Mein E-Reader, ein handlicher Boox Palma 2, hat das Format eines Smartphones. Nur eben mit einem E‑Ink-Display. Das macht es leicht, ihn überallhin mitzunehmen oder einfach in die Hosentasche zu stecken. Auch wenn ich weder bei Instagram noch bei Ex-Twitter oder einem anderen sozialen Netzwerk angemeldet bin, ist die Versuchung des Smartphones groß. Sei es, kurz mal eben etwas zu googeln, auf YouTube herumzusuchen und Shorts anzuschauen oder zu kontrollieren, ob nicht doch ein Newsletter eingetrudelt ist, den man nicht lesen möchte. Alles Ablenkungen und kurzfristige Stimulationen für das Gehirn.
In den vergangenen Wochen bin ich nun dazu übergegangen, meine Taktik etwas zu wechseln. Wenn ich mit dem Zug in die Arbeit fahre, habe ich einen Rucksack dabei. Für Ausflüge nach Salzburg eine kleine Umhängetasche. Normalerweise werfe ich den E-Reader in diese Taschen hinein und habe das iPhone in der Hosentasche. Das ist insofern praktisch, als meine go-to-Unterhaltung, wenn ich unterwegs bin, Podcasts sind. Aber ich will mehr lesen und nicht ständig das iPhone in der Hand haben und auf den Bildschirm starren. Nun werfe ich also das iPhone in den Rucksack und habe den E-Reader in der Hosentasche. Eine kleine Änderung mit großer Wirkung.
Der Zugang zum iPhone ist so etwas umständlicher. Ich nehme stattdessen den E-Reader raus, wenn ich irgendwo warten muss oder ein paar Minütchen Zeit habe, und lese ein paar Seiten eines Buches oder einen Artikel, den ich mir auf Instapaper gespeichert habe. Ein E-Ink-Display ist eben etwas anderes als die OLED-Screens von Smartphones und Co. Manchmal liest man dadurch natürlich Seiten oder Absätze doppelt, wenn man sich nicht mehr genau erinnert, was zuletzt passiert ist, aber das verstärkt nur das Gelesene und somit das Erlebnis der Geschichte.
Lesen ist nichts, wofür man sich speziell Zeit nehmen oder ein elaboriertes Ritual daraus machen muss. Man kann natürlich beispielsweise abends eines daraus machen. Um runterzukommen und zu entspannen. Aber ansonsten kann man quasi immer und überall lesen. eReader machen das äußerst einfach. Aber selbst Taschenbücher lassen sich leicht mitnehmen. Wobei ich das noch genauer testen muss. In den vergangenen Monaten habe ich durch die äußerst einfache und komfortable Handhabung des Boox Palma 2 nur E-Books gelesen.
Mit der Zeit lernt man, schneller und intensiver in die Welten einzutauchen. Durch weniger Ablenkungen von Google, Social Media und anderen tollen Dingen, die das Internet einem bietet, denkt man länger über das Gelesene nach. Es kann nachwirken. Ich mag das. Natürlich haben die Tools des Internets ihren Platz, aber zwischendurch und nur als Ablenkung, weil man zwei Minuten Zeit hat, ist vielleicht nicht der richtige. Stattdessen lieber ein paar Seiten lesen. »Dungeon Crawler Carl« von Matt Dinniman zum Beispiel. Großartige Fantasyliteratur wie diese Reihe macht es umso leichter, das iPhone liegenzulassen und stattdessen weiter die Welt von Carl und Donut zu erkunden.