MCU Rewatch | Avengers: Infinity War

Nach 18 Filmen und 10 Jahren war es endlich so weit. Avengers: Infinity War kam 2018 in die Kinos. Der erste Trailer machte neugierig, verriet nicht zu viel und war auch das einzige Promo-Material, das ich mir damals angeschaut habe. Ich wollte mit so wenig Vorwissen wie möglich in diesen Film gehen. Das haben sie später für Endgame noch einmal verbessert, da sie hier nur Filmmaterial aus den ersten 15 oder 30 Minuten verwendet haben, wenn ich mich richtig erinnere. Ich setzte mich also für eine der ersten OV-Vorstellungen von Infinity War in den IMAX-Saal des heute leider nicht mehr existierenden Cineplexx am Hauptbahnhof und machte mich bereit für eine außergewöhnliche Reise.

Es ist schon faszinierend, dass dieses Unterfangen gelungen ist. Natürlich war die Qualität der Marvel-Filme über die 10 Jahre nicht immer auf demselben Niveau, allerdings konnte man sich als Fan der Comics immer etwas herausziehen. Aber auch wenn man bis zu diesem Zeitpunkt kein Kenner der Comics war, so wurden mit diesen Filmen viele Marvel-Fans geboren. Die verschiedenen Origin-Filme führten die Charaktere hervorragend einem neuen Publikum vor. Nach und nach erschloss sich somit eine Welt, die sich aus den verschiedensten Genres, Welten und Technologien zusammensetzt. Sei es die bodenständige Thriller-Welt eines Steve Rogers, die hoch technologisierte Welt von Thor (die schon fast an Magie grenzt), Doctor Stranges magische Ausflüge oder die unzähligen Welten im All, die von den Guardians of the Galaxy bereist werden. All das teilt sich ein Universum und macht Marvel, egal ob in den Comics oder in den Filmen, zu etwas Einzigartigem. Es ist seit über 60 Jahren eine fortlaufende Geschichte mit vielen Facetten.

Deshalb sind die Charaktere so nahbar. Man verfolgt über Jahre ihre Entwicklung. Doch sie schreiben ihre Geschichten nicht unabhängig voneinander. Natürlich erlebt jeder Held und jede Heldin eigene Abenteuer. Doch die Verbindungen zueinander, die immer wieder vorkommen, sei es in den Avengers-Filmen oder erweiterten Solo-Auftritten, schweißen die Charaktere zusammen. Für Zuschauer*innen ergibt sich so ein dreidimensionales Bild. Wenn dann noch ein Bösewicht dazukommt, der nachvollziehbare Beweggründe für sein Handeln hat und scheinbar ein besseres Universum für die Lebewesen darin erschaffen möchte, erhält man einen Film, der hervorragend als Abschluss für ein gewaltiges Unterfangen dient. Oder zumindest dem ersten Teil davon.

Es war eine gute Entscheidung, den finalen Kampf gegen Thanos in zwei Teile aufzuteilen. So kann der Schock des Fingerschnippens und der Verlust der Charaktere in den Zuschauer*innen nachwirken. Mit der Fortsetzung von Ant-Man und der etwas späten Einführung von Captain Marvel, gibt es dazu noch zwei Zwischenfilme, die nicht nur die Konsequenzen aufzeigen, oder welche Situationen entstehen können, sondern sie lenken den Blick etwas von der Tragödie ab, bevor man mit Endgame einen kleinen Zeitsprung wagt.

Vielleicht war das auch der größere Gedanke dahinter. Denn die eigentlichen Konsequenzen werden nur angedeutet; nicht wirklich in aller Tiefe behandelt. Dafür hätte es vielleicht einen dritten passenden Film gebraucht, der das Ganze wahrscheinlich zu sehr in die Länge gezogen hätte. Aber das besprechen wir eventuell später, wenn es konkret um Endgame geht. Jetzt steht Infinity War im Fokus. Über lange Zeit wurden die Infintiy Stones in den vorherigen Filmen eingeführt und haben immer wieder die Orte getauscht. Nun geht es endlich um das Zusammenbringen der Steine und vor allem natürlich darum, wie sich unsere Held*innen auf die Begegnung mit ihrem stärksten Gegner vorbereiten.

