Everything X-Men | Comic Book Events (1/2)

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen alten Text von mir an. Genauer gesagt einen Text, den ich im Rahmen des sogenannten Projektstudiums für mein Medienwissenschaftsstudium geschrieben habe. In diesem Projekt habe ich mich eingehend mit den X-Men-Comics beschäftigt. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute auf Deutsch präsentieren. Die initiale Übersetzung habe ich mit DeepL gemacht (inklusive der Zitate) und den Text anschließend redigiert.

Nachdem die letzten Male Texte zu »Avengers Disassembled« und »House of M« erschienen sind, geht es heute um Events im Allgemeinen. Wenn man nichts mit Comics zu tun hat oder sich noch nie eingehender mit dem Thema beschäftigt hat, sagt einem das wahrscheinlich nicht viel. Events sind aber ein großes Ding, zumindest bei Marvel und DC, und sind eigentlich Tradition. Es gibt sie immer wieder, mal größer, mal kleiner. Ihre Versprechen sind immer groß, aber ob sie das dann einhalten, ist eine ganz andere Frage. Im ersten Teil des Textes soll es heute um die Geschichte von Events gehen und um ein paar Beispiele. Wie schon bei den letzten Texten hätte ich mir aus heutiger Sicht gewünscht, das Thema noch detaillierter und eingehender behandelt zu haben. Aber erneut waren Zeit und Aufwand knapp bemessen. Dennoch ist es ein interessanter Einblick.


Als Letztes sind erschienen:


Warum gibt es in der Welt der Superhelden-Comics überhaupt Events? Nun, hauptsächlich wegen des Gewinns und der Akquise von neuen Leser*innen. Aber es muss doch mehr dahinterstecken, oder? Schauen wir uns das Thema etwas genauer an und versuchen, herauszufinden, was sie einzigartig und nachhaltig macht.

Warum gibt es in der Welt der Superhelden-Comics überhaupt Events? Nun, hauptsächlich wegen des Gewinns und der Akquise von neuen Leser*innen. Aber es muss doch mehr dahinterstecken, oder? Schauen wir uns das Thema etwas genauer an und versuchen, herauszufinden, was sie einzigartig und nachhaltig macht.

Sinnsuche

Ich klinge jetzt vielleicht wie ein mürrischer alter Mann, aber heutzutage finden überall Events statt. Zumindest was die Big Two der Branche (Marvel und DC) angeht. Ich habe das Gefühl, dass Marvel alle zwei Monate ein großes, das Universum erschütterndes Event veranstaltet und, wenn möglich, sogar mehrere Events gleichzeitig. DC geht etwas besser damit um (vielleicht), aber das ist eine sehr subjektive Einschätzung. Das ist einer der Gründe, warum ich so gerne Geschichten von Image, Boom und anderen Verlagen lese. Sie erzählen einfach gute Geschichten. Außerdem nummerieren diese Verlage nicht alle drei Jahre ihre Comics neu. Dabei geht es doch um gute Geschichten. Ich lese gerne Events, aber meistens nicht zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Sammelbände sind eine großartige Möglichkeit, ein Event gebündelt an einem Nachmittag zu lesen und trotzdem ein gutes Erlebnis damit zu haben.

Ich habe versucht, meine Erfahrungen mit den Ergebnissen meiner Recherchen zu kombinieren. Ich wollte herausfinden, welche Events erfolgreich waren. Warum manche funktionieren und andere nicht. Bevor wir aber dazu kommen, sprechen wir über den Zweck von Events. Die Funktion, die sie innerhalb ihrer Universen erfüllen.

Wie wir im Text über die Zeitalter von Comics besprochen haben, gibt es Superhelden, wie wir sie kennen und lieben, seit 1938 und der Entstehung von Superman. Es ist schön und gut, wenn Superhelden für Gerechtigkeit kämpfen. Daraus entstehen mitreißende Geschichten. Aber wirklich spaßig wird es, wenn man einige von ihnen zusammenbringt: Sie kämpfen gegen eine Bedrohung, die sie alleine nicht besiegen könnten. Sie stehen gemeinsam am Abgrund, starren in die Tiefe, kämpfen aber trotzdem weiter. Sie bringen Opfer für das Allgemeinwohl, für eine Zukunft, damit die Menschheit überleben kann und eine bessere Welt entsteht. Zumindest ist das der Traum. Aber es gibt Bedrohungen und Antagonisten, die man nicht einfach besiegen kann: Antagonisten, die den Abgrund kontrollieren und ihn umarmen. Und um zu gewinnen, muss ein Held/eine Heldin ihn ebenfalls umarmen. Man bewegt sich auf Messers Schneide. Es sind persönliche Bedrohungen, die es zu überwinden gilt. So etwas haben wir 2017 beim DC-Event »Metal« gesehen.

