Naive Nostalgie

Manche, scheinbar einfache Handlungen können oft tolle Nebeneffekte nach sich ziehen. In der Film- und Bücherbranche feiert man gerne Trilogien. Also betrachte ich diesen Text ebenfalls als den dritten Teil einer Reise, die in den vergangenen Tagen stattgefunden hat. Wie nachhaltig das ist, wird die Zukunft zeigen, aber die Vorzeichen und die Richtung gefallen mir schon sehr gut. Den Auftakt (der erste Teil, also) machte die Reaktivierung meines Steam Decks, welches seit über fünf Monaten im Regal lag (Déjà-Deck). Damit folgte ein erneutes Aufkeimen meiner Freude an Indie-Spielen (Indie-Perlen). Sowohl für die Playstation als auch für das Steam Deck. Nun folgt also der dritte Teil.

Das Spielen von neuen Spielen, welche ich noch nicht kannte. Das Entdecken von tollen, faszinierenden Welten. Die Neugier und Freude am Unbekannten. Ein Spiel aufgrund des coolen Covers aussuchen und sich überraschen lassen. Manchmal kann es so einfach sein. In den vergangenen Monaten habe ich zu oft auf bekannten Pfaden verweilt, zumindest im Entertainment (Stichwort »Elden Ring« [oder auch »Lies of P«]). Ich habe auf bekannte Serien zurückgegriffen oder Spiele gezockt, die ich mehr oder weniger auswendig kannte. Das ist auf Dauer nicht gut. Ich brauche Abwechslung.

Deshalb bin ich nun dazu übergegangen, Zeug zu verkaufen, das ich eigentlich nicht mehr benötige. Außerdem war die PS5 Pro teuer genug. Zwar bin ich schon die Standard-PS5 losgeworden, aber da geht noch mehr. Man findet doch immer Bücher, Blu-rays oder andere Dinge, die im Regal vor sich hin vegetieren. Filme, die man zu oft gesehen hat. Oder Serien, die man eigentlich rewatchen möchte, aber die doch nicht dieselbe Magie haben wie vor 10 oder 20 Jahren. Es ist besser, gewisse Sachen in Erinnerung zu behalten. Nostalgie ist schön, ich rede gerne über Spiele, Filme, Bücher, Erlebnisse, Spielsachen, Sammelkarten und so weiter, die mich in der Kindheit begeistert und beeindruckt haben. Es sind tolle Erinnerungen. Doch irgendwann muss man einen Strich darunter machen.

Ich habe zwar in den anderen Texten von Emulatoren am Steam-Deck geschrieben, doch gehören diese nicht unbedingt zu Nostalgie, wenn ich diese noch nie gespielt habe. Stattdessen steckt eine spielejournalistische Neugier, eine technische Abenteuerlust dahinter. Ein Interesse am Medium »Games« an sich. Wo haben manche Reihen ihren Anfang genommen? Oder: Wie wirken Spiele wie »Medal of Honor« heute auf mich, wenn man mehr Wissen und Kontext zum Setting hat? Oder auch einfach nur die Frage: Macht mir das Spaß? Ein Ausprobieren und Testen. Nostalgie ist ein schmaler Grat.

Unternehmen machen es nicht immer leicht, dem nostalgischen Kapitalismus zu widerstehen. Als Beispiel sei nur »Magic: The Gathering« erwähnt. Diese bringen mittlerweile mehrmals im Jahr spezielle Editionen heraus. Kooperationen mit anderen IPs. Von Marvel, Final Fantasy, Herr der Ringe und noch viel, viel mehr. Oder die ganzen Remakes und Fortsetzungen, die Hollywood produziert. Dazu kommt ein unfassbares Marketing rund um Produkte, die damit in Verbindung gebracht werden wollen. Nostalgische Neugier ist gut, aber zu viel sollte es auch nicht sein.

Deshalb habe ich gerade viel Freude daran, mich von Bekanntem zu trennen und dafür mehr Neues zu entdecken. Es ist wunderbar.

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