Eine kleine Unachtsamkeit und schon setzt man sich nicht mit künstlicher Intelligenz auseinander, sondern mit dem Sinn des Lebens. Dank Freund J. und meinem Kindle-Unlimited-Abo lese ich gerade »Wozu das alles?« von Christian Uhle. Man muss mit einem Buch nicht immer einer Meinung sein, um es spannend zu finden. Manchmal reichen schon ein paar Denkansätze oder interessante Ideen aus. So geht es mir mit »Wozu das alles?«. Ich schüttle den Kopf, bin über manche Sachen erbost oder wundere mich über die weit hergeholten Beispiele. Doch am Ende bleibt das Buch im Gedächtnis, und ich denke darüber nach. Zumindest hat der Autor das schon einmal erreicht.
Wobei ich gleich korrigieren muss. „Am Ende“ ist hier nur als Redewendung zu verstehen. Ich bin erst im ersten Kapitel, kurz vor dem zweiten. Das liegt an zwei konkreten Dingen. Zum einen lasse ich mir Zeit mit dem Buch. Es geht immerhin um den Sinn des Lebens und da soll man ja nicht unbedingt hudeln. Am Ende verpasst man noch etwas. Zum anderen liegt es allerdings auch an dem Aufbau des Buches. Denn nicht weniger als drei Einleitungen gönnt sich Christian Uhle, bevor er überhaupt im ersten Kapitel damit beginnt, den Unterschied zwischen Sinn und Zweck, Begründung und Erklärung zu erklären. Er verklausuliert es als Vorwort, Prolog und Einleitung. Trotzdem hätte ich eine längere Passage mit etwas besserer Unterteilung bevorzugt.
Unwichtig sind die drei Einleitungen allerdings nicht. Der Autor hätte sich aber die persönliche Anekdote, dass er schon als Teenager das erste Mal den Sinn des Lebens hinterfragt hat, sparen können. Wer hat sich diese Frage nicht schon als Teenager gestellt? Diese Einordnung fehlt mir. Zwar kommt diese in späteren Kapiteln, doch sie ist stets auch wertend. Es wird quasi nicht gestattet, den Sinn des Lebens als Laune heraus zu hinterfragen. Stets bringt Uhle es mit einer Art Sinn- oder Lebenskrise in Verbindung. Natürlich sind dies meist die tatsächlichen Auslöser. Doch ich würde behaupten, dass das „Warum“ des Fragens nicht so wichtig ist wie die tatsächliche Reise der Suche nach der Antwort. Überhaupt ist mir das Buch zu wertend. Der Alltag wird beispielsweise als sinnlos bezeichnet, ohne dass es vorher eine Einordnung gibt. Hier möchte ich auf den Vortrag »This is water« von David Foster Wallace verweisen, den ich schon des Öfteren besprochen habe.
Trotz aller Kritik, die ich mannigfaltig habe, halte ich das Buch weiterhin für interessant. Christian Uhle schreibt über Religion und wie er diese von seiner Suche nach einer Antwort ausklammert. Hier spart er es sich, wertend vorzugehen, sondern argumentiert sehr gut, warum Religion für ihn in dieser Frage keine Rolle spielt. Mir gefällt auch, wie er die Frage nach dem Sinn des Lebens an sich zerlegt. So gibt er verschiedene Kategorien an Antworten vor, die er später weiter aufdröseln will. Gibt es einen Sinn oder mehrere? Haben alle Menschen denselben oder gibt es unterschiedliche? Findet man den Sinn des Lebens oder schafft man sich ihn? Er geht auf die Bedeutung der Sinnfrage ein und darauf, warum wir uns die Frage überhaupt stellen.
Insofern stecken immer wieder tolle Ideen und Argumentationen dahinter. Über den Aufbau und Stil des Buches bin ich mir aber weiterhin nicht im Klaren. Mal verfällt Uhle zu sehr in einen Plaudermodus, der durchaus auflockernd sein kann, mal wiederholt er sich zu oft, was ebenfalls nicht pauschal schlecht sein muss. Ich bin sehr zwiegespalten. Aber wie ich eingangs erwähnt habe, muss man nicht immer mit der Meinung oder der Argumentation von anderen mitgehen. Solange es zum Nachdenken anregt und tolle Einblicke gibt, ist schon viel gewonnen. In ein paar Wochen, wenn ich die nächsten Kapitel durch habe, werde ich vielleicht erneut berichten.