Die Amtseinführung von Donald Trump ist gerade einmal ein paar Tage her, da kommt es mir so vor, als ob die Medien wieder in ihr altes Muster zurückfallen. Haben wir nichts aus der ersten Amtszeit von diesem Wesen gelernt? Kaum öffnet der Präsident den Mund, schreibt etwas auf seiner eigenen Social-Media-Plattform oder macht sonst etwas, wird darüber geschrieben und berichtet. Versteht mich nicht falsch, ich halte es für angebracht, dass darüber berichtet wird, es kommt allerdings ebenso darauf an, wie man darüber berichtet. Ich würde mir wünschen, dass mehr eingeordnet wird. Ich möchte nicht nur wissen, was er getan oder gesagt hat, sondern was das im größeren Ganzen bedeutet.
So wie es DerStandard zum Beispiel gemacht hat, mit Trumps Behauptung, dass die erste Kernspaltung in Amerika stattgefunden hat. Ich möchte gerne eine Einordnung, wie das damals abgelaufen ist, wer involviert war, wo es geschehen ist. Was stimmt an Trumps Behauptungen und was ist wirklich gelogen oder entspricht halb-Wahrheiten. Denn oft sind es das: halb-Wahrheiten. Die Realität ist sehr viel komplexer, als es dieser Mann je begreifen, geschweige denn ausdrücken könnte. Diese Aufgabe fällt den seriösen, unabhängigen und integren Medien zu. Kritischer Journalismus, der die Dinge beim Namen nennt und nicht vor historischen Vergleichen zurückschreckt.
So wie die Geste des reichsten Menschen der Welt alle erschreckt hat, wagt es kaum einer, die Geste als Hitlergruß einzuordnen. Es wird über Möglichkeiten gesprochen und in Zweifel gestellt. Lea Schönborn fasst dies in ihrem Kommentar auf Krautreporter wunderbar zusammen: „Wir haben Angst vor Nazi-Vergleichen. Wir haben in der Schule gelernt, dass die Nazi-Zeit mit nichts vergleichbar ist. So sehr, dass wir einen Hitlergruß nicht als das benennen, was wir mit den eigenen Augen so klar sehen. Es ist kein Missverständnis möglich: Das, was Musk gezeigt hat, ist ein Hitlergruß.“ (Der Text ist unten verlinkt).
Trotzdem will ich nicht permanent und ständig über Donald Trump und seine Gefolgschaft von schwachen, rückgratlosen Milliardären lesen. Ich muss nicht jeden Kommentar mitbekommen. Deshalb bin ich unter anderem auf YouTube dazu übergegangen, fast alle Videos, in denen Trump vorkommt, als »nicht interessiert« zu deklarieren. Ich brauche nicht die Meinung eines jeden x-beliebigen Talkshow-Hosts, der mir sowieso nichts Neues erzählt und nur schlechte Witze reißt. Last Week Tonight ist da die einzige große Ausnahme, wenn die Sendung nächsten Monat zurückkommt, aber das war es dann auch. YouTube nutze ich als primären Streaming Dienst zum Abschalten und Entspannen. Ich möchte mich über Filme oder Serien informieren, Walkthroughs von Spielen schauen oder Videos zu Warhammer, Klemmbausteinen und Co. sehen.
Doomscrolling hilft niemandem. Vor allem nicht uns selbst. Wir befeuern damit nur Algorithmen, die gegen uns arbeiten. Man braucht auch mal eine Pause von den Problemen und Herausforderungen der Welt. Deshalb mag ich es, (digitale) Zeitungen zu lesen. Es ist nicht so aufgeregt, ich muss mir bewusst Zeit nehmen, um diese zu lesen. Außerdem ist es mit einem möglichen Kanzler Kickl umso wichtiger, journalistische Angebote zu unterstützen, die kritisch berichten. Man ist gut informiert und tut etwas für die Medienlandschaft in Österreich.
Es ist okay, sich eine Pause von all den Ereignissen zu gönnen. Mal abzuschalten und nicht dauernd über alles informiert zu werden. Man darf allerdings nicht die Augen vor der Realität verschließen.
- krautreporter.de | Kommentar: Ja, das war ein Hitlergruß (Lea Schönborn)
- DerStandard | Stimmt Trumps Behauptung, US-Amerikaner hätten (erstmals) das Atom gespalten? (Klaus Taschwer)