Produktivität und Spiele

Ich liebe Videospiele. Aller Art. Seien es Metroidvanias, Soulslikes, Action Games oder Cozy-Videospiele, kurzweilige Abenteuer oder ausufernde Erkundungen fremder Welten – es ist ein großartiges, abwechslungsreiches Medium, in das ich immer wieder gerne eintauche. Und mit der PS5 Pro und dem Steam Deck stehen mir sehr viele davon zur Verfügung. Entsprechend groß sind meine Spielebibliotheken. Es warten viele Spiele darauf, erlebt zu werden. Irgendwann komme ich auch dazu und werde jedes davon testen. Aber das braucht eben seine Zeit.

Immer mal wieder begegnen mir Videos oder Artikel, die versprechen, die Produktivität beim Lesen oder Spielen zu erhöhen. Hier lese ich x Bücher mehr pro Monat und dort schaffe ich es, Spiele richtig zu spielen. Aber das sind alles Hobbys. Seien es Bücher, Videospiele, das Bemalen von Warhammer-Figuren oder was auch immer. Hobbys zu haben, ist ein ungemeiner Luxus. Man braucht nicht nur die Zeit, um sich damit zu beschäftigen, sondern auch das Geld, um sich die Dinge leisten zu können. Sie dienen natürlich der Zerstreuung und zum Zeitvertreib, aber im Fall von Videospielen erzählen sie bewegende Geschichten, die zum Nachdenken anregen. Produktivität hat hier meiner Meinung nach nichts verloren.

Wieso sollte ich x Bücher im Monat lesen, wenn ich mich anschließend an kaum etwas davon erinnern kann? Wieso sollte ich x Figuren im Monat bemalen wollen, wenn dann alle aussehen, als hätte ich einfach nur ein paar Farben darüber ausgekippt? Wieso sollte ich mir die besten Strategien aus Videospielen ansehen, bevor ich es überhaupt gekauft, geschweige denn installiert habe? Das Spannende an Spielen und den Welten, in denen sie stattfinden – seien sie auf realen Orten basierend oder komplett fiktional – ist doch das Entdecken. Die Abenteuer sind das Ziel. Ich will mir Zeit lassen und nicht durchhetzen.

Vor einiger Zeit habe ich ein tolles Video zum Thema gesehen. Es hatte den Titel »Walking in video games« oder so ähnlich. Der Creator sprach darin über seine Herangehensweise an Videospiele. Er rennt mit den Charakteren nicht durch die Welt, sondern geht. So, wie man sich tatsächlich durch die Welt bewegt. Niemand rennt einfach so durch die Gegend, springt und hüpft über Hindernisse oder schubst Leute aus dem Weg. Das nehme ich mir seitdem immer wieder zu Herzen. Ich überlege mir: Wie würde sich der Charakter in dieser Situation wirklich bewegen? Natürlich renne oder jogge ich mit den Charakteren gelegentlich, aber genauso oft nehme ich mich zurück und gehe es gemächlich an. Das ändert das Erlebnis von Videospielen ungemein.

Anfang des Monats erschien der lang erwartete Nachfolger von »Ghost of Tsushima«: Ghost of Yōtei. Ich habe es mir nicht verkneifen können, es vorzubestellen. Ich schreibe diesen Text kurz nach Erscheinen des Spiels und habe erst ein paar Stunden darin verbracht. Aber die Inszenierung, die tollen Dialoge (ich spiele es selbstverständlich in japanischer Originalsynchronisation mit Untertiteln), die Rituale und Charaktere lassen keine Wünsche offen. Ich spiele immer nur Sessions von maximal 2 Stunden und lasse mir bewusst Zeit. Ich will dieses Spiel und die Geschichte der Protagonistin Atsu auskosten. Dazu gehört auch, mal entspannt die Wege entlangzugehen oder zu reiten.

Das Spiel hat durchaus seine actionreichen Momente und davon nicht zu knapp. Genauso kommen aber ruhige, meditative Momente vor, die dazu einladen, sich Zeit zu lassen. Es ist fantastisch. Produktivität und Leistung haben wir oft genug in unserem Leben. Das brauche ich nicht auch noch in meiner Freizeit. Besonders bei teuren Videospielen. Ich möchte diese in meinem Tempo erleben und genießen.

Screenshot aus »Ghost of Yōtei« (PS5 Pro)