Ich glaube, der dritte Teil von Guardians of the Galaxy ist mein liebster Marvel-Film seit Endgame. Ich zähle ihn allgemein zu einem der besten »Superheldenfilme«, wenn man diesen überhaupt so bezeichnen kann. Er schafft das Unmögliche und schließt eine Trilogie perfekt ab. Und das mit einer Geschichte, die mich emotional mehr mitgerissen hat als alle anderen einunddreißig Filme. Es ist ein »emotional rollercoaster«, wie man im Englischen so schön sagt. Außerdem hat er über 100 Millionen Dollar weniger gekostet als Quantumania, sieht aber um Welten besser aus und das bei einer längeren Laufzeit. Er zeigt, was mit einer klaren Vision alles möglich ist.
Das Einzige, wo ich mir nicht ganz sicher bin, ist, ob Volume 3 ohne Kontext funktioniert. Doch wer schaut sich schon einen dritten Teil einer Filmreihe an, ohne die anderen beiden gesehen zu haben? Und das ist das Schöne an den Guardians-Filmen. Sie zeigen, dass es sehr wohl möglich ist, innerhalb eines größeren Ganzen eine abgeschlossene, kohärente Geschichte zu erzählen. Die Trilogie kann sowohl für sich stehen, trägt aber auch die Saga des MCU weiter. Man lernt die Charaktere immer besser kennen. Wir wissen, wie sie zueinander stehen. Jetzt, im dritten Teil, kann man dieses Vorwissen voll ausnutzen.
Es ergibt Sinn, dass der dritte Teil sich um Rockets Ursprung dreht. Zwei Filme lang wurde es angedeutet und gelegentlich darauf verwiesen. Doch Rocket hat nie darüber geredet. Nun sehen wir die schonungslose Wahrheit dessen, was passiert ist. Erneut gelingt es James Gunn, dass mir CGI-Charaktere ans Herz wachsen, ich um sie trauere, mit ihnen mitfiebere. Ein gutes Drehbuch und gut geschriebene Dialoge, gepaart mit fantastischen Effekten, können so etwas erreichen. Nicht zu vergessen die begnadeten Sprecher dieser Charaktere. Allen voran natürlich Bradley Cooper.
Gunn schreckt nicht davor zurück, die brutalen Operationen anzudeuten, die Rocket widerfahren sind. Man sieht es nie konkret, doch hört man es sehr wohl. Man sitzt genauso schockiert da wie die Guardians, die sich die Bilder ansehen. Dadurch, dass man es lediglich hört, aber nicht sieht, stellt man es sich wahrscheinlich sehr viel schlimmer vor. Eine sehr wirkungsvolle Methode, hier perfekt eingesetzt. Doch auch die Kameraden von Rocket, die anderen Experimente des High Evolutionary, zeigen, wozu dieser Bösewicht alles fähig ist. Chukwudi Iwuji verkörpert diesen Wahnsinn mit einer herrlichen Inbrunst. Es ist großartig, wie erschreckend.
Aber da es wahrscheinlich der letzte Guardians-Film ist, den James Gunn gemacht haben wird, hat jeder Charakter mindestens einen Moment im Rampenlicht. Sei es Drax (Dave Bautista), der seine sanfte Seite zeigen darf. Mantis (Pom Klementieff), die zeigt, dass sie mehr kann, als man ihr zutrauen würde. Nebula (Karen Gillan) macht sowieso immer Freude, sie in ihrer Entwicklung zu beobachten. Peter (Chris Pratt) erholt sich langsam davon, Gamora (Zoe Saldaña) verloren zu haben, die sich hier durchaus für die Guardians erwärmen kann und sieht, wofür sie einstehen. Groot (Vin Diesel) hat natürlich ebenfalls fantastische Momente und zeigt uns erneut neue Fähigkeiten und Tricks. Neu mit dabei ist Will Poulter als Adam Warlock, der leider etwas wenig zu tun bekommt, aber vielleicht in Zukunft einmal einen größeren Auftritt hat. Natürlich kommen alte Bekannte ebenso vor.
Es war das zweite Mal, dass ich Volume 3 gesehen habe. Er hat mich allerdings erneut mit seiner genialen Story mitgerissen. Erneut bin ich erstaunt, wie James Gunn es scheinbar mühelos schafft, keinen Charakter zu vernachlässigen, eine kohärente Geschichte erzählt und dabei auch noch seine Trilogie perfekt abschließt. So etwas bekommt man selten zu sehen. Manchmal werden andere Regisseur*innen eingesetzt oder es sind zu viele Autor*innen beteiligt. Das merkt man. Guardians of the Galaxy: Volume 3 ist erfrischend anders. Die Action kommt nicht zu kurz, die Geschichte wird mit viel Gefühl erzählt. Der Film zeigt, was Superheldenfilme leisten können.