Geek-Planet | The Walking Dead: S07E06

Die Woche voller The Walking Dead schreitet mit großen Schritten voran. Wir sind schon bei Folge 6 »Swear« angelangt. Der folgende Text erschien zum ersten Mal im Dezember 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Trotzdem möchte ich, dass alle meine alten Texte auffindbar sind. Deshalb suche ich mir typischerweise einmal die Woche zufällig einen aus, redigiere ihn und schreibe eine kleine Einleitung dazu. Doch da ich die siebte Staffel von TWD wöchentlich begleitet habe, dachte ich, es wäre nett, eine kleine TWD-Woche zu veranstalten.

Ich muss gestehen, dass es das erste Mal ist, dass ich mir denke, dass ein Text von mir wirklich nicht gut ist. Klar habe ich bei so manchen Texten Fehler gefunden, Ungereimtheiten oder einfach nur Passagen, die man hätte spannender schreiben können. Doch ich finde, dass die Zusammenfassung der Folge nicht sonderlich gut gelungen ist. Es ist einfach nur eine Zusammenfassung von dem, was passiert ist. Das hätte ich besser machen können. Außerdem habe ich ein paar Stellen gestrichen, die nicht mehr zeitgemäß oder inkonsistent waren.


Diese Woche wartete The Walking Dead mit einer großen Überraschung auf. Wir kehren nämlich nicht zu einer der vier bekannten Communitys zurück, sondern folgen Tara (und ganz, ganz kurz auch Heath), wie sie am Strand eine neue Gruppe entdeckt. Damit wird die Welt von TWD ein weiteres Mal erweitert. Die beiden Charaktere sind wegen zweierlei Dinge äußerst spannend zu beobachten: Zum einen haben wir sie seit Monaten nicht mehr gesehen, nicht einmal im Finale der sechsten Staffel waren sie dabei, wenn ich mich richtig erinnere. Zum anderen haben sie nichts von Negan und seiner Tyrannei mitbekommen. Sie haben keine Ahnung, dass Glenn, Abraham und natürlich Denise gestorben sind.

“None of you had to. You just did it.” –Tara

Die auf einen Charakter bzw. eine Gruppe konzentrierten Episoden von TWD sind zu einem Markenzeichen in dieser Staffel geworden. Zum Glück besitzen die Autor_innen die Fähigkeit, Charaktere, die den geneigten Zuschauer_innen teilweise seit über einem halben Jahr nicht mehr begegnet sind, sofort sympathisch zu machen. Sie schaffen es, dass diese Charaktere wieder wichtig werden und man mit ihnen mitleidet. Das meiste, womit sich Tara bisher in mein Gedächtnis gebrannt hatte, habe ich zum Großteil schon wieder vergessen. Allerdings habe ich doch immer ein gewisses Bild von ihr im Unterbewusstsein. Bei ihr wäre es ihre Beziehung und Liebe zu Denise, die bis zu ihrem Tod in der letzten Staffel eine meiner Lieblingsfiguren war. Tara entwickelt sich für mich nun in dieselbe Richtung (nur hoffentlich ohne einen sinnlosen oder tragischen Tod). Innerhalb dieser einen Episode ist sie eine zentrale Figur und egal, was man vom Rest hält, spielt sich Alanna Masterson in unsere Herzen. Sie kann eben doch eine Folge tragen.

Doch worum geht es eigentlich?

Heath und Tara sind mit dem Van unterwegs, um Lebensmittel und andere Dinge für die Gruppe in Alexandria zu sammeln. Dabei müssen sie an einer Brücke haltmachen. Der Fluss darunter fließt direkt ins Meer, was später noch einmal wichtig wird. Was folgt, ist eine der coolsten Zombieszenen in dieser Staffel. Denn die Straße wurde nicht nur durch Container blockiert, sondern auf der gegenüberliegenden Seite mit einem gewaltigen Sandhaufen. In diesem findet Tara eine schwere Tasche, die potenziell Munition beinhaltet. Doch wie sich herausstellt, ist es eine Falle, denn darunter sind dutzende Zombies eingeschlossen, die die beiden nun angreifen.

Es ist eine sehr stimmungsvolle Szene und meine Komplimente an die Maskenbildner*innen, die sich mit den Sandzombies selbst übertroffen haben. Leider wird Tara von der Menge an Zombies von der Brücke gestürzt und Heath von ihr getrennt. Ich greife jetzt einmal kurz vor, da wir später in einer Szene mit Tara feststellen, dass Heath nicht von den Zombies überwältigt wurde, sondern fliehen konnte. Ich finde es schade, dass zuerst angedeutet wurde, dass Heath gestorben sei und es dann doch jemand anderes ist (also es sich um einen so genannten Fake-out handelt).

Nach dieser Eröffnungsszene begleiten wir erst einmal zwei Mädchen, die am Strand Zombies töten. Rachel, eine vielleicht zehnjährige, die sich durch verstörende Tendenzen hervortut, die sehr an Lizzie erinnern. Irgendwie wäre es schon witzig, wenn auch Rachel schlussendlich von Carol getötet werden würde. Cindy auf der anderen Seite ist älter, zwar widerspenstig und nicht sehr von der Autorität ihrer Großmutter überzeugt, allerdings ist sie sympathisch rebellisch, und zwar nicht auf die Psycho-Weise. Zuerst wollte Rachel Tara töten, doch Cindy überzeugt sie, dass sie Tara helfen – geben ihr sogar etwas zu Essen, Trinken und versorgen sie mit einem Speer. Die Szenerie hat mich sehr an Lost erinnert und einen Bunker hätte man hier ruhig noch einbauen können.

