Seit ungefähr einem Jahr lese ich das Magazin Elska (elskamagazine.com). Es erscheint alle zwei Monate und jede Ausgabe hat eine andere Stadt als Thema. Gründer und Fotograf Liam Campbell reist dafür rund um die Welt und lichtet darin Männer der LGBTQ+ Community ab. Es ist ein tolles queeres Magazin, das vor ein paar Wochen die 50. Ausgabe feierte. Campbell hat dies zum Anlass genommen, einiges zu ändern, vorwiegend die Texte, die bisher darin abgedruckt wurden.
In den ersten 49 Ausgaben war es so, dass die abgelichteten Männer Texte schrieben. Campbell lieferte nur das Editorial. Im Begleitmagazin Elska Ekstra, das ebenfalls jeden zweiten Monat erscheint, hat er sich etwas mehr selbst verwirklicht. Die meisten Texte stammen jedoch auch dort von den Gast-Models. Das fand ich bisher ganz sympathisch, weil es einem das Leben der Einheimischen in den Städten näher brachte. Man erfuhr etwas über sie und die lokale LGBTQ+ Community. Es waren gewöhnliche Männer, die über ihr Leben schrieben. Manche Texte waren kürzer, andere länger.
Doch nicht alle schrieben gerne etwas, wie es Liam Campbell in einem kürzlichen Editorial schilderte. Und wenn manche die Texte nicht rechtzeitig lieferten, wurden sie im Magazin auch nicht dargestellt. Es war eine kleine Einstiegshürde, wenn man so will, um aufgenommen zu werden. Dies wollte er nun ändern. Egal, ob man jetzt einen Text schreibt oder nicht, die Hürde ist weg. Somit hat sich Elska zu einer Art queeren Reisemagazin verwandelt. Liam Campbell schreibt über seine Erfahrungen vor Ort, wie die Städte sind, welche Gespräche er mit den Männern hatte und so weiter. Diese Neuerung finde ich gelungen. Zuerst war ich skeptisch (Veränderung ist ja grundsätzlich schlecht). Ich mochte die intimeren Einblicke in das Leben anderer LGBTQ+ Männer, was sie bewegt. Es waren natürlich nur winzige Ausschnitte, die man betrachten konnte, aber interessant waren sie allemal.
Elska zu einem Reisemagazin zu machen, finde ich ebenso charmant. Man bekommt mehr von Liam Campbell mit. Immerhin ist man als Leser*in ebenso Gast in der Stadt, in die er reist. Jetzt lernt man sie durch seine Augen kennen. Es ist ein Blick von außen. Es ist anders, aber anders gut. Die Texte inspirieren mich selbst ebenfalls mehr über Ausflüge oder dergleichen zu berichten. Persönliche Sichtweisen vielleicht etwas deutlicher zu schildern. Oder einfach nur Neues auszuprobieren.
