Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen alten Text von mir an. Der folgende stammt vom 13. Januar 2015 und wurde damals auf meinem Blog »geek-planet« veröffentlicht. Diesen gibt es allerdings nicht mehr. Deshalb veröffentliche ich die alten Texte nach und nach auch hier. Damit sie auffindbar sind. Und wir gemeinsam eine kleine Zeitreise machen können.
Ich habe noch sehr gute Erinnerungen an Pax Americana und eigentlich die gesamte Multiversity-Reihe. Sie war pur »Grant Morrison« und hat mit vielen philosophischen und metaphysischen Aspekten gespielt. Schade ist nur, dass ich in der Rezension von damals zu sehr darauf herumreite, wie kompliziert und überfordernd der Comic ist. Natürlich ist die Geschichte komplex und wird nicht linear erzählt. Das ist aber auch das Reizvolle an einem Grant-Morrison-Comic. Man muss sich hineindenken. Aber man kann Morrison als Autor auch vertrauen, dass es am Ende doch alles Sinn ergibt. Er wirft nicht nur Dinge an die Wand und hofft, dass etwas kleben bleibt. Seine Konzepte sind (meistens) durchdacht und belohnen die Leser*innen mit etwas Einzigartigem. Ich sollte wirklich mal wieder etwas von Grant Morrison lesen.
Multiversity gehört für mich zu einer der schwierigsten Comicserien, die DC Comics herausbringt. Die erste Ausgabe fand ich noch spannend, gut erzählt und eine interessante Herangehensweise an die Erläuterung des Multiversums. Die zweite Ausgabe hat mich dann schon verwirrt zurückgelassen. Und dann kam Pax Americana.
“The characters remain unaware of my scrutiny, but their thoughts are transparent, weightless in little clouds. This is how a 2-dimensional continuum looks to you. Imagine how your 3-D world appears to me.” – Captain Atom
Als Autor der Serie ist Grant Morrison verantwortlich und Frank Quitely kümmert sich um die Zeichnungen. Nathan Fairbain hat das hervorragende Cover gestaltet.
Selten hat mich ein Comic so verwirrt und unbefriedigt zurückgelassen wie Pax Americana. Am Anfang dachte ich noch, wie cool und selten die Technik ist, mit der Grant Morrison die Geschichte erzählt, aber je weiter diese voranschreitet, desto weniger hatte ich eine Ahnung, was eigentlich genau vor sich geht und wer wie mit wem im Zusammenhang steht. Sehen wir uns die einzelnen Punkte mal genauer an.
Als Erstes hätten wir den eigenartigen Erzählstil und dies ist bei weitem nicht negativ gemeint. Alles beginnt mit der Ermordung des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Diese Sequenz spielt sich rückwärts ab und ohne Sprechblase oder Erzähler. Dies hätte der Intensität der Szene wohl auch geschadet. Allein dieser Auftakt ist schon gewaltig und macht Lust auf mehr von der Geschichte. Diese ist im Übrigen nicht linear erzählt, sondern man muss sich selbst zusammenreimen, wann was stattfindet, und teilweise ist dies schwer einzuordnen. Pax Americana ist aber ohnedies ein Heft, welches man öfters lesen muss, um es gänzlich zu verstehen und alle Anspielungen und Handlungen nachvollziehen zu können.
Das Zweite, was auffällig ist, sind die grandiosen Zeichnungen von Frank Quitely. Er setzt die Geschichte Morrisons gekonnt in Szene und verleiht den einzelnen Sequenzen eine Dynamik, die man nur selten zu Gesicht bekommt. Die grafische Umsetzung zählt für mich zu den Highlights des Comics.
Dann sind da natürlich noch die Parallelen zu »Watchmen«, an denen es wirklich nicht fehlt. Für mich macht es den Anschein, als hätte die gesamte Geschichte auf mehrere Hefte aufgeteilt werden müssen, um ihre gesamte Stärke ausspielen zu können, denn durch die dichtgepackte Story, die Erzählweise und die Anzahl der handelnden Personen wird so manche Leser*in überfordert sein.
Der Comic ist weit davon entfernt, schlecht zu sein. Er ist gut gemacht und man muss ihn wirklich des Öfteren lesen, um alle Aspekte verstanden und aufgenommen zu haben. Ich werde ihn jedenfalls auf dem iPad behalten und ab und zu mal wieder reinschauen. Vielleicht geht mir ja irgendwann das Licht auf und ich kann ihn wie Bobby vom Talking-Comics-Podcast als den besten 2014 bezeichnen.