Am Wochenende war ich mit Freund J. einen Tag in Wien. Anlass war das Musical »Maria Theresia« der Vereinigten Bühnen Wien. Fünf Jahre war das Musical in Entwicklung, bis es das Licht der Welt erblickte und nun regelmäßig vor einem ausverkauften Saal aufgeführt wird. Die Besetzung ist durchweg hochkarätig. Es war für mich die erste Aufführung einer VBW-Produktion, die ich im Ronacher sah. Ich wurde nicht enttäuscht. »Maria Theresia« ist bis jetzt eine der besten Bühnenperformances, die ich erleben durfte.
Ich wusste nicht genau, was mich erwarten würde. Natürlich habe ich mir vorher durchgelesen, was in den beiden Akten passiert, sodass man nicht ganz verwirrt ist von den ganzen Personen und Namen. Man kennt natürlich die Geschichte. Trotzdem kann es in einem Musical verwirrend sein, wenn man nicht alle Details der Songs mitbekommt und auf die Nuancen achtet. Doch darüber hätte ich mir keine Sorgen machen müssen. Die Aufführung ist bis ins letzte Detail durchdacht. Jeder Charakter hat ein eigenes Farbschema, was etwa die Kleidung anbelangt. So kann man jeden sehr einfach erkennen. Außerdem haben einige Charaktere eigene musikalische Themen, die ihre Ankunft ankündigen. Besonders das Thema von Friedrich II. von Preußen gefällt mir äußerst gut. Es hat etwas Düsteres und Aggressives. Ich würde es fast mit dem »Imperial March« vergleichen (Darth Vaders Thema aus Star Wars).
Die Songs und die Musik haben mich alle durchweg abgeholt. Es kommen immer wieder unterschiedliche musikalische Genres zum Einsatz oder werden durchmischt und erschaffen so eine einzigartige Erfahrung. Der Cast ist atemberaubend gut, und das, obwohl wir an diesem Nachmittag die Zweit- und teils Drittbesetzung sahen. Aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Es bringt mich eher dazu, dass ich irgendwann noch einmal eine Abendvorstellung besuchen und die anderen Castmitglieder sehen möchte. Jede und jeder auf der Bühne bekommt ihren oder seinen Augenblick im Rampenlicht. Sei es ein kleines Solo zwischendurch oder ein Ensembleauftritt, der einzelne Charaktere immer wieder ins Zentrum stellt. Selten ist es, dass mich eine Show so fesselt, wie »Maria Theresia«.
Historisch, soweit ich das beurteilen kann, orientiert sich das Musical an den geschichtlichen Ereignissen. Sie haben lange recherchiert, hatten eine historische Expertin für die Habsburger an ihrer Seite und gaben sich Mühe, alles so nahe an der Realität wie möglich darzustellen. Das merkt man dem Musical auch an. Selbst wenn die Musik und die Choreografie modern sind, wirkt stets das Klassische mit. Dazu trägt auch die Bühne an sich bei. Die Technik, die sich hinter der Bühne verbirgt, ist gewaltig. Mit einfachen Transformationen können sehr viele Locations und Zeiten dargestellt werden. Charaktere werden zueinander positioniert, sodass man ihre Hierarchie in der Szene versteht und um was es zwischen den Zeilen geht. Auf der anderen Seite werden mit vergleichsweise einfachen Mitteln gewaltige, einprägsame Bilder geschaffen, die ich so schnell nicht vergessen werde. Ein Genuss sondergleichen. Dazwischen gibt es Parkour-Einlagen, Auftritte im Publikum und Songs, die Ohrwurmpotential haben.
»Maria Theresia« ist ein absolutes Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Es zeigt die nicht immer unkritische Seite einer Frau, die so viel für Österreich geschaffen und erreicht hat. Reformen, die wir heute noch spüren und leben. Es feiert ihr Leben, ihr Schaffen, zeigt ihre Kämpfe und Herausforderungen, denen sie sich stellen musste. Es betont die Opfer von Maria Theresia, die notwendig waren, damit sie so regieren konnte, wie sie es tat. Eine Kaiserin, wie es Österreich danach nicht mehr hatte. Man möchte nach der Show noch mehr über sie wissen, noch mehr von ihr lesen und sich eingehender mit ihrer Person auseinandersetzen. Zumindest geht es mir so. Und wünscht sich, dass die Show länger gedauert hätte. Einfach großartig.
