XCU Rewatch | X-Men: Apocalypse

Erneut belehrt mich ein Film eines besseren. Ich weiß nicht, wann ich X-Men: Apocalypse das letzte Mal gesehen habe, aber es ist sicherlich schon einige Jahre her. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich ihn jemals im Heimkino sah oder nur zur Veröffentlichung im Kino. Jedenfalls war ich schon immer sehr begeistert von Apocalypse als Charakter. Damals, wie zum Teil auch heute, weiß ich allerdings sehr wenig über ihn. Es ist ein mysteriöser Antagonist, der nicht viel von sich Preis gibt. Alles, was ich über ihn weiß, stammt von der neueren Krakoa-Ära der X-Men. Darin ist Apocalypse sehr mystisch unterwegs, beschäftigt sich mit Magie und dergleichen. Er hat ein tiefes Verständnis und eine klare Vorstellung von dem, was er erreichen möchte. Es ist faszinierend, ihn zu beobachten.

Was ich damals wie heute schade finde, ist, dass sie Apocalypse im Film nicht größer gemacht haben. Er sollte so massiv sein wie Thanos. Vielleicht nicht ganz so groß, aber vergleichbar auf jeden Fall. Oscar Isaac macht einen guten Job, dennoch hätte ich mir gewünscht, ihn als vollkommenen CGI-Charakter zu sehen, mit Motion-Capture und allem, was dazu gehört. Diese Größe kommt in den Comics der Krakoa-Ära immer wunderbar zur Geltung und konterkariert die Darstellung der anderen Mutanten. Immerhin ist er einer der ersten Mutanten, übermächtig, unsterblich und kann seine Form beliebig ändern. Letzteres wird im Film zwar nicht wirklich umgesetzt, ist aber eine Fähigkeit, die er besitzt.

Mir gefällt an X-Men: Apocalypse weiterhin, wie international sich der Film anfühlt. Das waren die bisherigen Filme zwar auch, zu einem gewissen Grad, aber so sehr wie Apocalypse nicht. Wir starten im alten Ägypten beim Bau der Pyramiden. Es wird die alte Sprache gesprochen. Es geht nach Deutschland, wo ein passables Deutsch gesprochen wird. Angel und Nightcrawler bekämpfen sich, Raven greift ein. Wir sind in Polen und sehen zu, wie Erik Lehnsherr sich als einfacher Arbeiter versucht. Er hat eine Frau und eine Tochter. Wir sind in Amerika, beobachten Scott, wie er das erste Mal seine Furcht einflößenden Kräfte entdeckt und sich schließlich mit seinem Bruder zu Xavier bewegt. Gar nicht erst zu sprechen von der Szene, wo weltweit alle Atomwaffen gestartet werden und wir eine Vielfalt an Reaktionen beobachten. Das Finale spielt schließlich wieder in Ägypten und schließt den Kreis.

Die Zerstörungswut in dem Film ist sehr bezeichnend. Vor allem die Brutalität. Apocalypse schließt wiederholt Menschen in Sand und Beton ein, ohne sie dabei zu töten. Sie müssen mit ihren Qualen leben. Wie lange? Das weiß niemand. Er vernichtet Teile Kairos, um seine gewaltige Pyramide zu bauen. Erik, mit den verstärkten Kräften, die ihm Apocalypse gewährt, zerstört nicht nur Auschwitz, sondern große Teile der Welt. Die Szene in Auschwitz ist besonders bewegend und lebt von den schauspielerischen Fähigkeiten Michael Fassbenders. Die anderen vier Schauspieler tragen in dieser Szene nicht viel bei. Zwar liefert Apocalypse die Einleitung, doch später stehen sie alle nur ängstlich daneben. Fassbender ist eine Naturgewalt eines Schauspielers und wird hier beeindruckend in Szene gesetzt.

Auch sein Sohn kommt wieder vor. Dieses Mal mit etwas mehr Screentime. Quicksilver kommt gerade rechtzeitig im Haus von Xavier an, um sämtliche Schüler*innen und andere Gäste vor einer schrecklichen Explosion zu retten. Wieder einmal ist diese Slow-Motion-Szene gekonnt umgesetzt und steht dem Vorgänger um nichts nach. Zum Glück darf Quicksilver dieses Mal etwas länger bleiben, nur seinem Vater gesteht er seine wahre Identität nicht. Aber das ist ja auch ein schwieriges Gespräch. Vor allem, wenn besagter Vater gerade im Begriff ist, die Welt zu zerstören.

Apropos: Zwar stand Erik während dieser Zeit im Einfluss von Apocalypse, aber er handelte aus freien Stücken. Ihn erneut ins Gefängnis zu stecken, wäre vielleicht innerhalb der Filmreihe zu repetitiv, aber dass es gar keine Konsequenzen hat, ist schon erstaunlich. Helfen sie wenigstens beim Wiederaufbau? Wir sehen zwar nur, wie sie die Schule wieder errichten, aber mehr auch nicht. In meinem Kopf ist es so, dass sie weltweit helfen. Dann kommen alle etwas besser davon.

Wir lernen in Apocalypse einige neue Charaktere kennen, genauer gesagt werden sie zum ersten Mal in diese Crew der X-Men eingeführt. Nightcrawler ist wunderbar gecastet (Kodi Smit-McPhee) und sieht fantastisch aus. Ororo (Alexandra Shipp) bekommt leider wenig zu tun in dem Film, aber besticht durch ihr wohl coolstes Design aus den Comics. Jubilee (Lana Condor), Psylocke (Olivia Munn), Angel (Ben Hardy), Scott (Tye Sheridan) und natürlich Jean (Sophie Turner) feiern starke Auftritte. Besonders Jean darf dieses Mal ihre Phoenix-Identität in voller Pracht zeigen. Moira, Alex Summers und Hank kehren zurück. Es ist schön zu sehen, dass Hank eine Art rechte Hand von Xavier ist und dabei hilft, neue Rekruten/Schüler aufzunehmen.

X-Men: Apocalypse hat mich positiv überrascht. Es ist ein sehenswerter Film, der einige neue Charaktere zu bieten hat. Der Bösewicht ist zwar etwas unterkomplex, vor allem wenn man sich dessen Entwicklung in den Comics ansieht, aber es passiert ansonsten sehr viel. Die Ereignisse überschlagen sich schon fast. Doch die vielen Ortswechsel sind weder verwirrend noch zu schnell. Ein toller dritter Teil für die jüngere Generation der X-Men.