Es gibt selten perfekte Enden in Filmen. Vor allem, wenn es Filmreihen betrifft. Noch weniger, wenn es spezielle Charaktere betrifft. Wobei es ziemlich einzigartig sein dürfte, was Hugh Jackman über 17 Jahre geleistet hat. Natürlich fällt einem Robert Downey Jr. ein und seine legendäre Rolle als Iron Man, die das MCU über Jahre geprägt hat. Doch lange vor dem MCU gab es die X-Men-Filme. Und darin hat sich Hugh Jackman als der einzig wahre Wolverine etabliert. Logan ist der Epilog seiner Geschichte.
Ich weiß gar nicht, wo ich mit Logan anfangen soll. Talentiertere Autor*innen haben sich über die Jahre über diesen Film ausgelassen. Im positivsten Sinne. Es ist ein Meilenstein von Superheldenfilmen. Er beweist, dass es auch anders geht. Neun Jahre nach The Dark Knight zeigt uns Logan erneut, dass man Superheldenfilme ernst nehmen kann und muss. Nur weil Superhelden darin vorkommen oder die Vorlage aus Comics stammt, heißt es nicht, dass man keine guten, tiefgreifenden, emotionalen Geschichten damit erzählen kann.
Natürlich kann ich als Fan der Reihe und Vorlage nicht sagen, wie gut Logan für sich funktioniert. Doch ich denke, er ist auch unabhängig von all den anderen Filmen eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Der Film erzählt im Grunde eine Vater-Tochter-Beziehung. Beide Seiten wussten lange Zeit nichts voneinander und müssen von einem Tag auf den anderen miteinander klarkommen. Die Tochter spricht nicht, vertraut niemandem und weiß, sich in der Welt nicht zurechtzufinden, weil sie in einem Labor gezüchtet und jahrelang trainiert und gefoltert wurde. Der Vater ist ein Mann, der zu viele Leben gelebt hat und dessen Vergangenheit ihn buchstäblich vergiftet. Ihn langsam dahin rafft.
Sie beide umgibt eine Welt, die sie nicht haben möchte. Mutanten sind ein Ding der Vergangenheit, dessen Überreste ausgerottet und verfolgt werden. Mit ihnen experimentiert man. Niemand interessiert sich für sie und wenn, dann ruft man die Behörden. Sie werden sich schon darum kümmern. Oder Schattenorganisationen schreiten ein. Hauptsache, sie sind weg. Es ist eine dunkle, dystopische Zeit, die sich trostloser anfühlt, als all die Szenen einer düsteren Zukunft, die wir in Days of Future Past gesehen haben. Jeder Lichtblick wird ausgelöscht, jeder Akt der Hilfe bestraft. Und doch gibt es auch Licht.
Dieses Licht ist das Band, das Vater und Tochter verbindet. Sie kämpfen nicht für die Welt. Sie bekämpfen nicht den Bösewicht, weil es das Richtige ist. Ihr Kampf ist ums Überleben. Zuerst beide für sich, doch mit der Zeit nähern sie sich an, vertrauen einander. Die finale Kampfsequenz im Wald ist nicht nur ein gnadenlos gut choreographiertes Gemetzel, es zeigt, wie sich Logan und Laura blind, geradezu instinktiv verstehen. Laura war zuvor still, sprach kein Wort, doch beobachtete sie ihre Umgebung genau. Probiert sich aus und lernt die Welt und die Wesen darin immer besser kennen. Sie lernt, Logan zu vertrauen, wie es Charles getan hat. Merkt ihm seine Vergangenheit an. Weil sie eine ähnliche hinter sich hat.
Logan ist sicher keine leichte Kost. Doch für einen Charakter wie Logan aka Wolverine ist es der perfekte Abschluss. Es ist ein Ende, das dem Charakter würdig ist. Deadpool hat zuvor gezeigt, dass R-Rated Superheldenfilme möglich und erfolgreich sein können. Diesen wunderbaren Abschluss haben wir also in gewisser Weise dem »Merc with a mouth« zu verdanken. Hugh Jackman verkörpert hier ein letztes Mal den Charakter, wie kein Zweiter es je tun wird. Jeder Schrei, jede Geste, all der Schmerz und Pein seiner Vergangenheit stehen ihm ins Gesicht und auf den Körper geschrieben. Jede Bewegung ist eine Qual. Und doch kämpft er weiter. Weil er etwas hat, wofür es sich zu kämpfen, zu sterben lohnt.