Geek-Planet | The Walking Dead: Book 6

Es ist Donnerstag. Wie jede Woche schauen wir uns heute einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 28. September 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Den gibt es heute allerdings nicht mehr. Trotzdem möchte ich, dass alle meine Texte an einem Ort versammelt sind. Deshalb suche ich mir jede Woche einen alten Text heraus, redigiere diesen und versehe ihn mit einer kleinen Einleitung.

Ich kann nicht umhin, die Rezension zur sechsten Hardcover-Ausgabe von The Walking Dead als schlecht zu empfinden. Na ja, vielleicht nicht unbedingt als schlecht, aber zumindest als suboptimal würde ich sie bezeichnen. Ich springe sofort in den Inhalt des Buches hinein, ohne Kontext. Dann schreibe ich über Ereignisse, als wüssten alle, wovon die Rede ist. Und zu guter Letzt mache ich das auch nicht gerade gut, weil ich trotzdem sehr vage bleibe. Heute würde ich das auf jeden Fall anders und etwas ausführlicher machen.

Wobei ich gerade an meine Texte zum MCU Rewatch denken muss, die jeden Samstag erscheinen, und überlege, ob ich bei diesen Texten vielleicht ebenfalls zu viel voraussetze. Wobei das ein Rewatch durchaus verlangen kann. Trotzdem sollten die größeren Kontexte erklärt werden. Man kann Wissen voraussetzen, aber trotzdem genug erklären, sodass vielleicht mehr Menschen abgeholt werden. Das versuche ich beispielsweise bei den täglichen Texten, die ich schreibe. Ich kann nicht erwarten, dass jemand alle Texte liest. Also bemühe ich mich, Dinge zu erklären, selbst wenn ich schon des Öfteren darüber geschrieben habe, oder aber ich verlinke alte Texte, die näher beschreiben, auf was ich mich beziehe. Es ist ein schmaler Grat, auf dem man wandert, und ich hoffe ihn mit der Zeit immer besser bewältigen zu können.


Das sechste Hardcover-Buch von The Walking Dead beschäftigt sich mit einer Vielzahl an Themen und wir nähern uns langsam aber sicher dem Punkt, an dem uns auch die sechste Staffel der Serie zurückgelassen hat.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Inker, Cover: Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2010
  • Ausgaben: #61 – #72

“I love you [Dad] because of what you do to keep me safe. I know why we do what we do. Protect the weak. To survive.” – Carl

Die erste Story-Arc „fear the hunters“ beschäftigt sich sehr mit den verschiedenen Auswirkungen, die die Apokalypse auf unterschiedliche Menschen hat. Wir haben zum einen die Zwillinge. Ben tötet seinen Bruder Billy, sagt den anderen aber, dass sie sich keine Sorgen machen sollen, da er ja wieder zurückkommt. Wieso hat er das getan? Mit Sicherheit kann man das natürlich nicht sagen, aber eine Vermutung von mir ist die Folgende: In einer Welt voller Zombies, in der jederzeit das Ende auf einen lauert, ist es einfacher, wenn man Teil des Problems ist und nicht dagegen ankämpft. Ben hat eine falsche Vorstellung von der Realität, in der sie leben, und wird deshalb zu einer Gefahr für die gesamte Gruppe.

Zugegeben, es ist ein brutaler und trauriger Moment, als Andrea die Jungen im Wald findet, aber es hat nichts darauf hingearbeitet. Die Zwillinge wurden kaum bei ihrem Namen genannt, noch konnte man sie, was ihren Charakter betrifft, je richtig einschätzen. Sie wurden ständig von Andrea und Dale beschützt, sobald es eine brenzlige Situation gab. Deshalb hatten sie wenig bis gar nichts zu tun. Mit ein wenig Vorarbeit wäre die Erkenntnis, was Ben getan hat, noch kraftvoller gewesen. Anders als das, was diese Tat in Carl hervorruft. Immerhin ist er Ricks Sohn, handelt nach dessen Vorbild und man traut ihm so einiges zu. Ob dies nun gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt.

