Beschämend

Wenn sich ein Wort dieses Jahr bereits als Kandidat für das Unwort des Jahres hervortut, dann ist es wohl »Budget«. Kaum hatten wir den ESC 2025 gewonnen, durfte man sich keine fünf Minuten darüber freuen, schon wurde diskutiert, dass wir uns das nicht leisten können. Es ist kein Budget da. Wer soll das alles finanzieren? Dass damit Prestige verbunden ist und man auf lange Sicht wahrscheinlich mehr Geld macht, hört man kaum. Man kann sich dort so präsentieren, wie man es möchte. Vielleicht kann man auch verschiedene Städte einbinden. Wer weiß, welche kreativen Lösungen es gibt? Ich bin jedenfalls gespannt.

Das ist allerdings nur die Spitze eines sehr viel größeren und komplexeren Eisbergs. Egal, wer die Regierung hätte stellen dürfen, gespart hätte so oder so werden müssen. Daran führt kein Weg vorbei. Ich bin jeden Tag dankbar und müsste eigentlich zur Religion zurückgefunden haben und Gott danken, dass es nicht die FPÖ mit einem gewissen Herrn K. an der Spitze ist. Wobei ich gerne gesehen hätte, wie er eine Eröffnungsrede oder dergleichen beim ESC 2026 vor tausenden LGBTQIA+-Personen inmitten unzähliger Regenbögen hält. Wie dem auch sei. Mittlerweile wird nicht mehr nur um das Budget diskutiert und welche Finanzierungen gestrichen werden. Das Thema wird als Ausrede benutzt.

So geschehen, als diese Woche der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu Besuch war. Natürlich hat sich die FPÖ durch ihre typischen engstirnigen Kommentare hervorgetan. Ich frage mich immer, wie man als Politiker, gar als Mensch so weit sinken kann, dass man sich von einer russischen Regierung eintrichtern lässt, was ich von einem Thema zu halten habe. Wie tief muss man sinken, dass ich nicht mehr die Realität als Fakt annehmen kann? Alleine schon, wie das Wort »Kriegspartei« verwendet wird, um Täter-Opfer-Umkehr zu betreiben. Als wäre die Ukraine schuld daran, dass sie von Russland angegriffen wird.

Es ist immer wieder unfassbar, zu welchen Aussagen Menschen, die eigentlich Vorbild sein sollen, fähig sind. Menschen, die sämtliche Vernunft, Ethik und Moral irgendwo auf ihrem Lebensweg abgelegt haben und nicht einmal den Anstand haben, sich dafür in Grund und Boden zu schämen. Die den Leuten eine Weltanschauung vorbeten, die weit entfernt ist, Realität zu sein; die einfache Lösungen anbieten, die es nicht gibt. Die Welt ist nun einmal kompliziert und erfordert entsprechende, nuancierte Lösungen. Deshalb wähle ich doch Politiker. Damit sie sich über diese Lösungen an meiner Stelle Gedanken machen.

Doch am beschämendsten sind die Aussagen der FPÖ-Mandatarin im Nationalrat vom 15. Juni. Ich habe unten den entsprechenden Artikel auf orf.at verlinkt. Ich weiß ehrlich nicht, was man mit solchen Menschen machen soll. Würde hier ein Besuch im KZ Mauthausen ausreichen? Müsste man sie in die Ukraine oder in den Nahen Osten schicken, damit sie sehen, wie es den Menschen dort wirklich geht und was ihre Aussagen bedeuten? Dass sich diese Kreaturen für ihr Verhalten nicht schämen, sich wieder hinsetzen und tausendmal um Verzeihung bitten, ist mir völlig unklar.

Ich war mit Freund J. letzte Woche in Mauthausen. Wir waren zwar beide jeweils noch in der Schulzeit dort, doch wollten wir das Konzentrationslager als Erwachsene besuchen. Mit entsprechend mehr Wissen, Erfahrung und Kontext auf uns wirken lassen. Wir dachten, es würde drei bis vier Stunden dauern. Insgesamt waren wir über sechs Stunden dort. Wir haben fast alle Beschilderungen gelesen, den Audio-Guide angehört, die Orte auf uns wirken lassen und uns wirklich mit dem Ort und seiner Geschichte auseinandergesetzt. Das braucht Zeit und ich bin froh, dass wir sie uns genommen haben. Es war nicht immer leicht und wird mir sicherlich ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Doch es war wichtig. Mir war es wichtig. Das heißt es nämlich, niemals zu vergessen. Sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, auch wenn es unangenehm ist und weh tut.

Mit diesen Eindrücken frisch im Gedächtnis den verlinkten Artikel zu lesen, rückt das alles einmal mehr in ein neues Licht. Wie kann man nur solche Aussagen tätigen, wie es die Kreaturen der FPÖ tun? Wie kann man das vor sich selbst rechtfertigen? Und warum schämt ihr euch dafür nicht?