Immer, alles

Es dürfte wohl kein Geheimnis sein, dass ich gerne schreibe. Und das in allen möglichen Formen und Varianten. Auch wenn das kreative Schreiben gerade etwas pausiert. Allerdings macht es mir stets Freude, Text auf digitales oder analoges Papier zu bringen. Den Blog nutze ich gerne als Ventil, um über alle möglichen Themen zu schreiben, die mir im Kopf herumgeistern. Mich über alles Mögliche äußern zu können, ohne ein Limit, wie lang etwas sein muss oder darf. Und die Herausforderung, täglich etwas zu veröffentlichen, trainiert ebenfalls die kreativen Muskeln.

Was ich allerdings ebenfalls sehr schätze, ist das analoge festhalten von Gedanken. Man kann es Tagebuch oder Journal nennen. Grundsätzlich geht es für mich darum, einen Überblick zu behalten, was so in einer Woche, einem Monat, einem Jahr passiert. Das Leben hat manchmal die Tendenz, zu schnell an einem vorüberzuziehen, ohne dass man es so richtig begreift. Ein Jahr ist vorbei und man weiß gar nicht mehr so genau, was man eigentlich getan hat. Deshalb begrüße ich alles, was mein Gefühl für Zeit verlangsamt. Für dieses Festhalten von Vergangenem, aber auch für das Planen dessen, was noch kommen mag, gibt es verschiedene Techniken. Ich habe viele davon getestet. Doch manche sind hängengeblieben.

»Bullet Journal« ist eine dieser Techniken. Es ist eine einfache, unkomplizierte und schnelle Methode, um einen Überblick über Aufgaben zu behalten und das festzuhalten, was einem wichtig ist. Ich verwende dafür gerne ein A6 Notizbuch, weil ich das überallhin mitnehmen kann. Der Kern von Bullet Journal sind unterschiedliche Symbole. Punkte, Bindestriche, =-Zeichen und so weiter haben alle eine dedizierte Bedeutung. So ist es einfach schnell etwas zu finden und die verschiedenen Dinge, die täglich passieren oder getan werden, festzuhalten, zu finden und zu unterscheiden. Ich kann nur wärmsten empfehlen, sich damit zu beschäftigen. Ryder Caroll, Erfinder der Bullet-Journal-Methode, hat einen informativen YouTube-Kanal und eine tolle Webseite, wo er die Grundlagen verständlich erklärt.

Ergänzend dazu habe ich ein A5-Notizbuch, um in Langform über Dinge nachzudenken. Manchmal reicht es nicht, nur kurz die Dinge aufzulisten. Man muss sie für sich ausformulieren. Mal mache ich das täglich, mal ein paar Wochen gar nicht. Je nachdem, wie es mir gerade geht und ob ich Lust dazu habe. Ich mag jedoch das Entschleunigende dahinter, per Hand nachzudenken. Es zwingt das Gehirn abzubremsen, innezuhalten und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und seit Kurzem habe ich wieder mit »Homework for Life« angefangen. Es ist eine Methode von Matthew Dicks, zu der es einen wunderbaren Ted-Talk gibt. Man benötigt nicht mehr als eine Tabelle am Computer. Jeder Tag bekommt eine Zeile. In dieser trägt man das Wichtigste des Tages ein. Die Frage dahinter lautet: Wenn ich jemandem 5 Minuten über meinen Tag erzählen müsste, was wäre das? Nur eines. Nur ja, mit etwas Übung findet man jeden Tag etwas. Das ist mittlerweile Teil meiner täglichen Bullet-Journal-Praxis. Kurz das MacBook aufgeklappt, etwas in die Tabelle eingetragen und fertig. Es dauert nur wenige Minuten, ist aber so wertvoll. Am Ende des Jahres habe ich eine Liste mit 365 Momenten, die mir wichtig waren. Man kann sie jederzeit durchschauen und sich erinnern. Man vergisst so schnell, da ist solch eine Liste Gold wert.

Die Gefahr ist nur, wenn man mehrere Systeme bedient, dass das Gefühl aufkommt, immer alles bedienen zu müssen. Aber das ist nicht der Fall. Jedes dieser drei Methoden erfüllt seinen ganz eigenen Zweck. Bullet Journal und Homework for Life reichen vollkommen aus für das alltägliche, schnelle Festhalten und Aufschreiben. Alles andere ist eine nette Ergänzung, die ich mache, wenn ich Lust habe, es brauche, oder über etwas genauer, tiefgreifender nachdenken möchte. Oder ich schreibe einen Blog-Eintrag darüber. Beispielsweise um mir klar darüber zu werden, wie ich wann verschiedene Techniken verwenden kann. Nur um ein hypothetisches Beispiel zu nennen. Diese Systeme und Techniken sollen immerhin mir dienen und helfen, nicht umgekehrt.

Joshua Hoehne | Unsplash