Andere Events verändern ganze Universen oder sogar Multiversen. Die Antagonist*innen fordern nicht nur einen Helden oder eine Heldin heraus. Sie bedrohen jedes Lebewesen. Sie hungern nach Planeten und Sternensystemen, zerstören die Realität, wie wir sie kennen, und formen sie nach ihrem eigenen Willen neu. Diese Events erfordern nicht nur ein Team von Superhelden. Sie müssen sich vielleicht mit ihren bisher größten Widersachern zusammenraufen, um der Bedrohung entgegentreten zu können.

Der Goldstandard

Meines Wissens war das erste „richtige“ Event »Crisis on Infinite Earths« von DC Comics. Zumindest war es das Erste, das diesen Namen verdiente und das immer noch als eines der am besten umgesetzten Events gilt. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels habe ich das Event (noch) nicht gelesen, werde es aber auf jeden Fall demnächst nachholen. Nehmen wir zum Beispiel eine Rezension von Goldstein. Er verrät zwar nichts über den Verlauf der darin vorkommenden Ereignisse, dennoch möchte man nach der Lektüre es sofort selbst lesen:

„‘Crisis on Infinite Earths‘ war nicht die erste Crisis im DCU, aber sie wurde zum prägenden Event in der langen Geschichte des Verlagsriesen. Crisis nahm 50 Jahre Kontinuität, fast ein halbes Dutzend verschiedene Universen und Hunderte Charaktere, presste sie alle zusammen und schuf daraus einen glänzenden neuen Spielplatz, der seit zwei Jahrzehnten besteht“ (Goldstein, 2006).

Jedes einzelne Event braucht einen Grund, zu existieren. Ohne diesen Grund hat man nur eine aufgeblähte Geschichte: etwas Vertrautes, das zu einer acht- oder sogar zwölfteiligen limitierten Serie mit einer Reihe von Tie-Ins aufgeblasen wurde, die niemand will. Am Ende steht eine Geschichte, die eigentlich niemand braucht. Denn am Ende eines Events sollte etwas anders sein. Es muss nichts Großes sein. Es kann so klein sein wie eine Sinnesänderung eines Charakters. Das Abenteuer, das er oder sie während der Geschichte erlebt hat, hat seine oder ihre Perspektive verändert. Oder es kann so groß sein wie ein neuer Status quo des gesamten Multiversums.

DC Comics »Crisis on Infinite Earths« war Letzteres. Marv Wolfman stellte sich einer unmöglichen Aufgabe: Er nahm die über 50-jährige Geschichte von DC mit all ihrem Ballast und ihren Inhalten und zerlegte sie, nur um sie wieder neu zusammenzusetzen. Er schuf eine Welt, die neue Leser_innen verstehen und alte Leser_innen schätzen konnten. Das Schlüsselwort dafür ist Kontinuität. Marvel und DC (sowie Valiant) haben jeweils ein zusammengehöriges, kontinuierliches Universum. Das bedeutet, dass jedes Abenteuer in derselben Welt oder zumindest im selben Multiversum stattfindet. Autor_innen, Redakteur_innen und Künstler*innen müssen dies berücksichtigen, wenn Charaktere sterben oder Orte zerstört werden. Oder, wie Friedenthal (2011) es in seinem Essay formuliert:

„Kontinuität in einem Comic-Superhelden-Universum ist die Meta-Erzählung, die aus der Summe aller Begegnungen, Beziehungen, Kämpfe, Geburten, Todesfälle und anderer Wendungen in der Handlung und Charakterisierung entsteht, die innerhalb dieses Universums stattgefunden haben.“