Die Ausgangssituation zu Beginn des Films ist tatsächlich alles andere als rosig. Thor schwirrt mit seinen überlebenden Asgardians auf einem Schiff irgendwo im Weltall herum, Tony und Steve haben sich zerstritten, keiner (außer Thor) weiß etwas von Hulks Verbleib und Wakanda hat gerade erst begonnen, sich der Welt zu öffnen. Ich habe bereits in Guardians of the Galaxy hervorgehoben, wie wichtig es ist, die einzelnen Charaktere und Gruppen gut zusammenzuführen. Es darf sich nicht erzwungen anfühlen, sondern muss nachvollziehbar bleiben. Dies gelingt den Russo Brüdern sehr elegant. Sei es Bruce Banner Absturz im Sanktum Sanktorum oder dass dadurch Doctor Strange Tony Stark hinzuholt, der wiederum Spider-Man nach sich zieht. Die Guardians reagieren auf den Notruf von Thors Leuten, womit auch diese beiden Fraktionen zusammengeführt werden und Teile davon schließlich mit Helden von der Erde auf Thanos Heimatplaneten Titan aufeinandertreffen. Es geht alles Schlag auf Schlag. Trotzdem bleibt es ein angenehmes Erzähltempo.

Wie auch schon in den vorherigen Filmen werde ich nicht in aller Tiefe die Geschehnisse im Film nacherzählen. Immerhin ist es ein Rewatch und ich gehe davon aus, dass alle, die diese Textreihe verfolgen, mit den Filmen mehr oder weniger vertraut sind. Mir geht es eher um die größeren Zusammenhänge, was man eventuell aus diversen anderen Texten in Erfahrung bringen kann, was mir auffällt oder was ich von den Filmen heute halte. Mir sind die Themen, die in den Filmen aufkommen, bei diesen Besprechungen wichtiger, als die einzelnen Szenen zu beschreiben, oder ich will einfach nur coole Momente hervorheben.

So wie die beste Szene des Films, in der sehr viel drinsteckt. Gleich zu Beginn von Ragnarok hat Thor seinen Hammer verloren, der durch Hela mühelos zerstört wurde. Er wurde zu Kämpfen gezwungen, sah zu, wie seine Heimat explodierte und die Überlebenden von Thanos und seinen Kindern massakriert wurden. Dazu gehören nicht nur Heimdal, der vor seinen Augen erstochen wurde, sondern auch Loki. Thanos hat ihm alles genommen und er war machtlos. Doch dank der Rettung der Guardians bekommt er eine zweite Chance, sich zu rächen und es besser zu machen. Mit Groot und Rocket reist er nach Nidavellir, um mithilfe des Zwergenkönigs Eitri (brillant verkörpert von Peter Dinklage) einen neuen Hammer zu schmieden: Stormbreaker. Die Dramaturgie dieser Szenen, Thors unbeugsamer Wille und schiere Macht, die es ihm erlauben die volle Kraft eines Neutronensterns abzufangen, und Groot, der seinen Arm hergibt, damit die Axt ihren Stiel bekommt. Es ist einfach großartig. Dann tauchen die drei auf dem Schlachtfeld von Wakanda auf. Alles scheint verloren, doch die Lichter des Bifrost erscheinen und bringen Thor, Groot und Rocket. Alle Blicke sind auf sie gerichtet. Drei Worte reichen aus (»Bring me Thanos!«) und die drei stürzen sich, von brachial epischer Musik begleitet, ihren Feinden entgegen. Wenn es eine heroische Szene im Film gibt, dann ist es diese.

Doch Infinity War kann genauso erbarmungslos sein. Man denke nur an die Folterszene von Nebula. Allein bei dem Gedanken daran zieht sich alles in mir zusammen. Das Opfer, das Gamora bringen muss, damit Thanos seinen Soul-Stone bekommt. Der verzweifelte Kampf eines zusammengewürfelten Teams auf Titan, um Thanos den Handschuh zu entreißen. Oder die letzten Worte von Doctor Strange, die zwar hoffnungsvoll sein sollen, doch nicht so wirken. Die Spitze des Eisbergs sind Peters letzte Worte an Tony, bevor er ebenso in Staub zerfällt und repräsentativ dafür steht, was nun im gesamten Universum, auf allen Planeten geschieht. Thanos hat gewonnen, da hilft auch Wandas schwieriges Opfer nicht, Visions Infinity Stone zu zerstören. Denn wer den Time Stone hat, für den gibt es keine Limits.

Infinity War ist ein äußerst gelungener Auftakt für ein lang ersehntes Finale. Ich habe die Filme in relativ kurzer Zeit geschaut. Vor allem die letzten fünf oder so schaute ich innerhalb von zwei Wochen und auch die nächsten werden in kurzen Abständen folgen. So bleibt man noch mehr in dieser Welt, es fallen einem eventuell neue Zusammenhänge auf und bei mir ist es zumindest so, dass ich länger darüber nachdenke. Genauso wie, wenn man die drei Herr der Ringe-Filme auf ein Wochenende aufteilt. Dieses Wochenende findet dann gedanklich viel in Mittelerde statt, wodurch die Geschichten und die Erlebnisse der Charaktere intensiver wahrgenommen werden. Ich bin sehr froh, mich weiterhin in diesem Maße von Filmen mitreißen lassen zu können.