Bereits an dieser Stelle erfährt man, dass es sich bei dieser Gemeinschaft nicht gerade um sympathische Menschen handelt. Immerhin sagt Rachel: „We are supposed to“. Sie sollen also nicht nur Zombies töten, sondern Eindringlinge oder Fremde ebenso, um den Schutz des Lagers zu gewährleisten.

Nachdem sie von den beiden Mädchen versorgt wurde und ihnen erfolgreich vorgespielt hat, sie sei ohnmächtig, schleicht Tara ihnen mit dem Speer bewaffnet nach. Dort macht sie eine äußerst beeindruckende Erkundungstour und beinahe hätte es so ausgesehen, als sei sie unbemerkt durch das Lager gekommen. Die Art, wie ihr die Kamera folgt, ohne Musik, schmale Bäume zwischen ihr und ihren Feinden gehören zu den spannendsten Szenen. Vor allem lernt man selbst ohne Dialog sehr viel über die Community. Ein anschauliches Beispiel der Devise: Show, don’t tell! So besteht diese nur aus Frauen und Kindern. Was ist mit den Männern passiert? Sie scheinen gut organisiert zu sein und wohnen in Containerhütten. Als sie dann Tara entdecken, stellt sich heraus, dass sie äußerst großzügig mit Waffen ausgestattet sind (was für ein Zufall, jetzt, wo Ricks Gruppe alle Waffen an Negan verloren hat). Schließlich haben sie auch noch ein Ablenkungssystem für Zombies, was ihnen ermöglicht, diese in Ruhe abstechen zu können. Alles in allem also eine scheinbar perfekte Einöde, wo man sich durchaus für einige Zeit zur Ruhe setzen könnte.

Tara mausert sich insofern zu einem fantastischen Charakter, als sie jede Menge Witz mitbringt, jedoch trotzdem intelligent und überlegt vorgeht. Sie lässt sich nicht lange täuschen und nimmt die Situationen, vorwiegend ihre spätere Gefangenschaft, nicht sonderlich ernst. Es scheint so, als ob sie mit ihren Peinigern spielen würde. Natürlich kann es sich dabei um Verdrängungsmechanismen handeln, aber die Schauspielerin transportiert es äußerst glaubhaft und lässt es cool, geradezu entspannt wirken. Woran man sich stören könnte, wäre die Unterhaltung zwischen ihr und Nantanja, der Anführerin der Gruppe. Tara denkt sich nämlich eine Geschichte aus und da Nantanja vom Fischen erzählt, nimmt sich unsere Protagonistin dies als Vorbild und behauptet, sie und Heath wären die letzten Monate auf einem Frachter unterwegs gewesen. Dies muss natürlich schnell auffliegen, sie hat ja keinen Plan vom Fischen und definiert auch das Schiff falsch. Da hätte sie sich ruhig etwas Besseres einfallen lassen können. Aber irgendwie erkennt man ihr an, dass sie ihnen gerne die Wahrheit erzählen will.

Dies tut sie später insofern, als sie den Vorfall an der Satellitenstation schildert. Die Gruppe von Nantanja wurde ebenfalls von Negan überfallen und jeder Mann und jeder Junge über einem Alter von 10 Jahren wurde von ihm getötet. Warum er das getan hat, bleibt unklar, allerdings trägt es eindeutig zur Legendenbildung rund um Negan bei. Ein Gedanke, der mir bei der Geschichte von Nantanja gekommen ist, war, dass die Männer in der Station ihre Männer waren und so quasi Ricks Gruppe für ihren Tod verantwortlich sind. Dies würde eine interessante Dynamik in die Serie bringen, vor allem wenn es um den späteren Krieg gegen Negan kommt. Wem werden sie helfen?

Die Frauen sind eine ziemlich hinterhältige Bande. Denn sie entscheiden sich scheinbar, Tara laufen zu lassen. Da sie und Cindy sich etwas näher gekommen sind und ich an dieser Stelle eine zukünftige Beziehung nicht ausschließen möchte, wird sie von der Aktion, Tara ein Stück zu begleiten, ausgeschlossen. Denn sie soll hinterrücks erschossen werden. Dank Cindy gelingt ihr die Flucht. Bedauernswert ist nur, dass Cindy sie nicht begleitet, denn durch den Verrat an ihrer Großmutter wird sie sicher keine schöne Zukunft dort haben.

Ein weiterer Höhepunkt der Folge ist Taras Rückkehr nach Alexandria. Sie findet eine schicke Sonnenbrille und sogar ein Wackelkopf-Geschenk für Denise. Die Szene, wie sie die Straße hochläuft, gut gelaunt und bereit, alles, was ihr in die Quere kommt, tapfer entgegenzutreten, ist sehr inspirierend – Tara in a nutshell. Doch Eugene begrüßt sie wortlos mit der schrecklichen Nachricht.

Die sechste Folge von The Walking Dead hat sicherlich die ein oder andere Schwäche. Allerdings macht Taras Geschichte nicht nur Spaß, sondern ist auch spannend erzählt. Vor allem ihre Erkundungstour durch das fremde Camp und ihre allgemein positive Grundeinstellung stecken an. Hoffentlich dauert es nicht zu lange, bis wir ihr wieder begegnen. Das nächste Mal sollte eigentlich wieder The Kingdom auf dem Plan stehen – wenn ich mich nicht wieder täusche. Interessant wird dann, wie das MidSeason-Finale ausfällt, denn so ein richtiger Konflikt oder ein Punkt, an dem man die Erzählung unterbrechen könnte, ist derzeit nicht in Sicht.