Als Nächstes haben wir den Priester. Gabriel ist ein neuer Charakter und hat bis vor Kurzem in einer Kirche versteckt überlebt. Er verlässt sich komplett auf seinen Glauben, um zu überleben. Religion hat bisher nur eine Nebenrolle gespielt, und ich bin gespannt, wie dieses Thema in Alexandria noch weiter aufgegriffen wird. Der Charakter ist an sich interessant, da er ein komplett neues Weltbild für die Gruppe darstellt. Allerdings lassen seine vergangenen Taten diesen Glauben etwas verblassen. Dann haben wir noch die Außenstehenden, die Ricks Gruppe ausspioniert und verfolgt. Sie schnappen sich Dale und offenbaren daraufhin, dass sie Kannibalen sind. Stück für Stück verzehren sie ihr Opfer – so bleibt dieses am Leben und das Fleisch damit frisch. Was hier auffällt ist, dass wir nach dieser Story direkt nach Alexandria kommen und keinen Zwischenhalt in Terminus machen, so wie in der Serie. An der Endstation der Schienen wird auch noch einmal das Thema Kannibalismus aufgegriffen. Mal sehen, ob dies im Comic auch noch einmal kommt.

Ich finde den Aspekt äußerst spannend, da er eine Frage aufwirft, vor der auch unsere Protagonisten vielleicht einmal stehen werden. Wenn man absolut keine Rationen an Essen mehr hat, wie weit geht man, um zu überleben? Natürlich werden sie keine Kinder essen, so wie es die Fremden getan haben. Schockiert hat mich die Brutalität und Grausamkeit, mit der Rick, Abraham und Co. diese Gruppe bestraft hat. Einen nach dem anderen haben sie zerstückelt, wahrscheinlich bei lebendigem Leib, und dann ins Feuer geworfen. Was gibt ihnen das Recht, dieses Urteil auszusprechen? Diese Tat ist ein Schritt weiter in den Abgrund. Vor allem für den Anführer Rick, der sich immer weiter radikalisiert, was Fremde betrifft, wie man an Aaron sehen kann.

In der zweiten Geschichte „Life among them“, wird erst einmal Aaron bewusstlos geschlagen, auch wenn er besser behandelt wird als in der Serie. Die Version im Comic hat mir viel besser gefallen, allerdings finde ich es immer noch schade, dass sich die anderen nicht weiter zu Wort melden, wenn Rick solch fragwürdige Entscheidungen trifft.

Alexandria stellt sich als eine wachsende Community heraus, die es geschafft hat, ein Jahr lang zu überleben. Mit der neu gewonnen Unterstützung wollen sie sich verbessern. Sie haben aber nicht mit Ricks Rücksichtslosigkeit gerechnet, die von Glenn unterstützt wird. Sie könnten sich hier ein gutes Leben aufbauen. Die aktuellen Einwohner trainieren und für zukünftige Situationen ausbilden. Sie hatten nicht mal jemanden, der Ausschau nach Neuankömmlingen hält – sie haben sich einfach auf ihre Mauer verlassen.

Die anderen, hauptsächlich erkennbar an Abraham, leben sich aber scheinbar gut ein. Carls Befürchtungen, dass sie zu weich werden würden, um, sollte der Community etwas zustoßen, danach in der Welt da draußen zu überleben, finde ich allerdings berechtigt. Dies würde sich aber mit etwas Training eindämmen lassen.

Was ich in den letzten Reviews immer etwas unterschlagen habe, sind die Zeichnungen. Die schwarz-weißen Darstellungen sind einfach grandios. Besonders durch die Hardcover-Version, welche etwas größer ist, als ein normaler Comic, kommen diese wunderbar zur Geltung. Mir gefällt der Fokus auf die Charaktere und deren Positionierung. Wenn es die Situation zulässt, wird komplett auf Hintergründe verzichtet oder dieser sehr zurückgeschraubt. Dies sorgt für eine beklemmende Atmosphäre und als Leser*in kann man sich noch mehr auf die Dialoge konzentrieren. Als Bonus erhält man in den Hardcover-Versionen ein bisschen Bonusinhalt, in Form von kleinen Kommentaren zum Entstehungsprozess und einer Cover-Sammlung der enthaltenen Ausgaben. Alles in allem lassen diese hochwertigen Editionen keine Wünsche offen.