterfragt wird. Die Götter waren nicht einfach nur da, sondern haben sich ihr Reich und den damit verbundenen Reichtum erarbeitet. Manchmal auf eine brutale Weise. Als Hela schließlich ihren Dienst getan hatte und sie nicht mehr von Nutzen war, genauer gesagt ihre Ambitionen, mit denen von Odin kollidierten, wurde sie weggesperrt. Interessant ist auch, dass sie sich nicht lange damit aufhält, was in ihrer langen Abwesenheit passiert ist. Sie macht einfach da weiter, wo sie aufgehört hat.

Thor: Ragnarok ist ein Film, der mich wieder einmal positiv überrascht hat. Die Effekte sehen weitestgehend fantastisch aus und es macht einfach Freude, den Film anzuschauen. Der Vibe von Thor in diese Richtung zu ändern und mit Led Zeppelins »Immigrant Song« zu unterstreichen, passt ausgezeichnet. Thors Kräfte entwickeln sich nach dem Tod von Odin und dem Verlust seines Hammers weiter. Er entdeckt neue Tiefen darin. Auch das ist eine Vorbereitung auf das, was uns in Infinity War erwartet. Trotzdem bleibt es hier eigenständig. Es werden nicht nur zukünftige Ereignisse aufgebaut und vorbereitet, die Elemente können in den einzelnen Filmen für sich stehen.

Genau das ist es, was die ersten drei Phasen vom MCU so großartig macht. Die Filme können weitestgehend für sich stehen. Wenn man natürlich ohne jegliches Vorwissen einsteigt, wird es irgendwann schwierig, weil es zumindest etablierte Charaktere sind und diese nicht mehr lange vorgestellt werden. Es geht direkt mit der eigentlichen Geschichte los. Aber es wird nicht auf Biegen und Brechen ein weiterer Charakter eingeführt oder vorgestellt, nur um das nächste Projekt anzukündigen. Zunächst sollte dieser Film fertiggestellt werden, dann kann man den nächsten angehen. Das schafft auch Thor: Ragnarok meiner Meinung nach hervorragend. Dennoch wird das größere MCU berücksichtig, indem man Doctor Strange einbaut. Selbst das wirkt nicht erzwungen, da Loki eine magische Bedrohung darstellt. Die Zahnräder greifen hier gut ineinander und treiben das größere Ganze an.